WARKINGS, VISIONS OF ATLANTIS und INDUCTION - Oberhausen
10.02.2026 | 21:1207.02.2026, Turbinenhalle 2
Piraten und Könige gemeinsam auf Tour.
Menschen in Kostümen und das Anfang Februar, ah, klar, Karneval! Nein, mitnichten – es sind drei Bands, die sich auf der PIRATES & KINGS-Tour befinden. Dabei wechselt sich VISIONS OF ATLANTIS mit den WARKINGS als Co-Headliner ab, wer als letztes auf die Bühne darf. Als Vorband hat man die aufstrebenden INDUCTION dabei. Powermetal-Herz, was willst du mehr?

Am 07.02.26 geht es nicht allein los, sondern zu Dritt - mit Stefan und Ralf - und im Gegensatz zur letzten Woche ist auch der Wettergott heute ein Metal-Fan und beglückt uns mit Sonne und knapp 10 Grad, was die Anreise und das Warten vor der Turbinenhalle 2 in Oberhausen sehr erträglich macht. Ein Dank auch an die netten Menschen um uns herum und die netten bis schrägen Gespräche. Ich sag nur Schmupfine. Wer sich wiedererkennt, darf gern kommentieren!
Mit 15 Minuten Verzögerung geht es um 18:15 Uhr in die Halle, die sich schnell gut gefüllt hat, so dass INDUCTION um kurz vor sieben bereits eine beachtliche Menge vor der Bühne begrüßen kann.
Anders, als ich es schon bei anderen Vorbands erlebt habe, ist die Stimmung vom ersten Ton an sehr gut, viele Menschen haben den Auftritt der Truppe um Tim Hansen, den Sohn von HELLOWEENs Kai Hansen, heiß erwartet, und sie werden nicht enttäuscht.
Im Gegensatz zum Auftritt im Vorprogramm von SAVATAGE im letzten Jahr, wo INDUCTION zwar gut, aber leicht fehlplatziert war, passt die Band heute als Anheizer wie die Faust aufs Auge.
Die Setliste besteht bis auf eine Ausnahme nur aus Liedern aus dem am Vortag erschienene neuen Album "Love Kills" und selbst wenn man berücksichtigt, dass das Set alle fünf Singles des neuen Albums beinhaltet, die Eier muss man auch erstmal haben, sich nur auf neues Material zu verlassen.
Gut, aufgrund der massiven Personalveränderung seit "Born From Fire" kann man schon fast von einem dritten Debüt für INDUCTION sprechen, auf dem der Sound sich etwas mehr in Richtung modernem Powermetal mit hohem Keyboard-Anteil gewandelt hat.
Auf Platte fast etwas zu viel vertreten, sind die Keyboardteppiche, die live natürlich eingespielt werden, tatsächlich nicht störend.
Im Mittelpunkt stehen jedoch die Gitarren vom finnischen 80er-Jahre-Lookalike Justus Sahlman und Tim Hansen.
Sänger Gabriele Gozzi steht seinen beiden Vorgängern an den Vocals in nichts nach und ich hoffe, dass INDUCTION mit ihm endgültig seine Stimme gefunden hat. Gesanglich makellos mit starken Frontman-Qualitäten ist er genau das, was man für diese Art von Musik braucht.
Der, laut Aussage von Tim Hansen, epischste Track, den INDUCTION bisher aufgenommen hat und den es nur auf dem physikalischen Tonträger zu hören gibt, kommt ebenfalls zu Live-Ehren: 'Gods Of Steel' ist, wie auf dem neuen Album, auch live ein Highlight des mit 35 Minuten etwas zu kurzen Auftritts, der mit dem einzigen Song vom Vorgänger-Album "Born From Fire", nämlich mit dem fantastischen 'Queen Of The Light' beendet wird.
Ich hätte gern noch zwei, drei Stücke aus den Vorgängern gehört, aber auch so hat INDUCTION gut abgeliefert.
Ich drücke die Daumen, dass mit dieser Besetzung, zu der noch Dominik Gusch am Bass und Maks Felber am Schlagzeug gehören, nun personelle Stabilität eingekehrt ist und der Weg weiter aufwärts geht.
Eine knappe halbe Stunde Umbaupause ist dafür, dass der Bühnenaufbau von VISIONS OF ATLANTIS recht aufwändig ist, recht kurz.
