Iron Maiden

Re: Iron Maiden

Beitragvon Feamorn » Sonntag 3. Oktober 2021, 22:51

Havoc hat geschrieben:
Feamorn hat geschrieben:...ich frage mich nur, ob da mittlerweile eine Bolt Thrower Situation erreicht ist, wo gesagt wird, dass ohne ein Mitglied, egal wen, die Band zu Ende ist, oder ob da der Drang des Weitermachens stärker ist, zumal da ja mittlerweile eben auch noch ein beachtliches Unternehmen hinten dran hängt.


Mhh. Ohne Harris ist sicher kaum vorstellbar oder?
Noch mal ohne Dickinson fände ich auch schwierig.
Alle anderen würden sie glaube ich schon irgendwie ersetzen können.

Aber klar...in dieser Kategorie gibt es da sicher einiges zu überlegen. Ist nicht so als wenn irgendeine kleine Band mal gerade so keine Lust mehr hat und aufhört. ;-)


Ja, klar, ich denke ohne Steve oder Bruce wäre tatsächlich ziemlich sicher Feierabend (Wobei, 100% nur bei Steve, schätze ich).
Aber ich hab eben auch keine Ahnung, wie da die Dynamik innerhalb der Band mittlerweile ist. Auch meine Aussage mit der Live-Situation und den Gitarristen muss man natürlich mit Vorsicht beachten, der Unfall von Jannick damals, als sie zu fünft weiter gemacht haben, ist ja nun auch schon ewig her. Habe jetzt nicht präsent, ob es was ähnliches nochmal gab.
Dazu muss man sehen, dass mittlerweile ja nun doch alle Bandmitglieder "ewig" bei der Band sind. (Ulkig, dass ich immernoch im Kopf Jannick manchmal als den "Neuesten" (bewusst nicht neuen ;)) sehe, obwohl der ja auch schon 31(!) Jahre dabei ist, quasi genau so viele Jahre in der Band wie Adrian und beide kaum weniger als Bruce in der Summe.
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Re: Iron Maiden

Beitragvon scumi » Sonntag 3. Oktober 2021, 23:08

Ich hoffe eigentlich immer, das eine Band den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören findet - und es nicht so lange macht, bis der Lack dann sichtlich abbröckelt. Viele schaffen das leider nicht und es ist wahrscheinlich auch gar nicht so einfach, das hinzubekommen.

Was mir bei Iron Maiden im Zuge der Album-Promo und -Veröffentlichung deutlich aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die Band als solche gar nicht mehr öffentlich in Erscheinung tritt. Fast alle Interviews führt Dickinson, von Adrian Smith gab es ein paar wenige Videos auf dem YouTube-Kanal der Band uns von Nicko McBrain sind immerhin ein paar Aussagen überliefert. Der Rest der Mannschaft ist komplett abgetaucht und in Musikvideos und Promo-Material ist von der "Band" auch nix zu sehen. Keine Ahnung, ob das was zu bedeuten hat aber faktisch ist Bruce Dickinson jetzt das alleinige Gesicht von Iron Maiden.
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Re: Iron Maiden

Beitragvon Havoc » Sonntag 3. Oktober 2021, 23:17

scumi hat geschrieben:Was mir bei Iron Maiden im Zuge der Album-Promo und -Veröffentlichung deutlich aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die Band als solche gar nicht mehr öffentlich in Erscheinung tritt. Fast alle Interviews führt Dickinson, von Adrian Smith gab es ein paar wenige Videos auf dem YouTube-Kanal der Band uns von Nicko McBrain sind immerhin ein paar Aussagen überliefert. Der Rest der Mannschaft ist komplett abgetaucht und in Musikvideos und Promo-Material ist von der "Band" auch nix zu sehen. Keine Ahnung, ob das was zu bedeuten hat aber faktisch ist Bruce Dickinson jetzt das alleinige Gesicht von Iron Maiden.


