Tippen, tippen, nachhören, überprüfen, Links raussuchen... Was tut man nicht alles für seine Mitmenschen.
STARGAZER "The Scream That Tore the Sky"→ Die hatte mir Fabi unerwartet geschenkt und dementsprechend wusste ich auch nicht, was mich hier erwartet. Wäre ein toller Band- und Alben-Name für eine Shoegaze-Band gewesen. Metal-Archives nennt es aber
Avant-garde Black/Death Metal. Klingt doch schon mal vielversprechend! Der Avantgarde-Tag kommt vom jazzig-todesbleiern-RUSHigen Gefrickel und Geriffe, das in Verbindung mit den Synthies sehr nach ordinärem Genre-Prog klingt. Gitarrenarbeit irgendwo zwischen INTO ETERNITY und DAN SWANÖ. Ein funky Bass à la ATHEIST, ein paar orientalische Melodien und ein Schlagzeuger, der keine 5 Sekunden einen einzigen Takt halten will. In den besseren Momenten kommen mir vielleicht FORGOTTEN SILENCE und LYKATHEA AFLAME in den Sinn. Die als
Similar Artists geführten PORTAL haben hiermit gar nichts gemeinsam außer dem Heimatland. Und Black Metal gibt es entgegen der Beschreibung auch nicht zu hören. Ohne den harschen Gesang würden sich Fans von BLOTTED SCIENCE vielleicht dazu einen runterholen können. Wenn ihre Standards nicht allzu hoch wären. Klingt alles noch ein bisschen ungeschliffen. Die Band hat sicher Ambitionen, sollte aber noch an ihrem Songwriting arbeiten. Macht nichts, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ja, Nils, das gilt auch für DREAM THEATER.
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'Ye Olde Magic'
CULTES DES GHOULES "Henbane"→ Großartiger Black Metal, der Moderne und Tradition verbindet. Hier wird alles von klassischem Norge-Sound, schwedischen Riffs, finnischer Atmosphäre über polnische Melodik und amerikanische Brutalität hin zu französischer Finesse und deutscher Zähigkeit kombiniert. Ihr wollt wissen, wie das klingt? Man stelle sich vor: MAYHEM, TAAKE, KATHARSIS, BLACK WITCHERY, OFERMOD, TEITANBLOOD, KRIEGSMASCHINE, CHARON, DØDSENGEL, DENIAL OF GOD und BARATHRUM zeugten im Angesicht des Gehörnten in einer wahrhaft boshaften Sinfonie der schwarzen Künste den Welten zerstörenden Bastard des Antichristen. So klingt das! Hier stimmt alles: Die druckvolle, aber düstere Produktion. Der garstige und abwechslungsreiche Gesang, der im Stil gekonnt zwischen Maniac, Atilla, Big Boss, Hoest und Arioch/Mortuus wechselt; die gefühlt hunderttausend Riffs pro Song; der Wechsel zwischen atmosphärisch klimpernden und doomig schleppenden und hymnisch beschwörenden und knatternd blastenden Parts (und alles, was zwischen diesen Extremen liegt) bis zur nicht zwar nicht allzu auffälligen, aber absolut songdienlichen Fingerfertigkeit der Musiker. Hier hatte ich ein bisschen das Gefühl, den Black Metal wieder ganz neu entdecken zu dürfen. Kein Post-Baumknutschen, Prog-Gegniedel, Avantgarde-Gedudel oder Shoegaze-Kuscheln weit und breit,
JUST PURE FUCKIN' SATANIC CHRISTIAN-SLAYIN' GOAT-SACRIFICIN' BLACK METAL FROM THE SULPHUROUS PITS OV HEEEEEEEEELLL!!! Während der gesamten Spielzeit waren meine Mundwinkel vor lauter Grimmigkeit nach unten gezogen und meine Hände balancierten die unsichtbaren Apfelsinen der Finsternis. Klasse. Bisher in Sachen Dunkelstahl das beste Album, das ich in diesem Jahr hören durfte.
