Ich finde zwar auch im modernen, progressiven und avantgardistischen Black Metal sehr viel Spannendes, das mich sehr reizt - das wird der folgende Beitrag zeigen - aber im Grunde genommen kann ich deine Aussage nur unterschreiben. Alben wie "De Mysteriis Dom. Sathanas", "Transilvanian Hunger", "In The Nightside Eclipse" und "Hvis Lyset Tar Oss" sind der Punkt ohne Wiederkehr. Von dort aus kann man sich zwar weiter entwickeln, oder zurück entwickeln, aber extremer kann man auch meiner Meinung nach nicht werden. Die Gründungsphase der zweiten Black-Metal-Welle ist auch in meiner Wahrnehmung das ultimativ Extremste, was Metal je geboten hat und bieten kann. Das mag blöd klingen, aber ich denke, dass das, was aus den Taten der damaligen Szene spricht, auch der Musik anzumerken ist. Was damals passiert ist, war ein wahnhafter, irrsinniger Zerstörungstrieb. Der Wille, nicht nur böse zu tun, den Bösen zu spielen, sondern selbst das abgrundtief Böse zu werden. So zwiespältig und abstrus diese Idee war und so verdammenswert einige Taten waren, die sie initiiert hat, so sehr hat dieser Wahn dem musikalischen Ausdruck die Authentizität verliehen, die dem heutigen Black Metal oft abgeht. Damit will ich nichts rechtfertigen, was damals geschehen ist, aber diese Kombination aus Genie und Wahnsinn war einmalig, und wer dafür mit Sensoren ausgestattet ist, der kann eben nachvollziehen, was die Sonderrolle der norwegischen Szene der Jahre 1990-1996 ausmacht. Sicher muss man froh sein, dass nicht alle Rechnungen aufgegangen sind, welche die damaligen Protagonisten aufgemacht hatten, aber wäre der damalige Wahn nicht so real gewesen, hätten die Alben nicht diese Wirkung gehabt. Heute spielen viele Bands eine Rolle vom bösen Mann, aber man tut es als Promogag ab, nimmt sie nicht ernst etc... Einem Euronymous musste man 1991 abnehmen, dass er es ernst meint, wenn er seine Drohungen ausstieß. Das verleiht der damaligen Ära eine morbide Faszination, welche mit rein musikalischen Mitteln nicht reproduziert oder gar übertroffen werden kann. Vielleicht mag das keine erfreuliche Erkenntnis sein, aber ich glaube, dass es wirklich genau so ist.
Euronymous bringt uns zur nächsten Nominierung, die mit Sicherheit so nicht entstanden wäre, wenn der Mentor der norwegischen Szene nicht gewaltsam aus dem Leben befördert worden wäre:
8.
MAYHEM "Grand Declaration Of War"(c)2000 - Season Of Mist
Norwegen
Nach dem Ableben von Dead und Euronymous folgte als Vermächtnis meine Nummer 11, "De Mysteriis Dom Sathanas", danach war MAYHEM tot. Mausetot. Es sollte einige Jahre dauern, bis Hellhammer die alten Mitstreiter Maniac und Necrobutcher wieder davon überzeugen konnte, dass Mayhem nicht sterben darf, und vor allem bis er den richtigen Mann für die Gitarre fand, um Mayhem ein neues Antlitz zu verpassen. Diesen fand er schließlich in Blasphemer, und nach einer viel versprechenden EP stand zur Jahrtausendwende ein Album bereit, das so von Mayhem niemand erwartet hätte. Mit völlig neuem Selbstverständnis und völlig neuem musikalischem Ausdruck trat diese ehemals räudige, schrammelige Black-Metal-Legende an, die Grundfesten des extremen Metals einmal mehr nieder zu reißen, und zwar in einer postapokalyptischen Perfektion, die Ihresgleichen sucht und nicht findet. "Grand Declaration Of War" ist für mich das mit riesigem, fast schon nicht mehr fassbarem Abstand beste Album des dritten Jahrtausends, mit einem Drumming das definitiv nicht mehr von dieser Welt ist.
Hier die Hörproben, die man wirklich am besten LAUT anhört:
http://www.youtube.com/watch?v=y0HymzJq5KQ- Der Opener als DIE große Kriegserklärung!
http://www.youtube.com/watch?v=AImHC8zyMl4- das völlig unfassbare 'View From Nihil'
http://www.youtube.com/watch?v=LA49u6tdNPI- experimentell, unmetallisch, elektronisch - nur verständlich im konzeptionellen Kontext des Albums, in dem es direkt an die Bombenexplosion am Ende von 'View From Nihil' anschließt: 'A Bloodsword And A Colder Sun'
http://www.youtube.com/watch?v=6Lr3lr9CY5Q- unfassbare Rhythmik: 'Crystallized Pain In Deconstruction'
- Live:
http://www.youtube.com/watch?v=TLMbyTV_zwIDas phantastische 'Completion In Science And Agony', bei dem der Sänger von Spiral Architect mit von der Partie ist:
http://www.youtube.com/watch?v=HdhfNtD_zh8 - Teil I
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38