Digital Vinyl

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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Germon » Freitag 25. Juni 2010, 12:38

123_7 hat geschrieben:Klingt plausibel.


Ich kann da auch keine Logiklücke entdecken.
Ich seh zwar aus wie Herbert Grönemeyer, doch ich bin ein ganzer Mann!

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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Eike » Freitag 25. Juni 2010, 19:12

Liest sich so, als hätte ich damit ebenfalls etwas anfangen können. Aber kennen werde ich davon wohl genausowenig wie von den übrigen Samplern. Teils sehr ungewöhnliche Auswahlen, dieses Mal!
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon 123_7 » Samstag 26. Juni 2010, 11:57

01 - Ambiental Soundscape Movement No. 3 0:10
Knurps, knurps. Das analoge Krümelmonster in Rillenform.

02 - ??? (12:35)
Der längste Song der zwei CDs. Ein crunchy verzerrtes Riff mündet in schleppendes Schlagzeugspiel. Smells like Doom. Dabei hat das Riff eine beinahe positive Grundresonanz. Beschwörender Gesang flechtet sich bordun-artig in dieses Riffgefüge ein und wird unterbrochen von harschem Gehauche. Und nun wird es noch doomiger. Schleppende Palm Mute-Riffs. Reverend Bizarre-Worship. Generell erinnert mich der Gesang etwas an Albert Witchfinder. Aber ich bezweifle, dass er es ist. Ich vermisse etwas die Steigerung um Song, die einzelnen Parts sind für sich gesehen sicher gut, aber sie bauen für mein Geschmack zu wenig aufeinander auf. Und das ist bei einem Zwölfeinhalbminüter auf Distanz tödlich. Und wenn man glaubt, der Song manövriert sich ins langweilerische Abseits, zocken die Herren hier ein geil rockiges Riff und bringen ordentlich Drive in die Geschichte. Da horcht man doch gleich auf. Hier würde ich auch nicht ausschließen wollen, dass das etwas sein könnte, was ich mir zulegen könnte.

03 - ??? (3:28)
Wiider gohd's. Schöne Akustik-Gitarren. Ein fiepsiges mellotron-artiges Instrument im Hintergrund. Ist das Tom Waits? Wenn ja, klingt er nicht ganz so abgefuckt wie sonst. Ändert aber nichts an der betörenden Schönheit dieses Stücks. Einfach schön. Und ich bin mir sicher, ich kenne den Sänger. Brauch ich.

04 - ??? (2:56)
Schräg gehts weiter. Drogen-Gospel-Madness. Könnte so fast auf der "The Black Rider" von Tom Waits stehen. Kaputt. Sehr kaputt. Aber faszinierend. Ist das noch Musik? Instrumente stimmen war jedenfalls nicht deren Stärke. Aber darum geht es hier auch gar nicht. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Das ist schon... sonderbar. Also eine Mischung aus sonderlich und wunderbar. Hat was.

05 - ??? (2:36)
Fließender Übergang in hasserfülltes Geschepper. Auf der Suche nach der Eins. Böse, schwarz. Irgendwo zwischen Hardcore und Black Metal. Schräg. Brüllaffen trifft auf Deathspell Omega-Chaotik. Und nun auch noch ein Breakdown. Hm. Interessant ist das ja, aber auch hier wäre ich mir nicht sicher, ob ich sowas auf Albumdistanz aushalte. In kleinen Dosen finde ich sowas schon fesch.

06 - SOLITUDE AETURNUS 'The Fall' (2:25)
Ich kenn was!!!! Unglaublich. 'The Fall' von Solitude Aeturnus vom "Adagio"-Album. Ja... SA... die haben ein bisschen das Candlemass-Syndrom bei mir. Rob Lowe ist ein toller Sänger und das sind alles tolle Musiker, aber ich mag diesen Stapfdoom einfach nicht. Und hinzu kommt auch noch, dass das letzte Album ganz furchtbar undynamisch produziert wurde. Kopfweh-Doom. Der Song hier ist nett, aber mehr auch nicht. Brauch ich nicht (mehr). Sonst hätte ich die CD ja nicht verkauft.