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'The Passion of a Sorceress'
KADAVAR "Kadavar"→ Awesome retro heavy/doom metal is awesome. And retro. Fuzzy Basslinien, dreckige Riffs, psychedelische Soli, rumpelnde Songs. Alles drin und alles dran, was Anfang der 70er cool war. Siehst Du, Rüdiger, Nieten und Fäuste waren nicht am Anfang des Metal. Sondern chillige Hippies und schwere Musik, die ganz ohne Schwerter und eingeölte Oberkörper auskam. Wie heute im Post-Metal. Dieser ganze VILLAGE-PEOPLE-Schlagerquatsch kam erst ab etwa 1980 mit den späteren JUDAS PRIEST und Kirmesmetal wie MANOWAR.
Davor war Heavy Metal noch cool!
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'Black Sun'
GORGUTS "Colored Sands"→ Hasst ihr es nicht auch, wenn die Amis einfach nicht
colour richtig schreiben können? Beeindruckendes Comeback. Mitreißend dissonantes Geprügel, schweres Geschlurfe, immer wieder durch atmosphärische Parts unterbrochen. Zeitweise schon in den Post-Rock abdriftend! Seinerzeit wurden DEATHSPELL OMEGA von GORGUTS beeinflusst, heutzutage trägt Luc Lemay ein DSO-Shirt und lässt den Einfluss wieder durchscheinen. Aufgrund der erhöhten Melodien leichter verdaulich als "Obscura" und generell nicht so hart wie die Vorgänger, wenn auch manchmal abstrakter. Der weiche Mix ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, kratzt dafür nicht so harsch in den Trommelfellen wie "Obscura".
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'An Ocean of Wisdom'
PJ HARVEY "Let England Shake"→ Polly kann wenigstens "colour" richtig schreiben! Das Album hat seit seinem Erscheinen bzw. seiner Ankunft in meinen vier Wänden meinen MP3-Player nicht mehr verlassen. Ich kann mich beim besten Willen auch nicht dazu bringen, es von dort zu löschen, selbst wenn ich den Speicherplatz bräuchte. Wenn ich irgendwann mal wieder dumm genug sein sollte, eine Top-100-Liste zu entwerfen (Satan bewahre!), dann ist dieses Album garantiert dabei. Mir gefallen auch die anderen mir bekannten Alben von Polly, aber dieses hier finde ich ganz besonders atemberaubend und magisch. Ich würde ja normalerweise an dieser Stelle noch irgendwelche zweideutigen (oder weniger einfallsreich eindeutigen) Andeutungen zu Polly schreiben, aber seit 2 Wochen habe ich eine attraktive 19jährige Haushaltshilfe, auf die sich jetzt meine perversen Gelüste ganz wunderbar fokussieren lassen (sie macht ein soziales Jahr, ich hatte mir bei einem Krampfanfall den Oberschenkel ausgerenkt und bin deshalb nicht sehr mobil). Ja, ich bin ein furchtbar schlechter Mensch und nein, ich habe sie nicht angebaggert. Man mag mich ja krank, lüstern und pervers nennen, aber... aber... ähm... hm...

Mir fällt keine Möglichkeit ein, diesen Satz zu beenden.
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'All and Everyone'
NEGATIVE PLANE "Stained Glass Revelations"→ Ja, die Amis können auch "puren" Black Metal und nicht nur hippieskes Kaskadengeplänkel spielen, wobei sich hier trotzdem in der Gitarrenarbeit ebenso wie bei der GORGUTS ein paar Post-Rock-Parallelen ausmachen lassen. Eines der besten schwarzen Alben, die in den letzten Jahren aus den Staaten zu uns schwappten.