Oft hat man von so einer Band ja auch wahrscheinlich ein ganz falsches Bild oder will es auch romantisch halt so sehen. Oft ist es aber wohl so, dass die Protagonisten vielleicht kaum mehr etwas miteinander zu tun haben. Und selbst das Musiksschreiben läuft ja alles übers Netz. Da muss man ja nicht gemeinsam im Proberaum stehen.
Vielleicht haben sie es wie die SPD gemacht...mit Bruce einfach das Zugferd nach vorne gestellt und alle anderen versteckt, damit keiner was Falsches sagt. :grins:
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Re: Iron Maiden

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 5. Oktober 2021, 10:30

Iron Maiden – Senjutsu:

Ay, was hat die Vorabankündigung mit mir gemacht? Das ist schon krass, auf so einem Iron Maiden Trip war ich bis dato noch nie. Dabei ist es das vierte Album in Folge, dass ich mir am VÖ Tag gekauft habe. Ich weiß noch ganz genau, wie „A Matter Of Life And Death“ angekündigt wurde. Es waren damals die Sommerferien, bei der ich mir die Scheibe pünktlich um 9:00 Uhr im Müller gekauft habe. „The Final Frontier“ kam zwischen dem ersten und zweiten Urlaub (ebenfalls in den Sommerferien) raus. „The Book Of Souls“ kam wie „Senjutsu“ einen Tag vorher bei mir an. Ich hatte bei Senjutsu irgendwie von Anfang an ein gutes Gefühl. Woher das kommt? Ich weiß es nicht, vielleicht weil es nach sehr langer Zeit ein schönes Gefühl war sich auf etwas zu freuen. Die ganze Lage hat auch mich sehr geschlaucht und irgendwie war das ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Nun, ich finde es ja immer ganz entspannt wie Maiden ihre Neuigkeiten verkünden. Kein großartiges Tamtam weit über ein halbes Jahr zuvor. Eine kleine Spielerei mit den Coverartworks, ein neuer Song und ein paar Tage später die Albumankündigung. Anderthalb Monate warten und schon hat man das Album. Großartig!
Das Senjutsu eigentlich schon über 2 Jahre „alt“ ist, hat mich überrascht. Vor allem deshalb, weil sie es ja gut verbergen konnten und Maiden wohl doch schneller in die Pötte gekommen ist als gewohnt. Wäre da nicht etwas in quere gekommen.
Trotz der Vorfreude war ich dann aber auch etwas skeptisch, als es hieß, dass es wieder ein Doppelalbum wird. Etwas überrascht, dass das Coverkonzept der letzten Scheibe auch hier wieder angewendet wird. Ich vergesse tatsächlich immer wieder, dass die großartigen Bilder sich im Booklet verstecken. Und ja, ich habe gehofft, dass das Eddie-Konzept diesmal in die Samurai Richtung geht. Dass das passiert ist, ist aber natürlich mehr als Zufall. Die Bilder im inneren gefallen mir tatsächlich nochmal etwas besser als beim letzten. Ebenfalls war ich verwundert, dass keine Murray Credits zu finden sind.

Aber nun, ich habe keine 30 Runden hinter mir, dafür aber um die 20. Ein gutes Gefühl bestätigte sich bei mir nach relativ kurzer Zeit. Ich nehme Rüdigers Herangehensweise als Vorbild und gehe Song für Song durch:


1. Senjutsu:
Ungewöhnlicher Einstieg in ein Album. Sehr getragen, bedrohlich und doch auch melancholisch. Letzteres vor allem in Refrain. Die Gitarren und der Gesang dazu sind unfassbar gut.
Nicko setzt dem Song wunderbare Akzente mit dem wie von Rüdiger schon beschrieben, Percussions artigen Fellbearbeitung von Nicko. Zu Anfang fand ich den Song Gewöhnungsbedürftig. Aber der Song ist wirklich einer der größten grower auf dem Album. Wie die Band es schafft, einen so untypischen Song in die richtige Richtung zu lenken, finde ich beeindruckend. Akzentuiert, gut in Szene gesetzt, aufs wesentliche beschränkt und trotz der über 8 Minuten hat der Song genau die richtige Länge. Die Synths unterstreichen diese melancholische Stimmung wirklich sehr gut, weil sie eben sehr eingängig und aufs wesentliche reduziert sind. Nach ungefähr 5 Durchläufen bin ich warm mit dem Song geworden und hat mir das Gefühl gegeben, dass uns hier ein richtig, richtig gutes Werk vorgesetzt wurde.

