Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

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Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 5. August 2010, 16:28

So, dann mal los. Ich werde auch versuchen, ein Album täglich zu servieren, damit es nicht zu viel wird. Wie im allgemeinen Thread schon angekündigt, halte ich selbst meine Liste für recht vorhersehbar, weil ich fast ausschließlich das genommen habe, was mir wirklich am meisten nahe geht, und das sind eben nach wie vor zum größten Teil Alben, die ich seit Ewigkeiten kenne, und die infolgedessen auch jeder von euch bei mir erwarten wird. Da mich aber nicht jeder hier schon so lange kennt und man nicht jedes Jahr über alle Klassikerbands redet, kommt vielleicht doch die eine oder andere Überraschung zum Vorschein. Wir werden sehen.

Den Anfang macht wie bei Kubi, Holg und 123=7 ein Album, das nicht so wirklich Metal ist. Eigentlich gar kein Metal. Im alten Forum war die Band eine Zeit lang Thema. Jetzt ist es an der Zeit, sie in Erinnerung zu rufen:

100.
Bild
YAT-KHA "tuva.rock"
Pläne Records / rough trade
(c)2003
Bild

Die Band aus der zur Russischen Föderation gehörenden autonomen Republik Tuwa in Zentralasien verbindet klassischen, nicht zu harten Rock in einer nie zuvor vernommenen, schlüssigen Synthese mit zentralasiatischer Folklore, die sich in einem bunten Instrumentarium der traditionellen Instrumente der Yenisei-Region äußert, vor allem aber im völlig einzigartigen Kehlkopfobertongesang von Frontmann und Gitarrist Albert Kuvezin, der den Spitznamen Steppen-Hendrix trägt. Die Texte sind mehrsprachig, von Englisch und Französisch über Russisch bis hin zur tuwinischen Sprache aus der mongolischen Sprachenfamilie. Als Hörproben habe ich den vom Arrangement her noch am ehesten westlich klingenden Song 'Come Along', das sehr traditionelle, weitgehend akustische 'Amdy Baryp' und das harte, fast metallische 'Eki Attar' verlinkt (man verzeihe das bescheuerte Video).

'Come Along': http://www.youtube.com/watch?v=QciTMH33VMo
'Amdy Baryp': http://www.youtube.com/watch?v=AGa-3j2bMT0
'Eki Attar': http://www.youtube.com/watch?v=mqdrK6q_snk

Bonustrack:
'Love Will Tear Us Apart' (Live-Cover des Joy Division-Songs) - unbedingt anschauen:
http://www.youtube.com/watch?v=GimODzNt_S8

Ich hoffe der ganz spezielle Beitrag entschädigt für die eine oder andere déjà-vu-Situation der nächsten 99 Tage.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Holger Andrae » Donnerstag 5. August 2010, 16:49

Das ist erwartungsgemäß ziemlich cool. wobei ich natürlich die Coverversion beim ersten Anhören am besten fand. Da gab es zumindest ein paar Anker für die Ohren. Mir gefällt die kratzige, tiefe Stimme. Das ist kautzig. Dann überrasch immer wieder die Instrumentierung. Sehr fein. Und die indianische angehauchte Nummer könnte ich mir sehr gut als Untermakung zu einem coolen Düster-Western wie "Three Burials" vorstellen. Den höre ich jetzt gleich nochmal.

Landet auf der Einkaufsliste.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 5. August 2010, 17:05

Dass du die Indianer-Assoziation ziehst, ist treffend. Die Indianer haben ja ihre Wurzeln auch in Sibirien. Sehr interessant, wie lange nach der Trennung der Kontinente sich die kulturellen Parallelen erhalten haben. Freut mich sehr, dass es dir gefällt. Für mich ist YAT-KHA eine wunderbar eigenwillige Band, die trotzdem auf faszinierende Weise Brücken zwischen härterer Rockmusik, Folk Rock und echter, asiatischer Folklore schlägt. Bin vor einigen Jahren durch einen Kurzbericht im Rock Hard auf die Band aufmerksam geworden, hatte sie dann aber wieder vergessen, bis ich kurz darauf rein zufällig in einem Second Hand Laden deren Debüt für 2 Euro gefunden habe. Dann eingesackt und kurz darauf alle Hebel in Bewegung gesetzt, auch die anderen Scheiben zu bekommen. War seinerzeit gar nicht so einfach. Was Albert mit seiner Stimme alles anstellen kann ist teils wirklich bizarr. Auf dem Debütalbum "Yenisei-Punk" ist ein zehnminütiges Brummel-a-cappella-Stück. Voll der Hammer!

Weiter Infos gibt es auf der Homepage: http://www.yat-kha.com/
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 5. August 2010, 17:12

Und bei diesem Song hier habe ich irgendwie im Gefühl, dass er Fabian ganz besonders gefallen könnte. Ist zwar vom Debüt, aber trotzdem:

'Solun Chaagai Sovet Churtum': http://www.youtube.com/watch?v=mv2HdDPUWcE

Instrumental und gesanglich völlig krass und intensiv.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon 123_7 » Donnerstag 5. August 2010, 17:58

