111 Alben, die die Welt nicht braucht.

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Re: 111 Alben, die die Welt nicht braucht.

Beitragvon Holger Andrae » Samstag 18. September 2010, 00:03

Okay, die Warning hatte ich auch drin. Recht nice.

Dolorian kann ich was abgewinnen. Das ist düster, sehr schleppend, aber mit dieser Eiswasser-Klarheit. Da frieren die Ohrlappen beim Hören ein. Ob ich das kaufen muss, weiß ich noch nicht. Spannend ist es allemal.

Die Opeth ist mir etwas zu verkopft, hat aber auch ein paar sehr tolle Songs.

Dead Shell Of The Universe liest sich auf den ersten Eindruck wie ein dunkler Terry Pratchett. Bei näherer Behöhrung ist mir das aber zu grumpelig.

Nick Cave ist mal wieder Seelenmusik. Fehlt mir noch.

Sigh ist fein. Das verzaubert mit Schlampingnongs. Oder so. Like.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: 111 Alben, die die Welt nicht braucht.

Beitragvon Eike » Samstag 18. September 2010, 00:40

DOLORIAN hat was.
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Re: 111 Alben, die die Welt nicht braucht.

Beitragvon Jesus » Samstag 18. September 2010, 07:55

TOM WAITS – Real Gone
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Veröffentlichungsjahr: 2004
Land: Bild
Genre: Tom Waits

Den Titel stelle ich mir immer wie von Bill Hicks ausgesprochen vor... rrrrrreeeeeaaaallll fuckin’ gone. Feinste Bar-Balladen treffen auf NEUBAUTEN’sches Gerumpel, verdrehte Blues-Versatzstücke, viele Experimente, aber alles ist immer schlüssig und immer TOM WAITS. Facettenreich, welterfahren, altersweise, vom Leben gezeichnet, grummelig und über alles erhaben.

Hoist That Rag
Sins of My Father
Don’t Go Into That Barn
Dead and Lovely



UNHOLY – Gracefallen
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Veröffentlichungsjahr: 1999
Land: Bild
Genre: Doom Metal

Eine der ganz, ganz wenigen Doomsters, die das Prinzip von der Schönen und dem Biest wirklich gut umsetzen können. Normalerweise nerven mich solche Bands, bei denen ständig der Kerl wie ein Dobermann knurrt und die Sangesfee weltfremd säuselt. Aber hier klappt es, wobei beide Gesangsstile zumeist ganzen einen Song für sich einnehmen. Vielleicht liegt’s daran. Aber auch davon abgesehen war UNHOLY eine der originellsten Bands im Genre. Das typisch Finnische an ihnen war eben, dass sie kein bisschen wie irgendeine andere Band klangen. UNHOLY sind bzw. waren UNHOLY. Seltsame Riffs, seltsame Melodien, schräge Keyboards. Alles sehr eigen. Auf den früheren Werken sogar noch mehr. Aber die neueren Sachen sind besser geschrieben. Außerdem kann die Sängerin auf diesen Werken auch singen. „Gracefallen“ ist gleichermaßen engelsgleich und traumhaft wie schräg und harsch. Je nach Song und manchmal beides in einem. Leider gibt es gerade nicht die Songs auf Youtube, auf denen der Sänger mehr oder weniger alleine rumgrunzen darf. Ich rieche eine feministische Verschwörung. So bleibt es eher bei den atmosphärischeren Stücken.

Daybreak
Reek of the Night (gekürzt)
Wanderer
Haoma



SCOTT WALKER – The Drift
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Veröffentlichungsjahr: 2006
Land: Bild
Genre: Neofolkish Operatic Gothic Horror Rock

Der eine oder andere kennt SCOTT WALKER noch davon, aber 40 Jahre später ist Pop nicht mehr so sein Ding. Überhaupt scheint ihn nach altbackenen Prinzipien konstruierte Musik nicht mehr zu interessieren. Viel wichtiger ist es ihm, Extreme auszuloten und Geschichten mit Horroratmosphäre zu erzählen. Hier bekommen historische Figuren wie Elvis und Clara Petacci ihre eigenen Balladen zugeschustert; Folter und 9/11 werden verpackt in dissonante Klänge und über allem thront WALKERs opernhafter Bariton drohend und mahnend wie ein griechischer Chor. Licht aus, Anlage an, Instant-Gänsehaut.

Cossacks Are
Jolson and Jones
Jesse
Cue
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Re: 111 Alben, die die Welt nicht braucht.

