Um mal den Versuch zu unternehmen, das sachlich und ungefärbt einzuordnen, weil es mir hier fern lag, den Keim eines Zwistes säen zu wollen:
Für mich ist eigentlich sehr nachvollziehbar, dass gerade polnische Black Metal Bands es sind, die sich besonders intensiv beim Dritten Reich bedienen. Der Grund dafür ist so offensichtlich wie trivial: Polen hat in besonders extremem Maße unter diesem Krieg und den Gräueltaten des Regimes gelitten, was bedeutet, dass ein Black-Metal-Musiker dort in einem Maße Sensibilitäten durch diese Bezugnahmen triggern kann, wie er es auf andere Weise nur schwer bewerkstelligen könnte. Denn obwohl Polen sehr katholisch ist, ist wohl selbst dort der Satan nicht so real und so nah wie WK2.
Wenn man nun bedenkt, dass Black Metal eine Kunstform ist, die nach dem Selbstverständnis eines großen Teils ihrer Protagonisten, der (ernsthaften oder künstlerischen) Huldigung des ultimativ Bösen dient, der Huldigung des Satan höchstselbst, müsste man ja eigentlich beruhigt sein, dass sich im Vergleich dazu viele nurmehr bei "kleinen Bösen" bedienen statt bei dem absoluten Antichristen. Das Problem, das nun die Öffentlichkeit damit hat, ist, dass sie mehrheitlich den Satan inzwischen für eine Märchengestalt hält, und deshalb keiner empört oder geschockt ist, wenn der Satan von Black Metal Bands glorifiziert wird. Das begreift man direkt als Rollenspiel, das wird akzeptiert, bis halt mal ausnahmsweise in 10 Jahren mal einer wieder beweist, dass er das doch ernster gemeint hat, als alle dachten (Kirchenbrände, Sondershausen etc...). Beim politischen BM reagiert die Öffentlichkeit genau anders herum. Hier wird erst einmal pauschal unterstellt, dass ernsthafte politische Absichten vorlägen, und eben gerade kein Rollenspiel, einfach weil das Böse des Faschismus von der Gesellschaft ernster genommen wird als das Böse des Teufels, obwohl dieser als Inkarnation des Bösen (ja, klar, je nach Satanismusbegriff auch wieder nicht) letztlich ja auch das Böse aller Menschen mit einschließt, auch das der Nazis. So gibt es inzwischen ja sogar schon dschihadistischen Black Metal (!!!). Warum? Weil auch das - mehr denn je und aktuell auch mehr als fast alles andere - als ein sehr real empfundenes, bedrohliches Böses empfunden wird. Es ist böse? Es ist bedrohlich? Es wird ernst genommen und gefürchtet? Man kann Ikonen daraus basteln? Genau dann ist es für BM-Bands ein Thema!
So gesehen, muss man im Zweifel sogar einräumen, dass Black-Metal-Bands mit politisch extremistischen Themen, zumindest eine ziemlich mainstreamige Moralauffassung haben, denn immerhin identifizieren sie Faschismus etc... was auch immer ihr Thema sein mag, als "böse", denn sonst könnte es ihnen nicht als Reizthema und als Eidolon ihrer bösen Kunstform dienen. Wäre es nicht schlimmer, wenn sie mit diesen Themen positiven Happy Metal machen würden, der suggerieren würde: "Ja, wir finden das gut und promoten das positiv!" - Wie es z.B. manche Neofolk- oder ein Großteil der RAC-Bands tun. Wenn die offen Nazis glorifizieren, dann werden sie von ihnen ja noch nicht einmal als böse interpretiert, nicht als Antihelden wie im BM (der immer den Antihelden feiert), sondern als echte Helden.
Für mich ist es daher systematisch gesehen relativ logisch, dass sich Black Metal Bands bei allen denkbaren "Idolen" bedienen, die von der Gesellschaft, der sie angehören mehrheitlich als "böse" identifiziert werden, und zwar ganz egal, ob es sich um religiöse Figuren (Satan, Lucifer, Beelzebub, Inquisitoren, Hexenjäger, Dämonen, dunkle Götter), historische oder mythische Figuren (Vlad Ţepeş, Hitler, Stalin, Pol Pot, Mengele, Caligula, Nero), fiktive Bösewichter (Darth Vader, der Imperator, Nosferatu, oder ideologische Systeme (Misanthropie, Antikosmik, Faschismus, Rassismus, Totalitarismus, real existierenden Kommunismus) handelt.
