Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Regina Löwenstein » Montag 27. Dezember 2010, 01:18

Ein ganz starkes Black-Metal-Album, mit dem ich eine ganz persönliche "Metalhistorie" verbinde: Der Song "A Blaze In The Northern Sky" war der allererste Black-Metal-Song, den ich jemals gehört habe, nachdem ihn mir eine Freundin empfohlen hat. Danach war ich erstmal wochenlang verstört und meine Ohren haben geblutet. Aber dennoch ist der auf meinem Player geblieben; durch eine Art masochistische Faszination habe ich ihn immer mal wieder angehört, auch wenn mir das Dissonante damals einfach nicht munden wollte. Erst viel später kam ich (durch Arckanum) zum Black Metal.
Hach ja ...
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon trent » Montag 27. Dezember 2010, 12:20

Die Mayhem ist absolut großartig. Da fällt mir ein, dass ich ja noch die Variante mit dem Original-Mix zuhause hab, aber noch nie reingehört habe... Muss ich mal machen.

Die Darkthrone ist irgendwie die einzige Scheibe der beiden, mit der ich etwas anfangen kann bzw. die ich wirklich gut finde. Mit allen anderen Alben der Band konnte ich mich nie so wirklich anfreunden. Und ich glaube auch nicht, dass sich das jetzt noch ändern wird, da mir guter Sound viel wichtiger ist als früher.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Teichfrosch » Montag 27. Dezember 2010, 14:53

Da haut er die (diesmal guten :) ) Klassiker am Fließband raus. Naja, bis auf die BATHORY die ich garnicht kenne (und daher kaum beurteilen kann) selbstverständlich alles ganz famose Platten.

Die große Kriegserklärung steht also noch höher in deiner Gunst? Du gütiger grim und frostbitten Thor, das hät ich nicht gedacht.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon frankjaeger » Montag 27. Dezember 2010, 15:03

Puuh, seit einigen Plätzen bin ich hier ziemlich raus... :-S
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Havoc » Montag 27. Dezember 2010, 17:12

"A Blaze In The Northern Sky" ist eines der kältesten und bösesten BM-Alben aller Zeiten. Gleich der lange Opener ist der Hammer. Alleine Teds Stimme lässt einem einen Schauder über den Rücken laufen. Definitiv ein krasses Album!
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Jhonny » Montag 27. Dezember 2010, 23:01

die Bathory hab ich selber und höre sie immer wieder gerne, die Darkthrone steht auf dem Einkaufszettel. Der frühe, norwegische Black Metal ist irgendwo so die Schallmauer im Metal, und das auch geblieben.
Klar hatten auch Judas Priest, Savage, Agent Steel, Metallica, Slayer oder Death irgendwo immer jeweils Geschwindigkeit und Härte demonstriert, aber der Black Metal der zweiten Generation hat eine bisher aus meiner Sicht unüberbrückbare Obergrenze des Metal erstellt. (Hochgetriggerte Drums sowohl im Death als auch im Black Metal lasse ich mal bewusst außen vor, das will ja keiner hören).
Deshalb ist Norwegischer Black Metal für mich das böseste und härteste im Metal überhaupt.
Und - deswegen kann ich im Black Metal ab Mitte der 90er auf jede Weiterentwicklung verzichten, denn böser geht es sowieso nicht. Interessant sind eher Rück-Entwicklungen a la Darkthrone, die die Wurzeln mehr erforschen.
Jaja... :grins:
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 27. Dezember 2010, 23:40

