Enslaved

Re: Enslaved

Beitragvon Pillamyd » Freitag 5. März 2021, 20:03

Havoc hat geschrieben:Platz 3

In Times (VÖ: März 2015, Spielzeit: 53 min)

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Dieses Album hat mich vom allerersten Durchlauf an enorm geflasht. Und es hat bis heute nichts an Qualität und Wirkung eingebüßt. Im Gegenteil. Es hat sich im Laufe der Jahre sogar eher noch weiter als eines der perfektesten Alben herauskristallisiert. Sechs ziemlich lange Songs, an denen es aber auch gar kein Haar zu krümmen gibt. Es passt irgendwie alles zusammen. Die Mischung aus Härte, Progressivität und typischen Enslaved-Trademarks wurde vielleicht auf keinem anderen Album so dermaßen ins Lot gebracht und perfektioniert wie hier. Vielleicht hat ja auch Herbrand Larsen erkannt, dass das kaum zu toppen ist und hat deswegen seinen Hut genommen. Der Opener prescht gleich ziemlich los, hat aber auch schwelgerische Momente. An zweiter Stelle folgt dann ein verdammt starker Song. Wer hätte wohl anno 1994 gedacht, dass Enslaved mal einen Song wie „Building With Fire“ raushauen? Völlig genial! Melodie und Härte gehen Hand in Hand! Mit „One Thousand Years Of Rain“ tat ich mich da anfangs ein wenig schwerer. Aber auch diesen finde ich mittlerweile total super. Es folgt das Stück mit dem schönen Namen „Nauthir Bleeding“. Auch das ist ein Megasong! Das wirkt alles einfach noch besser als das meiste, was sie auf Alben wie „Riitiir“, „E“ und „Utgard“ gemacht haben. Die Mischung stimmt einfach und wurde in perfekte Formen gegossen. Und das gleich sechs Mal in 53 Minuten. Ich weiß nicht, ob „In Times“ das beste Stück des Albums ist, aber dieser Longtrack jenseits der Zehn Minuten Grenze bietet einem ab Zeitindex 6:17 min die phantastischste Stelle des Albums. So sollte ein Titeltrack klingen! Um Himmels Willen! Herbrand legt zum letzen Mal eine echte Glanzleistung hin. Viel besser geht es nicht. Und dann kommt als Rausschmeißer noch das passende und ebenfalls geniale „Daylight“, bei dem man sich dann zum Schluss sogar tatsächlich noch mal fragt, ob das nicht sogar der allerbeste Song des Albums sein könnte. Was für ein geiles Teil! Manchmal denke ich, dass die Band jahrelang alles ausprobiert hat und dann im Jahr 2015 in „In Times“ seine finale Vollendung gefunden hat. Alles was ab hier kommt ist nur noch Zugabe und Bonus. Ja ich weiß. Das ist natürlich auch wieder ein wenig übertrieben und ich bin natürlich heilfroh, dass die Band weitermacht. Aber ein kleinwenig sehe ich das so. Und ich weiß nicht, ob sie es schaffen das noch mal zu toppen. Das könnte also auch durchaus meine Nr. 1 sein. Aber auch aus emotionalen Gesichtspunkten sind mir wohl zwei Alben noch wichtiger. Daher kann ich hier leider „nur“ die Bronzemedaille überreichen.


In Times:

Ich war sehr heiß auf dieses Album vor 6 Jahren (meine Güte). Ich habe sehnsüchtig auf die Mittagspause in der Berufsschule gewartet und hab mir da dann die „In Times“ gekauft. Blöd nur, dass ich es nicht gleich habe hören können. Voller Vorfreude hat das Album mich in eine Starre versetzt, die nur schwer zu beschreiben ist.
„Thurisaz Dreaming“ hat mich so dermaßen kalt erwischt. Was ein Opener. Alles was das Enslaved-Fan Herz begehrt spielt hier zusammen. Man könnte glatt meinen, das sei Dienst an den Fan. Aber das wäre 1. zu einfach/kurz gedacht und 2. unfair. Warum? Dafür agiert die Band viel zu originell. Klar, der Song hat einen ordentlichen Schlenker auf die Wurzeln der Band. Aber was die Band sich kompositorisch einfallen lässt, immer und immer wieder. Das ist halt schon bewundernswert und irgendwie auch nicht von dieser Welt.