9/10


2. Stratego:
Die zweite Singleauskopplung, bei der ich sogar stark geblieben bin und nicht vorab reingehört habe. Ich kam ums Verrecken nicht drauf an welchen Song mich „Stratego“ erinnert, bis dann einer draufgekommen ist: „Angry Again“.
Ja natürlich! In den Strophen ist das wirklich auffällig. Ich gehe noch nicht so steil auf das Lied. Dabei hat es schon seine Widerhaken, seine Hooks. Auch hier wieder die Synths, diesmal etwas herausstechender, aber immer noch im Hintergrund. Erinnert mich von der Machart her etwas an die Zeit zu „A Matter Of Life And Death“. Bruce, anders als beim Song zuvor, singt etwas höher, aber tatsächlich nur im Refrain. Das gefällt mir ganz gut.

8/10


3. The Writing On The Wall:
Wow! Oh mein Gott. Als der Song angekündigt worden ist und ich währenddem Kochen, gespannt 2 Stunden auf den Countdown gewartet habe, habe ich mich weniger aufs Kochen konzentrieren können. Das alle 10 Finger noch dran sind, gleicht einem Wunder. Aber ich war heiß, wie die geklärte Butter in der Pfanne an dem Abend. Und was soll ich sage? Für mich ein absoluter Volltreffer. Der Song hat sich sogar noch gesteigert. Dieser Southern Rock Touch erzeugt eine unfassbare Atmosphäre gleich zu Anfang. Ich war etwas verwundert und als dann die typischen Maiden Melodien einsetzen, war ich doch auch tatsächlich unfassbar überrascht, weil ich tatsächlich damit absolut nicht gerechnet habe. Der Song strotz vor Ideen, nimmt direkt danach wieder diesen Southern Touch und verbindet das sehr gut mit den typischen Maiden Trademarks. Einprägsamer Refrain und ein Adrian, den ich für sein Solo einfach nur umarmen möchte. Meine erste Ladung Schnitzel sind beim ersten Hör fast verbrannt. Aber wir sind eins geworden und die geklärte Butter hat im Takt mitgebrutzelt und ich habe Freudentänze veranstaltet. Dadadadadaadadaadadada. Einwandfrei! Schmakofatz, beides!

10/10


4. Lost In A Lost World:
Erster Harris-Stand-Alone Song. Der Song hat wieder diese melancholische Stimmung zu Anfang. Wird im weiteren Verlauf wieder von Synths begleitet. Bruce Stimme sehr transparent, obwohl dieser Effekt drauf ist. Jedenfalls klingt der Gesang hier etwas transparenter als zuvor und danach. Und auch hier wieder sehr melancholisch. Erinnert hin und wieder an Parts aus einem Song auf dem „The Final Frontier“ Album. Vielleicht sogar der typischste Maiden Song auf dem Album. Also ein typischer Harris Song. Sowohl die Soli als auch das Schlagzeug erinnern etwas an diese Phase. Meine anfängliche Euphorie ist etwas abgeflacht. „Lost In A Lost World“ ist ein durchaus guter Song, da es aber so viele unfassbare großartige Momente auf diesem Album gibt, mit wirklich starken Ideen sticht der Song etwas weniger hervor. Wenn ich das im Vergleich sehe, was da noch kommen mag.

Anmerkung zu Rüdigers Beitrag:
Hat mich tatsächlich gewundert, dass dir dieser Song so wahnsinnig gut gefällt. Aber ich konnte deine Einschätzung, so wie du es unterteilt hast, sehr nachfühlen. Im Endeffekt haben wir da die gleiche Meinung zu. Ich war deshalb auch so überrascht, weil mich die Rhythmus Sektion und die Gitarrenmelodien an vertracktere Songs erinnert haben, die es zwei Alben zuvor schon gab, welches du ja bekanntlich so gar nicht (?) magst. Ich habe dann aber auch die Erkenntnis gewonnen, hier auch etwas „Afraid…“, oder „No Prayer…“ herauszuhören. Was ganz schön schlüssig ist. Weil sich alle Gedanken zusammenführen lassen.


