|
|
von Rüdiger Stehle » Samstag 24. August 2013, 11:45
"Now, Diabolical"April 2006, Roadrunner / Kaleidoscope Mit dem Sechstling näherten wir uns anno 2006 langsam der Schwelle, an der ich mir nicht mehr sicher war, ob ich es hier noch mit der Band zu tun hatte, die ich seit damals bereits 12 Jahren verehrt habe. Nachdem ich bereits mit "Rebel Extravaganza" und "Volcano" anfängliche Schwierigkeiten hatte, die sich dann durch die bestechende Qualität des Songwritings und die Vielseitigkeit und Intensität der Alben in Luft auflösten, stand ich "Now, Diabolical" bis heute etwas unentschlossen gegenüber. Auch wenn sie heute nach ein paar Jahren Abstinenz wieder läuft, hat die Scheibe zunächst noch Licht und Schatten, und ich bin mir nicht sicher, was überwiegt. Auf der Habenseite gibt es definitiv Satyrs noch immer genialen, charismatischen und intensiven Gesang zu verbuchen. Eine großartige, wuchtige, kalte, aber nicht tote oder sterile Produktion, und sehr eingängige, teils wirklich mitreißende Songs. Doch dann kommen wir zum Knackpunkt: Wo "Volcano" ein dunkel schillerndes Kaleidoskop mit allerlei völlig verschiedenen Stücken und kompositorischen Ansätzen war, da mag man bei "Now, Diabolical" wohl den oberflächlichen Eindruck haben, dass die Band allein den Treibstoff für den Hass aus dem Vulkan gefischt und ihr nächstes Album rund um 'Fuel For Hatred' aufgebaut hat. Das eröffnende Titelstück und vor allem das folgende 'K.I.N.G.', aber auch einige weitere Stücke atmen kalten, leicht sterilen, aber trotzdem mitreißenden Black'n'Roll, wie ihn 'Fuel For Hatred' vorgelebt hat, und wie er in jenen Tagen auch bei DARKTHRONE und KHOLD Einzug hielt. Ein kleiner norwegischer Trend, dem sich auch SATYRICON nicht verschloss. Oder lebte ihn die Band gar vor? Schwer zu sagen! Allerdings wäre es auch unfair, "Now, Diabolical" allein auf dieses Element zu reduzieren, da auch völlig anders gelagerte Stück hiervon abweichende Stilelemente nutzen und andere Stimmungen bedienen. 'A New Enemy' ist mit seiner entrückteren, spacigen Aura und der wilden Perkussion hierfür ein ganz gutes Beispiel. Das tolle 'The Pentagram Burns' hat bei den Leads ein wenig "Seasons"-SLAYER abbekommen, und auch das doomig-frostig walzende 'The Rite Of Our Cross' geht gänzlich eigene Wege. 'The Darkness Shall Be Eternal' weist erzählerische Elemente auf, bei 'Delirium' begegnen sich psychedlische und thrashige Momente, und beim abschließenden 'To The Mountains' geht es wieder einmal epischer und doomiger zu, ohne dass der Song die Intensität von 'Black Lava' erreichen würde. Dennoch ein tolles Finale, das vor allem durch die walzenden Drums und das stoische Riffing, aber auch durch die wirklich mächtigen Bläsereinlagen glänzt. Ja, "Now, Diabolical" ist im Endeffekt deutlich abwechslungsreicher und damit deutlich besser, als es sich in meiner Erinnerung verankert hatte. Es wirkt zwar ein wenig "irdischer" und weniger grimmig als seine Vorgänger, aber die Handschrift ist und bleibt unverkennbar. Sehr stark, aber in Endeffekt doch einen Tick schwächer als alle Alben, die davor kamen.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
-

Rüdiger Stehle
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 35341
- Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
- Wohnort: Schwabenland
-
von Havoc » Samstag 24. August 2013, 12:08
Das kann ich so wohl alles abzeichnen! Ich finde natürlich auch "Volcano" deutlich stärker, aber auch dieses rockige Album hat durchaus seinen Reiz. Und im Endeffekt denke ich, dass es auch durch das folgende sehr ähnliche Album im Nachhinein etwas abgewertet wird. Wäre direkt danach etwas völlig anderes gekommen, dann würde man "Now, Diabolical" wohl immer als das etwas andere coole Rockalbum in Erinnerung behalten, während sich die Band durch "The Age Of Nero" quasi zu weit in eine Ecke bewegt hat und das Album nun nicht mehr alleine als etwas Besonderes dasteht. Klingt das irgendwie logisch? Einer meiner Lieblingssongs bei den letzten Durchgängen war übrigens "Delirium". Der klingt auch irgendwie nach Delirium. 
-

