von Frozen » Montag 9. März 2015, 15:01
*ausgrab*
Die Neue läuft, ist tatsächlich wieder ein etwas anderer Stil, öfter dunkel und atmosphärisch wie es sich zum Teil schon auf der "Death by Fire" ankündigte, oft etwas grooviger in den Gitarren und wie immer sehr Variantenreich und mehrheitlich schnell. Auch das vierte Album muss sich in der Diskographie nicht verstecken, Enforcer setzen auf ein bewährtes Rezept und würzen es nach aktuellem Gutdünken, genau darum treffen sie Speed-, Riff- und Melodiefanatiker wie mich genau auf die Zwölf.
Ich muss aber ein paar Häärchen spalten. Zuerst die Refrains. Die Hälfte davon ist nicht mehr, als der Songtitel. Sowas hatten wir schon früher, z.B bei "Live for the Night". Das mag nicht schlecht sein, aber es fehlt der wirkliche Höhepunkt den der Refrain darstellen soll. So wirken dann Songs wie "Destroyer" oder "From Beyond" genau dort etwas eintönig, nachdem der Rest sehr stark war, gerade für mich, der ich Rhythmustriolen mag. Da ist dann doch das etwas aussergewöhnliche "Undying Evil" ein Paradebeispiel wie es geht. Absoluter Ohrwurm.
Und zum zweiten habe ich regelmässig das Gefühl: Da war mehr drin! Ich versuchte die Erwartungen tief zu halten. Erwarte etwas auf dem Niveau "Death by Fire", aber erwarte kein zweites "Walk with Me" drauf. Doch da hat es Songs, die genau das Potential dazu haben! "Farewell", "Mask of Red Death" oder vor allem "Below the Slumber" sind überragende Songs, denen einfach der letzte Biss teils fehlt. Bei Farewell kann man noch ein Stück weit in Richtung "Ballade" argumentieren, bei "Mask of Red Death" ist es fehlendes Tempo (dafür sehr starkes Riffing). Schwieriger wirds bei "Slumber". Ich kann nachvollziehen, dass man clean einsteigt, auch dass man nach dem langen Solopart eine art Bridge damit einbaut, aber spätestens nach dem ersten, aufdrehenden Chorus muss diese Power gehalten werden, sonst wird man mitten im Ohrgasmus gebremst. Der Song ist extrem stark, aber es fehlt etwas... Ja, das ist in der Tat Haarspalterei, wir reden vom Unterschied zwischen exzellent und überragend, aber gerade weil ich es öfter spüre, finde ich, dass nicht das Letzte aus den Songs rausgeholt wurde.
Positiv ist anzumerken, dass Speedkracher wie "One with Fire" oder "Destroyer" absolut treffen (sogar mit minimen Chorusabzügen, man hat ja eben schon vorher gesehen, dass das bei Enforcer kaum etwas ausmacht), und die Soli sind vortrefflich, packend und vor allem sehr ausschweifend. Instrumental sind die Jungs ganz, ganz grosse Klasse, ich freue mich auf die kommende Tour.
Eigentlich ein riesiges Kompliment für eine Band, wenn die schlimmste Kritik, die ich finden kann, ist, dass der absolute Überhit, den sie schon geschrieben haben, mehrfach nicht ganz erreicht wird, aber nachezu... Es ist kein Ausfall drauf, jeder Song ist mindestens Solide, wie gesagt, ich finde es nicht schwächer als der Vorgänger oder "Into the Night", in der Gesamtheit könnte es sogar an "Diamonds" rankommen, ich bin gespannt wie sie sich weiter entfaltet.
Top 5 Jahr 20151. ENFORCER - From Beyond
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3. ARMORED SAINT - Win Hands Down
4. SATAN - Atom by Atom
5. HORACLE - Dead Eyes Revelations
MEINE SAMMLUNGCurrent Taste: Traditional Heavy Metal