Schon der zweite Song „Building With Fire“ hat einen unfassbaren Drive und kommt so rockig daher, dass es für Enslaved Verhältnisse schon fast zu einfach daherkommt. Aber es ist für mich eher ein Beweis dafür, dass ein Song nicht eine Millionen Drumfills braucht, um einen Song spannend zu machen. Diese locker gespielten Drums verleihen dem Song eine Leichtigkeit. Der Refrain ist eingängig und er hat seine kleinen Stellen, wo es doch dann mal kurz ausartet. Aber er bleibt immer in der Spur.

Insgesamt bin ich immer wieder überrascht wie kurzweilig das Album – trotz der Länge der Songs – beim Hören wirkt. Ebenso gefällt mir die Produktion des Albums. Sehr trocken, doch organisch, man hört jedes Instrument raus und kann trotz der Kompaktheit auf Suche gehen und findet immer wieder neue Nuancen in den Songs. Das macht das Album für mich auch so lebendig und die Langzeitwirkung damit gesetzt.

„One Thousand Years Of Rain“ ist im Verhältnis zu den anderen Songs unglaublich verspielt. Diese folkig anmutenden Gitarren gefallen mir unglaublich gut. Wenn da dann die Chöre einsetzen ist das der perfekte Schluss für einen Song wie diesen.

Die größte Vertracktheit gibt es in „Nauthir Bleeding“. Fällt etwas aus dem Rahmen dieses Albums und ich glaube der hätte einen guten Platz auf Alben Anfang der 00er gehabt. Mir gefällt der wahnsinnig gut, weil er etwas Kontrast in „In Times“ reinbringt.

Ein Album das mir wahnsinnig gut gefällt. Die Band kommt hier mächtig auf den Punkt. 6 Songs, 53 Minuten, keines unter 8 Minuten. Es hält sich die Waage. Aber es vergeht wie im Flug. Das erstaunliche dabei ist wieder einmal – aber hier auch sehr präsent – wie sie es schaffen den Songs trotz der Länge, eben dieses Gefühl der langen Songs nicht anmerken zu lassen. Man nehme nur den Titelsong. So viele Ideen in so gutdosierten Einheiten einzusetzen, dass die Songs eben nicht überladen und zerhackt klingen. Auch kommt es mir so vor, als hätte die Band einfach losgelegt und geschaut was bei rauskommt. Es wirkt so spontan und locker. Wunderbar. Einfach. Von den Alben der 10er mein liebstes. Weiter oben ging leider nicht.

Mein Ranking:

1. Frost
2. Vikingligr Veldi
3. Monumension
4. Eld
5. Isa
6. Blodhemn
7. In Times
8. Mardraum (Beyond The Within)
9. Below The Lights
10. Utgard
11. RIITIIR
13. E
14. Axioma Ethica Odini
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Re: Enslaved

Beitragvon Havoc » Freitag 5. März 2021, 21:28

Pillamyd hat geschrieben:Wunderbar. Einfach. Von den Alben der 10er mein liebstes. Weiter oben ging leider nicht.


Klar. Alles Geschmackssache. Aber das hinter "Eld" und "Blodhemn"?? oO
Naja. Stand ja schon fest. Ziemlich andersherum wie bei mir halt. Ich konnte leider das tolle "Frost" einfach nicht höher ranken.
Muss man auch nicht verstehen. :grins:
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Re: Enslaved

Beitragvon Peter Kubaschk » Sonntag 7. März 2021, 11:51

Havoc hat geschrieben:Platz 1

Vertebrae (VÖ: September 2008, Spielzeit: 49 min)