Beitragvon Jesus » Samstag 18. September 2010, 08:18

Ach Mist, ich habe bei der UNHOLY versehentlich das Cover des Vorgängers genommen. Kann jemand mit magischen Editierkräften mal das hier stattdessen einfügen: http://www.musik-sammler.de/cover/77000/76507_t.jpg
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Re: 111 Alben, die die Welt nicht braucht.

Beitragvon Loenz » Samstag 18. September 2010, 13:10

So wollen hier auch nochmal.

Tom Waits hatten wir ja schon bei Eike des öfteren und finde ich auch weiter hin richtig gut gemacht. Da wird die ein oder andere Scheibe folgen.

Unholy joa das ist ok. Aber nichts was mich total umhaut.
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Re: 111 Alben, die die Welt nicht braucht.

Beitragvon Loenz » Samstag 18. September 2010, 13:19

Ah den Scott Walker hab ich doch glatt vergessen. Da bin ich nach deinen Teaser ja gespannt drauf.
Das klingt sehr interessant, leicht verschroben, sehr düstere coole Stimmung.
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Re: 111 Alben, die die Welt nicht braucht.

Beitragvon Eike » Samstag 18. September 2010, 15:00

Ich wusste gar nicht, dass Scott Walker bei 'The Sun Ain't Gonna Shine Anymore' dabei war. Kennst Du die Coverversion von THE BATES (zu finden auf dem Debut "No Name For The Baby")? Ich mag die: http://www.youtube.com/watch?v=4rVs2uorQjQ - Aber zurück zur Gegenwart: 'Jesse' ist toll, Slo-Mo-Doom-Pop vom feinsten. Die Stimmlage scheint Vorbild für Anthony and The Johnsons gewesen zu sein. Und 'Cossacks Are' kommt schön post-punkig/new wavig daher.

UNHOLYs 'Wanderer' gefällt mir ebenfalls. Doom & gloom und Kohlrabisuppe.

Diesen Tom Waits wollte mir, vermute ich, der firestarter schon mal empfehlen, verlor sich dann aber nur in nebulösen Anspielungen. Vielleicht sollte ich mich mit jenem obskuren Künstler mal näher beschäftigen...
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Re: 111 Alben, die die Welt nicht braucht.

Beitragvon Jesus » Sonntag 19. September 2010, 07:03

Und 'ne Ladung für Sonntag, bevor ich in die Kirche muss. Habe 'ne Anstellung überm Altar, bei der ich angeblich nur entspannt rumzuhängen brauche. Ein Blubberbad und ein Wellness-Urlaub wären mir allerdings auch ganz recht.

ISIS – Panopticon
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Veröffentlichungsjahr: 2004
Land: Bild
Genre: Progressive Rock mit ein paar winzigen Spurenelementen von Sludge und einer Portion Post-Rock

Vor 6 Jahren fand ich es recht mutig, dass ISIS den Sludge aus ihrem Sound verbannten und sich eher rockigeren Klängen zuwandten. Damals hätte ich fast gedacht, sie würden damit ihre Fans vergrämen. Stattdessen wurden sie noch viel erfolgreicher. Verstehe einer die Welt. Aber wer so galant intelligente Rockmusik spielt, hat ja auch ein bisschen Erfolg verdient.
Abwechselnd harsch, verträumt, kratzbürstig, doomig, hardcorig, post-rockig und wunderbar fließend und harmonisch komponiert. Da stört es auch nicht, dass die Band offenbar ein bisschen bei TOOL hingeschielt hat, deren Bassist ebenfalls auf dem Album einen Gastauftritt hat.

So Did We
Grinning Mouths
Backlit
In Fiction


PINK FLOYD – Wish You Were Here
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Veröffentlichungsjahr: 1975
Land: Bild
Genre: Progressive Psychedelic Rock

Wie schon die THE BEATLES weiter vorn ist das eines dieser Alben, die wahrscheinlich jeder sowieso schon in der Sammlung zu stehen hat. Aus einer Zeit, als künstlerisch anspruchsvolle Musik noch konsensfähig und erfolgreich war. Es gibt sogar Leute, die damals PINK FLOYD hörten, aber oftmals heutigen Progressive Rock als Lärm empfinden und auf mich schimpfen, ich solle doch mal richtige Musik hören... wahre Geschichte! Jene Leute schwärmen mir vor, wie toll PINK FLOYD doch damals war und wie doof die heutige Musik ist, aber wenn sie TOOL oder PORCUPINE TREE hören, schreien sie herum, ich solle doch die "Hottentottenmusik" ausmachen. Und bei VAN DER GRAAF oder CAMEL gibt es gar keine Reaktion. Das dürfen sie nicht grundsätzlich doof finden, weil es alt klingt und von daher ja doch aus den 70ern sein könnte. Aber das kennen sie wiederum nicht von damals, also ist es ja doch schlecht, denn wenn es gut wäre, hätten sie es damals im Radio gehört wie PINK FLOYD. Aber "American Idiot" und "Death Magnetic" waren ja voll total gut und so! Die Rettung der Rockmusik! Menschen sind manchmal seltsam.

