Black Metal - Der Drachenhort!

Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Drumtier » Dienstag 29. Oktober 2019, 22:10

Die Suche täuscht mich nicht und wir haben eh keinen Thread für MGLA?

Ich geh davon aus und nütze diesen hier:
Viele der Trends und Hypes zu gewissen Bands gehen an mir vorbei, weil sie mich musikalisch nicht berühren. Auf MGLA wurde damals aber auch ich aufmerksam und fand ihre letzten zwei Alben sehr gut. Mittlerweile auch schon zweimal live gesehen und so wurde die Ankündigung zum neuen Album natürlich registriert, verfolgt und eingeplant. Vorfreude ist vielleicht zu viel gesagt, aber durchaus die Erwartung eines guten Black Metal-Albums um meine Jahreswertung aufzufrischen. Gerade eben habe ich das Album zum ersten Mal gehört und stehe vor einigen Fragen.

Ein anderer Genre-Hype, der sogenannte Cascadian Black Metal wurde ja gefühlt von den Elitisten vehement abgelehnt, als Verfälschung, Verwässerung und Anbiederung an neu zu gewinnende Hörer. Dagegen wurden MGLA geradezu als Hohepriester eines neuen Zeitalters des Black Metal abgefeiert. Meine simple Frage: Warum? Was ist der Unterschied? Was macht ihren "Elitist-approved-Stempel" aus?
Es kann ja nicht an ihren hohen, träumerisch-schwebenden Tremolo-Melodien liegen, oder?
Der unauffällige, ungefährliche Gesang wohl auch nicht?
Das gefällige Midtempo gar?
Nichts davon springt mir ins Auge, was MGLA so sehr über die vielen anderen verachteten Black Metal-Bands heben sollte. Ich behaupte, der Grund ist des Black Metallers liebstes Kriterium: das Image. Zieh einen schwarzen Kapuzenpullover möglichst weit übers Gesicht, eine schwarze Lederjacke dazu und kröne das ganze mit einer Sturmhaube. Anschließend erkläre das als neuen Modestandard und warte bis es dir Bands und Fans gleichermaßen nacheifern. Fertig.

Vielleicht bin ich noch ein bisschen voreingenommen, weil ich gerade erst den ersten enttäuschenden Durchlauf hinter mir hatte, aber das gibt mir gerade echt nicht viel. Dass sie ihre musikalische Nische gut spielen und zuallererst gut etabliert haben, stelle ich nicht infrage. Ich stelle auch nicht infrage, dass diese Nische eng ist und musikalische Entwicklung schwierig macht, aber ich stelle infrage, ob nicht doch ein bisschen mehr möglich gewesen wäre. Ich behaupte weiters, dass sie im ersten Song unabsichtlich ihr musikalisches Dilemma auf den Punkt gebracht haben: "There are no paths to follow
But a nightmare of endless repetition"
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 30. Oktober 2019, 04:35

Alles, was du sagst stimmt, und deswegen ist für mich auch heute noch jeder schimmlige alte 90er-Norweger aus der dritten Reihe spannender als Mgla. Und das sag ich nicht, weil ich Mgla nicht mögen würde (das Gegenteil ist der Fall), sondern weil ich genau das auch nicht verstehe, was du nicht verstehst.

Und die Kapuzenklausklammotenkiste ist das albernste Image-Element seit es Black Metal gibt, zusammen mit einbuchstabigen Pseudonymen und Nummern, die Songtitel ersetzen. Was für ein Quark.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Oliver Passgang » Mittwoch 30. Oktober 2019, 08:10

Dann halte ich mal dagegen: Für mich persönlich ist MGLA Black Metal in Perfektion, etwas besseres ist mir nie zu Ohren gekommen. Image ist mir dabei relativ wumpe, passt allerdings und macht die Sache rund (und warum das alberner sein soll als der sonstige Zirkus... nun gut), Elitarismus liegt mir ganz fern, doch was "Exercises In Futility" mir musikalisch & emotional gibt, wie viele Durchläufe das Ding in den letzten Jahren hatte, das keine andere BM-Band je geschafft und auch genreübergreifend sucht das fast seinesgleichen.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 30. Oktober 2019, 12:32

