Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 19. Dezember 2010, 22:31

Martin van der Laan hat geschrieben:Je höher es bei Rüdiger in der Liste geht, desto mehr handelt es sich um Alben, deren Faszination man einem Ungläubigen einfach nicht erklären kann. Entweder es macht "Klick", oder nicht; das bekommt schon etwas Para-Religiöses. MANOWAR kann man nicht erklären. Entweder diese Musik berührt etwas in einem oder eben nicht. Nüchtern betrachtet oder von einer Maschine neutral analysiert ist jedes MANOWAR-Album nichts weiter als ein Treppenwitz der Musikgeschichte. MANOWAR entwerfen eine wunderbar einfache, überschaubare Welt für große Jungs, in der man auf der Harley rumbraust, die Frauen noch hübsch und willig sind und in der ein Mann noch ein zwar einfach gestrickter, aber unbesiegbarer und niemals aufgebender Held ist. Wo es eine Kanne Pathos schon zum Frühstücksbrötchen gibt. Kurz, wo der Mann wieder Teenager sein darf. Und zwar Teenager des vordigitalen Zeitalters. Ich ziehe mich immer mal wieder gerne in diese Welt zurück, auch wenn sie mit meinem realen Leben und meinen tatsächlichen Überzeugungen überhaupt nicht zu tun hat. Ich bekenne mich jedenfalls zu MANOWAR. Aber nicht aus musiktheoretischen Gründen, sondern aus primitiv emotionalen. Ich liebe Primitiv-Emotionales - als Ausgleichssport fürs Intellektuelle. Und da kommt es dann eben nur auf den persönlichen ästhetischen Geschmack an, wie dieser Ausgleichssport ausschaut. Als Kind schon habe ich eben griechische und nordische Heldensagen geliebt. Und Pathos-Junkie bin ich sowieso.

Zu Manowar. Ernsthaft: Ich halte das musikhistorisch für außerordentlich relevant und auch für alles andere als simpel und primitiv. Mir gibt das auch über die Teenager-Rollenspiel-Katharsis hinaus sehr viel. Aber egal, wir sind uns ja einig, dass es gut ist, dann ist auch egal, warum es gut ist.

RUNNING WILD mag ich ebenfalls. Ist nicht so wichtig für mich die Band wie offenbar für Rüdiger, höre ich aber immer wieder mal gerne. Ich mag besonders, wie flüssig und geradeaus die Gitarren laufen. Die eingängigen, hymnischen Melodien versprechen einfachen, aber tollen Spaß. Funktionert in einer Metal-Kneipe mit ein paar Kumpels und ein paar Bier allerdings auch deutlich besser, als daheim auf dem Sofa.

Auch das funktioniert bei mir immer und überall.

Mal abgesehen von den Personen: Ich frage mich, warum sich an BURZUM so die Geister scheiden. Das ist halt schrammeliger, hypnotischer Black Metal. Ich als nicht unbedingt Black-Metal-Liebhaber (aber definitiv auch nicht Black-Metal-Hasser!) empfinde BURZUM als eine der besten und interessantesten Bands des Genres (soweit ich es kenne natürlich). Nur ein besonderer Aufreger ist das für mich auch wieder nicht...

Danke. Nach dem Herrn Salzburg schon der Zweite Non-Blackie, der das zu schätzen weiß. =)

Gibt's hier eigentlich hauptsächlich Anhänger des rumpeligen Waldkauz-Black-Metals oder auch IMMORTAL- und EMPEROR-Jünger??

Och, so lange es aus Norwegen kommt, ist mir das alles recht. Immortal waren schon in meiner Liste, und Emperor könnten ja vielleicht noch kommen. Mal schauen.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 19. Dezember 2010, 22:35

Germon hat geschrieben:Klaro, nur sich gegenseitig auf die Schultern klopfen wär ja auch langweilig.
Mein missionarischer Eifer ist in letzter Zeit etwas erlahmt. Ich habe da im persönlichen Umfeld die eine oder andere Enttäuschung hinter mir.