Welcome to the Machine
Shine on You Crazy Diamond (Auszug)


LUNAR AURORA – Mond
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Veröffentlichungsjahr: 2005
Land: Bild
Genre: Black Metal

Und wieder einmal Black Metal aus Germanien. Na ja, eigentlich aus Bayern. Da Baiern und Alemannen im Alltag grundsätzlich in Gutturallauten kommunizieren - der eine oder andere Anthropologe oder Linguist mag es sogar Sprache nennen - sind sie ja geradezu prädestiniert dazu, Black und Death Metal zu spielen. LUNAR AUROA ist für mich eine Band, die uns zu früh verlassen hat. Zwar hat sie kein schlechtes Album abgeliefert, aber gerade die letzten 3 Platten zeigten eine immense und kontinuierliche Steigerung in Sachen Qualität, Komposition und technischer Fähigkeiten gegenüber den Frühwerken.

Das vorletzte Album "Mond" ist mit Sicherheit auch ihr knüppeligstes Werk, zartbesaitete Nichtschwarzwurzler wie Loenz oder Frank seien also gewarnt. Es ist allerdings kein stumpfes Geballer um der Brutale Willen wie bei MARDUK, SETHERIAL, KULT OV AZAZEL und ähnlichem Norsecore, aber die Blasts pusten einem zumindest stellenweise heftig entgegen wie ein eisiger Wintersturm. Zwischen den zu erwartenden Tremolo-Orgien gibt es auch ein paar rockigere oder im Falle von 'Grimm' sogar fast schon doomige Riffs; generell ist die Gitarrenarbeit ein großes Plus der Scheibe. Ich mag ein paar fette Riffs in meinem Black Metal, solange sie nicht in modernes Gegroove ausarten. Ist mir eigentlich lieber als das dünne, verwaschene Surren, was man oftmals findet im ganz, ganz alten Norweger-BM, dem "Raw Black Metal" oder dem "True Christ-Raping Jew-Slapping Norsk Arisk Black Metal from [osteuropäisches Land einsetzen]". Letzteres wirkt natürlich besonders witzig bei slawischen Bands, die sich auf ein germanisches Kulturerbe berufen. Aber ich schweife ab... also LUNAR AURORA rockt, so einfach ist das.

Aufgewacht
Grimm
Rastlos
Schwarze Winde

Witzige Anekdote: vor einer Weile fand ich ausgerechnet bei Amazon das längst vergriffene dritte Album der Band für moderate 30 Euro. Natürlich gekauft und gefreut wie... wie... wie ein Schneekönig. Oder wie ein Eichhörnchen in der Nusswarenfabrik. Wie ein katholischer Priester im Kinderferienlager. Nach einigen Tagen wurde die Bestellung jedoch storniert und mein Geld kam zurück. Grml. Habe ich mich natürlich ein wenig geärgert, obwohl ich zumindest keinen Verlust zu Beklagen hatte. Also noch mal schauen, ob vielleicht noch jemand das Album anbietet... aha, der gleiche Anbieter wie zuvor, nur diesmal kostet es 80 Euro! Das ist der Beweis: Black Metal ist totaler Kommerz!
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Re: 111 Alben, die die Welt nicht braucht.

Beitragvon Loenz » Sonntag 19. September 2010, 13:11

Die Pink Floyd kann alles, selten ein Album gehört das so viel Gefühl rüberbringt.

Isis sollte ich mich mal mit beschäftigen das klingt nämlich richtig gut.

Ach ab und an kann Geballer ja auch wirkungsvoll sein, wenn man dann auch mal den Fuß vom Gaspedal nimmt und etwas variiert beim Tempo. Das scheinen die ja hier ab und an mal zu machen die Jungs von Lunor Aurora. Doch das machen die ganz ordentlich.
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Re: 111 Alben, die die Welt nicht braucht.

Beitragvon Eike » Sonntag 19. September 2010, 16:57

Die ISIS ist nett.
Von LUNA AURORA habe ich mir 'Aufgewacht' und das groovigere aber dafür monotone und elendslange 'Grimm' angehört: Kann ich hören; muss ich aber nicht, und das ist auch gut so.
'Welcome To The Machine' klingt ziemlich, nun ja, floydig.
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