07 - ??? (3:54)
Hallige Clean-Gitarren. Nöliger Gesang drüber. Klingt italienisch. Kann mich aber auch täuschen. Erste Assoziation war jedenfalls Novembre, aber ich glaube, dass die sind es nicht. Insgesamt eine recht straighte Angelegenheit, auch wenn das Schlagzeug ordentlich Dampf macht, obwohl die Musik gar nicht hart ist. Ethereal. Verträumt. Ein bisschen schwuttig. Aber das ist okay. Haut mich jetzt nicht total vom Hocker, aber interessant ist das schon. Da würde ich mich zumindest etwas in die Band reinhören wollen, bevor ich sie komplett abschreibe. Ist halt irgendwie weder Fisch noch Fleisch. Für den Träumer-Soundtrack ist das zu treibend. Für die rockigen Momente zu tuffig.

08 - ??? (10:14)
Der letzte Überzehnminüter. Still. Ein einsamer Bass. Eine Erzählstimme, die sehr expressiv und verdächtig britisch daherkommt. Diese erinnert mich an den letzten Track von CD1. Aber musikalisch ist das nicht vergleichbar. Hier ist es regelrecht ruppig. Ein simples Riff wird in mantrische Sphären wiederholt. Hier lebt der Gesang. Von links und rechts dringen scheinbar unmenschliche, aber doch vokale Geräusche durch. Ein sehr lebendiges Gebilde, trotz aller Statik in der Harmonik. Und rumpelig. Produziert ist das fein, ich mag solche Unterproduktionen. Und mit zunehmender Spieldauer bekomme ich das Bild von einer Kirmesveranstaltung nicht aus dem Kopf. Aber das soll nicht negativ sein. Aber die Musik wirkt beinahe bewusstseinserweiternd. Das ist so obskur und unkonventionell. Aber spannend. Ich glaube damit hätte ich meine Freude. Mehr davon.

Später mehr.
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon 123_7 » Samstag 26. Juni 2010, 14:00

09 - ??? (3:11)
Jetzt wirds oldschool. Fetziger Rock mit ordentlich Roll. Erinnerungen an Focus, Led Zeppelin und Deep Purple werden wach. Aber es dürfte keiner der drei Verdächtigen sein. Geile Lead-Gitarren, urwüchsige Rohheit und eine anspringende Spielfreude. Für die Verhältnisse ruppiger und kreischiger Gesang. Orgensoli. Geil. Gitarrensoli. Geil. Früher war einfach alles besser. Brauch ich. Auf jeden Fall.

10 - ??? (8:05)
Kontrastprogramm. Düster und schwer. Mumpfiger Gitarrensound. Aber auch sphärisch. Rituell beschwörender Klargesang erhebt sich. Hier würde auch eine Frau passen. Dann klänge es es etwas wie Jex Thoth. Aber hier singt ein Mann. Glaube ich zumindest. Sicher irgendwas okkultes. Satanhuldigend, Katzenbluttrinkend, Friedhofsumherstreichend und Schafskopferhebend. Auf jeden Fall ne stimmungsvolle Sache. Ich hoffe nur, dass sich die 8 Minuten nicht im Nichts verlieren. Aber hier kommt schon der Break. Unheilvolles Glockenspiel, bedrohliche Synthies. Die Messe prozessiert. Und statt schneller zu werden, wird es langsam. Schleppend. Makaber. Aber ich bin mir echt nicht im Klaren über das Geschlecht des Sängers bzw. der Sängerin. Ist letzteres der Fall, hat sie aber eine sehr maskuline Klangfärbung. Ein sphärisches Gitarrensoli. Herrlich passend. Ziemlich geil. Ihr wisst was jetzt kommt: Brauch ich.

11 - ??? (5:11)
Tribal beginnt es. Bongos, Congas. Der Sänger klingt wie Tay Zonday ("Tschoklät Reeeein"), haha. Nur Trommeln und Gesang. Interessant. Im Prinzip könnte das auch wieder auf der "The Black Rider" von Tom Waits stehen. Sehr kaputt. Vielleicht SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM, oder sowas. Herrlich schräg. Aber ist das auch auf Albumlänge so schräg? Nach 45 Minuten ist man wohl reif für die Klapse. Oder dem Sinn des Lebens ein Schritt näher. Seltsam. Aber nicht uninteressant.