Das Licht geht aus und im Spot erscheint die wunderbare Clémentine Delauney und schlägt die Menge sofort mit ihrem Charisma und ihrer Stimme in ihren Bann. Clémentine ist seit bereits seit 2013 die weibliche Stimme der Band, neben ihr übernimmt der auch von TEMPERANCE bekannte Michele Guaitoli seit 2018 den männlichen Gesangspart.
Und ab hier ist VISIONS OF ATLANTIS tatsächlich so etwas wie ein Neustart geglückt. Mit maritimen Themen hat man vorher auch schon gespielt, mit den letzten beiden Alben setzt man nun voll auf die Piraten-Karte, was sich auch im Bühnenaufbau und den Outfits der Protagonisten niederschlägt. Neben den vollständig aus der Konserve kommenden Keyboards und Orchestrierungen ist das etwas, was vielen zu viel Theater sein könnte – aber hier passt es wie die Faust auf die Augenklappe.
Clémentine und Michele sind das Zentrum des Geschehens, die beiden sind perfekt aufeinander eingespielt und sind ständig in Bewegung, Clémi tanzt zum Rhythmus, lebt mit Gesten und Mimik, genau wie ihr männliches Gegenstück, jede Zeile der Songs.
Die stammen alle von den letzten drei Alben, hauptsächlich von "Pirates" und "Pirates II: Armada", nur 'Heroes Of The Dawn' stammt von Vorgänger "Wanderers", Micheles Einstand bei der Band. Verständlich, da dieses Album quasi das Debüt der aktuellen Inkarnation von VISIONS OF ATLANTIS darstellt, zu der noch Christian Douscha (Gitarre) und Herbert Gloss (Bass) gehören, die beide auch erst seit 2017 Teil der Band sind.
Beide bekommen auch ihre Zeit im Scheinwerferlicht, spielen sonst songdienlich und lassen ihren Frontleuten den Raum, den sie brauchen.
Nur Schlagzeuger Thomas Caser gehört noch zur Gründungsbesetzung von VISIONS OF ATLANTIS, ist seit den Anfängen im Jahr 2000 dabei und mit der Truppe durch Höhen und Tiefen, durch Krisen und Verlust gegangen. Heute erntet die Band die Früchte von langer, harter Arbeit. Auch hier hat sich, wie auch bei INDUCTION, eine Band nun mehrfach gehäutet und hat aktuell mehr Erfolg als jemals zuvor.
Mit Songs wie 'Land Of The Free', 'Heroes Of The Dawn' oder 'Tonight I'm Alive' kann man auch wenig falsch machen, wenn das Publikum auf melodischen, symphonischen Metal steht. Mit 'Hellfire' zeigt die Band, dass sie auch harte Brecher beherrscht. Viel zu früh, nach gut 75 Minuten geht mit 'Master The Hurricane' und dem genialen 'Melancholy Angels' ein Auftritt auf dem absoluten Stimmungshöhepunkt zu Ende. Fantastisch, megastark, gern mehr davon!
Licht an, Umbaupause die zweite. Der Bühnenaufbau der WARKINGS ist nicht so aufwändig die der des Co-Headliners, dessen umfangreiche Aufbauten nun dem recht schlichten Bühnenbild der untoten Kriegerkönige weichen müssen.
Als das Hallenlicht ausgeht, ertönt MANOWARs 'Warriors Of The World', das von den Fans auch bereits lauthals mitgesungen wird, bevor Hephaistos, der Gott des Feuers, der Vulkane und der Schmiedekunst die vier Helden ankündigt.
Die WARKINGS bestehen aus dem Spartan am Schlagzeug, dem Viking am Bass, dem Crusader an der Gitarre und werden vom Tribun angeführt, einem römischen Krieger, der ziemlich gutes Deutsch spricht und ohrenscheinlich auch einige Zeit von uns aus gesehen südlich der Alpen im heutigen Österreich stationiert war.
Von der ersten Sekunde an hat er "Oberushausus" im Griff. Stimmliche Unterstützung bekommt er im Laufe des Sets immer wieder von der Hexe Morgana Le Fay, aber erstmal gehört die Halle ihm allein.