7,5/10


5. Days Of Future Past:
Highlight! Punkt! Die Smith/Dickinson Songs munden mir wie man vielleicht merkt. Knackiger Song. Hätte ich mir fast als zweite Single gewünscht. Aber ich habe ja eh nicht reingehört. Von dem her dann auch egal. Macht unfassbaren Bock und wird immer auf volle Lautstärke gehört. Der fließende Übergang in den Refrain, macht mich wahnsinnig vor Glück. Das ist so stark, flüssig dargeboten und vor allem auch wieder schlüssig. Zumindest hier wurde mir bewusst, was für ein Händchen die Band für dieses Album hatten. Den Song finde ich im Übrigen auch wesentlich knackiger als das eh schon knackige „Stratego“. Ich bekomme da echt immer gute Laune! Und deshalb gibt es hier eine glatte

10/10.


6. The Time Machine:
Fährt wieder in die melancholische Richtung des Albums. Auch hier habe ich wieder „The Final Frontier“ Vibes. Es kann aber auch nur am Klang der Gitarren klingen, die mich daran erinnern lassen. Ich glaube kaum, dass das Album in den Fokus für diese Scheibe gerückt ist. Obwohl, wenn ich das von Rüdiger lese, kann das auch an der Rhythmik liegen. Die wohl in Richtung „Starblind“ geht oder aktueller: „Lost In A Lost World“. Muss ich noch öfters hören, um das zu bestätigen. Ansonsten bleibt mir zu sagen, dass der Song wahrlich nicht der zugänglichste des Albums ist. Harris/Gers Songs haben aber immer irgendwie etwas vertracktes inne, wenn man von den längeren Songs ausgeht. Mal mehr, mal weniger gelungen. Hier habe ich gerade aber das Gefühl, dass es wohl eher in der Mitte liegt.

Anmerkung zu Rüdigers Beitrag:

Ich gebe dir hier recht. Es wirkt weniger Flüssig im Aufbau und der Struktur. Ich steig da zwar nicht aus. Ich finde ihn aber auch weniger zwingender als die anderen Songs. Geht für mich aber auch in die Richtung von Song Nummer 4. Vergleiche habe ich ja gezogen. Wenn ich direkt sein muss, dann würde ich sagen, ist „The Time Machine“ für mich der am wenigsten gelungene Song des Albums. Das hat die Band meiner Meinung nach tatsächlich schon besser hinbekommen.


7,5/10


7. Darkest Hour:
Noch ein absolutes Highlight. Die Gitarrenmelodie am Anfang, finde ich so unfassbar ergreifend und schön dargeboten, dass es mir fast die Tränen in die Augen getrieben hat. Dazu die Meeresgeräusche im Hintergrund, der gefühlvolle Gesang von Bruce. Ja, irgendwie packt mich das ganz schön. Patriotischer Text ist mir hier ehrlich gesagt echt wurscht. Das ist total packend vorgetragen und mit der stärkste Song der letzten 21 Jahre. Irgendwie fängt der Song gefühlstechnisch (und ich rede nur von der Intonierung) die letzten anderthalb Jahre für mich ein und lässt mich auch echt mal runterfahren. Ich fahre da auch komplett runter und lausche andächtig der tollen Klänge.

Anmerkung zu Rüdigers Beitrag:

Hier liegen wohl die größten Gemeinsamkeiten in unserer Meinung zu dem Album bzw. zu den Songs. Auch wenn ich tatsächlich nicht anders kann als:


10/10 zu vergeben


8. Death Of The Celts:
Und da beginnt die Reise durch die Harris Epen. Oh ja, man wird an „The Clansman“ erinnert. Bruce singt unfassbar tief. War er jemals näher an Blaze dran als hier? Was mir aber direkt beim ersten Hören in den Kopf geschossen kam, wie geil es doch gewesen wäre, hätte man daraus ein Duett gemacht mit Blaze. Wunderbare Vorstellung, wie ich finde. Live könnte man das ja vielleicht sogar tatsächlich bringen. Ich mag das Intro sehr gerne und finde ich auch um einiges gelungener als die des letzten Albums. Einfach ideenreicher, besser vorgetragen, zwingendere Melodien.

Von meiner Seite gibt es hier eine starke:
8,5/10


9. The Parchement:
Ein Song der nur so von Rhythmik strotzt. Die Übergänge wieder unfassbar fließend. Mögen andere anders sehen. Aber auch hier finde ich es einfach wieder um einiges ineinandergreifender. Der Part ab Minute 3:30 finde ich absolut genial. Für mich nochmals eine deutliche Steigerung zu Song Nummer 8. Auch hier wieder sehr bedrohlich, orientalisch bedrohlich, eher in Richtung „Senjutsu, als zu der keltischen Bedrohung. Den ganzen Soli Einlagen könnte ich stundenlang zuhören. Und wenn Nicko ein Fill setzt, bin ich wirklich begeistert von der Herangehensweise.

