Digital Vinyl

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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Eike » Mittwoch 30. Juni 2010, 04:01

9.
Stark verzerrter Rock/Hardrock mit (post-)punkigen Untertönen. Das müsste ich wohl mal lauter oder am besten live hören. So kommt das nicht wirklich.

10.
THE DOORS - aber eher mit einem B-Klasse-Song. Dabei gibt es soviel besseres von denen. Das hier wirkt eher wie die Vorstudie zu einem Song. Naja.

11.
'Double Dare' ist natürlich ein BAUHAUS-Klassiker: Dubbig, zerrissen, schräg, offen, unbestimmt, rhythmisch irre, gesanglich intensiv, gespenstisch, post-punkig, kurzum: Gothic aus dem Bilderbuch.

12.
Ewig langes Rockstück mit viel Lautmalerei in einer Tonfarbe, die mir nicht viel gibt. Plätschert so dahin, schwillt langsam an, kommt aber nicht zum Höhepunkt. Ansonsten schon ganz gut gemacht.

13.
Erinnert mich schwer an METALLICA, ich kann es aber nicht wirklich einordnen; vielleicht irgendwas von "Death Magnetic", oder eine B-Seite aus "Metallica"/"Load"/"Reload"-Zeiten? Mit der Band bin ich nicht so vertraut... Überrascht, so etwas von Jesus zu hören.

14.
Schwummrige Egitarren skizzieren irgendwelche Arabesken, der Bass pluckert impressionistisch dazwischen, langgezogener, träger Gesang mäandert umher. Ein ziemlich entspanntes, ein wenig - aber nur ein wenig - psychedelisch angehauchtes Stück, das irgendwie typisch Progressivrock ist, und irgendwie doch wieder nicht. Leicht dudelig streckenweise, dann wieder mit postcorigen Brüllausfällen gespickt. Erinnert an friedlich zugekiffte und entsprechend ziellose MASTODON. Dennoch irgendwie brachial im Finale, aber auf eine recht gelassene Weise. Seltsames Teil...

15.
Irgendwo zwischen Gedicht, Hörspiel und Ambientmusik angesiedelt. Die Intonation erinnert an ANNE CLARK, aber hier spricht ein Mann, und auch nicht zu Elektro- sondern zu Akustik-Begleitung. Tötet Cäsar!
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Eike » Mittwoch 30. Juni 2010, 14:52

Seite B:

8.
Grandioser Gothic, der mich bei aller Eigenständigkeit etwas an die VIRGIN PRUNES erinnert, jedoch geradliniger und heavier daherkommt.

9.
Cross-pollination between punk rock and hardrock/heavy metal. Anfangs zog ich die NWoBHM im Betracht, aber im weiteren Verlauf erinnert es mit psychedelischem Einschlag eher an die kalifornische Küstengegend.

10.
Zäher Düsterrock, erinnert in Ansätzen sogar entfernt an US-Deathrock, aber auch - und noch mehr - an klassischen Doom, ist dabei gitarrenseitig aber eher an Riffrock als an schneidender Gniedelepik orientiert. Gesanglich geht es aber schon in Richtung Epic Doom. Ich mag das basslastige Geschlürfe ja lieber, und das dominiert hier glücklicherweise auch. Dazu passt der gequälte, höhere, dünnere, pathetische Gesang als Kontrast allerdings ganz gut. Von wegen Fallhöhe und so. Grobe Richtung: YOB - allerdings weniger brutal und fordernd. Eingängiger Sommerdoom, der langsam und schicksalsbeladen vor sich hin trottet, sehr schön brutzelt, in Zeitlupe flimmert und mächtige Hitzeblasen wirft, dabei aber kohlenschwarz und schön staubig daherkommt. Schwarzlicht par excellence.

11.
Beginnt wie auf Nick Cave gemacht - aber das ist nicht seine Stimme. Schön reduziert, von Percussion begleitet, urig und schroff, dabei aber eingängig und mit fast folkigem Einschlag, jedoch ganz klar gekünstelt und ausgewogen - trotz bewusst kreiertem erdigem Eindruck. Hat so was abgerissenes, Vagabundenhaftes. Mystischer, urbaner, voodooartiger Junkie Blues, der sich nach Ausstieg sehnt. Brecht/Weill und Tom Waits sind auch nicht allzu weit. Geiles Teil.

