Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

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Re: Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

Beitragvon 123_7 » Montag 30. August 2010, 18:55

frankjaeger hat geschrieben:Bei ANTIMATTER bin ich noch nicht sicher, ich habe die "Lights Out".

Gar nicht vergleichbar. "Leaving Eden" ist deutlich rockiger, als die Songbeispiele von Eike einem weis machen wollen. Höre hier rein: Redemption Leaving Eden
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Re: Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

Beitragvon Eike » Montag 30. August 2010, 20:15

Ach, wisst Ihr was? Ich war drei Tage unterwegs, zwei Tage nicht im Forum - da lege ich nach:


84.

BABES IN TOYLAND "Nemesisters"

Alternative Rock / Grunge / Post-Punk / Heavy Metal(?)

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Die ersten Songs, die ich von BABES IN TOYLAND hörte, müssten von "Fontanelle" gewesen sein, beim Bruder eines Kumpels, und ich fand sie ziemlich stark. Jahre später entdeckte ich "Nemesisters" im Laden, fand das Cover geil und tütete die CD ein. Mit der Musik tat ich mich lange Zeit schwer, doch irgendwann zündete das zähe, raue, uneingängig groovende Material. Grunge? Metal? Rock? Irgendwo dazwischen. Der Bass rumort und hält die Soße zusammen. Stark! 'S.F.W.' ist Anspieltipp No. 1, weil so eingängig. 'Killer On The Road' folgt nach, weil so herrlich fies.


83.

PAATOS "Timeloss"

Progressive Rock / Trip Rock / Drum & Bass / Ambient

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Auf die Gefahr hin, zu langweilen, noch einmal PAATOS. "Timeloss" erschien vor "Kallocain" und ist etwas elektronischer angehaucht. Herantasten kann man sich mittels 'Sensor' und 'Hypnotique'.


82.

SUICIDE "Suicide"

Post-Punk / Proto-Gothic / No Wave

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SUICIDE war punkiger als die Punks, wurde deswegen von denen auch mit Flaschen und sogar einmal einem Beil beworfen. Die Rebellen gegen Rock empfand es wohl als Provokation, dass da nicht genug gerockt wurde, dass da scheinbar wenig passierte, dass sich jemand nicht "Do It Yourself" sondern "Suicide" auf die Lederjacke geschrieben hatte. Man nehme: Elektrisches Gerät zur Klangerzeugung, eine Tapemaschine, eine Stimme wie Elvis, viel Angst und Mut und Angepisstheit und eine Ihrkönntunsallemaleinstellung, eine Szene in Erstarrung noch bevor sie richtig durchgebrochen ist und zwei Typen, die ihr über den Kopf wachsen. Heraus kommen verstörende Meisterwerke wie 'Frankie Teardrop' oder 'Rocket USA'. Ein Vierteljahrhundert nach "Suicide" erschien die zweite Scheibe des Duos namens "American Supreme" mit abermals verstörender Musik: Kälter, leerer, steriler, noch monotoner; anachronistische Minimalelektronik, die Elemente kommerzieller Musik aufnahm und um jeglichen Glamour beraubte, völlig banalisierte und minimalisierte und einfach keine Freude machte - außer totalen Zynikern. Titel wie 'Dachau, Disney, Disco' sagen alles: Musik für das 21. Jahrhundert, aber zu deprimierend anzuhören. Der Erstling "Suicide" klingt für sich genommen zwar depressiver, wirkt aber gerade dadurch eher wie ein Film, katarthisch. Man kann ihn nachempfinden und danach wieder auf Abstand gehen. Bei "American Supreme" hinegen ist das nicht mehr möglich, es spiegelt die um ihre Blendfassaden der totalitären Vermarktung entkleidete Kultur unserer modernen Gesellschaft fast 1:1 ungeschönt und unverkünstelt wider. Da kann man allenfalls noch freudlos zu tanzen, während unsere Raketen auf das nächste Fallujah zusausen. Vermutlich haben die beiden genau das so gewollt, die alten Spaßverderber aus Berufung, und lachen sich darüber heute noch ins Fäustchen.


81.

