Holger Andrae hat geschrieben:Chavo89 hat geschrieben:Mit der deutschen "Volksmusik" ist es ja genauso...
I tend to difer between volkstümlicher Musik und volkstümelnder Musik.
Ja, aber das ist doch beim Country nicht anders. Da hast du auch Blendax-Schlager-Country von der Stange auf der einen Seite, und auf der anderen Seite tief emotionale Musik von Originalen, die das Leben bis auf die Knochen tätowiert hat. Weil genau das ja auch schon in den Siebzigern passiert ist, haben sich ja seinerzeit auch Leute wie Cash, Nelson, Coe, Jennings, Kristofferson vom Hochglanz-Nashville-Sound abgekoppelt und eine eigene Bewegung gegründet, die man bisweilen Outlaw Country nennt. Oder der Country-lastige Südstaaten- und Folkrock. Es gibt durchaus Sachen von Nelson, Cash, Coe, den Highwaymen oder meinetwegen Hank Williams III, die auch gut auf härtere Southern-Rock-Scheiben passen würden.
Und ist es nicht in unserer Szene genau das selbe? Die einen feiern ihre Power-Metal-Götter Sabaton, Rhapsody und Dragonforce ab, und die anderen fragen sich, was das alles mit Power Metal oder überhaupt mit Metal zu tun haben soll.
Peter Kubaschk hat geschrieben:mir macht viel mehr Sorge, dass Rüdiger auf einmal Country hört. Wenn da demnächst Truck Stop und so in der Sammlung landen.....
Truck Stop fand ich vor 30 Jahren mal ziemlich cool.

Ganz ehrlich, vor ich mir Nine Inch Nails, Incubus und Smashing Pumpkins in die Stube hole, dann doch eher Truck Stop. Aber auch das ist in der Tat nicht geplant. Ich habe auch nicht speziell den Vorsatz, mir eine große Country-Sammlung aufzubauen. Aber ich hab über diverse Sachen von Cash, Coe, Nelson und Kristofferson einfach gemerkt, dass wir es da mit Musikern und Liedern zu tun haben, die sehr viel von dem mitbringen, was mich auch an etlichen "meiner" Metalbands fasziniert und emotional berührt. Es handelt sich um lebensweise Charakterköpfe mit sehr prägnanten und tollen Stimmen, die mit meist relativ simplen, aber trotzdem vollendet dargebotenen musikalischen Mitteln unvergessliche Hymnen geschrieben und gesungen haben, an die man sich ewig erinnern kann, und die eine tolle Mischung aus störrischem Pathos und elementarer Emotionalität erschaffen. Außerdem kann ich mich gerade bei der Outlaw-Bewegung ganz vortrefflich mit dem gerade für viele Deutsche sehr krass empfundenen Spannungsverhältnis zwischen einem patriotisch-konservativ-reaktionären Weltbild und dem trotzdem vorhandenen Willen zur Rebellion gegen das Establishment, die Obrigkeit und die Beschränkung von Freiheiten identifizieren. Das ist im Prinzip genau das, was Blackie Lawless auf der "Still Not Black Enough" mit dem Text zu 'Goodnight America' perfekt zu Papier gebracht hat.
Davon abgesehen, finde ich gerade bei den älteren Sachen aller dieser Herrschaften auch immer ein paar Songs, die ich skippen muss, weil sie mir zu kitschig oder zu belanglos sind. In den 60ern waren halt auch Liebesschnulzen obligatorisch. Ist ja bei den Beatles nicht anders. Aber - gerade Cash ist da ein perfektes Beispiel - mit zunehmendem Alter der Protagonisten, sind da wirklich reihenweise echte Hämmer geschrieben und umgesetzt worden, die in einer ganz anderen Liga spielen. Wer sich da einen ersten Eindruck verschaffen will, was ich meine, der sollte mal eines der ersten vier "American Recordings"-Alben von Johnny Cash, eines der drei Studioalben der HIGHWAYMEN, oder eines der Spätwerke (80er oder später) der klassischen Outlaws antesten und wird vieles bestätigt finden, was ich oben geschrieben habe.
Und wenn ich das alles in Musik finden kann, dann muss ich nicht drauf schauen, welches Genre gespielt wird. Ich werde sicher die späteren Sachen von Cash noch komplettieren, diverse Alben von Coe holen und auch die "politischen Alben" von Kristofferson aus den 80ern und 90ern reizen mich sehr. Daneben aber auch Sachen von z.B. Dylan, Springsteen, Bryan Adams oder Young. Und auch der Südstaaten-Rock wird bei Gelegenheit noch mal ausgedehnt werden. Mein Sänger-Faible wird es offenbar einmal mehr sein, das neue Türen öffnet.
Die Metalquote wird aber bei 90% + x bleiben, keine Sorge. Alles andere wäre ja ein Debakel.

alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38