Ich finde zwar auch im modernen, progressiven und avantgardistischen Black Metal sehr viel Spannendes, das mich sehr reizt - das wird der folgende Beitrag zeigen - aber im Grunde genommen kann ich deine Aussage nur unterschreiben. Alben wie "De Mysteriis Dom. Sathanas", "Transilvanian Hunger", "In The Nightside Eclipse" und "Hvis Lyset Tar Oss" sind der Punkt ohne Wiederkehr. Von dort aus kann man sich zwar weiter entwickeln, oder zurück entwickeln, aber extremer kann man auch meiner Meinung nach nicht werden. Die Gründungsphase der zweiten Black-Metal-Welle ist auch in meiner Wahrnehmung das ultimativ Extremste, was Metal je geboten hat und bieten kann. Das mag blöd klingen, aber ich denke, dass das, was aus den Taten der damaligen Szene spricht, auch der Musik anzumerken ist. Was damals passiert ist, war ein wahnhafter, irrsinniger Zerstörungstrieb. Der Wille, nicht nur böse zu tun, den Bösen zu spielen, sondern selbst das abgrundtief Böse zu werden. So zwiespältig und abstrus diese Idee war und so verdammenswert einige Taten waren, die sie initiiert hat, so sehr hat dieser Wahn dem musikalischen Ausdruck die Authentizität verliehen, die dem heutigen Black Metal oft abgeht. Damit will ich nichts rechtfertigen, was damals geschehen ist, aber diese Kombination aus Genie und Wahnsinn war einmalig, und wer dafür mit Sensoren ausgestattet ist, der kann eben nachvollziehen, was die Sonderrolle der norwegischen Szene der Jahre 1990-1996 ausmacht. Sicher muss man froh sein, dass nicht alle Rechnungen aufgegangen sind, welche die damaligen Protagonisten aufgemacht hatten, aber wäre der damalige Wahn nicht so real gewesen, hätten die Alben nicht diese Wirkung gehabt. Heute spielen viele Bands eine Rolle vom bösen Mann, aber man tut es als Promogag ab, nimmt sie nicht ernst etc... Einem Euronymous musste man 1991 abnehmen, dass er es ernst meint, wenn er seine Drohungen ausstieß. Das verleiht der damaligen Ära eine morbide Faszination, welche mit rein musikalischen Mitteln nicht reproduziert oder gar übertroffen werden kann. Vielleicht mag das keine erfreuliche Erkenntnis sein, aber ich glaube, dass es wirklich genau so ist.

Euronymous bringt uns zur nächsten Nominierung, die mit Sicherheit so nicht entstanden wäre, wenn der Mentor der norwegischen Szene nicht gewaltsam aus dem Leben befördert worden wäre:

8.
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MAYHEM "Grand Declaration Of War"
(c)2000 - Season Of Mist
Norwegen

Nach dem Ableben von Dead und Euronymous folgte als Vermächtnis meine Nummer 11, "De Mysteriis Dom Sathanas", danach war MAYHEM tot. Mausetot. Es sollte einige Jahre dauern, bis Hellhammer die alten Mitstreiter Maniac und Necrobutcher wieder davon überzeugen konnte, dass Mayhem nicht sterben darf, und vor allem bis er den richtigen Mann für die Gitarre fand, um Mayhem ein neues Antlitz zu verpassen. Diesen fand er schließlich in Blasphemer, und nach einer viel versprechenden EP stand zur Jahrtausendwende ein Album bereit, das so von Mayhem niemand erwartet hätte. Mit völlig neuem Selbstverständnis und völlig neuem musikalischem Ausdruck trat diese ehemals räudige, schrammelige Black-Metal-Legende an, die Grundfesten des extremen Metals einmal mehr nieder zu reißen, und zwar in einer postapokalyptischen Perfektion, die Ihresgleichen sucht und nicht findet. "Grand Declaration Of War" ist für mich das mit riesigem, fast schon nicht mehr fassbarem Abstand beste Album des dritten Jahrtausends, mit einem Drumming das definitiv nicht mehr von dieser Welt ist.

Hier die Hörproben, die man wirklich am besten LAUT anhört:

http://www.youtube.com/watch?v=y0HymzJq5KQ
- Der Opener als DIE große Kriegserklärung!

http://www.youtube.com/watch?v=AImHC8zyMl4
- das völlig unfassbare 'View From Nihil'

http://www.youtube.com/watch?v=LA49u6tdNPI
- experimentell, unmetallisch, elektronisch - nur verständlich im konzeptionellen Kontext des Albums, in dem es direkt an die Bombenexplosion am Ende von 'View From Nihil' anschließt: 'A Bloodsword And A Colder Sun'

http://www.youtube.com/watch?v=6Lr3lr9CY5Q
- unfassbare Rhythmik: 'Crystallized Pain In Deconstruction'
- Live: http://www.youtube.com/watch?v=TLMbyTV_zwI

Das phantastische 'Completion In Science And Agony', bei dem der Sänger von Spiral Architect mit von der Partie ist:
http://www.youtube.com/watch?v=HdhfNtD_zh8 - Teil I
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Teichfrosch » Montag 27. Dezember 2010, 23:47

Absolut tolle Scheibe. MAYHEM sind nicht von dieser Welt, so scheint es...
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon trent » Dienstag 28. Dezember 2010, 00:53

Das kann ich nur unterschreiben. Ein absolut geniales Album, was auch bei mir einen recht hohen Platz in meiner Liste inne hat.
Nun auch auf Musiksammler: Trents Musiksammlung
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Feamorn » Dienstag 28. Dezember 2010, 02:14

Kam ja bei mir schon recht früh, was aber auch dem Umstand geschuldet ist, dass ich es erst recht kurz mein Eigen nenne. Ganz groß. Kann bei mir in der Liste über die Zeit auch gut noch weiter nach oben wandern.
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