12 - ??? (6:38)
Schnelle Riffs. Was in den ersten Sekunden noch nach US-Powermetal klingt schwenkt in ein Blastbeat-Gewitter um, das schräger und dissonanter kaum sein könnte. Aber ganz ehrlich, das reißt unheimlich mit. Geschwindigkeitswechsel. Aber trotzdem rumort der Presslufthammer im Kopf. Aggressiv, aber nicht unbedingt brutal. Eher übermannend. Jedenfalls keine konventionelle BM-Kapelle. Dafür sind die Riffs zu unkonventionell. Herkunft kann ich nur raten. Entweder USA oder Finnland, würde ich tippen. Der rote Faden ist tendenziell eher lose, aber die Band verliert sich nicht im Patchwork. Das ist schonmal sehr gut. Und mitreissend ist das Ganze nach wie vor. Ich glaube das könnte auch auf Albumlänge interessant sein. Ich bin gespannt, wer dahinter steckt. In der Mitte verliert der Song aber ein bisschen seine Wahnsinnigkeit, schade. Hätte man das konsequent weitergeführt und würde nicht so halb in Melodeath-Gefilde abdriften, wäre es noch spannender, denke ich.

13 - ??? (3:09)
Als Kontrastprogramm gibt es jetzt Slidegitarren, karibisches Ambiente und eine sanfte Frauenstimme, die hier den Hawaii-Blues anstimmt. Interessant. Aber die Kontraste werfen mich ganz aus der Fassung. Für sich allein wirkt der Song etwas blass, kann aber im Albumkontext ganz anders wirken. Mal schauen wer dahinter steckt.

14 - ??? (8:44)
Wieder verzerrte Gitarren. Bass und Gitarre ergänzen sich, sanftes Tomgetrommel. Klarer Gesang, sehr expressiv. Ich tippe auf Mann. Aber auch hier könnte es sich um eine Frau handeln. Hat der Wichtel etwa ein Faible für transsexuelle Klangfarben? Man darf spekulieren. Viel ändern tut sich daran in den ersten drei Minuten nicht. Aber die Gitarren-Feedbacks werden unheilvoller und bedrohlicher. Aber ich weiß nicht, ob wir es hier mit einer Metalband zu tun haben. Oder nicht etwas eher grunigeres bzw. progressiv-rockendes. Und jetzt klingt der vermeintliche Sänger tatsächlich wie eine Frau. Entweder er/sie/es ist sehr wandelbar oder es handelt sich um mehrere singende Protagonisten. An der Hintergrundinstrumentierung hat sich aber immer noch nichts verändert. Hier wird eher eingelullt als mitgerissen. Damit kann ich aber auch gut leben. Aber wenn das so bleibt, fehlt einfach irgendwas. Jetzt kommt der Gesang auch schon in Katzenjammer-Regionen. Interessant. Bis jetzt lässt mich der Song etwas ratlos zurück. Was will man mir sagen? Wo will man hin? Und überhaupt... wer ist das? An den Zutaten erkennt man, dass das etwas ist, das mir prinzipiell gefallen müsste. Aber wie gesagt... die Ratlosigkeit herrscht vor. Jetzt gibt es 'distant cries', die aus der Ferne Unheil verkünden. Und es gibt schubweise Ausbrüche über ein bis zwei Sekunden. Experimentell. Zweifelsohne interessant. Aber ich will mir nicht anmaßen, das zu verstehen. Sind das vielleicht Swans? Nur eine Vermutung.

15 - ??? (6:00)
Der letzte reguläre Track. I Feel Jazz. Dynamisch produziert. Millionen Anschlagsstärken auf dem Ride. Jazzige Gitarrenlicks und schon steigert man sich. Und fährt wieder zurück, sobald der Gesang einsetzt. Sanftmut im 7/8-Takt. Orgeln. Nett. Auch ein feiner Sänger. Könnte durchaus was bekannteres sein, aber das hier ist nicht stromlinienförmig. Jazzy-Pop mit Anspruch. Und auch die Instrumentierung gibt sich vielseitig. Mundharmonika? Oder ist das ein Schifferklavier? Auch das Piano darf mal kurz. Das gefällt mir sogar so gut, so dass nur ein Fazit übrigbleibt: Brauch ich.