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Heute Abend endet er also!!! Mein Enslaved-Streifzug durch frostige verschachtelte Wikingerparallelwelten. Dieses Album war damals das erste der Band, dessen Veröffentlichung ich sehnsüchtig erwartete. Und es hat mich aus dem Stand sowas von umgehauen! Viel krasser habe ich das bei keinem Album meiner ganzen Sammlung in Erinnerung! Gleich der Beginn des Openers „Clouds“ ist total cool. Klingt eher fluffig, bis dann auf einmal Grutle extrem derbe, tief und kehlig loslegt. Vielleicht ist es gerade dieser Gegensatz, der das Album so genial macht. Aber es ist nicht nur das. Auch das Songwriting war selten besser als auf diesem Album. Ich meine sogar mal irgendwo gehört zu haben, dass das Album auch Grutles Favorit ist, was mich etwas überrascht hat. Auch der Beginn von „To The Coast“ ist sofort total toll. Und wieder dieser Grutle, flankiert von Herbrand Larsen. Und dann der tolle Übergang. Ja, es sind auch die vielen geilen Übergänge und Breaks die dieses Album so einzigartig machen. Gerade hat man sich an die Rhythmik gewöhnt, da geht es schon wieder ganz anders, und dennoch extrem passend und stimmig weiter. Dann folgt auf eher psychedelische Phasen sogleich wieder Gekrächze aus der Unterwelt. Leck ey! Was ein famoser Song. „Ground“ ist dann etwas bodenständiger! Haha. Auch hier sind die klaren Vocals besonders hervorzuheben. Der Part ab Zeitindex 2:48 min ist einfach wunderbar! Dazu noch ein kurzer Spoken Word Part. Oh Mann. Nur toll! Es folgt der Titeltrack, der erst mal relativ rasant und proggig beginnt und danach ebenfalls in diverse Richtungen abbiegt. Vielleicht nicht zwingend das Highlight des Albums, aber auch nicht wirklich schwächer und weniger berauschend als der Rest. Auch wenn es dann tatsächlich schon mal noch eine Nummer besser weitergeht. „New Dawn“ und allen voran „Reflection“ sind echt extrem geil. Letztere Nummer ist wohl mein Favorit auf dem Album. Zu diesem Song habe ich zudem eine besondere Beziehung! Ganz groß! Aber auch „New Dawn“ ist phantastisch. Der Song rockt definitiv! Dazu kommen dann noch die kaum minder tollen Songs „Center“ (man höre die Stellen ab 3.53 und 5:46 min) und das famos eingeleitete finale „The Watcher“. Ja doch. Dieser Diskografie-Check hat es noch mal verdeutlicht. Es mag sicher nicht jeder verstehen, aber das ist ganz knapp vor „Ruun“ meine Nummer 1 im Enslaved-Kosmos und zudem auch eines meiner meistgehörten und Alltime-Lieblingsalben. Dieses Album war Liebe auf den ersten Hör. Und davon ist im Laufe der Jahre auch absolut nichts verloren gegangen. Egal in welchen musikalischen Sphären ich gerade mehr unterwegs war, diese Band und insbesondere dieses Album habe ich immer relativ deutlich auf dem Radar gehabt und immer wieder gehört. Ich habe lange überlegt, aber es hätte sich irgendwie nicht richtig angefühlt ein anderes Album als „Vertebrae“ auf den Thron zu setzen.
:blumen: :weihraucher: :riffing:

Hier noch mal meine Rangfolge zum Mitschreiben:

1: Vertebrae (2008)
2: Ruun (2006)
3: In Times (2015)
4: Axioma Ethica Odini (2010)
5: Isa (2004)
6: Riitiir (2012)
7: Below The Lights (2003)
8: Frost (1994)
9: Utgard (2020)
10: Mardraum (Beyond The Within) (2000)
11: E (2017)
12: Vikingligr Veldi (1994)
13: Monumension (2001)
14: Blodhemn (1998)
15: Eld (1997)

