WW2012 - Stahlschmelze

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WW2012 - Stahlschmelze

Beitragvon 123_7 » Dienstag 18. Dezember 2012, 21:56

Meine CD schlummerte in einem Slimcase. Das Cover zeigt einen aktiven Schmelzofen. In diesem Feuerinferno sieht man die Silhouette eines Arbeiters mit Schutzmaske. In weißer Schrift prangert der Titel des Samplers: "Stahlschmelze".

Soviel vorab. Ich kenne keinen einzigen Song. Ich habe hin und wieder eine Vermutung, wer die Band sein könnte und könnte mir auch gut vorstellen, wer mein Wichtel sein könnte. Aber dazu später mehr. Fangen wir direkt an:

1. 3:55
Entgegen des Titels geht es hier auch nicht direkt mit Metal los, sondern eher alternativ rockend. Über dissonante Gitarrenakkorde, prangert der Sänger in deutscher Sprache aggressiv seine Meinung:

Und sie beladen ihre Autos
mit Kindern unnd Gepäck
Wohin soll bloß die reise gehen
am besten ganz weit weg.

Die Produktion ist dynamisch und recht roh. Das Schlagzeug treibend und die Gitarren liebevoll verspielt, was mir recht ungewöhnlich für den Deutschrock dünkt. Und das ist auch genau der Punkt, der mir bei dem Song auch sehr gut gefällt. Das klingt nicht kalkuliert oder banal, sondern eine profunde Melancholie schwingt stets mit. Sehr schön. Ungewöhnlicher, aber guter Einstieg. Und das obwohl ich kein großer Fan von deutscher Sprache in der Rockmusik bin!

2. 4:14
Ein Muezzin erhebt seine Stimme über perkussive Klangmalerei. Alsbald brechen Snarerolls herein und brachiale Gitarrenakkorde brechen über den Hörer ein. Die fernöstliche Mentalität funkt im Hintergrund immer mal wieder durch. Der Gesang ist heiser und weitestgehend unmelodisch. Erinnerungen an Lemmy werden wach, aber Motörhead sind es nicht.
I am the god
of the grain(?)
I live, I die, I die
Rhythmisch ist der Song treibend, aber auch hypnotisch. Das Schlagzeug drückt monoton nach vorne, die Gitarrenriffs sind dissonant und breit. Netter Song, aber geht mir nicht weiter nahe.

3. 4:01
Maschinengewehrgeratter. Eine Bombe schlägt ein und ein typisches Heavy Metal-Riff setzt ein. Die Stimmbäner schwingen hochfrequent. Wobei ich auch nicht ausschliessen möchte, dass es sich hierbei um eine Frau handeln könnte. Er schmettert mir etwas im Sinne von "Die now, Die, Warrior" entgegen. "Somewhere in the shelter sits the man who holds your fate in hand". Soli, Twinleads... Der Song ist mir zu sehr Metal-Metal. Da fehlt mir etwas, was die Band für mich einzigartig macht. Das ist gut gemacht und geht gut ins Ohr. Aber in Ekstase versetzt mich das jetzt nicht.

4. 4:32
Der Song beginnt deutlich getragener. Gezupfte, gebrochene Akkorde. Eine verhallte, verzerrte Gitarre spielt langgezogene Töne. Dann brechen sehr trockene Gitarren herein, das Schlagzeug pappt sich an das Szenario. Und den Sänger erkenne ich dann auch (den ulkigen Akzent vergisst man einfach nicht). Das sind DEPRESSIVE AGE. Die CDs hatte ich vor Urzeiten mal. Aber warm wurde ich damit nie so wirklich. War ich zu unreif? Weil der Song hier gefällt mir sehr gut. Verspielter und seltsamer Thrash. Also genau mein Ding. "I am a murderer, no remorse in sin". Muss ich mir glaub ich mal wieder zulegen...

5. 5:04
Düstere, ausgehaltene Gitarrenakkorde. Furchtbar produziertes Schlagzeug hämmert auf mich ein. Die Gitarren stimmen in das rhythmische Muster ein und leitet in ein melodisches Hauptriff ein. Dann setzt ein Sänge rein, den man ganz kurz für Dio hätte halten können, aber er ist es nicht. "The dragons rise from the sea of flames through the night you can hear them marching". Wieder sehr Metal-Metal. Aber mit ein bisschen mehr Drive und packender Atmosphäre. Aber dieses Schlagzeug macht mir nahezu alles kaputt. Das klingt einfach albern. Schade...