16 - Ambiental Soundscape Movement No. 4 (0:34)
Die Leerlaufrille repräsentiert die letzten Sekunden dieses unglaublichen Samplers. Das hier niemand auf den einzig wahren, unvergleichlichen und besten Jesus kommt, verwundert mich. Dabei hat er mir einen wahnsinnig vielseitigen und spannenden Sampler gebastelt, der mir aufgezeigt hat, was für Lücken doch jeder haben kann. Und ich hege die Vermutung, dass er diesen auch extra auf mich angepasst hat. Dafür spricht der verhältnismäßig geringe Metal-Anteil, die hohe stilistische Bandbreite und der fast durchgehend klar gehaltene Sänger. Feine Sache, das, auch wenn ein bisschen mehr Gebolze das ganze nicht uninteressanter gemacht hätte. Aber ich will mich nicht beschweren, ich bin so schon schwer begeistert. Dass die Kompatibiltiät zwischen mir und ihm vorhanden sein dürfte, war wohl jedem klar, aber dass man sich auch über die Stilistiken hinweg trifft, finde ich bewundernswert. Erstmal eine Träne verdrücken.

Und jetzt: Discuss!
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Peter Kubaschk » Samstag 26. Juni 2010, 14:09

nach der Beschreibung aller Songs war Jesus wirklich klar. Ich hatte ihm nur nicht so viel künstlerisches Talent zugetraut, wo er doch Handwerker ist. Auf jeden Fall klingt das nach einer extrem abwechslungsreichen und spannenden Zusammenstellung, die auch mir an vielen Stellen Spaß gemacht hätte. Ich bin auf die Auflösungen gespannt, kenne aber wahrscheinlich fast nichts.
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Jesus » Samstag 26. Juni 2010, 14:47

Fabian, ich bin schwer begeistert von diesen Beschreibungen. Moment, erst mal einen Schritt zurück: ich bin erstaunt und fasziniert, wie gut Dir der Sampler gefallen hat. Dass sich dort zwei oder drei Stücke gefunden hätten, die in Dein Beuteschema fallen, hätte ich schon erwartet. Aber bei fast allem ein "brauch ich" zu sehen hat mir fast schon Freudentränen bereitet ;) Und das liest sich auch noch so gut. Ich bin gerade nicht zuhause und habe von daher meine Trackliste nicht parat. Und das Erraten meiner eigenen Titel anhand der Beschreibungen war sehr spaßig. Das allgemeine Lob an der Aufmachung kann ich hingegen weniger nachvollziehen, denn eigentlich hatte ich ein etwas elaborierteres Verpackungskonzept geplant. Da aber bei mir momentan alles ein bisschen drunter und drüber geht bzw. ging, habe ich das da Mittwoch früh spontan zusammengezimmert (Da, Peter! Gezimmert! :grins:). Nun ja. Sampler war durchaus an mein Opfer angepasst. D.h. ich habe 6 oder 7 Songs getauscht. Vorher war z.B. auch Thrash Metal für die Old School-Fraktion drauf. Aber Firma dankt dem offenbar dankbaren Abnehmer :D Beschreibungen und Hinweise kommen später. Muss erst mal los. Baba.
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Eike » Samstag 26. Juni 2010, 15:21

Jesus war recht bald klar wie Kloßbrühe. Zumal ja feststand, dass Du selbst es nicht sein konntest. ;-) Ich bin gespannt auf die Auflösungen, da mir Vieles laut Beschreibung auch gefallen könnte.
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Jesus » Samstag 26. Juni 2010, 18:33

Eike hat geschrieben:Jesus war recht bald klar wie Kloßbrühe. Zumal ja feststand, dass Du selbst es nicht sein konntest. ;-) Ich bin gespannt auf die Auflösungen, da mir Vieles laut Beschreibung auch gefallen könnte.


Den Sampler kann ich Dir gerne zukommen lassen, wenn ich dann morgen wieder in meinen eigenen 4 Wänden bin.

123_7 hat geschrieben:01 - Ambiental Soundscape Movement No.1 (0:11)
Knister, knister. Die Nadel wird herabgesetzt. Die Spannung steigt. Das Licht dimmt.