Abschließend bleibt mir noch zu sagen, dass es mir wirklich viel Freude bereitet hat, das alles noch mal mehrmals durchzuhören, zu beschreiben und zu bewerten. Danke auch insbesondere an Pillamyd, der hier so fleißig mitgemacht hat. Ach ja. Erwähnt sei noch, dass man zur Komplettierung wirklich unbedingt auch „Hordanes Land“ (genauso stark wie das Debüt) und „The Sleeping Gods / Thorn“ (Starke interessante neue Songs!) haben muss. Die sind sicher nicht viel weniger als vollwertige Alben. Sowohl von der Spielzeit als auch von der Qualität her. Vielleicht mache ich sowas ja bei einer anderen Band noch einmal. Aber wohl eher nicht in naher Zukunft. ;-)


Hast du gut gemacht. Kann bei der Band zwar nur zur Hälfte (ab "Ruun") mitreden, aber da sind wir uns in der Reihenfolge weitestgehend einig. Bei mir wäre wohl "Axioma Ethica Odini" auf #1 und die drei davor jeweils einen nach unten, aber sonst passt es.
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Re: Enslaved

Beitragvon Havoc » Sonntag 7. März 2021, 21:42

Peter Kubaschk hat geschrieben:Hast du gut gemacht. Kann bei der Band zwar nur zur Hälfte (ab "Ruun") mitreden, aber da sind wir uns in der Reihenfolge weitestgehend einig. Bei mir wäre wohl "Axioma Ethica Odini" auf #1 und die drei davor jeweils einen nach unten, aber sonst passt es.


Danke! :)

Heißt also, "Vertebrae" wäre bei Dir tatsächlich auf der 2 von dem was du kennst? 8-)
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Re: Enslaved

Beitragvon Pillamyd » Sonntag 7. März 2021, 22:30

Havoc hat geschrieben:Platz 2

Ruun (VÖ: Mai 2006, Spielzeit: ca. 46 min)

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„Ruun“ war kurz nach der VÖ mein allererstes Album der Band. Das dürfte bereits erklären, warum mir das Ding sehr am Herzen liegt. Bei mir begann damals so richtig meine Progphase und ich las hier, dass das durchaus proggig sein soll, allerdings mit Black Metal Wurzeln. Dazu ein relativ schickes interessantes Coverartwork…und schon war es um mich geschehen. Und heute, fast 15 Jahre später hat das Album sich überhaupt nicht abgenutzt. Keine Ahnung, wie oft ich das schon gehört habe? Es dürfte relativ weit oben auf meiner Playlist der letzen 15 Jahre liegen. Musikalisch wirkt das Album auf mich wie eine Verfeinerung vom Vorgänger „Isa“. Es ist deutlich Songorientierter und dennoch auch nicht direkt Easy Listening. Dennoch könnte man behaupten, dass es vielleicht das hitlastigste Album der Band überhaupt ist. Kompositorisch ist das schon große Klasse. Tolle Melodien, groovige Parts und dennoch auch verschachtelt und natürlich hart. Und es klingt nicht ganz so entrückt und bitterkalt wie „Isa“. „The Fusion Of Sense And Earth“ ist z.B. so ein Hammersong, der eingängig und komplex zugleich ist. Was das betrifft waren Enslaved nie näher an einer ihrer verehrten Bands namens „Rush“ Ganz groß! Der folgende Titeltrack steht dem gleich in nichts nach. Alles fabelhafter Stoff. Mein Lieblingssong auf dem Album ist wohl das etwas längere „Api-Vat“. Diese Melodie und Rhythmik geht einem in Mark und Bein über. Und auch das finale „Heir To The Cosmic Seed“ passt perfekt als Rausschmeißer aus diesem tollen Trip. Das gesamte Album wirkt wirklich wie aus einem Guss und hat es über all die Jahre geschafft, sich nicht von den grandiosen Nachfolgern in die Schranken weisen zu lassen. Außer halt vom Nachfolger, der vielleicht nicht unbedingt besser ist, mir emotional aber noch ein kleinwenig mehr bedeutet und deswegen eine Nanosekunde vor „Ruun“ auf dem Thron platzt nehmen darf. :blumen:


Ruun:

Wirklich! Ich habe mich wahnsinnig schwer getan dieses Album in das Ranking zu setzen. Das ist mit das schwierigste an dieser ganzen Sache. Geplant war dieses Album etwas höher zu setzen. Aber beim Hören der Diskographie für diese Sache hier war ich echt hin und hergerissen. Wie das halt so ist. Man ruft sich wieder etwas ins Gedächtnis und dann merkt man entweder das man etwas stärker oder schwächer in Erinnerung hatte. Und dann kommt etwas ganz anderes bei raus. Etwas was man selber so nicht vermutet hätte.
Zu diesem Album musste ich erstmal einige Gedanken sortieren. Gar nicht so einfach.

Ich kann Havocs Platzierung hierzu sehr, sehr gut verstehen. „Ruun“ ist genauso wie er es beschrieben hat. Es ist eine wärmere Version von „Isa“. Dafür finde ich das Album nochmal etwas proggiger. Witzig, das Havoc hier „Rush“ erwähnt. Ich hatte so einen ähnlichen Satz für „In Times“ vorgesehen, habe ihn dann aber wieder verworfen. Was richtig war, denn auch hier liegt Havoc absolut richtig.

Für mich einer der Top Songs den Havoc nicht erwähnt hat ist allerdings „Path To Vanir“. Dieses Riff will mir nicht aus dem Kopf. Da finde ich auch die „Rush“ anleihen wieder. Ebenso ist „Essence“ ein Song, den ich sehr mag, weil er etwas herausbricht und mich etwas an die Musik zuvor erinnert.

Warum das Album aber bei mir dennoch weit unten im Ranking seinen Platz hat? Ich kann es immer noch nicht zu 100 % sagen. Es klingt für mich am wenigsten nach den „Enslaved“ die ich bevorzuge. Das Album hat irgendwie ein Alleinstellungsmerkmal. Es klingt in seiner Gesamtheit sehr entschleunigt. Was mich etwas an Abwechslungsreichtum vermissen lässt und somit setzen sich die Songs nicht so fest wie gewohnt. Mir fehlt da auch ein wenig das Gift und der Rotz in der Musik.

„Ruun“ ist ein Album, dass wenn ich es zur Veröffentlichung gekauft hätte mir wahrscheinlich sehr, sehr gut gefallen hätte. Heute muss ich sagen, dass das Album für mich nicht unbedingt nach Enslaved klingt, aber dadurch interessant wirkt. Letztendlich habe ich hier stark abwägen müssen. Vielleicht ist das etwas unfair gegenüber diesem Album. Aber ich wusste tatsächlich nicht wohin mit „Ruun“.

Pillamyd's Dilemma:
Setze ich dieses Alleinstellungsmerkmal auf die Pro Seite ist es doof, da es mich nicht vollends überzeugt. Dann eher auf die Contra Seite. Das Album läutet eine Phase ein die mir von Enslaved aber im Großen und Ganzen am wenigsten gefällt. Von dieser Phase aber ist es für mich das beste Album. Setze ich es vor „E“, würde es beim Lesen den Eindruck hinterlassen, dass mir „E“ noch weniger gefällt. Dabei hat die Platzierung wenig mit dem Album gemeinsam. Denn „E“ will erarbeitet werden, das passiert bei „Ruun“ wiederum nicht. Man merkt es, oder?