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Re: WW2012 - Stahlschmelze

Beitragvon Jhonny » Dienstag 18. Dezember 2012, 23:12

Die 5 ist "Where Dragons Rule" von Crimson Glory. Das Album hab ich ja seit ein paar Tagen auf CD.
Grandioser Metal-Metal :D
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Re: WW2012 - Stahlschmelze

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 19. Dezember 2012, 00:04

Nummer 3 dürften Hellowenn mit "Warriors" sein.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: WW2012 - Stahlschmelze

Beitragvon Christian Schwarzer » Mittwoch 19. Dezember 2012, 00:18

Jhonny hat geschrieben:Die 5 ist "Where Dragons Rule" von Crimson Glory. Das Album hab ich ja seit ein paar Tagen auf CD.
Grandioser Metal-Metal :D

Aber sowas von grandios! Da stört mich das Schlagzeug auch nicht mehr.
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Re: WW2012 - Stahlschmelze

Beitragvon Jhonny » Mittwoch 19. Dezember 2012, 09:15

Christian Schwarzer hat geschrieben:
Jhonny hat geschrieben:Die 5 ist "Where Dragons Rule" von Crimson Glory. Das Album hab ich ja seit ein paar Tagen auf CD.
Grandioser Metal-Metal :D

Aber sowas von grandios! Da stört mich das Schlagzeug auch nicht mehr.


mir ist das noch nie negativ aufgefallen...
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Re: WW2012 - Stahlschmelze

Beitragvon Martin van der Laan » Mittwoch 19. Dezember 2012, 10:00

Nummer 1 erinnert mich an die 'Haubentaucherwelpen' (nicht ganz sicher mit dem Songtitel...) von TURBOSTAAT.
Und ein Songs namens "God of the grains" (oder so ähnlich) ist mir von AMEBIX bekannt, das könnte stilistisch einigermaßen passen.
668 - Neighbor of the Beast
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Re: WW2012 - Stahlschmelze

Beitragvon Christian Schwarzer » Mittwoch 19. Dezember 2012, 10:33

Jhonny hat geschrieben:mir ist das noch nie negativ aufgefallen...

Ich meinte auch eher: Der Song ist so gut, da währe mir quasi jeder Sound egal. Habs mir grad nochmal angehört und muss sagen, dass ich den Schlagzeug-Sound sogar ziemlich cool find. Drückt schön, allerdings etwas weit vorne.
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Re: WW2012 - Stahlschmelze

Beitragvon Frozen » Mittwoch 19. Dezember 2012, 11:48

Christian Schwarzer hat geschrieben:
Jhonny hat geschrieben:mir ist das noch nie negativ aufgefallen...

Ich meinte auch eher: Der Song ist so gut, da währe mir quasi jeder Sound egal. Habs mir grad nochmal angehört und muss sagen, dass ich den Schlagzeug-Sound sogar ziemlich cool find. Drückt schön, allerdings etwas weit vorne.


Würd ich auch sagen. Ich finde es sicher nicht ideal produziert, aber gestört hat es mich beileibe noch nie. Starker song eines tollen Albums. Klingt als wär das was für mich gewesen ^^ im Sommer muss ich auch wieder mitmachen...
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Re: WW2012 - Stahlschmelze

Beitragvon 123_7 » Freitag 21. Dezember 2012, 20:43

So weiter geht's: Sorry für die kleine Verzögerung, war in letzter Zeit privat nicht am PC...

6. 4:47
Verhalten geht es mit einem Clean-Gitarren-Intro los, alsbald ertönt hymnischer Folkmetal / -rock. Wirklich hart ist der Song nicht, im höheren Midtempo gehalten. Es wird mehr Wert auf Melodien als auf brachiale Riffs gelegt. Der Song ist reich orchestriert: Streicher und Flöten gehen Hand in Hand mit den Gitarren. Englisch sprechen die Herren scheinbar nicht. Im Interludium wird der Song etwas progressiver und vertrackter und erinnert in seinen besten Moment etwas an ORPHANED LAND, wenn auch nicht die exotische Melodieführung der Jungs aus Israel durchschimmert.
Der Song nimmt auch komplett das Tempo raus und gibt einer Frauenstimme Platz das Hauptthema mit Streichern zu intonieren.
Schöner Song, wenn auch nicht ganz meine Kragenweite. Aber da kann man bei Gelegenheit gut mal näher reinhören.