Havoc
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 23763
- Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 12:10
von Rüdiger Stehle » Samstag 24. August 2013, 12:36
Ja, da hast du absolut recht. Für viele Fans und Kritiker sind "Diabolical" und "Nero" ein Zwillingspärchen, das man nicht sauber trennt. Dabei geht dann oft die Erkenntnis verloren, dass zum einen der Entwicklungsschritt zwischen "Volcano" und "Diabolical" nicht größer oder kleiner war, als zwischen den Alben davor, und vor allem, dass sich diese so empfundene kompositorische Abwechslungsarmut erst aus der Zusammenschau der letzten beiden Alben ergibt. Da muss man, wenn man ehrlich ist, den "Pedro Nero" doch allein der "Nero" zuschieben, wo letztlich ganz offensichtlich auch die Band selbst die Sackgasse erkannt hat. Trotzdem denke ich, dass auch die "Nero" besser ist als ihr Ruf. Aber das werde ich dann in Kürze nochmal in Ruhe überdenken, während das Album im Wohnzimmer läuft. Hatte es die letzten Tage schon wiederholt im Player, und schlecht sind die Songs natürlich nicht. Gehen alle gut ab und sind richtig prägnant und eingängig. Aber eben relativ vorhersehbar und einförmig.
Aber ganz egal wie "Nero" am Ende abschneiden wird, glaube ich, dass die kreative Pause sehr sinnvoll war. Ein weiteres Album wie "Nero" hätte die Band meines Erachtens nicht verkraftet, ohne zur Karikatur ihrer selbst zu verkommen. Mit dem kommenden Album erfindet sich die Band neu, das wird sicher nicht jedem munden, aber diese Band lebte immer von der Progression im eigenen Sound, und es wäre ein schwaches Bild, wenn sie sich ein "Schema S" zurecht gelegt hätte. Das wussten die beiden ganz genau, als sie 2008 erst einmal die Segel strichen.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
-

Rüdiger Stehle
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 35341
- Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
- Wohnort: Schwabenland
-
von Nils Macher » Samstag 24. August 2013, 12:39
Ich finde es wirklich mutig, was es auf "Satyricon" zu hören gibt. Für mich ein typischer "Grower", die ersten 2-3 Spins waren noch sehr ... naja unerfüllend, muss ich sagen. Da freue ich mich auf jeden Fall auf die CD, die hoffentlich besser klingt als diese be********* Roadrunner-Streams. Im neuen RockHard sagt Satyr, dass das Drumming von Frost deutlich musikalischer ist als bisher. Teilst du den Eindruck, Rüdiger?
-

Nils Macher
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 12983
- Registriert: Dienstag 17. Juli 2012, 18:40
- Wohnort: Bergkamen
-
von Rüdiger Stehle » Samstag 24. August 2013, 12:47
Nils Macher hat geschrieben:Ich finde es wirklich mutig, was es auf "Satyricon" zu hören gibt. Für mich ein typischer "Grower", die ersten 2-3 Spins waren noch sehr ... naja unerfüllend, muss ich sagen.
Ja, kann ich sehr gut nachvollziehen. Mein erster Eindruck war auch der hier: Dann der hier: Dann der: Und jetzt der: Da freue ich mich auf jeden Fall auf die CD, die hoffentlich besser klingt als diese be********* Roadrunner-Streams.
Ich bin ja nicht so der Soundfetischist und leide daher nicht so sehr unter den Streams, aber klar, das wir von CD dann sicher noch mal viel besser klingen. Im neuen RockHard sagt Satyr, dass das Drumming von Frost deutlich musikalischer ist als bisher. Teilst du den Eindruck, Rüdiger?
Ja, den Eindruck teile ich. Frost präsentiert wirklich sehr viele spannende Elemente, die durch die Produktion auch sehr im Vordergrund stehen und glänzen können, gerade in den ruhigeren Passagen, derer es hier ja doch etliche gibt. Wobei Frost schon immer sehr krasse Sachen getrommelt hat, es aber früher durch das gesamte Klangbild der Alben nicht so exponiert war. Aber gerade auf der "Volcano" hat's da echt heiße Sachen. Mal einfach so: "Nekrohaven" ist ja mal wirklich völlig der Hammer, oder nicht?
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
-

Rüdiger Stehle
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 35341
- Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
- Wohnort: Schwabenland
-
von Nils Macher » Samstag 24. August 2013, 12:53
Rüdiger Stehle hat geschrieben: Mal einfach so: "Nekrohaven" ist ja mal wirklich völlig der Hammer, oder nicht?
Jap! Mir gefällt die Scheibe auch immer besser.
-

Nils Macher
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 12983
- Registriert: Dienstag 17. Juli 2012, 18:40
- Wohnort: Bergkamen
-
von Havoc » Samstag 24. August 2013, 13:03
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Wobei Frost schon immer sehr krasse Sachen getrommelt hat, es aber früher durch das gesamte Klangbild der Alben nicht so exponiert war. Aber gerade auf der "Volcano" hat's da echt heiße Sachen.
Ja. Neben Satyrs Vocals ist der zweite große Pluspunkt der Band seit jeher das coole Drumming von Frost. Ach Mann...ich freu mich so dermaßen auf die Scheibe. Momentan mehr als auf ALLES andere was so erscheint. 
-