Mein Ranking:

1. Frost
2. Vikingligr Veldi
3. Monumension
4. Eld
5. Isa
6. Blodhemn
7. In Times
8. Mardraum (Beyond The Within)
9. Below The Lights
10. Utgard
11. RIITIIR
12. Ruun
13. E
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Re: Enslaved

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 10. März 2021, 21:08

Havoc hat geschrieben:Platz 1

Vertebrae (VÖ: September 2008, Spielzeit: 49 min)

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Heute Abend endet er also!!! Mein Enslaved-Streifzug durch frostige verschachtelte Wikingerparallelwelten. Dieses Album war damals das erste der Band, dessen Veröffentlichung ich sehnsüchtig erwartete. Und es hat mich aus dem Stand sowas von umgehauen! Viel krasser habe ich das bei keinem Album meiner ganzen Sammlung in Erinnerung! Gleich der Beginn des Openers „Clouds“ ist total cool. Klingt eher fluffig, bis dann auf einmal Grutle extrem derbe, tief und kehlig loslegt. Vielleicht ist es gerade dieser Gegensatz, der das Album so genial macht. Aber es ist nicht nur das. Auch das Songwriting war selten besser als auf diesem Album. Ich meine sogar mal irgendwo gehört zu haben, dass das Album auch Grutles Favorit ist, was mich etwas überrascht hat. Auch der Beginn von „To The Coast“ ist sofort total toll. Und wieder dieser Grutle, flankiert von Herbrand Larsen. Und dann der tolle Übergang. Ja, es sind auch die vielen geilen Übergänge und Breaks die dieses Album so einzigartig machen. Gerade hat man sich an die Rhythmik gewöhnt, da geht es schon wieder ganz anders, und dennoch extrem passend und stimmig weiter. Dann folgt auf eher psychedelische Phasen sogleich wieder Gekrächze aus der Unterwelt. Leck ey! Was ein famoser Song. „Ground“ ist dann etwas bodenständiger! Haha. Auch hier sind die klaren Vocals besonders hervorzuheben. Der Part ab Zeitindex 2:48 min ist einfach wunderbar! Dazu noch ein kurzer Spoken Word Part. Oh Mann. Nur toll! Es folgt der Titeltrack, der erst mal relativ rasant und proggig beginnt und danach ebenfalls in diverse Richtungen abbiegt. Vielleicht nicht zwingend das Highlight des Albums, aber auch nicht wirklich schwächer und weniger berauschend als der Rest. Auch wenn es dann tatsächlich schon mal noch eine Nummer besser weitergeht. „New Dawn“ und allen voran „Reflection“ sind echt extrem geil. Letztere Nummer ist wohl mein Favorit auf dem Album. Zu diesem Song habe ich zudem eine besondere Beziehung! Ganz groß! Aber auch „New Dawn“ ist phantastisch. Der Song rockt definitiv! Dazu kommen dann noch die kaum minder tollen Songs „Center“ (man höre die Stellen ab 3.53 und 5:46 min) und das famos eingeleitete finale „The Watcher“. Ja doch. Dieser Diskografie-Check hat es noch mal verdeutlicht. Es mag sicher nicht jeder verstehen, aber das ist ganz knapp vor „Ruun“ meine Nummer 1 im Enslaved-Kosmos und zudem auch eines meiner meistgehörten und Alltime-Lieblingsalben. Dieses Album war Liebe auf den ersten Hör. Und davon ist im Laufe der Jahre auch absolut nichts verloren gegangen. Egal in welchen musikalischen Sphären ich gerade mehr unterwegs war, diese Band und insbesondere dieses Album habe ich immer relativ deutlich auf dem Radar gehabt und immer wieder gehört. Ich habe lange überlegt, aber es hätte sich irgendwie nicht richtig angefühlt ein anderes Album als „Vertebrae“ auf den Thron zu setzen.
:blumen: :weihraucher: :riffing:

Hier noch mal meine Rangfolge zum Mitschreiben:

1: Vertebrae (2008)
2: Ruun (2006)
3: In Times (2015)
4: Axioma Ethica Odini (2010)
5: Isa (2004)
6: Riitiir (2012)
7: Below The Lights (2003)
8: Frost (1994)
9: Utgard (2020)
10: Mardraum (Beyond The Within) (2000)
11: E (2017)
12: Vikingligr Veldi (1994)
13: Monumension (2001)
14: Blodhemn (1998)
15: Eld (1997)