7. 4:09
Es toolt. Hypnotische Gitarenriffs mit meditativem, leicht montonem Gesang. Die rhythmische Arbeit ist nicht so ausgefeilt wie bei den bekannten Amis. "I would rather stay awake, the promise (?), I take the message if you get one but it doesn't matter when it's too late"... der Text ist sehr weit in den Hintergrund gemischt, deswegen ist es schwer ihn akurat zu verstehen. Gerade bei den sehr bratenden Gitarren im Refrain und in der Bridge ist er sehr undeutlich. Aber sonst gefällt mir der harte Alternative-Rock eigenlich ganz ausgezeichnet. Er ist roh und voller Energie. Sehr gut, damit kann man bei punkten :-)

8. 7:31
Tief gestimmte Gitarren brummeln vor sich hin und das Schlagzeug dröhnt im Midtempo. Das stonert ja ganz gehörig, hat aber dennoch mächtig Dampf unter der Kuppe. Basslastige Suppe, aber ich mag das. Auch hier ist der Gesang sehr weit im Hintergrund und recht unmelidiös vorgetragen. Aber passt gut zum retslichen Song. Im Refrain wird der Gesang brülliger. "When the lord has come".... vielleicht auch "When the night has come"... "When the dawn has come"? jedenfalls shoutet eine Gruppe bei der stetigen Wiederholung dieser Zeile mir ein "Lights Out, Lights Out!!" entgegen.Dann flirren mal die Gitarren , im nächsten Moment riffen Sie wieder rhythmisch im Unterstübchen. Gegen Schluss nimmt der Song die Lautstärke raus und gibt das Hauptriff weit weniger verzerrt wieder und ein cleanes Gitarrensolo ertönt, natürlich nur um wieder in den brachialen Refrain zu münden. Guter Track, da bin ich gespannt, wer dahinter steck.

8. 4:55
Da dreht jemand am Radiosender und ein Tango erklingt. Und plötzlich ertönt der eigentliche Song. Das Tangothema wird aufgenommen und mit monotonem Bass und Drumloops unterlegt, eine Stimme erhebt eine klagende Melodie. Darauf folgt monotoner Gesangklingt arg nach dem Kerl von Rammstein, er singt auch Deutsch.
"Bin der Rand unter der Augen
bin der Schlaf am Mittagstisch
bin der Bote unterm Segel (?)
bin der Schlange letzter Biss

Einige Klaviertupfer hier und da. Ein hymnischer Refrain ertönt, bei dem ich ernsthaft Probleme habe, den deutschen (!) Text zu verstehen. Seltsam das... Und das ganze geht wieder von vorne los.
Ich bin zwar immer für nichtmetallisches zu haben. Aber das Stück nervt mich ziemlich. In seiner Art für mich nichtssagend, aber trotzdem gewollt bedeutungsschwanger... naja, wer es mag...

10. 9:34
Der längste Song des Samples. Mit einem Gitarrenintro, dass einem Bob Dylan alle Ehre macht. Eine Mundharmonika steigt in das einsame Gezupfe ein. Dem Sänger legt offensichtlich auch mehr Wert auf Inbrunst, als auf korrekte Intonation. Aber das passt perfekt zu der herrlichen rohen Aufnahme. Nach 3 Minuten steigt verhalten ein Schlagzeug ein, nur um dann wieder abzuebben.
"Your collection of tongues, keep framed in your parlor with your adults and (?)
(?) of christ with a fistful of scars
And your vision is clear while your blind your own kind and the curtain of fear
your words twisted skywards distracted by stars"
Ich denke der Song heißt "Pray for rain"... diese Worte werden häufig wiederholt. Nach 5 Minuten stimmt das Schlagzeug auch nachhaltig ein und der Song entwickelt sich in eine extatische, erdige Folkrockhymne. Toller Song, der es tatsächlich schafft, aus seinen wenigen Mitteln, die Spannung fast über 10 Minuten aufrecht zu erhalten. Maßgebelich ist sicherlich auch der tolle Einsatz der Mundharmonika daran beteiligt. Da bin ich wirklich gespannt, wer dahinter steckt...

Später mehr...
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Re: WW2012 - Stahlschmelze

Beitragvon 123_7 » Freitag 21. Dezember 2012, 20:49

Thunderlaan did it again... der Kerl kennt ja echt alles :-)

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02. AMEBIX 'God Of The Grain'
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