Ab dem Opener 'Ghengis Khan', der vom aktuellen 2025er Album "Armageddon" stammt, steht die Halle Kopf und wie ein Mann – oder besser eine Legion – hinter dem Tribun und seinen Mannen.
Schon beim zweiten Song 'Maximus', bei dem es zum Debüt zurückgeht, ist der Gesang der Fans ohrenbetäubend. Bei 'Odin's Son' betritt Morgana zum ersten Mal die Bühne und packt ihre Röhre und ihre Growls aus, später im Set darf sie sich mit 'Circle Of The Witches' auch solo präsentieren.
'Hangman's Night' dürfte ein zukünftiger Klassiker werden. Überraschend das Cover von 'Life Is Life' von OPUS, wenig überraschend die letzten Songs 'Sparta' und 'Gladiator', bei denen Band und Fans nochmal alles geben.
Selbst die immer mal wieder zu hörenden Bässe der Techno-Party in der benachbarten großen Turbinenhalle können den Spaß nicht schmälern - im Gegenteil, inspirieren diese Töne den Viking doch zu einigen launigen Ansagen, dass wir lauter sein müssen als SCOOTER nebenan.
Wer, wie ich, die WARKINGS in den letzten Jahre mehrfach gesehen hat, stellt fest, dass sich viele Ansagen und Showelemente wiederholen, wie der Circlepit bei 'We Are The Fire', der Ritt einer Schildmaid aus dem Publikum auf einem Gummiring über die Hände der Fans oder der Auftritt eines sehr jungen Fans auf der Bühne.Heute ist es Lasse, der als Zukunft des Heavy Metal und Hoffnungsträger, dass der Schlager nicht gewinnt, ein paar Minuten im Scheinwerferlicht bekommt. Auf die Frage, ob er ANDREAS GABALIER kennt, schüttelt Lasse den Kopf, worauf der Tribun lakonisch mit "Du Glücklicher!" antwortet und laute Lacher erntet. Seinen minutenlangen Applaus und die "Lasse, Lasse"-Sprechchöre wird der Bub sicher im Leben nicht vergessen. Lasse, falls deine Eltern kein Video davon gemacht haben, melde dich bei mir oder der Redaktion - wir haben eins.
Mit Unterstützung von Mitgliedern von VISIONS OF ATLANTIS präsentiert man die Tour-Hymne 'Pirates & Kings', Gitarrist Christian Douscha sorgt für verdoppelte Saiten-Power und die Stimmen von Clémentine und Michele ergänzen sich mit denen von Morgana und dem Tribun, jeder erhält seine Solo-Zeilen und am Ende verschmelzen die Vier zu unglaublicher Power. Ganz starker Song, den es bisher auf keinen Album einer der beiden Bands zu hören gibt.
Die Krieger und ihre Hexe spielen sich durch Lieder aus allen fünf Alben und es ist faszinierend, wie viele Hits sich im Laufe der acht Jahre, die es die WARKINGS nun schon gibt, angesammelt haben. Knackige Hymnen schreiben muss man erstmal können und die WARKINGS haben schon eine ganze Menge davon. So langsam wird es schwer, die alle unterzubringen, wenn man auch noch eine Handvoll Songs des aktuellen Longplayers unterbringen will. Luxusprobleme, von denen andere nur träumen können.
Und ja, die die Band muss aus meiner Sicht aufpassen, dass sich das Konzept nicht zu schnell totläuft, da einiges an der Show der WARKINGS mittlerweile bekannt ist und die Überraschungen überschaubar sind, hier und jetzt und heute ist das alles absolut im grünen Bereich. Die knapp 80 Minuten sind an diesem Abend in Oberhausus (das -us nach Ober… spart der Tribun im Verlauf des Gigs ein) viel zu schnell und ohne eine Sekunde Langeweile vergangen. Als um 23:00 Uhr das Saallicht angeht, ist sicher niemand unzufrieden und man sieht überall glückliche, zufriedene Gesichter.
Ich werde auch beim nächsten Mal wieder da sein, um auf die Frage der WARKINGS "What is your profession?" ein lautes "AH-HU!" zu brüllen und werde Refrains von Knallern wie 'Warriors' oder 'Fight' lauthals und schief mitgrölen. Ja, das hat Spaß gemacht!
Text: Maik Englich
Photo Credit: Stefan Ripkens & Maik Englich
- Redakteur:
- Maik Englich





