Dr. Best hat geschrieben:Nein? Dann verstehe ich obiges Zitat nämlich nicht. Du sagst, dass IGR objektiv nicht besser als WOTW sei, weil WOTW so vielen gefällt. Damit ist doch aber Gefallen = Qualität, oder nicht? Und Chart-Schlager gefällt augenscheinlich sehr vielen Leuten, dann muss es danach gewertet gut sein.
Richtig. Du verstehst das Zitat nicht. Ich sage mit keinem Wort, dass IGR objektiv nicht besser als WOTW sei, weil WOTW
so vielen gefällt, sondern weil es vermutlich
mindestens einen Menschen auf der Welt geben wird, der WOTW besser finden wird als IGR. Sobald es einen einzigen Menschen gibt, der IGR nicht besser als WOTW findet, ist IGR nicht mehr objektiv besser als WOTW, sondern nur aus der subjektiven Sicht jener, die diese Meinung vertreten. Völlig egal ob Minderheit oder Mehrheit. Es ist eine Behauptung, die keinem Wahrheitsbeweis zugänglich ist, und die somit nicht objektivierbar ist.
Was du in meine Aussage hinein liest, ist eine von Grund auf falsche Schlussfolgerung, die in meiner Aussage noch nicht einmal eine Andeutung findet. Ich sage, dass es keinen objektiven Wert für Kunst und deren Güte gibt, sondern einzig und allein die subjektive Wahrnehmung des jeweiligen Adressaten. Jedes einzelnen Adressaten für sich. Ob etwas vielen oder wenigen gefällt ist dabei keine relevante Größe, sondern einzig und allein, ob es demjenigen gefällt, der in diesem Moment die Note abgibt. Für jeden von uns gibt es eine einzige richtige Note für das jeweilige Beurteilungsobjekt. Meine Note ist nur für mich richtig und gültig, und sie hat nur für denjenigen auch nur den Hauch einer Aussagekraft, der meinen Geschmack einschätzen kann. Wer das nicht kann, braucht meiner Note keinerlei Wert beimessen, denn sie hat für ihn keinen Wert.
Wenn der Chart-Schlager vermeintlich vielen Leuten gefällt, dann ist er für diese vermeintlich vielen Leute halt eine Acht, Neun oder Zehn, und für mich vielleicht eine Zwei, Drei oder Vier. Was andere von einem Lied halten, hat für meine Note keinerlei Relevanz. Allerdings hat es für meine Rezension eine Relevanz, weil ich eine Rezension so verstehe, dass sie auch der Einordnung des Werkes im Bandkontext und in der öffentlichen Wahrnehmung, sowie der Empfehlung für eine von mir angenommene Zielgruppe dienen soll. Die Rezension soll sich bemühen, ein Werk unter allen interessanten und relevanten Blickwinkeln zu beleuchten, die ich aufzeigen kann. All dies hat jedoch keinerlei Einfluss auf die Note. Die Note ist der pure und reine Subjektivismus der Kunstkritik. Im Endeffekt eine völlige Belanglosigkeit. Ein Gimmick für Zahlenfetischisten und eine Groborietierung auf einen Blick für Leute, die mich kennen oder zumindest vom Schreiben her einschätzen können.
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38