Ich spezifiziere die etwas unpräzise Ausdrucksweise; ich finde nicht das Image an sich albern, sondern die Entscheidung, durch die Wahl dieses Images auf das "Gesicht" der Musik zu verzichten und damit auf die künstlerischen und darstellerischen Möglichkeiten, die nur ein Gesicht eröffnen kann, nämlich das Antlitz eines charismatischen Frontmanns, dessen Mimik, den Blickkontakt mit dem Publikum etc...

Ich verstehe zwar durchaus, warum die Band das tut und welches künstlerische Konzept dahinter steckt (Entmenschlichung, Anonymität, rein musikalischer Fokus usw...). Dennoch bin ich persönlich der Meinung, dass Black Metal mehr noch als nahezu jedes andere Genre von extremen Persönlichkeiten und deren Ausstrahlung auch als Person lebt, sowie der von ihnen verkörperten Rolle. Das fängt bei Leuten wie Cronos oder King Diamond an und geht bis hin zu Leuten wie Kvarforth. Diesen Aspekt der Bühnenpersona durch Gesichtslosigkeit zu kastrieren, finde ich ebenso unglücklich, wie den Wiedererkennungeffekt eines Songs dadurch zu reduzieren, dass man ihm keinen Titel gibt sondern nur eine Nummer, obschon ein Refrain sogar vorhanden sein mag, der zum Titel taugte. Ich würde niemals einen Mgla-Song in einer Favoritenliste nennen können, weil mein Gehirn niemals eine Verknüpfung von "Exercises In Futility Part V" zu einer Hookline, einer Melodie, einer Textzeile schlagen wird.

Für mich ist daher diese spezielle Wahl der Selbstdarstellung zumindest unglücklich und ein absolutes Hemmnis für eine weitergehende Annäherung an die Band, weil es mir viel zu sehr abstrahiert und dieser Ansatz in meinem Fall musikalische Identifikation ein Stück weit verhindert. Das ist schade, wird sich aber nicht ändern lassen.

Der weitere Punkt ist, dass um Mgla ein ähnlicher Tanz vollführt wird, wie um Atlantean Kodex oder Sulphur Aeon. Es ist für alte Männer bisweilen etwas befremdlich, plötzlich überall lesen zu müssen, dass 30 oder 40 Jahre alte Genres wie Black Metal, Death Metal oder Epic Metal niemals besser gewesen seien als mit diesen besagten Bands. Dieses Superlativieren impliziert für mich - wissend, dass es meist nicht so gemeint ist - irgendwie eine Relativierung oder gar Missachtung der Altvorderen des jeweiligen Genres, die ich schwer verdaulich finde und die eine gewisse Abwehrhaltung gegen die so Umjubelten auslösen, welche die Bands selbst gar nicht verdient haben, aber ich kann da nicht aus meiner Haut. Wenn ich nach 40 Jahren Manilla Road und 45 Jahren Cirith Ungol reihenweise lese, dass Epic Metal nie besser gewesen sei als mit Atlantean Kodex, dann wird mir - so toll ich Atlantean Kodex finde - einfach ganz anders. Und genau so geht es mir eben auch mit Mgla in Anbetracht von 40 Jahren Venom, 35 Jahren Mayhem und Bathory, 30 Jahren Darkthrone usw...