Ach, ich weiß meistens intuitiv, wo es einen Wert hat, und wo nicht. Wobei ich es auch bei den Windmühlen manchmal trotzdem nochmal probiere. Nicht in der Hoffnung, viel zu erreichen, aber auch nicht in der Absicht, jemanden zu ärgern. Ich glaube es ist manchmal nur der Versuch, das Gegenüber so weit zu bringen, dass es nachvollziehen kann, was ich daran so toll finde, und somit vielleicht aus einer Hassband eine Band zu machen, mit der man nur nicht warm wird. Dabei ärgere ich mich aber nicht, sondern mir macht das meistens Spaß.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon frankjaeger » Sonntag 19. Dezember 2010, 22:40

Zu deinen Alben der letzten Zeit: Seit CANDLEMASS tat ich mich schwer. MANOWAR ist für mich problematisch, Rolfie auch, mit BURZUM kann ich nicht viel anfangen. Aber ich weiß, meine Stunde in diesem Thread wird noch kommen... :D
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Eike » Sonntag 19. Dezember 2010, 22:41

Rüdiger hat geschrieben:Burzum den (Black-)Metal nicht komplett, aber doch weitestgehend um das Element Rock'n'Roll reduziert. Burzum rockt nicht
Da könnte der Knackpunkt liegen. Wenn es schon stumpf ist, sollte es wenigstens rocken, um mir zu gefallen. Und das von Martin in dem Zusammenhang zuletzt erwähnte "hypnotisch" schlägt bei mir auch überhaupt nicht an. Hypnotisieren geht bei mir ganz anders. Ich bin halt so verdrahtet.

Was verstehst Du unter
Martin v.d.Laan hat geschrieben:rumpelige[m] Waldkauz-Black-Metal
?

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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 19. Dezember 2010, 22:43

@ Frank:
Jo. Die eine oder andere wird dir schon noch gefallen, wenn vermutlich auch nicht mehr die Mehrheit. Wobei ich jetzt nicht genau weiß, an wen du gerade denkst.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon firestarter » Sonntag 19. Dezember 2010, 22:44

Eike hat geschrieben:Hypnotisieren geht bei mir ganz anders.


Sowas in der Art hab ich auch gedacht.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Teichfrosch » Sonntag 19. Dezember 2010, 22:49

Martin van der Laan hat geschrieben:Gibt's hier eigentlich hauptsächlich Anhänger des rumpeligen Waldkauz-Black-Metals oder auch IMMORTAL- und EMPEROR-Jünger??


Ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage. Tauchen auch beide noch in meinen Top100 auf.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Martin van der Laan » Sonntag 19. Dezember 2010, 22:52

Germon is back in tha house... YEAH!! :dafuer:
Lass die Luft wieder ab, Alda, ich schreibe ja, dass ich die Band trotzdem liebe. Nur kann man kaum bestreiten, dass die Kompositionen von Joseph Die Maiglocke und seinen Kameraden nicht gerade besonders raffiniert oder sonstwie anspruchsvoll sind. Das Drumherum macht's - für die Heldensagen-Fans! Und das Feeling. Oder eben nicht. Je nach Neigung.

@Rüdiger: Worin liegt denn die "musikgeschichtliche Relevanz" der MANOWAR-Scheiben? Ist es nicht eher die Verbindung aus Musik und Image, die besonders ist? Die Konsequenz, mit der die Idee, das Konzept umgesetzt wird. Ist es ein Wunder, dass MANOWAR zu den Bands gehören, die eigentlich "uncoverbar" sind? Ein hoch geschätzter Freund meinte einmal, dass man einen wirklich großen Song daran erkenne, dass er auch auf einer einzigen Akustik-Gitarre, am Klavier oder auf der Trompete funktioniere und die gleiche Faszination auslöse wie ohne den ganzen Klimbim der Aufmachung. Betrachtet man es so, gibt es tausende Metal-Bands (im weitesten Sinne des Wortes), die besser sind als MANOWAR. Trotzdem höre ich mir in 998 dieser Fälle lieber eine MANOWAR-Platte an. Weil ich eben auf diese Art Kitsch abfahre.