Havoc
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 23763
- Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 12:10
von Rüdiger Stehle » Sonntag 25. August 2013, 00:14
"The Age Of Nero"2008, Roadrunner / Kaleidoscope Als 2008 "The Age Of Nero" erschien, verdichtete sich bei mir allmählich das Gefühl, dass sich SATYRICON in eine stilistische Sackgasse manövriert hatte. So setzen die ersten drei Stücke der "Nero" ziemlich eindeutig die Ausrichtung von 'Fuel For Hatred' und den ersten beiden Stücken der "Now, Diabolical" fort. Black'n'Roll der gehobenen Klasse, finster, rockend, eingängig. Ja, ich will den Songs keineswegs ihre Klasse absprechen. 'Commando' und 'The Wolfpack' sind sehr gut, 'Black Crow On A Tombstone' gar einer meiner Favoriten - wie könnte es anders sein, wenn ein Rabenvogel mitspielt. Ach ja, die Produktion ist wuchtig und druckvoll, dabei sehr differenziert und Satyr singt hervorragend. Vom Klangbild erinnert mich die schwarze Scheibe mehr an "Volcano" als an den direkten Vorgänger. Doch auch hier fällt auf, dass die Scheibe ein Stückchen abwechslungsreicher ist als ihr Ruf. 'Die By My Hand' lässt die B'n'R-Elemente verschwinden und ist in den Versen schnell, grimmig und unbarmherzig; die gelegentlichen Thrash-Riffs der Vorgängeralben sind hier wieder präsent, der Refrain ist langsamer, walzend, zum Ende hin wird es doomig, ja, in diesem Song passiert unheimlich viel. 'My Skin Is Cold' gibt sich hinterhältig und creepy, 'The Sign Of The Trident' ist extrem wuchtig und lebt von der ballernden Perkussion ebenso wie von teils rezitativem Gesang und ausgeprägt präsentem Leadgitarrenspiel, 'Last Man Standing' birgt einmal mehr ein paar CELTIC-FROST-Einflüsse und rückt so ein Stück weit gen DARKTHRONE, bevor zum Ende hin 'Den Siste' eine ähnliche Rolle spielt, wie auch die Rausschmeißer der Vorgänger... schleppen, doomig, episch, ein paar Bläser, und in diesem Fall norwegische Vocals. Ein toller Song, der aber noch einmal deutlich macht, dass sich "The Age Of Nero" sehr an die Struktur der beiden Vorgänger anlehnt. Schon als "Nero" damals heraus gekommen ist, ordnete ich es stilistisch und produktionstechnisch zwischen "Volcano" und "Now, Diabolical" ein, wobei ich es einen Tick stärker fand als seinen Vorgänger, aber auf jeden Fall schwächer als "Volcano". An der letzteren Einschätzung hat sich nichts geändert, bei der ersteren bin ich mir nicht mehr ganz sicher. "Nero" zündete schneller als der Vorgänger, aber heute gefällt mir "Diabolical" ähnlich gut. Für sich genommen, sind beides sehr starke Alben, wie ich heute finde, aber wenn man die "Nero" in der Bandbiographie einordnen will, dann stellt man fest, dass sie erstmals in der Geschichte SATYRICONs einen Rückschritt darstellt, weil sie sich von der Wirkung her zwischen den Vorgänger und dessen Vorgänger einsortieren lässt und keinen weiteren Evolutionsschritt, keine Überraschungen enthält. Es ist ein gutes Album, aber es ist kein mutiges Album. Es stellt eine gewisse kreative Stagnation dar, die tolle Songs bietet, die aber dem stets fordernden und voran strebenden Anspruch SATYRICONs nicht so ganz entspricht. Das sah die Band offenbar ähnlich, denn fünf Jahre kreative Pause und das Ergebnis derselben sprechen insoweit Bände. Dennoch kann ich an "The Age Of Nero" auch retrospektiv nicht wirklich etwas Schlechtes finden.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
-

Rüdiger Stehle
- Musikredaktion
-
- Beiträge: 35341
- Registriert: Samstag 6. Februar 2010, 22:52
- Wohnort: Schwabenland
-
von Michael Sommer » Sonntag 25. August 2013, 09:03
Fand Satyricon als Teenie ganz cool. Live ham sie jedenfall ordentlich gerockt! Werd mir aufgrund der aktuellen Diskussion diese Woche die Nemesis Divina mal wieder vornehmen  Lg Michi
...This is so Death Metal! (M. van Drunen)
-

Michael Sommer
- Sandkastenrocker
-
- Beiträge: 486
- Registriert: Dienstag 20. August 2013, 23:48
von Havoc » Sonntag 25. August 2013, 14:22
Auch hier sehe ich das genauso wie Rüdiger. Da brauch ich nun eigentlich kein Review mehr zu schreiben. 
-

Havoc
- Metaller mit zu viel Zeit
-
- Beiträge: 23763
- Registriert: Sonntag 7. Februar 2010, 12:10
Zurück zu Thrash / Death / Black Metal
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.deTime : 0.115s | 10 Queries | GZIP : Off
|
|