Das betrifft nicht deine persönliche Bewertung, Oliver, denn du objektivierst das nicht und natürlich darf jeder, jede Band, egal wie jung oder alt, persönlich für die beste halten. Gar kein Thema, aber bei besagten Bands - ich hab das bei Atlantean Kodex ja schon umfangreich thematisiert, auch in der Gruppentherapie - ist da eine Dynamik entstanden, die aus bestimmten Umfeldern kommt, und zu einem objektivierenden Duktus führt, der meines Erachtens einfach der Geschichte dieser Genres und dem Werk der entsprechenden Gründerbands nicht gerecht wird, und das stört mich manchmal so sehr, dass ich gar keine Lust auf diese Bands habe, obwohl ich weiß, wie gut die sind. Die Bands selbst können da auch gar nichts dafür.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Jhonny » Mittwoch 30. Oktober 2019, 15:38

Der Hype um MGLA macht es manchmal etwas schwer, die Band zu mögen - so empfinde ich es jedenfalls. Trotzdem habe ich jedes Album, und vor allem "With Hearts Toward None" und "Age Of Excuse" finde ich auch wirklich großartig. Den Tanz um die "Exercises In Futility" verstehe ich dagegen nicht so ganz. Klar ist das auch gut gemacht, aber mir fehlen, anders als beim Vorgänger und Nachfolger, die großen Hymnen.

Ich denke schon, dass heute auch Klassiker auf den Markt kommen können - und dass Bands wie ATLANTEAN KODEX, MGLA, SULPHUR AEON oder die ebenfalls oft erwähnten CHAPEL OF DISEASE wirklich Großartiges geleistet haben.

Trotzdem gibt es die größten Black Metal Alben wohl schon - MAYHEM, DARKTHRONE, MARDUK oder IMMORTAL sei Dank. Da wird wohl kaum noch etwas heran kommen. Aber das muss die Qualität von MGLA ja nicht schmälern.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Raphael Paebst » Mittwoch 30. Oktober 2019, 17:25

Ich finde MGLA ganz gut, hab sie auch schon live gesehen und das war auch gut, zwei Dinge fallen mir jedoch noch auf:

1. Bei ihrem Liveauftritt auf dem Summer Breeze wurde während des Soundchecks ein kompletter Song von unmaskierten Menschen gespielt, heißt dass, die Band hat ausreichend musikalisch beschlagene Roadies dabei oder zieht sich die Kapuzen erst zum Gig über? Beides ist irgendwie albern, da es einerseits schon beinahe Spinal Tap wäre oder andererseits die ganze Anonymitätsfarce noch mehr ad absurdum führen würde.

2. Ohne das jetzt selbst beurteilen zu wollen, ist es erstaunlich, dass diverse Medien oder Veranstalter, die sich sonst auch politisch links äußern und Bands in die Grauzone oder noch weiter nach Rechts schieben bei MGLA offenbar eine Ausnahme machen, auch wenn man da mindestens genauso viele Argumente finden kann wie bei vielen geschmähten Truppen.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 30. Oktober 2019, 19:25

Raphael Paebst hat geschrieben:Ich finde MGLA ganz gut, hab sie auch schon live gesehen und das war auch gut, zwei Dinge fallen mir jedoch noch auf:

1. Bei ihrem Liveauftritt auf dem Summer Breeze wurde während des Soundchecks ein kompletter Song von unmaskierten Menschen gespielt, heißt dass, die Band hat ausreichend musikalisch beschlagene Roadies dabei oder zieht sich die Kapuzen erst zum Gig über? Beides ist irgendwie albern, da es einerseits schon beinahe Spinal Tap wäre oder andererseits die ganze Anonymitätsfarce noch mehr ad absurdum führen würde.

2. Ohne das jetzt selbst beurteilen zu wollen, ist es erstaunlich, dass diverse Medien oder Veranstalter, die sich sonst auch politisch links äußern und Bands in die Grauzone oder noch weiter nach Rechts schieben bei MGLA offenbar eine Ausnahme machen, auch wenn man da mindestens genauso viele Argumente finden kann wie bei vielen geschmähten Truppen.



ad 1:
Um Ihre Identität machen die Musiker hier meines Wissens ja keinerlei Geheimnis. Es gibt auch Photos von den Musikern ohne Masken und die Namen sind bekannt. Es geht da wohl mehr darum, im Rahmen des Liveevents die Wirkung der Musik von menschlichen Gesichtern unabhängig zu demonstrieren. Die entmenschlichte, kalte, anonyme Unbarmherzigkeit des Scheiterns als dystopische Vision. Kann ich gut damit leben. Aber ich stehe halt auf charismatische Frontleute.