12.
Metal again! Thrash/Death/Black-Klatsche mit Anlauf und Nierentritt. Ziemlich Oldschool. Kotz! Stampf! Würg! Prügel! Dampframme!
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Jesus » Mittwoch 30. Juni 2010, 22:50

Man merkt, der Eike will mir einerseits eins auswischen für meine sonst übliche Arroganz und Überheblichkeit, zum anderen will er übertrieben trve und elitär daher kommen, um meinen sonst gern angewandten Elitarismus zu parodieren.
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Eike » Donnerstag 1. Juli 2010, 04:39

Quatsch mit Soße. Das sind flüchtige Eindrücke nach dem zweiten Hören, spontan ins Unreine geschrieben. Nicht mehr, nicht weniger. Schraub mal die Paranoia runter. Ich kreise bestimmt nicht um deine Selbstdarstellung.

13.
Ich sage ja immer, "Ehret die Anfänge", und somit ist es kein Wunder, dass mir diese klassische Blues zusagt. Leicht verhallte, weibliche, liebliche, aber nicht zu hohe Country-Stimme, Akustik- und Slide-Gitarre. Entspannter Bluegrass-Stil - klar, dass das gefällt! Schön.

14.
Post punk, rock went folksy. Jedenfalls hier. Und zwar ziemlich eklektisch. Tribal drums. Egitarrenfeedbackkleckereien. Esoterischer Klagegesang. Klingt schamanistisch. Theaterbühnenreif. Ich kann mir gut vorstellen, wie sich die Musiker dazu auf dem Boden wälzen, oder okkulte Zeichen mit Kreide abzirkeln, oder Kerzen aufstellen, oder sich mit Glasscherben ritzen, oder halbnackten Ausdruckstanz üben. Schwurbeliger (Proto-)Gothic. Gefällt natürlich. Ist das alt, oder klingt das nur alt? Egal, hauptsache gut!
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Jesus » Donnerstag 1. Juli 2010, 05:57

Eike hat geschrieben:Quatsch mit Soße. Das sind flüchtige Eindrücke nach dem zweiten Hören, spontan ins Unreine geschrieben. Nicht mehr, nicht weniger. Schraub mal die Paranoia runter. Ich kreise bestimmt nicht um deine Selbstdarstellung.


Haha, schon gut. Alles bestens. Gestern Abend war ich so richtig schön im Tee und da kamen mir einige Deiner Beschreibungen irgendwie so schlecht gelaunt vor. Hab Dich trotzdem lieb ;)

Nur eine Frage sei mir erlaubt: Wo sind denn die ersten sieben Stücke von Seite B?

Eike hat geschrieben:Theaterbühnenreif. Ich kann mir gut vorstellen, wie sich die Musiker dazu auf dem Boden wälzen, oder okkulte Zeichen mit Kreide abzirkeln, oder Kerzen aufstellen, oder sich mit Glasscherben ritzen, oder halbnackten Ausdruckstanz üben.


Nicht halb- sondern ganz nackt. Der Rest stimmt haargenau. Bravo *klatsch* Gut erkannt. Ich persönlich hätte natürlich auf das vollkommene Entblättern und die erotischen Tanzeinlagen dieser über fünfzigjährigen Frau verzichten können, aber Kunst ist halt irgendwo Kunst... kann halt nicht jede Musikerin heiß, geil und sechzehn sein. Und die, die es sind, malen eher selten okkulte Zeichen auf den Boden, stellen hunderte Kerzen auf, ziehen sich aus, winden sich ekstatisch unter Drogen auf dem Boden und geben den Zuschauern eine Show, die sie nicht so schnell vergessen werden. Aber vielleicht sollte man Miley Cyrus einen Tipp geben.
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Eike » Donnerstag 1. Juli 2010, 10:57

Jesus hat geschrieben:Wo sind denn die ersten sieben Stücke von Seite B?
Zu weit hinten im Hinterkopf. Beziehungsweise zu sehr durchgerauscht beim ersten Hören. Ich komme derzeit kaum zum Hören, immer nur so häppchenweise und spät abends, wenn ich wegen der Hitze eh noch nicht schlafen kann. Oder nicht so richtig. (Mein Zimmer heizt sich tagsüber tierisch auf, und wenn ich abends lüfte, dauert es, bis es halbwegs erträglich wird.) Da kann es schon sein, dass die Beschreibungen etwas wirr wirken, aber ich wollte mich halt schon mal relativ zeitnah äußern. Mehr irgendwann in den nächsten Tagen/Wochen...
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Eike » Donnerstag 1. Juli 2010, 18:51