Die ersten Sekunden von der "In Rock". Eine Sekunde später ertönt "Speed King". Das nur so als Trivia ;-)

123_7 hat geschrieben:02 - ??? (10:43)
Dissonanz. Gitarren im Sekundabstand. Flirrend. Schnell. Krallice. Zumindest war dies die erste Assoziation. Wenn das stimmt, kann der Stilbruch vom Debüt auf "Dimension Bleedthrough" nicht so hoch sein. Aber bleiben wir vorsichtshalber etwas allgemeiner. Das muss Ami-BM sein, da futtere ich einen Besen, wenn das nicht stimmt. Harmnonisch sehr zerfahren, viele Dur-Harmonien, viel Dissonanz. Rhythmisch verquer. Eine dichte Soundwand, wenig greifbare Strukturen. Akkorde nach Zufallsprinzip. Tensions noch und nöcher. Interessant zu sehen, wie sich die Melodien in diesem Konstrukt zu monströsen Balleteinlagen verwandeln. Und man schafft es tatsächlich, das Chaos noch zu einem größeren Chaos zu steigern. Anstrengend to the max. Aber auch faszinierend. Gut produzierter frequenzdynamischer Staubsaubger-BM.


Ja, das ist natürlich richtig erkannt. KRALLICE mit dem Titeltrack der "Dimensional Bleedthrough". Das zweite Album zeigt sich etwas griffiger, kompakter. Die Songs haben mehr eigenen Charakter. Die Gitarrenarbeit ist famos. Wenn das ein Staubsauger sein soll, dann ist es ein Staubsauger von der Sorte, die Mann zum... äh... "Glücklichwerden" zweckentfremdet.

123_7 hat geschrieben:03 - ??? (4:27)
Fuck yeah, now we're talking. Spill some beer with doom. Zweistimmige Leads, ein erhabener Sänger und: no friggin' keyboards!! Rhythmisch ansprechend umgesetzt, melodisch top notch. Und das Schlimme... ich kenne es nicht. Und finde es toll. Sachen gibt's. Die Emotionen übermannen mich gerade und ich muss mit dem Fuß mitwippen. Sogar der Finger regt sich im Takt auf und ab.Wah-Wah-Soli und agressivere Parts. Eine Doom-Wundertüte in viereinhalb Minuten. 270 Sekunden. 0,0031 Tage. Und auch noch gut produziert. Ich habe was verpasst. Mehr davon. Und das sollte hier noch einigen anderen im Forum gefallen. Aber vielleicht kennen das auch alle schon und ich hab den heißesten Shizzle nur verpennt. Brauch ich.


Hier kein Tipp, sondern gleich die Lösung. Weil das niemand kennen wird. Und wenn doch: erzähl mir mehr! Nun denn. Die Band heißt STILL.NO.ORDER und diesen Song fand ich auf irgendeinem Sampler, der als Werbegeschenk einer Bestellung beilag. Leider wird "mehr davon" eben schwierig. Denn sucht man diesen Bandnamen im Netz, findet man nur eine Glam-Rock-Kapelle. Offenbar hat man die musikalische Ausrichtung (und das Ufer) gewechselt. Wir alle wissen ja: Glam is teh fail. Doom is teh rulz. Das Stück heißt "The Purist".

123_7 hat geschrieben:04 - ??? (5:20)
Umschmeichelnde Akustik-Gitarren. Ein sanfter Shaker eh... shakt im Hintergrund. Eine E-Gitarre stimmt ein und ein vermutlich höchstbekiffter Sänger leiert Worte von wahrscheinlich höchster Relevanz. Man versteht ihn nur unheimlich schlecht. Hypnotisch. Sanfte steigernd. Oldchsool. Was älteres, oder? Eine Violine setzt ein, wunderschön. Allgemein wunderschön. Jetzt ist es um mich geschehen, der anzugtragende Wolf stößt ein betörendes "A-Uuuuuuh-Uuh" aus. Fehlt nur das Pfeifen. Aber keine Frau weit und breit; sowas aber Auch. Das ist auf jeden Fall genau meine Kragenweite. Ich bin sehr gespannt. Und ich befürchte, man muss das Gehörte eigentlich kennen. Gottpferdammi. Brauch ich.


Älter ist es nicht, aber der Musiker selbst ist seit gut 30 Jahren aktiv, spielte und spielt wieder in einer kultigen Kultband. Früher gab's Industrial auf die Mütze, heute allerlei buntgemischten Folk, Neo-Folk und Avantgarde- bis Retro-Rocktöne.