Anmerkung zu Rüdigers Beitrag:
Deine Herangehensweise vor allem die langen Songs zu beschreiben ist wirklich super. Die Songs so aufzubröseln und strukturell die Kritik bzw. das Gefallen an etwas festzumachen, spricht mich wirklich an. So kann man einiges einfach sehr gut nachvollziehen.
Das die toten Kelten dir besser gefallen, verstehe ich auch hier. Durch meinen Background bin ich dann wohl eher näher an orientalische Klänge gelegen, haha. Ich finde aber hier im Gegensatz zu dir den Instrumentalblock echt super umgesetzt. Dieses Variieren zündet bei mir wirklich gut und bringt in den Song Abwechslung rein, weswegen mir die 13 Minuten auch nicht vorkommen wie eben jene.

Von mir gibt’s aber eine kleine Steigerung:

9/10


10. Hell On Earth:
Eine weitere Steigung und ich hätte das tatsächlich in keinster Weise vermutet, dass drei Harris Epen am Ende für mich so unfassbar gut funktionieren. Ich hatte auch bedenken, ob das nicht zu viel des Guten ist. Aber nein, für mich funktioniert das wunderbar. Hier werden immer wiederkehrende Melodien immer wieder etwas anders aufgegriffen und dargeboten. Dass dieser Song auch so gut funktioniert, liegt nämlich auch am Gesang von Bruce. Diesen finde ich nämlich mit am abwechslungsreichsten hier. Wie aggressiv und rotzig Bruce den Part „Love in anger, life in danger“ rüberbringt, ist atemberaubend meiner Meinung nach. So hätte ich Bruce gerne auf „Fear Of The Dark“ gehört (also dem Album, nicht dem Song), bei der mir sein Gesang ja bekanntlich an vielen Stellen einfach zu affektiert rüberkommt. Der Groove, der dann hinzukommt, macht den Song so viel Fülliger. Es ist eine wahre Freude. Oder wenn Bruce ansetzt zu „I wish I could go back, will never be the same again. Bled for all upon this hell on earth“. I fucking love it. Diese kontrollierte Hektik so viele Wörter in kurzer Zeit reinzupacken und trotzdem einen Melodiebogen spannen zu können. Heidewitzka, das bläst mich um. Nur von den Gesangsspuren her, erinnert mich das tatsächlich auch an etwas ältere Maiden.

Und auch hier sind die Übergänge schier gar unglaublich umgesetzt. Der Refrain bereitet mir ein fettes grinsen ins Gesicht. So kommt einem der Song auch viel kürzer vor als die wirklichen 11 Minuten, die der Song innehat.