2.
Schön ruhig dröhnende Gitarren eröffnen schmoove das Stück, welches langsam und bedächtig fließt, dabei dunkel aber nicht übermäßig düster klingt. Meditativer Entspannungs-Doom, sozusagen. Doch sobald der Gesang einsetzt, modert es doch recht knorrig vor sich hin. Die Intonation erinnert in ihrem gemäßigten aber doch deutlichen Pathos mich mal wieder an Nick Cave - einen growlenden Nick Cave. Beschwörungsformeln und Riffschichtung sorgen zur Mitte hin für eine Extraportion Schwere. Gute Steigerung. Dennoch ist das Stück sehr konventionell & weitgehend monoton. Mir persönlich auch etwas zu lang. Nach hinten zu zieht man nach etwas Leerlauf das Tempo dann an. Dieses zweiten Teils hätte es meines Erachtens nicht bedurft, auch wenn kurz vor Ende noch ein schönes Solo in nebelverhangenes Gitarrenspiel eingewoben wurde, was die Stimmung in Richtung mystisch verlagert. Da hätte man zwei für sich stehende Stücke mit jeweils etwas mehr Profil draus machen können.

3.
Erinnert mich von der Intonation her an irgendein Stück, das ich mal auf einem früheren Wichtelsampler hatte. Da werde ich bei Gelegenheit mal auf Kramkurs gehen... Irgendwie träge, traurig, folksy, nur gelinde kauzig, eher knorrig. Schöne Akustikgitarre, dazu gute tiefe Stimme für männlichen Sprechgesang.

4.
TOM WAITSiges Stück. Windschiefe Mundharmonika. Allerlei Schlagwerk. Dazu rostige Dickebackenmusik. Knorke.

5.
Ein Death Metal Sturm bricht los. Das ist so over the top, dass es trashig lustig wirkt. Bestimmt ist das eine total kultige Gruppe, die man kennen muss - falls man Death Metal denn überhaupt kennen muss... Da fliegt allerlei Schweres quer durchs Klangbild. Klingt wie eine Art programmatischer Metalversion von Grabenkriegsound mit Artilleriebeschuss.

6.
Wieder so erzählerischer Songwriter-Rock. Hat was episches, aber auf eine nichtverkitschte Nicht-Airbrushmotiv-Art. Könnte aber auch bloß ein lanes Intro für irgendeine Pagan-Thrash-Kapelle sein. Was weiß ich schon von solcher Musik?

7.
Ich tippe auf 1980er-Jahre-Rock jenseits des Klischees. Auf jeden Fall neuromantisch geprägt. Grobe Richtung: Wave. Interessant wie Jesus zwischen Schwarzenheim und Popanschlussfähigkeit hin und her pendelt.
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Jesus » Donnerstag 1. Juli 2010, 20:04

Sehr schön, jetzt bin ich zufrieden. Auflösung folgt dann wahrscheinlich Sonntag oder Montag. Will das hier auch nicht ewig in die Länge ziehen.

Ach ja, Eike: Song 15 fehlt noch ;)
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Eike » Donnerstag 1. Juli 2010, 22:44

Weiß ich. Kommt morgen irgendwann...
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Re: Digital Vinyl

Beitragvon Eike » Freitag 2. Juli 2010, 05:15

15.
Jazzig beginnt das letzte Stück des Samplers, entspannt und elegant, gediegen und leicht melancholisch und doch nicht schwermütig; dann tritt der Rock hinzu, und das Ganze gewinnt doch noch an Schwere; doch schon hellt es wieder auf, als klarer, leicht traurig anmutender, (lau)warmer Männergesang hinzutritt, der an den (etwas progressiven) Rock der 1970er Jahre erinnert. Das Stück groovet sich unaufdringlich ein, flötende (Klarinette?) und orgelnde (Hammond? Schifferklavier?) Töne mischen sich dezent unter das klassische Jazz- bzw. Rockinstrumentarium eines Trios, schließlich ist auch ein Klavier zu hören. Dynamisch kommt es immer wieder zu Variationen des dem Stück zugrundeliegenden Themas, und der Gesang fügt sich gewissermaßen als weiteres Instrument, als eine Stimme unter vielen in die Gesamtkomposition ein. Ein äußerst ausgewogenes, dadurch fast zeitloses, Stück ist dies, variantenreich ohne darum zu bemüht zu klingen. Gegen Ende hin hebt man sich noch ein wenig von gängiger Harmonie ab, bevor das Stück etwas überraschend abbricht und den Hörer (nur leicht) unbefriedigt zurücklässt. Doch besser zu kurz als zu lang! Sehr schön.


Fazit:
Jesus hört mehr Gothic (& dem Gothic verwandte Musik), als er öffentlich zugibt. :-D
Ansonsten ein angenehm verschrobener bis seltsamer Sampler, der - abgesehen von dem (in meinen Ohren) langweiligen Black Metal - ziemlich interessant klingt. Stilistisch breit gestreut, trotz einiger Brüche gut durchhörbar. Den Rest wird die Zeit zeigen:
Mal sehen, was aus der vorläufigen Obskurität heraustreten kann...
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