123_7 hat geschrieben:05 - ??? (2:31)
Mein armes Herz. Geboller. Der extremen Sorte. Undynamisch as fuck. Und so schnell. Aber gar kein Krümelmonster. Aggressives Geshoute, ein einsamer Barde, der mich latent an Mikael Akerfeldt erinnert (!?), versucht gegen diese Eruption entgegenzukommen. Psychopathisch. Aber irgendwie auch mitreissend. 'This is the End Of Time'? Weiß nicht, ob ich mir sowas auf Albumlänge geben kann. Dafür ist das mir dann doch zu undynamisch. Aber der fast hauptsächlich weitestgehend klare Gesang irritiert mich. Das macht es interessant. Hier bin ich gespannt, wer sich dahinter versteckt. Erinnert vom Härtegrad etwas an THE AMENTA, aber die sind industrieller.


Offenbar hat da jemand meine Beschreibung zu Rüdigers Wintersampler nicht aufmerksam genug gelesen... :grins:

123_7 hat geschrieben:06 - ??? (5:03)
Wieder etwas ruhiger. Mein Puls pendelt sich wieder in Ruheregionen ein. It's shoegaze time, baby. Ist das Hope Sandoval? Wenn ja, muss sie früher wohl nicht so bekifft geklungen haben. Aber ich glaube es ist jemand anders. Aber das ist schön. Ich mag diese beinahe höhepunktslose Hypnotik. Lullabies for adults. Aber das ist eher was für die Abendstunden. Und für Momente für zwei. Ihr wisst schon. Hat was. Sogar sehr viel davon. Brauch ich.


Nein, das ist nicht meine zukünftige Ehefrau. Die Dame heißt Therese Johansson und tritt mit ihrer Freundin Kicki Halmos auf als LOWOOD. Shoegaze von der eher weniger rockigen Sorte, also Dreampop. "The Sailor" stammt von deren einziger LP. Leider gab es die damals nicht mehr zu kaufen, als ich die beiden hübschen und netten Mädels als Vorgruppe von - Achtung - CULT OF LUNA gesehen hatte.

123_7 hat geschrieben:07 - ??? (4:26)
Jetzt komm ich in Bereiche, in denen ich mich nicht auskenne. Grungiger, meine ich. Cleane E-Gitarren. Gesang erinnert mich etwas an... *duck* Kurt Cobain. Aber der hier ist besser, da vielseitiger. Ich hab nicht die geringste Ahnung. Würde ich auf frühe 90er tippen. Irgendwie so stell ich mir ALICE IN CHAINS vor. Aber wie gesagt, ich habe keine Ahnung. Klingt aber gar nicht verkehrt. Schön... authentisch. Die eingestreuten verzerrten Schreie haben was. Die zerfetzten Jeans und die ausgelatschten Chucks springen einen förmlich an. Aber das war vermutlich nie Mainstream. Dafür ist das zu unkonventionell. Und zu gut. Brauch ich unter Umständen.


Grunge, soso. Gut, das zweite und letzte Album dieser Band hat einen nicht zu leugnenden grungigen Einfluss und dieser Song ist auch repräsentativ, aber trotzdem gelten sie immer noch als Vorreiter des Sludge. Guilt by scene association, schätze ich.

123_7 hat geschrieben:08 - ??? (8:41)
Mal wieder ein Track mit Überlänge. Und doch ganz anders, als der Opener. Beginnt ruhig. Cleane E-Gitarren, tiefer bedächtiger Gesang. Könnte so prinzipiell auch auf einem Tool-Album zu finden sein, aber die sind es natürlich nicht. Abermals wieder eine stark hypnotische Komponente, in der durch Wiederholung der Muster eine gewisse Trance geschaffen wird. Der Gesang erhebt sich in mittlere Höhen und die Klangfarbe erinnert mich an jemanden. Aber fragt mich jetzt nicht an wen. Es steigert sich, das Schlagzeug spielt tribal-mäßig und da kommt der Ausbruch. Das Gaspedal wird losgelöst und über rhythmische Riff brechen Schlagzeugeskapaden in bester Stop/Go-Manier ein. Und schon verfällt man wieder in das mantrische Muster, doch die verzerrte Gitarre bleibt. Sehr interessant. Sogar sehr geil. Aber wer das sein könnte... ich habe nicht den blassesten Dunst. Auf jeden Fall etwas, dass ich mir wohl kaufen werde. Das steht völlig ausser Frage. Brauch ich.


Die Band klingt eher selten so. Gut ist sie trotzdem immer. Sonst gibt es eher Black Metal mit TOOL'schen Einflüssen zu hören, die hier eben überwiegen.