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'Angels of Veiled Bone'
FORGOTTEN SILENCE "La Grand Bouffe"→ Die verrückten Tschechen sind zurück. Oder waren schon letztes Jahr zurück und ich habe es nur nicht mitgekriegt. Wie immer zu wenig Ohren und zu wenig Zeit auf viel zu viel Musik. Verrückter Jazz-Avantgarde-Prog-Death-Metal, der nicht mehr so wild und inonsequent wie früher zwischen allen möglichen Ideen und Stilen hin und her springt, sondern ausgefeilter und fokussierter wirkt. Die klaren Vocals sind stark verbessert (neuer Sänger?), die Produktion fetter und klarer; man hat sich in allen Belangen gesteigert. Fans von OPETH, GORGUTS, ORPHANED LAND, ATHEIST, EPHEL DUATH und MAUDLIN OF THE WELL dürfen hier gerne ein oder zwei Ohren riskieren. Bin sehr angetan davon, wie die Band sich gemausert hat von "interessant, wenn auch recht ungeschliffen" zu "verdammt, das ist ja richtig gut". Wäre was für die Prog-Plauder-Ecke, aber wie bei allen "meinen" Prog-Bands wird das wieder nur ein Selbstgespräch. Wozu über neue Prog-Bands reden, wenn man über ein mittelmäßiges DT-Fan-Cover sabbern kann?
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'Translucide'
ISVIND "Intet Lever"→ Ein riesengroßer Mittelfinger an alle anderen altgedienten Helden der alten Norwegerschule. Klar, Weiterentwicklung ist wichtig. Aber wenn
alle sich weiterentwickeln, muss doch irgendjemand noch den Geist, die Fackel des klassischen Norge-BM weitertragen!
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'Kjølhalt'
KATHARSIS "Fourth Reich"→ Schon wieder so eine LP, die grundlos als EP vermarktet wird. 5 Songs auf 46 Minuten ergeben eine Langrille! Auf halbem Weg zwischen ursprünglichem Geprügel à la alte DARKTHRONE und modernem ... oje, sag ich jetzt wieder Orthodox Black Metal? Eijeijei. Sagen wir einfach, es bringt den Sound von "A Blaze in the Northern Sky" und "Transilvanian Hunger" ins 21. Jahrhundert.
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'Eucharistick Funereall'
CHAOS INVOCATION "Black Mirror Hours"→ Ähm... ähm... verdammt, das ist jetzt gerade das letzte Album dieser Liste, welches eine Beschreibung braucht, der Rest ist bereits getippt. Also... äh... schon der Vorgänger beeindruckte mich vor allem aufgrund seiner eigenwilligen und elegischen Gitarrenarbeit in Verbindung mit stahlklarem Black Metal. Das hier baut darauf auf, führt keine großen Veränderungen ein, poliert das Ganze aber noch auf Hochglanz.
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'Beyond Coming'
LISSIE "Catching a Tiger"→ Miau. TOM WAITS meets DIXIE CHICKS. Oder die Rhythmusabteilung von THE BOOK OF KNOTS trifft auf ELLIE GOULDING. Smartes Pop-Album mit total knuffel-wuffeliger Sängerin. Kriminell catchy, ohne dabei süßlich und penetrant zu sein.
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'In Sleep'
FLAGELLANT "Maledictum"→ Trve Grim as Fvck Svedish Black Metal ov Evil! Majestätischer Old School BM mit erstaunlich apartem Sänger, großartigen Riffs, herrlich schleppenden Parts und wunderbar hasserfüllten Songs. Pure Freude in seiner grimmigsten Form! Erinnert mich etwas an ASCENSION. Klare bis schlackige Riffs à la OFERMOD. Und noch eine weitere Band schwirrt mir als Vergleichsgröße im Kopf herum, ich komme aber ums Verrecken nicht auf den Namen. Dabei habe ich die in der Sammlung zu stehen. Aber die wird ja immer größer! Nächsten Monat kommen ja wieder 20 Alben dazu! Wer soll das noch alles hören! Wie dem auch sei:
So spielt man heutzutage unverfälschten, kraftvollen Black Metal! Die Band, die mir nicht einfallen wollte, reimt sich vielleicht auf Saathain oder Ratwein oder Badbein. Oder? Nee, die Vocals sind zu markant anders. Obwohl die Sänger den gleichen Künstlernamen verwenden. Verdammt sei mein löchriges Gedächtnis! MGŁA? Keine Ahnung...