Abschließend bleibt mir noch zu sagen, dass es mir wirklich viel Freude bereitet hat, das alles noch mal mehrmals durchzuhören, zu beschreiben und zu bewerten. Danke auch insbesondere an Pillamyd, der hier so fleißig mitgemacht hat. Ach ja. Erwähnt sei noch, dass man zur Komplettierung wirklich unbedingt auch „Hordanes Land“ (genauso stark wie das Debüt) und „The Sleeping Gods / Thorn“ (Starke interessante neue Songs!) haben muss. Die sind sicher nicht viel weniger als vollwertige Alben. Sowohl von der Spielzeit als auch von der Qualität her. Vielleicht mache ich sowas ja bei einer anderen Band noch einmal. Aber wohl eher nicht in naher Zukunft. ;-)



Vertebrae:

Havocs erster Platz ist also mein Schlusslicht. Alle Befürchtungen haben sich für ihn dann wohl bestätigt. Ich habe es, während dem Ranking hier sogar noch versucht an diesem Album etwas zu finden, dass mir gefallen könnte. Aber es ist ausweglos. Das Album, diese Art von Stil die „Enslaved“ auf diesem Output zelebrieren will nicht an mich heran.

Mir wollen die Songs einfach nicht hängenbleiben und bis auf das Riff im Opener bleibt da auch nicht viel. Außerdem finde ich den Mix aus ruhigen und lauten Passagen zu viel des Guten. Das ist mir nach meinem Geschmack, in der ohnehin schon sehr blassen Produktion, etwas zu gleichförmig in der Struktur. Das dröhnt zwar manchmal sehr leicht, was vielleicht in einer anderen Herangehensweise der sphärischen Seite der Band begründet liegt. Aber da habe ich es dann doch lieber direkter. Das hat die Band schon besser hinbekommen. Tatsächlich nervt mich die Produktion hier sogar mit am meisten. Vor allem deshalb, weil mir der Druck dahinter fehlt. Das klingt in vielen Teilen schon sehr dünn und für mich echt ein bisschen zu glatt und ohne Ecken und Kanten, wenn ich die Diskographie der Band nochmal durchgehe. Es bereitet mir einfach nicht den Hörgenuss, den wohl der ein oder andere an der Platte hat.

Der Sound soll jetzt aber nicht als Sündenbock für all das stehen was mir nicht gefällt. Es ist einfach das Gesamtprodukt, dass mir am wenigsten zusagt. Es bleibt zu wenig hängen. Die Stellen die mir gefallen, kann man an einer Hand abzählen und ist im Vergleich zu den anderen Alben eben zu wenig.

Wahr ist, dass ich das Solo in „Ground“ für einen der wenigen Lichtblicke auf diesem Album halte. Vielleicht ist „New Dawn“ sogar der beste Track auf dem Album. Mit ganz klarer Sicherheit sogar. Diese Melodie ist es, die mir sonst auf der Platte, der davor und danach fehlt. Das ist ein wirklich toller Song. Aber das war es dann leider auch schon. Der Rest der Scheibe geht völlig an mir vorbei.

Die Freudentänze die Havoc um dieses Album macht..ja...da kann ich leider nicht mittanzen. Deswegen landet das Album aus meiner Sicht auf den vermeintlich letzten Platz.

Mein Ranking:

1. Frost
2. Vikingligr Veldi
3. Monumension
4. Eld
5. Isa
6. Blodhemn
7. In Times
8. Mardraum (Beyond The Within)
9. Below The Lights
10. Utgard
11. RIITIIR
12. Ruun
13. E
14. Axioma Ethica Odini
15. Vertebrae
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Re: Enslaved

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 10. März 2021, 21:15

Zum Abschluss kann ich nur das zurückgeben, was Havoc in seinem letzten Absatz geschrieben hat. Das hat auch mir sehr viel spaß gemacht und die Unterschiede sind zwar deutlich, aber es gibt ja auch genauso Meinungen von uns beiden die sich gleichen und gar nicht so weit auseinander sind. Von dem her, war das hier sehr unterhaltsam und spannend zu lesen.
Das hören durch die Diskografie hat mir die Musik noch einmal ein Stück näher gebracht.
Havocs Meinungen zu den Alben finde ich sehr spannend und ich denke, dass das hier auch eine tolle Sache ist um irgendwann einmal in diesem Thread rumzustöbern und nachzuschauen, was man da vom Stapel gelassen hat :grins:

Ich wünsche mir für dieses Forum solche Geschichten mehr.
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Re: Enslaved

Beitragvon Havoc » Mittwoch 10. März 2021, 23:09

Pillamyd hat geschrieben:Vertebrae:
...in der ohnehin schon sehr blassen Produktion...Tatsächlich nervt mich die Produktion hier sogar mit am meisten. Vor allem deshalb, weil mir der Druck dahinter fehlt. Das klingt in vielen Teilen schon sehr dünn...


Ich kann fast alles ziemlich gut verstehen und nachvollziehen was du schreibst. Nur das mit dem Sound finde ich schon komisch. Da scheinen Ohren wohl generell sehr anders zu funktionieren.
Das ist mir hier wirklich ziemlich schleierhaft. Das höre ich ganz anders. :?
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Re: Enslaved

Beitragvon Jhonny » Donnerstag 11. März 2021, 06:23

Es hat in jedem Fall Spaß gemacht, hier immer wieder in eure Posts reinzuschauen!
Vielen Dank euch fürs Teilen :)
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Re: Enslaved

Beitragvon Pillamyd » Donnerstag 11. März 2021, 16:55

Havoc hat geschrieben:
Pillamyd hat geschrieben:Vertebrae:
...in der ohnehin schon sehr blassen Produktion...Tatsächlich nervt mich die Produktion hier sogar mit am meisten. Vor allem deshalb, weil mir der Druck dahinter fehlt. Das klingt in vielen Teilen schon sehr dünn...


Ich kann fast alles ziemlich gut verstehen und nachvollziehen was du schreibst. Nur das mit dem Sound finde ich schon komisch. Da scheinen Ohren wohl generell sehr anders zu funktionieren.
Das ist mir hier wirklich ziemlich schleierhaft. Das höre ich ganz anders. :?


Na ja, sie führen den Weg den sie mit "Ruun" eingeschlagen habe, konsequent weiter. Auch Soundtechnisch. Das hebt sich von den anderen Platten generell erstmal stark ab. Das mag für andere fluffig und leicht klingen. Für mich blass, eben auch in den ruhigen Passagen. In den lauten Tönen passt das für mich einfach nicht daher dann auch sehr dünn.
Leider, leider....

Die Phase zwischen "Ruun" und "Axioma Ethica Odini" ist für mich die schwächste der Band. Das dazwischen noch die "E" gelandet ist, mag verwirren. Aber die will immer noch erarbeitet werden und das klappt halt auch noch. Bei den beiden letztplatzierten Alben eben nicht.

Jhonny hat geschrieben:Es hat in jedem Fall Spaß gemacht, hier immer wieder in eure Posts reinzuschauen!
Vielen Dank euch fürs Teilen :)


Das freut mich sehr. Wirklich! Danke.
Ich mag es wenn über komplette Diskographien geredet wird. Deswegen hat bei mir das Jahr mit Komplettierung angefangen. "Overkill" (ok, eine fehlt noch), "Sepultura", "Manilla Road", "Mayhem" und "Voivod" wächst so langsam bei mir auch. Sich einen kompletten Überblick über das Schaffen einer Band zu machen, bereitet mir sehr viel Freude. Auch wenn es darunter Lowlights gibt, so ist das Interessante daran, den Kontrast zu erleben. Wann war bei Band xy die Schwache Phase, wie empfindet man die Phasen selber. Welche Alben gehen unter in einer Diskografie. Welche vermeintlichen Klassiker gefallen einem selber, welcher weniger. Mit welchen Alben welcher Band kann man nichts anfangen, oder doch. Das macht dann doch sehr viel spaß.
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