@Eike: Ich meine Black Metal, der funktioniert wie MANOWAR: Entweder es klickt oder eben nicht. Wenn man eben abfährt auf die Bilder von düsteren nordischen Wäldern im Herbst, den minimalistischen Einsatz klassischer Songstrukturen, das höhenlastige Gesurre der Gitarren, die klingen wie ein Heuschrecken-Schwarm auf schlechten Drogen, das unheilkündende Geknurre, Gemurmel und Gekrächze von vorzivilisatorischer Glorie... you know what I mean!? Hatte auch nur um drei Ecken mit BURZUM zu tun, die Frage... mir war eben nur so, als sei der Teil der BM-Fraktion, die das Wort METAL in der Genre-Beschreibung groß schreiben, und auch ohne den ganzen Mummenschanz funktionieren würden, etwas unterrepräsentiert sind.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Rüdiger Stehle » Sonntag 19. Dezember 2010, 23:02

Martin van der Laan hat geschrieben:Germon is back in tha house... YEAH!! :dafuer:
Lass die Luft wieder ab, Alda, ich schreibe ja, dass ich die Band trotzdem liebe. Nur kann man kaum bestreiten, dass die Kompositionen von Joseph Die Maiglocke und seinen Kameraden nicht gerade besonders raffiniert oder sonstwie anspruchsvoll sind. Das Drumherum macht's - für die Heldensagen-Fans! Und das Feeling. Oder eben nicht. Je nach Neigung.

@Rüdiger: Worin liegt denn die "musikgeschichtliche Relevanz" der MANOWAR-Scheiben? Ist es nicht eher die Verbindung aus Musik und Image, die besonders ist? Die Konsequenz, mit der die Idee, das Konzept umgesetzt wird. Ist es ein Wunder, dass MANOWAR zu den Bands gehören, die eigentlich "uncoverbar" sind? Ein hoch geschätzter Freund meinte einmal, dass man einen wirklich großen Song daran erkenne, dass er auch auf einer einzigen Akustik-Gitarre, am Klavier oder auf der Trompete funktioniere und die gleiche Faszination auslöse wie ohne den ganzen Klimbim der Aufmachung. Betrachtet man es so, gibt es tausende Metal-Bands (im weitesten Sinne des Wortes), die besser sind als MANOWAR. Trotzdem höre ich mir in 998 dieser Fälle lieber eine MANOWAR-Platte an. Weil ich eben auf diese Art Kitsch abfahre.

Die musikhistorische Relevanz sehe ich in der prägenden Rolle und dem entscheidenden Einfluss der Band auf die Entwicklung des Genres "Epic Metal" ab Anfang der Achtziger. Keine zweite Band war hier so prägend; nicht einmal Manilla Road oder Cirith Ungol. Da kann man natürlich die Musik nicht isoliert vom Image und den Texten sehen, das ist klar. Es zählt das Gesamtpaket. Aber ich meine, dass sie das mit dem Image und der Konsequenz alleine nicht geschafft hätten, wenn die musikalische Substanz von Anfang an wirklich nur das gewesen wäre, was kompositorisch seit "Louder Than Hell" geboten wird. Bis einschließlich "The Triumph Of Steel" hatten Manowar immer außergewöhnliche, kompositorisch nicht vorhersehbare, durchaus auch progressive Songs auf ihren Alben, die so stark vom Standard abweichen, dass das schon weit mehr ist, als simple Musik zur Ansprache primitiver Emotionen. "Guyana" ist alles andere als ein primitiver Song. Ebenso "Dark Avenger" oder "Spirit Horse". Klar, es ist das Erzählen pathetischer Fantasy und Sagengeschichten, aber eben auf einem so viel höheren Niveau als bei den zahlreichen Epigonen. Außerdem finde ich durchaus, dass man Manowar covern kann. Ich poste dir gleich ein paar Links zu sehr gelungenen Manowar-Covers.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Eike » Sonntag 19. Dezember 2010, 23:23

Martin van der Laan hat geschrieben:Ich meine Black Metal, der funktioniert wie MANOWAR: Entweder es klickt oder eben nicht. Wenn man eben abfährt auf die Bilder von düsteren nordischen Wäldern im Herbst, den minimalistischen Einsatz klassischer Songstrukturen, das höhenlastige Gesurre der Gitarren, die klingen wie ein Heuschrecken-Schwarm auf schlechten Drogen, das unheilkündende Geknurre, Gemurmel und Gekrächze von vorzivilisatorischer Glorie... you know what I mean!? Hatte auch nur um drei Ecken mit BURZUM zu tun, die Frage... mir war eben nur so, als sei der Teil der BM-Fraktion, die das Wort METAL in der Genre-Beschreibung groß schreiben, und auch ohne den ganzen Mummenschanz funktionieren würden, etwas unterrepräsentiert sind.
So, wie Du das beschreibst, klingt das nun nicht ganz uninteressant. Beispiele/Anspieltipps?
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