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'Towers of Silence'
NAUTICUS "The Wait"→ Es gilt alles, was auch bereits letzte Woche geschrieben wurde

Es wäre wohl etwas hoch gegriffen, wenn ich den Prog Rock hier mit TOOL vergleichen würde, aber die Ähnlichkeiten sind da. Ebenso mit COG. Atmosphärisch, locker, angefrickelt.
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http://nauticus.bandcamp.com/
WATAIN "The Wild Hunt"→ Die ersten paar Durchläufe waren ziemlich ernüchternd. Es war zwar klar, dass es Nils' Hype niemals standhalten könnte, doch es macht mich immer ein wenig nervös, wenn Leute, die nicht ganz so tief in der schwarzen Materie verwurzelt sind wie ich, plötzlich neue Alben von großen Namen mit Hyperlativen überhäufen. Besonders wenn es keinerlei Anzeichen gibt, dass besagte Leute auch in etwa zur gleichen Zeit erschienene kleinere Namen des Genres zum Vergleich herangezogen haben. Black Metal geht halt immer mit einem zynischen Elitarismus einher, selbst wenn dieser ungewollt ist und man so wie ich über das Genre hin und wieder problemlos lachen kann. Auch ohne diese Vorablorbeeren aus den Fingern eines selbst zu jeder von Petrucci nur durch versehentliches Anstoßen der Gitarre erzeugten Note sabbernd ejakulierenden DREAM-THEATER-Fanboys in meinem Hinterkopf wollte sich beim Hören keine besondere Euphorie einstellen. Eher ein leichtes anerkennendes Nicken. Klar, es ist gut gemacht, solide gespielt, enthält etwas Abwechslung. Aber gleichzeitig ist es enttäuschend zahm, zahnlos und erstaunlich unauffällig. Im Direktvergleich mit anderen aktuellen Veröffentlichungen im BM-Bereich wie z.B. "Magia Gwiezdnej Entropii" von PLAGA, "Almighty Arcanum" von DENOUNCEMENT PYRE oder die oben genannte "Maledictum" von FLAGELLANT und ganz besonders "Henbane" von CULTES DES GHOULES sieht es doch recht blass aus und auch gegenüber den eigenen Vorgängern ist es in Sachen Intensität, Eingängigkeit, Grimmigkeit und Spielfreude ein ziemlicher Rückschritt. Nicht ein einziges Mal wollte ich die Mundwinkel nach unten ziehen, unsichtbare Apfelsinen jonglieren, den Abbath-Tanz aufführen, Jungfrauen schänden, Ziegen opfern, die Pommesgabel gen Himmel recken oder mit einem Zauberer-Hut auf dem Kopf durch verschneite Wälder laufen. Das ist eigentlich kein allzu gutes Zeichen bei einem Black-Metal-Album. Allerdings kann auch nicht immer jedes neue Album einer Band besser sein als das vorhergehende. Die neue CULT OF LUNA finde ich zwar auch solide, doch eben nicht annähernd so gut wie die drei Alben zuvor. Es muss halt auch solche Alben geben. Und bitte entschuldige die überspitzte Beschreibung für Deine Euphorie, lieber Nils, ich bin halt nur ein abgestumpfter, zynischer Griesgram, der anderen Menschen einfach nicht ihre Begeisterung gönnen kann. Empathie, Freude und Toleranz sind eben einfach nicht Black Metal. Schlimm, ich weiß.
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'Sleepless Evil'Disclaimer: Die aktuelle Feindseligkeit gegenüber Nils' Lieblings-Band kommt nur daher, dass letztens in einem meiner Träume (!) 'The Enemy Inside' (!!!) als Hintergrundmusik vorkam. Gruselig, nicht wahr? Man sollte es dementsprechend eigentlich Albtraum nennen, aber der visuelle Teil des Traumes war verdammt cool. Ich hatte irgendjemanden erstochen, den ich nicht leiden konnte und rannte durch ein labyrinthines Gebäude. Und wieso ist meine Haushaltshilfe nicht am Wochenende hier?! Sie könnte Klausens Thrash-Sampler aus meinem Briefkasten holen! Oder meine Playlist schreiben! Und ich könnte sie dabei ungestört angaffen! Würde uns beiden das Leben einfacher machen!