IRON MAIDEN "Iron Maiden"

Heavy Metal / Melodic Metal

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Auch aus dem Punk erwachsen, allerdings erst später, als der schon wieder im Niedergang seines Revoluzzertums wurde und langsam nahezu endgültig zur leeren Attitüde, zum Lifestyle-Accessoire verkam. Auch aus einer gewissen Anti-Haltung heraus entstanden. Die ungestüme Wucht des Punk vermengt mit epischem Artrock. Heavy Metal als Ergebnis, aber nicht die "Hardrock auf metallisch"-Variante der großen Helden "Deep Purple", sondern eine Variante ohne Blues und Rock'n'Roll. Damit auch anders als BLACK SABBATH, damit New Wave of British Heavy Metal. 'Strange World' und 'Charlotte The Harlot' gehören zu den eingängigeren Tracks, sind dabei aber ziemlich unterschiedlich, also geeignete Anspieltipps.
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Re: Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

Beitragvon frankjaeger » Montag 30. August 2010, 22:08

Das ist die beste IRON MAIDEN. Jawoll!
PAATOS sind nett, reißen mich aber nicht.
SUICIDE und BABES sind eher nicht so mein Ding.
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Re: Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

Beitragvon Loenz » Montag 30. August 2010, 23:35

Achso noch was zu Paatos, ich hätte ja dreisterweise Quits verlinkt, weil der nochmal so richtig schön aufs Glatteis führt. Das Saxophon am Ende das ist einfach zu geil. Klar mein Lieblingslied von Paatos.
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Re: Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

Beitragvon Drumtier » Dienstag 31. August 2010, 00:09

SIMON & GARFUNKEL und TOM WAITS nicht unbedingt, zu ANTIMATTER gabs hier eh schon mal nen Thread, ist weiterhin vorgemerkt, TOOL ebenso und die MAIDEN wird auch in naher Zukunft geholt.

SUICIDE und BABES IN TOYLAND sind jetzt nicht unbedingt meins, PAATOS gefällt mir aber erstaunlich gut!
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Re: Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

Beitragvon Jhonny » Dienstag 31. August 2010, 01:07

für mich nicht die beste Maiden, da sie bei mir recht bald kommt - und die beste Maiden wäre nie ein Kandidat für einen zweistelligen Platz :grins:
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Re: Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

Beitragvon Eike » Dienstag 31. August 2010, 06:02

Drumtier hat geschrieben:PAATOS gefällt mir aber erstaunlich gut!
Das erstaunt mich jetzt auch. Ich hatte angenommen, dass gerade die "Timeloss" hier einen eher schweren Stand haben würde (vielleicht nicht ganz so schwer wie THE WRONG OBJECT oder DJ SHADOWs "The Private Press", aber eben doch keinen leichten) - insbesondere bei Vertretern der harten Metalschule.

frankjaeger hat geschrieben:Das ist die beste IRON MAIDEN.
Die Aussage freut mich natürlich, weil das auch eine meiner allerliebsten Maiden ist. In dem Bereich klangen sie auch nie wieder so gut. Es wird allerdings noch eine kommen...

Dass SUICIDE und BABES IN TOYLAND allgemein nicht so sehr ankommen, wundert mich nicht. Dem Jesus könnte SUICIDE vielleicht noch schmecken, die Babes hingegen werden wohl den meisten zu speziell oder eben nicht speziell genug sein - meine besondere Zuneigung ist auch nichts, was ich rational erklären könnte. Außer vielleicht über die Tatsache, dass sie irgendwie kraftvoll, konsequent und dreckig und auch etwas verschroben klingen.

So, und jetzt auf in den neuen Tag! Der # 79 stelle ich gar keine gute Prognose aus, was die mögliche Resonanz hier angeht, aber lasse mich gerne überraschen. Bei # 78 gehe ich eher von wohlwollendem Desinteresse aus, # 77 dürfte vielen bekannt sein, und # 80 ist jetzt sicher nicht mehr so die Überraschung, weil ich die Band ja schon vorgestellt hatte. Morgen wird noch abwechslungsreicher, für manchen vielleicht auch noch durchwachsener, aber da müsst Ihr dann durch, und dürft heute schon mal vorbereitend Eure Toleranz trainieren, hehe.


80.

SUEDE "Coming Up"

Rock / Britpop / Glamour

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Noch einmal SUEDE, hier allerdings mit einem etwas frischeren, ungestümeren, auf den ersten Horch auch naiveren Werk - nicht so (böse gesagt:) schwülstig wie "Dog Man Star", wohl aber glamourös in einem fast schon punkig zu nennenden Sinne - nicht ästhetisch, sondern haltungsmäßig. Glam Rock, gewissermaßen; allerdings britisch, also mit understatement statt literweise Haarspray. In dem Sinne, in dem auch DAVID BOWIEs Ziggy-Epos Glamrock war. Oder wie es Oscar Wilde so treffend formulierte: We are all in the gutter, but some of us are looking at the stars. 'Trash' und 'By The Sea' deuten es an: "Coming Up" ist ein Album voller Hits - Punkt.


79.