9,5/10

Was gibt es zum Abschluss zu sagen? Nun, ich glaube wir haben es hier mit einem der abwechslungsreichsten Album der Band zu tun, bei dem das Songwriting einfach so viel besser umgesetzt ist und hiermit gilt dann auch für mich, dass „Senjutsu“ wirklich das beste Album seit der Reunion ist. Bruce setzt mit seinem Gesang andere Akzente, eine andere Gewichtung, einen anderen Fokus. Wenn ich das Album höre, habe ich ein etwas anderes Denken gegenüber früheren Alben. Es ist unfassbar wieviel neue Erkenntnisse ich mit dem neuen Album erfahren habe. So versteh ich zum Beispiel besser, was viele damit meinen, wenn sie den Gesang auf z.B. „The Final Frontier“ nicht mögen. Beim Hören des Albums, finde ich es einfach gelungen, wie Bruce seine Stimme in Szene setzt. Da hat die Band wohl verstanden, wie mit einer älter werdenden Stimme umzugehen ist und wurde hiermit echt gut gelöst. Klar, gibt es ein paar Stellen, an denen die Grenzen angekratzt werden. Aber es wird hier absolut mit einem anderen Maß komponiert. Dazu dann Nickos unglaubliches können am Schlagzeug. Die Soli zu diesem Album finde ich durchwegs gelungen, weil sie eben nur so vor Spielfreude strotzen. Anders als bei so manch anderen Songs der letzten Alben hat man hier das Gefühl etwas losgelöster an die Songs herangegangen zu sein. Als hätte man halt ordentlich spaß inne Backen. Allen voran muss ich hier einfach nochmal „The Writing On The Wall“ erwähnen. Hier macht es die Mischung. Ich finde das Album sehr abwechslungsreicher. Weniger kopflastiger und ja, obwohl es die die 3 Harris Epen am Ende gibt. Es klingt weniger „auf Teufel komm raus“ als zum Beispiel auf dem letzten Album, obwohl es ja auch einige Songs gibt, die mir wunderbar gefallen. Aber es ist von der Herangehensweise einfach mit so viel Spielwitz und -freude versehen, soviel spontaner, soviel lockerer. Das merkt man meiner Meinung nach auch vor allem in den letzten 3 Songs. Ich war zunächst sehr skeptisch, ob das nicht zu viel des Guten sei, gleich 3 lange Harris Songs ans Ende zu setzen. Aber es passt. Ich freu mich von Song zu Song auf den nächsten. Und die Steigerung der letzten 3 Songs ist ja nicht nur an den Noten erkennbar.

Zusammengefasst in der Notenvergabe sieht das ganze dann so aus

01. Senjutsu 9/10
02. Stratego 8/10
03. The Writing On The Wall 10/10
04. Lost In A Lost World 7,5/10
05. Days Of Future Past 10/10
06. The Time Machine 7,5/10
07. Darkest Hour 10/10
08. Death Of The Celts 8,5/10
09. The Parchement 9/10
10. Hell On Earth 9,5/10

Somit wäre ich bei einer Gesamtwertung von 8,9.
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Re: Iron Maiden

Beitragvon Loomis » Dienstag 5. Oktober 2021, 11:56

Tolles Review! :dafuer:
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Re: Iron Maiden

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 5. Oktober 2021, 15:15

Loomis hat geschrieben:Tolles Review! :dafuer:


Sehe ich jetzt erst. Dankeschön.
Wirst du deine Meinung auch noch dazu schreiben? Also in der Form. Ich fände das spannend :)
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Re: Iron Maiden

Beitragvon Loomis » Dienstag 5. Oktober 2021, 16:17

Mal sehen, ob ich dazu komme. ;-)

Meinst Du eigentlich "Angry Again" von Megadeth? Wo hörst Du da Gemeinsamkeiten mit Stratego? Will mir jetzt (noch?) nicht so auffallen...
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Re: Iron Maiden

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 5. Oktober 2021, 16:23

Loomis hat geschrieben:Mal sehen, ob ich dazu komme. ;-)

Meinst Du eigentlich "Angry Again" von Megadeth? Wo hörst Du da Gemeinsamkeiten mit Stratego? Will mir jetzt (noch?) nicht so auffallen...


Ja, den meine ich. Strophe aus "Stratego" mit dem Chorus von "Angry Again". Hier gehts übrigens um die Gesangsmelodie, nicht um Gitarren.
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Re: Iron Maiden

Beitragvon Loomis » Dienstag 5. Oktober 2021, 16:29

Pillamyd hat geschrieben:
Loomis hat geschrieben:Mal sehen, ob ich dazu komme. ;-)

Meinst Du eigentlich "Angry Again" von Megadeth? Wo hörst Du da Gemeinsamkeiten mit Stratego? Will mir jetzt (noch?) nicht so auffallen...


Ja, den meine ich. Strophe aus "Stratego" mit dem Chorus von "Angry Again". Hier gehts übrigens um die Gesangsmelodie, nicht um Gitarren.

OK, stimmt, da ist ne Ähnlichkeit da!
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Re: Iron Maiden

Beitragvon Rüdiger Stehle » Dienstag 5. Oktober 2021, 16:40

@ Pillamyd:

Danke für das tolle Review und die zahlreichen Bezugnahmen auf meine Ausführungen. Das ist spannend, bin grad bloß ein wenig im Stress und muss das nochmal in Ruhe mit mehr Zeit lesen, dann werde ich nochmal etwas mehr dazu sagen.


@ Loomis:

Go for review!
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