Meine CD schlummerte in einem Slimcase. Das Cover zeigt einen aktiven Schmelzofen. In diesem Feuerinferno sieht man die Silhouette eines Arbeiters mit Schutzmaske. In weißer Schrift prangert der Titel des Samplers: "Stahlschmelze".
Soviel vorab. Ich kenne keinen einzigen Song. Ich habe hin und wieder eine Vermutung, wer die Band sein könnte und könnte mir auch gut vorstellen, wer mein Wichtel sein könnte. Aber dazu später mehr. Fangen wir direkt an:
1. 3:55
Entgegen des Titels geht es hier auch nicht direkt mit Metal los, sondern eher alternativ rockend. Über dissonante Gitarrenakkorde, prangert der Sänger in deutscher Sprache aggressiv seine Meinung:
Und sie beladen ihre Autos
mit Kindern unnd Gepäck
Wohin soll bloß die reise gehen
am besten ganz weit weg.
Die Produktion ist dynamisch und recht roh. Das Schlagzeug treibend und die Gitarren liebevoll verspielt, was mir recht ungewöhnlich für den Deutschrock dünkt. Und das ist auch genau der Punkt, der mir bei dem Song auch sehr gut gefällt. Das klingt nicht kalkuliert oder banal, sondern eine profunde Melancholie schwingt stets mit. Sehr schön. Ungewöhnlicher, aber guter Einstieg. Und das obwohl ich kein großer Fan von deutscher Sprache in der Rockmusik bin!
2. 4:14
Ein Muezzin erhebt seine Stimme über perkussive Klangmalerei. Alsbald brechen Snarerolls herein und brachiale Gitarrenakkorde brechen über den Hörer ein. Die fernöstliche Mentalität funkt im Hintergrund immer mal wieder durch. Der Gesang ist heiser und weitestgehend unmelodisch. Erinnerungen an Lemmy werden wach, aber Motörhead sind es nicht.
I am the god
of the grain(?)
I live, I die, I die
Rhythmisch ist der Song treibend, aber auch hypnotisch. Das Schlagzeug drückt monoton nach vorne, die Gitarrenriffs sind dissonant und breit. Netter Song, aber geht mir nicht weiter nahe.
3. 4:01
Maschinengewehrgeratter. Eine Bombe schlägt ein und ein typisches Heavy Metal-Riff setzt ein. Die Stimmbäner schwingen hochfrequent. Wobei ich auch nicht ausschliessen möchte, dass es sich hierbei um eine Frau handeln könnte. Er schmettert mir etwas im Sinne von "Die now, Die, Warrior" entgegen. "Somewhere in the shelter sits the man who holds your fate in hand". Soli, Twinleads... Der Song ist mir zu sehr Metal-Metal. Da fehlt mir etwas, was die Band für mich einzigartig macht. Das ist gut gemacht und geht gut ins Ohr. Aber in Ekstase versetzt mich das jetzt nicht.
4. 4:32
Der Song beginnt deutlich getragener. Gezupfte, gebrochene Akkorde. Eine verhallte, verzerrte Gitarre spielt langgezogene Töne. Dann brechen sehr trockene Gitarren herein, das Schlagzeug pappt sich an das Szenario. Und den Sänger erkenne ich dann auch (den ulkigen Akzent vergisst man einfach nicht). Das sind DEPRESSIVE AGE. Die CDs hatte ich vor Urzeiten mal. Aber warm wurde ich damit nie so wirklich. War ich zu unreif? Weil der Song hier gefällt mir sehr gut. Verspielter und seltsamer Thrash. Also genau mein Ding. "I am a murderer, no remorse in sin". Muss ich mir glaub ich mal wieder zulegen...
5. 5:04
Düstere, ausgehaltene Gitarrenakkorde. Furchtbar produziertes Schlagzeug hämmert auf mich ein. Die Gitarren stimmen in das rhythmische Muster ein und leitet in ein melodisches Hauptriff ein. Dann setzt ein Sänge rein, den man ganz kurz für Dio hätte halten können, aber er ist es nicht. "The dragons rise from the sea of flames through the night you can hear them marching". Wieder sehr Metal-Metal. Aber mit ein bisschen mehr Drive und packender Atmosphäre. Aber dieses Schlagzeug macht mir nahezu alles kaputt. Das klingt einfach albern. Schade...
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