123_7 hat geschrieben:09 - ??? (5:48)
Jaaaa, kenn ich!!! 'Smells Like Teen...' Ach nein doch nicht :-( Das Schlagzeugintro klingt aber 1:1. Aber hier geht es nicht um Midzehner-Gemuffel. Hier wird ordentlich gerifft. Breitbandig und melodiös. Sphärisch... recht poppiger Gesang. Aber das gefällt bis jetzt. Und ich kann mir gut vorstellen, dass das auch Frank und Peter gefällt. Aber wer hätte das erwartet... ich hab nicht die geringste Ahnung, wer das ist. Ich denke vom Gesang hätte etwas mehr kommen können, dann wäre der Song sogar ganz fantastisch. Und um meinen Wichtel ganz zu verärgern, für mich klingt das wie weniger kommerziell ausgerichtete FUNERAL FOR A FRIEND *duck*. Und fragt mich jetzt nicht, woher ich diese Band kenne *noch tiefer duck*. Gitarrentechnisch ist das hier aber schon eine feine Sache. Und der Mittelteil macht den ganzen Song sogar ziemlich geil. Hier bin ich gespannt, wer dahinter steckt. Brauch ich vielleicht.


Offenbar hat da jemand meine Beschreibung zu Rüdigers Wintersampler nicht aufmerksam genug gelesen... :grins:

123_7 hat geschrieben:10 - ??? (2:12)
Was kurzes. Und diesmal kein Geballer. Erinnerungen an die Beatles werden wach. Aber das sind nicht die Mannen um Paul McCartney. Aber fein gestrickter Pop in leisen Tönen, aber hinterhältig zwinkernd. Der glattgeschmalzte Italiener stolziert mit verschmitztem Grinsen über die Straße. Die Aura reicht aus, dass sich alle Blicke auf Ihn ziehen. Spannend. Aber ich kenne es nicht. Aber ich glaube, ich muss es kennen. Brauch ich.


Hier flaniert ein eitler Gockel die Straße entlang. Solltest Du mal ein Rockfestival auf die Beine stellen sollen, erscheint er Dir vielleicht im Traum. Leute sind halt seltsam.

123_7 hat geschrieben:11 - ??? (4:54)
Das 'Echoes'-Gedächtnis-Echolot konkurriert mit einer fies verzerrten Gitarre. Und dann wird es psychedelisch. Ein schräges Riff. Ein schräger Rhythmus. Eine schräges Gitarrentremolo. Eine schräge Hauswand. Menschen purzeln hinunter. Rosarote Elefanten laufen in der Ferne vorbei und versprühen Regenbogen aus ihren Rüsseln. Schräger Gesang. Musik für absurde Szenen. Monty Python-Rock. Das ist sicher einer dieser 70er-Prog-Bands. VdGG oder Konsorten. Kenne mich da jetzt nicht so aus. Aber klingt interessant. Drogentrip par excellence. Da würde ich mich gerne weiter mit beschäftigen... also mit der Musik. Aber ich befürchte meiner mentalen Gesundheit schadet das auf Dauer.


70er stimmt. Progressive Rock im eigentlichen Sinne ist es nicht. Aber es ist progressive Rockmusik. Walter Gropius würde nicht zweimal wagen, dem zu widersprechen.

123_7 hat geschrieben:12 - ??? (7:45)
Mal wieder etwas längeres. Cleane-Gitarren in bester Metallica-Manier. Aber die sind es natürlich nicht. Ein leidender, leicht wackeliger Sänger stimmt ein. Sehr schön. Toller Sänger. Aber ich kenne es nicht. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich der Song manövriert. Er nimmt zwar an Fahrt, aber nicht an Härte auf. Klingt alles sehr stark auf den Sänger zurechtgeschnitten, zu Recht. Da kommen nun auch die verzerrten Gitarren. Aber die Härte nimmt dadurch nicht überproportional zu. Ich tippe auch hier auf etwas älteres. 90er? Vermutlich nicht mal eine Metal-Band. Dieser Sänger bringt mich um den Verstand. Sehr geil. Am Ehesten erinnert mich das gar noch an den psychotischen Walzer. Diese Elegie, diese Verspieltheit, die Stimmakrobatik zum Selbstzweck. Toll. Und das finale Gitarrensolo über die sphärischen Chöre erinnert mich jetzt gar an Muse, bloß dass diese Band es hier versteht, das ganze nicht in produktionstechnischne und musikalische Onanie enden zu lossen. Toll. Das habe ich schon mal gesagt? Egal. Brauch ich.


