Al Namrood

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Beitragvon Eike » Mittwoch 1. Juli 2020, 12:43

Black Metal aus Saudi-Arabien ist nicht nur selten, sondern für die Protagonisten auch gefährlich. Und das betrifft nicht bloß rückwärtsgewandte Verherrlichung prä-islamischer Kulte, wie man beim Lesen der älteren Rezension auf Powermetal.de noch naiv vermuten könnte, sondern auch jegliche Anflüge von Aufklärung und Moderne, die sich nicht bedingungslos dem Islamismus - und wichtiger noch: Absolutismus - des Herrscherhauses unterordnen. Ein Interview in der taz zeigt denn auch auf, wie weit die Verfolgung immer noch geht, trotz eines propagandistischen "Lockerungs"-Anstrichs des autokratisch-totalitären Regimes, wie dessen Stoßrichtung sich nicht bloß gegen religiöse Abweichler, sondern allgemein gegen Humanismus oder gar Kritik an der Monarchie richtet. Denn zumindest laut Interview geht es mit dem neuen Album im Bandgefüge eher offen gesellschaftskritisch denn dogmatisch heidnisch zu.
Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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Eike
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Re: Al Namrood

Beitragvon Eike » Donnerstag 13. Juni 2024, 14:34

Auf diese Band hat mich Onefluffygirl gestoßen. Heute habe ich nach Ewigkeiten mal wieder deren etwas älteres Album "Enkar" gelauscht: Old-School-Black-Metal mit gewaltiger Heavy/Thrash-Schlagseite, für mich also deutlich geiler als die komplette 2. Welle BM. Hinzu kommt ein arabische Element, das mich erst recht im Sack hat. Sonst eher räudig-punkig mit Hardcoregrooves, die aber nie nach stumpfem Groove Metal oder modernem Metalcore klingen, sondern dynamischen Drive aufweisen, der wie eine Speedmetalvariante von Stonerrock bis ganz, ganz frühen THERAPY? mit ihrem Techno/Industrial-artigen, manischen Raserei-Drive klingen. Eine gewisse, bloß homöopathisch dosierte Highspeeddoomdüsternis (eben jener latente black'n'rollige "Stonersound" - mangels besseren Vokabular) erinnert zudem auch an HELHAMMER/CELTIC FROST, ansonsten eben auch an VENOM-artiges Gerumpel, plus dann eben doch die getriebene Intensität von Zweitwellenblackmetal. Also: Äußerst starke heavy Düsternis plus groovig bis speedig schwarzprügelnder Rage-Modus mit wohldosierten, teils eher subtilen, dabei teils sogar okkult-psychedelisch finster anmutenden arabesken Schlenkern, dazu fies-gallige Hardcorepunkvocals. Macht echt Laune, da extrem eingängig, aber nie generisch beliebig oder gar zu stumpf, erdig/sandig dreckiger aber nicht zu verrauschter Sound, dazu immer mal wieder melodisch interessant ohne dabei jemals an rhythmischer Getriebenheit zu verlieren. Ich hoffe, die gegenwärtige Begeisterung hält an.
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