Der Schlüssel ist immer: Kann es als Sinnbild für "das Böse" dienen, dann taugt es als Ikone für den Black Metal. Genauso wie alles was mit "Gewaltverbrechen" identifiziert wird, gerne als Ikone im Horror/Splatter/Gore-Death/Grind hergenommen wird und jedem Serienmörder ein Album gewidmet wird (und ein blutiger Kinofilm).
Von daher bin ich da persönlich in jeglicher Hinsicht sehr tolerant, ohne dass ich das per se alles gut finden müsste. Meine individuellen "Grenzen des guten Geschmacks" sind allerdings bei der Splatter/Grind-Kiste mit drastischen Darstellungen von Gewaltexzessen deutlich schneller erreicht als bei Deibeleien und politischen Boshaftigkeiten. Dennoch sehe ich das in aller Regel eher als legitime Rollenspielerei denn als gefährlichen politischen Aktionismus oder ernsthafte Gewaltverherrlichung.
Dass es natürlich auch Musiker gibt, die ihre vermeintliche Rollenspielerei ernster nehmen, als jedem lieb sein kann, ist offensichtlich, und es gibt durchaus auch Bands auf deren Konzerte ich in Ansehung des dort zu erwartenden Publikums niemals besuchen würde. Hab da kürzlich ein paar YT-Auszüge von BM-Gigs in Russland und anderen Teilen Osteuropas gesehen, wo ich mich sehr unwohl fühlen würde, und auch in Deutschland gibt's Gegenden und Szenen, deren Gigs speziell im BM ich nicht besuchen würde. In Deutschland kommen dann natürlich noch legale Beschränkungen und der intensiven historischen Aufklärung geschuldete Sensibilitäten dazu, die man in den USA, in Finnland oder in Polen ggf. nicht in dem Maße hat. Auch das muss man sehen, vor man zu schnell eine Band aus dem Ausland in den "überzeugten Nazitopf" packt, weil die in einem Interview Dünnschiss gelabert hat oder zu viele Runen auf dem Frontcover hat.
Das mal so als grobe Analyse, warum das passiert und wie ich es interpretiere. Will damit keinen indoktinieren. Soll jeder so halten, wie er will, mit den kritischen Bands. Missionieren liegt mir fern. Mir ist halt wichtig, dass jeder, der sich für das Thema interessiert, das auch tun kann, ohne zu sehr mit den Mühlen der Zensur kämpfen zu müssen. Dass man gewisse Bands dann trotzdem lieber für sich behält, und nicht in Foren, auf Facebook oder in Reviews promotet, sehe ich aber durchaus auch so. Wo genau er diese Grenze zieht, muss jeder für sich beantworten, und in fremden Portalen muss er halt deren Grenzen respektieren. Da Kreuzzüge zu veranstalten ist aber etwas lästig, denn im Normalfall sollte man den Leuten bis zum Beweis des Gegenteils durchaus die nötige Mündigkeit unterstellen, selbst für sich eine Entscheidung treffen zu können.
Hier funktioniert das im Allgemeinen recht gut.

P.S.:
Zum politisch-korrekten BM noch eins: Wenn man "Black Metal" rein stilistisch definiert, dann kann es das natürlich geben, und ich hab auch kein Problem damit, wenn sich eine Band der schwarzmetallischen Formensprache bedient, um Öko-Themen zu behandeln, wie das die Kaskadier manchmal tun (oft dann dafür trotzdem misanthropisch/antispeziesistisch, und dann auf diese Weise wieder inhuman=böse). Definiert man Black Metal indes als Metal, der dem Bösen huldigt (egal ob rollenspielerisch oder ernsthaft), dann ist es natürlich ein Widerspruch in sich, die Ansprüche der PC an das Genre anzulegen, denn genau das will der Black Metal ja gerade nicht sein: "Nett, gerecht und korrekt zu allen!" - Er will böse sein, verdammt nochmal! Wenn man daher von BM ernsthaft erwartet, p.c. zu sein, dann ist irgend etwas komisch... es erwartet ja auch keiner einen humanistischen Sauron, einen hilfsbereiten Darth Vader oder einen blutspendenden Dracula.

alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38