Ich dachte mir ja schon bei der Beschreibung, dass das genau mein Ding sein sollte. Und dein speziell an mich gerichteter Songverweis bekräftigte mich. Und ich bin total begeistert. Dass jedes der fünf Stücke für sich gesehen schon absolute Wundertüten sind und den Epitom an Kauzig- und Seltsamkeit darstellen, ist ja schon überraschend. Aber dass die Musik auf eine Art und Weise so abgefuckt (das kann natürlich die Kulturkollision verursachen, aber ich steh auf Kehlkopfgesänge und traditionelle asiatische Instrumente) und ungewöhnlich klingt, hätte ich nicht gedacht. Aber das begeistert mich gerade wirklich schwer. Seltsamer Stoff... aber faszinierend. So ging es mir damals auch bei Sigh, wobei Yat-Kha natürlich deutlich mehr in Folklore verwurzelt sind. Ich glaube, da muss ich mich ranwagen. Quatsch... da muss ich mich ranwagen, ohne zu glauben.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 5. August 2010, 18:30

Das freut mich natürlich sehr, dass es dich aus dem Stand gleich richtig begeistert. Habe mir schon gedacht, dass es dich ansprechen würde, war mir aber nicht mehr sicher, ob du nicht vor einigen Jahren schon davon Kenntnis genommen hattest, weil ich die Band hier schon einmal ins Spiel gebracht habe (im alten Forum).

Die verschiedenen Alben der Band sind sehr unterschiedlich. Mal deutlich folkloristischer und akustischer, mal härter; mal vorwiegend Traditionals, mal mehr Eigenkompositionen, mal mehr Crossover und mal mehr Hardrock -> aber immer 100% Yat-Kha. Sehr eigenständig und (nicht nur) deshalb sehr spannend.

Zwei kurze Liveclips habe ich noch:
http://www.youtube.com/watch?v=Z5FqWPeDZM8
http://www.youtube.com/watch?v=IJ1vr6fEH-4

Habe die Band leider verpasst, als sie zum letzten Mal in Deutschland war.
:(
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon 123_7 » Donnerstag 5. August 2010, 20:04

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mir bis eben auch nicht bewusst war, dass die Band auch tatsächlich geographisch aus dem entsprechenden Umfeld kommt. In meinem Gehirn haben sich mit dem Namen die verqueren Assoziationen "seichter AOR", "plakativ eingesetzte Folk-Instrumente" und "Unausgegorenheit" festgesetzt, ohne, dass ich nur einen Ton gehört hätte, haha. Dementsprechend bin ich ziemlich überrascht, dass nichts davon zutrifft und hier authentischer und zutiefst mitreissender.. eh... Rock... eh... Musik dargeboten wird. Manchmal sollte man sich wirklich die Mühe machen, Dinge genauer unter die Lupe zu nehmen und nicht im Vorhinein die wildesten Vermutungen anstellen :-D
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 5. August 2010, 20:12

123_7 hat geschrieben:In meinem Gehirn haben sich mit dem Namen die verqueren Assoziationen "seichter AOR", "plakativ eingesetzte Folk-Instrumente" und "Unausgegorenheit" festgesetzt, ohne, dass ich nur einen Ton gehört hätte, haha.

Das ist erstaunlich. Wie kommt denn so etwas zu Stande? Grade AOR... :grins: Ist ja jetzt nicht unbedingt ein Name, über den man dauernd stolpert, oder?

Manchmal sollte man sich wirklich die Mühe machen, Dinge genauer unter die Lupe zu nehmen und nicht im Vorhinein die wildesten Vermutungen anstellen :-D

:P

Ganz am Anfang, zu Demozeiten, haben die auch Musik mit starker elektronischer Tendenz gemacht, aber die Sachen habe ich selber auch noch nicht gehört. Ich suche mal, ob ich davon online etwas finde.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon 123_7 » Donnerstag 5. August 2010, 20:16

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
123_7 hat geschrieben:In meinem Gehirn haben sich mit dem Namen die verqueren Assoziationen "seichter AOR", "plakativ eingesetzte Folk-Instrumente" und "Unausgegorenheit" festgesetzt, ohne, dass ich nur einen Ton gehört hätte, haha.

Das ist erstaunlich. Wie kommt denn so etwas zu Stande? Grade AOR... :grins: Ist ja jetzt nicht unbedingt ein Name, über den man dauernd stolpert, oder?

Frag mich nicht... der Name ist aufgetaucht, als ich musikalisch selber noch deutlich enger gesteckter war. Da schreckte schon der Begriff "Hard Rock" ab... und dann steigert man sich rein und erdichtet sich die seltsamsten Assoziationen. Heute passiert mir das wohl seltener, da ich wirklich offen an das Meiste herangehe. Gut, dass ich damit aber aufgeräumt habe. Allein dafür hat deine Liste schon tausendprozentige Daseinsberechtigung :-)

Manchmal sollte man sich wirklich die Mühe machen, Dinge genauer unter die Lupe zu nehmen und nicht im Vorhinein die wildesten Vermutungen anstellen :-D

:P

Ganz am Anfang, zu Demozeiten, haben die auch Musik mit starker elektronischer Tendenz gemacht, aber die Sachen habe ich selber auch noch nicht gehört. Ich suche mal, ob ich davon online etwas finde.

Das klingt nicht uninteressant. Gib Bescheid, wenn du erfolgreich warst.
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Re: Hundert schwarze Federn im Rabenkleid

Beitragvon 123_7 » Donnerstag 5. August 2010, 20:40

Nachdem ich bei YT jetzt auch noch über ein total geniales 'In A Gadda Da Vida'-Cover gestolpert bin, konnte ich nicht mehr anders. "Tuva.Rock" und "Re-Covers" sind bestellt :-)
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