Der gleiche Sänger wie bei den Grungern von Titel 7, diesmal unterstützt von einem hübschen Mädel.

123_7 hat geschrieben:13 - ??? (4:12)
So, wir sind wieder im Metal angekommen. Ein schleppendes Riff. Simpler Rhythmus. Nette Gitarren-Licks. Und das ganze klingt nach starker mid-Metallica-Huldigung. Aber die dürften es nicht sein. Der Produktion nach zu urteilen, ist das etwas Neueres. Nichts was ich unbedingt brauche, aber das ist schon ganz solide gemacht.


Sucht man METALLICA-Huldigungen in den Reviews hier auf pm.de, wird man vielleicht fündig...

123_7 hat geschrieben:14 - ??? (8:34)
Wieder ein Longtrack. Für solche verträumten Gitarrenarpeggios habe ich eine Schwäche. Eine recht technische Schlagseite hat der Song. Das Schlagzeugspiel erinnert etwas an Brann Dailor von MASTODON. Aber ich glaube nicht, dass die es sind. Klarer Gesang in angenehmer Stimmhöhe. Rhythmisch sehr vertrackt, das alles. Aber zu keiner Zeit wirklich hart. Dafür spannend und mitreissend. Sehr stark durchkomponiert. Es wurde sehr viel Wert auf einen fließenden, aber abwechslungsreichen Songfluss gelegt. Und mit wiederkehrender Motivik wird auch gearbeitet. Die Jungens verstehen ihr Handwerk. Und deswegen bin ich gerade auch dezent begeistert. Und jetzt brechen auch die harten Gitarren über mich herein. Der Gesang behält seine Klangfarbe ist aber deutlich geshouteter. Die Instrumente bewegen sich konstant zu- und wieder auseinander. Rhythmisch ein sehr lockeres Gerüst. Schnelle Tremoloriffs, die aber schnell wieder zurückebben. Eine Wundertüte. Anstrengend. Aber im Gegensatz zu #2 ist das für mich emotional einnehmender, da dynamischer. Fantastischer Spannungsbogen. Brauch ich.


Habe ich schon erwähnt, dass Du offenbar meine Beschreibung zu Rüdigers Wintersampler nicht gelesen hast? Nachholen. Das hier anhören und dann die CD bestellen. NAUTICUS - "Nothing Floats".

123_7 hat geschrieben:15 - ??? (3:56)
Bedächtige Akustik-Gitarren und eine Erzählstimme. Die Klangfarbe der Stimme erinnert an Vincent Cavanaugh von ANATHEMA, aber die sind es nicht. Ein sehr zurückhaltendes Cello stimmt ein. Sehr schön. Mit sowas kann man mich immer ködern. "Then Kill Caesar". Ich könnte jetzt im Internet suchen. Aber ich lasse mich mal überraschen. Das könnte mir gefallen. Auch auf Albumlänge. Brauche ich unter Umständen.


Ja, von dem Herren ist ein weiterer Titel auf Schallplatte 2, von daher später mehr dazu.
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Azmodes » Samstag 26. Juni 2010, 18:56

Jesus hat geschrieben:
123_7 hat geschrieben:10 - ??? (2:12)


Hier flaniert ein eitler Gockel die Straße entlang. Solltest Du mal ein Rockfestival auf die Beine stellen sollen, erscheint er Dir vielleicht im Traum. Leute sind halt seltsam.

Da ist anscheinend von Jim Morrison die Rede, was von The Doors also. Äh ja, und da endet meine Weisheit auch.

Jesus hat geschrieben:
123_7 hat geschrieben:11 - ??? (4:54)

70er stimmt. Progressive Rock im eigentlichen Sinne ist es nicht. Aber es ist progressive Rockmusik. Walter Gropius würde nicht zweimal wagen, dem zu widersprechen.

Bauhaus? Die Beschreibung von 123_7 würde ja sehr gut für "Double Dare" passen.
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Jesus » Samstag 26. Juni 2010, 19:50

Azmodes hat geschrieben:Da ist anscheinend von Jim Morrison die Rede, was von The Doors also. Äh ja, und da endet meine Weisheit auch.


:D

Azmodes hat geschrieben:Bauhaus? Die Beschreibung von 123_7 würde ja sehr gut für "Double Dare" passen.


:subber:
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