ad 2:
Die Beobachtung ist sicherlich richtig, wobei das weitaus mehr über diese Medien und Veranstalter aussagt als über die Band. Aber das ist ein Thema, das definitiv nicht das meine ist.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Drumtier » Mittwoch 30. Oktober 2019, 20:39

Oliver Passgang hat geschrieben:Dann halte ich mal dagegen: Für mich persönlich ist MGLA Black Metal in Perfektion, etwas besseres ist mir nie zu Ohren gekommen. Image ist mir dabei relativ wumpe, passt allerdings und macht die Sache rund (und warum das alberner sein soll als der sonstige Zirkus... nun gut), Elitarismus liegt mir ganz fern, doch was "Exercises In Futility" mir musikalisch & emotional gibt, wie viele Durchläufe das Ding in den letzten Jahren hatte, das keine andere BM-Band je geschafft und auch genreübergreifend sucht das fast seinesgleichen.

Da du lange nicht mehr hier warst, ist es schwer abzuschätzen, was du in der Zeit sonst noch gehört hast, aber wäre es möglich, dass es ein gewisser "Zufallstreffer" war? Also dass dir die Musik sowieso gefallen hätte aber aufgrund bestimmter Umstände in diese Sphären gestoßen wurde? Hast du zu der Zeit viel anderen (Black) Metal gehört? Hätte dich womöglich eine andere, ähnliche Band genauso vom richtigen Fleck abgeholt?

Andererseits bist du nicht der einzige, dem es so geht, also wird schon was dran sein. Ich kenne auch in meinem Umfeld genügend Leute (und auch langjährige BM-Veteranen), die das auch so sehen. Ich habs übrigens gerade wieder gehört, ja, das ist schon gut, die Melodien funktionieren. Natürlich tun sie das, darauf sind sie ja ausgelegt, aber Black Metal, so als Gesamtwerk, als Genre, als Kunstform, in Perfektion kann ich nicht erhören.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Havoc » Mittwoch 30. Oktober 2019, 20:44

Ein anderer Genre-Hype, der sogenannte Cascadian Black Metal wurde ja gefühlt von den Elitisten vehement abgelehnt, als Verfälschung, Verwässerung und Anbiederung an neu zu gewinnende Hörer.


Welche Bands sind das denn? Downfall Of Gaia? Farsot? Secrets Of The Moon? Der Weg einer Freiheit?....Wer noch?

Mit Mgla habe ich mich noch nicht beschäftigt. Wohl auch wegen dem Image.
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Re: Black Metal - Der Drachenhort!

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 30. Oktober 2019, 20:53

Havoc hat geschrieben:
Ein anderer Genre-Hype, der sogenannte Cascadian Black Metal wurde ja gefühlt von den Elitisten vehement abgelehnt, als Verfälschung, Verwässerung und Anbiederung an neu zu gewinnende Hörer.


Welche Bands sind das denn? Downfall Of Gaia? Farsot? Secrets Of The Moon? Der Weg einer Freiheit?....Wer noch?

Mit Mgla habe ich mich noch nicht beschäftigt. Wohl auch wegen dem Image.


Cascadian Black Metal ist Black Metal aus Kaskadien, also den US-Bundesstaaten Oregon und Washington im Nordwesten der USA und der kanadischen Provinz Britisch Kolumbien. Meist naturmystisch, ökologisch, misanthropisch, postrockend, ambient, manchmal folkig, melancholisch. Wolves In The Throne Room, Agalloch, Threnos, Fauna, Skagos... Die nachhaltige New-Age-Antwort auf Burzum, knapp und polemisch gesprochen.

Inzwischen hat sich die Stilbezeichnung ein wenig verselbständigt und wird bisweilen auch (unpräzise) auf stilistisch ähnliche Bands aus anderen Gegenden der Welt benutzt, wie dies bei US Metal und NWoBHM auch der Fall ist.
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