GENEVA "Weather Underground"

Ethereal Pop / Post-Rock / Torch Songs

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Warum das Album "Weather Underground" heißt, ist mir schleierhaft. Militant ist jedenfalls die Musik nicht. Auch wenn in den Texten mal von Raketen über Kalifornien wie in einem Schwarzenegger-Movie die Rede ist. Seltsame Gruppe, GENEVA. Tolle Songs, und dabei weniger schräg als pisanische Architektur. Siehe auch hier. Höre aber hier und hier. Und dann kaufe. Oder lehne ab. Die Wahl ist dein.


78.

NILS PETTER MOLVÆR "Solid Ether"

Jazz / Fusion

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Ja, das ist ein recht gediegener Tag heute. Zart, pastellen, filigran, gechillt "like a patient etherised upon the table" - so klingt "Solid Ether", aber nicht flüchtig, sondern ernsthaft, E-Musik quasi. Damit auch das DIE ZEIT-Feuilleton was zu schreiben hat. Wer Ohren hat zu hören, höre: 'Solid Ether' zum Beispiel, oder auch 'Vilderness 1'. Diese Skandinavier haben den Bogen raus. Warum es dazu ein Covermotiv gibt, das eher an UFO-Verschwörungstheorien als an gediegenen Jazz der Moderne erinnert, ist mir schleierhaft, aber ich muss das ja auch nicht wissen oder gar verstehen.


77.

OPETH "Ghost Reveries"

Death Metal / Progressive Metal / Psychedelic Rock

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Okay, ich log, als ich eben von einem recht gediegenen Tag sprach. Naja, nicht ganz. Für melodischen Death Metal mit progressiven Einschüben ist das immer noch recht gediegen. Und die weiter oben genannten Alben sind das ja schon. Bei "Ghost Reveries" hingegen sollte von "gechillt" allenfalls im Sinne von "sending chills down your spine" die Rede sein. Ich bin mir schon im Klaren darüber, dass manch Kostverächter hier im Forum das anders sieht, und auch unsere Redaktion ist von solchen notorischen Ablehnern teil-infiltriert. Da kann man nichts machen. Außer 'The Baying Of The Hounds' hören und sie knurren lassen. Oder von Neidern ungestört im 'Harlequin Forest' lustwandeln. :)
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Re: Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

Beitragvon Eike » Dienstag 31. August 2010, 06:06

Nachtrag: "Siehe auch hier" bei GENEVA sollte eigentlich noch diesen Link enthalten.
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Re: Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

Beitragvon Jesus » Dienstag 31. August 2010, 06:13

BABES IN TOYLAND: Good ole punky Riot Grrrls. Krachig, sich sträubend und grob. Das niedliche "Thank you" am Ende von "S.F.W." steht dazu in einem tollen Kontrast. Für mich wäre aber absichtlich amateurhafter Garagenrock mit "Fuck You!"-Attitüde kein Top-100-Material.

PAATOS klingt immer noch interessant. Obwohl die Fahrstuhlmusik am Anfang von "Sensor" irritiert. Seltsame Stilmischung aus Prog Rock, elektronischen bis konkret trip-hoppigen Klängen und opernhaftem Gesang. Das lässt sich schlecht verorten, klingt aber alles andere als alltäglich. "Hypnotique" mit dem etwas post-rockigeren Stil und dem organischen Live-Sound kommt auch sehr gut. Müsste ich aber noch öfter hören, um zu wissen, ob das was für meine Einkaufsliste ist.

SUICIDE erinnert stark an den No Wave der ganz frühen SWANS. Verstörende, experimentell-industrielle End-70er-Früh-80er-Klänge aus den Überresten der Punk-Bewegung. So was ist toll. Davon kann ich gar nicht genug kennen. Gleich mal auf die Einkaufsliste setzen.

IRON MAIDEN: Wie alles von denen geht auch das bei mir ins eine Ohr rein und kommt gleich aus dem anderen wieder raus, ohne auch nur eine Spur im Gedächtnis zu hinterlassen. Ich weiß gar nicht, wie viele hundert Male ich schon "Run to the Hills" oder "Number of the Beast" hören musste, aber ich kann mich bis heute an keine einzige Note davon erinnern. Aber der alte Sänger ist offenbar weniger nervig. Wie dem auch sei, ich werde auf ewig dazu verdammt sein, diese Art Musik nicht verstehen zu können.
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Re: Eikes eilig erstellte eindrucksvolle Einhundert

Beitragvon Eike » Dienstag 31. August 2010, 06:41

Jesus hat geschrieben:SUICIDE [...] Gleich mal auf die Einkaufsliste setzen.
Mission erfüllt. :grins:
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