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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von salisbury » Sonntag 11. Mai 2014, 00:45
Martin van der Laan hat geschrieben: Aber irgendwann habe ich zum ersten Mal erfahren, dass es so etwas überhaupt gibt. Das man Musik mit jeder Faser seines Körpers aufsaugen und verinnerlichen kann
Ja, das war, als mein Dad mir 'Yesterday' auf der Gitarre vorgespielt hat. Das ist eine meiner ersten Erinnerungen überhaupt. Das war so toll! Und ich habe ja sehr früh von der Musik meines Dads aus "meine" Musik selber entdeckt. Ich hab mit sechs Cassetten mit einer Oldies-Sendung aus dem Radio mitgeschnitten. Ich hab meinem Dad vorgespielt, was da alles so Tolles kam. Der Spieß war also sehr schnell rumgedreht. Was der in der ganzen Zeit schon alles durch mich kennengelernt hat. Selbst meine "Haifischmusik" (Thrash Metal) hat er verstanden, aber dann doch nicht so gemocht. Und auch dieses "analytische Verstehen" hab ich vom ihm. Denn er wollte immer jeden Song, den er besonders gut findet, selber spielen können. Zuminenst mal so verstehen, dass er es könnte, wenn die Fähigkeiten dazu hätte. Das steckt auch bei mir so tief drin, dass ich es niemals mehr loswerden könnte, aber diese Art zu hören ermöglicht es mir auch, ständig auf der Entdeckungsreise zu bleiben. Musikalische Emotionalität ist für mich das geile Gefühl, etwas gecheckt zu haben, sei es die Struktur der Akkordfolgen (nein, ich bin schlecht in Musiktheorie und brauch sie auch nicht) oder aber die Botschaft, die der Künstler mir mitgeben will (nein, dazu brauche ich keine Texte, ich will die Botshaft über die Musik mitkriegen). Das erklärt jetzt auch ein wenig, warum ich keine besondere "musikalische Selbstfindungsphase" hatte oder brauchte oder diese als besonders Besonders empfinde. Ich ticke da einfach vielleicht anders und das seit dem ich denken kann...
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von salisbury » Sonntag 11. Mai 2014, 00:49
Holger Andrae hat geschrieben:Hm, wenn ich bedenke, dass die ganzen NWoBHM Bands demos und selbst produzierte 7" veröffentlicht haben und dass in den 80ern die Do-It-Yourself-Mentalität (Demos, Fanzines, Trading) vorgeherrscht hat, kann ich dir hier auch nicht wirklich zustimmen.
Und? Wieviele davon haben dich so nachhaltig berührt, daß Du sie niemals missen wollen würdest?
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von salisbury » Sonntag 11. Mai 2014, 01:04
Holger Andrae hat geschrieben:Hm, wenn ich bedenke, dass die ganzen NWoBHM Bands demos und selbst produzierte 7" veröffentlicht haben und dass in den 80ern die Do-It-Yourself-Mentalität (Demos, Fanzines, Trading) vorgeherrscht hat, kann ich dir hier auch nicht wirklich zustimmen.
Eigentlich, nach ein bischen denken, ist das doch das beste Beispiel, um meinen Gedankengang zu bestätigen. Denn kaum waren die Möglichkeiten da, mehr Musikern (und unter denen sicher auch auch welche, die vielleicht gar nicht wussten, dass sie es sind) Zugang zu verbesserten, einfacheren und billigeren Aufnahmemöglichkeiten zu ermöglichen, entwickelt sich eine Szene, die eine hohe Kreativität an den Tag legt und nachweislich auch Bands hervorbringt, die für die Evolution der Rockmusik enorm wichtig waren und auch sogar heute noch sind. Und das sind genau die, die sich aus einem Wust von Tausenden Bands ein gewisses Alleistellungsmerkmal (vielleicht konnten sie einfach nur am besten spielen) geschaffen hat, das dafür gesorgt hat, dass ihre Musik viele Menschen berührt. (Der Rest ist historisch egal und spielt allerhöchstens mal beim KIT  ; den konnt ich mir jetzt nicht verkneifen...  )
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von salisbury » Sonntag 11. Mai 2014, 01:19
Übrigens, Leute, vielen Dank für diese anregende Diskussion. Ich rede morgen mit Anders Nyström von KATATONIA und hab jetzt einen Sackvoll interessanter Fragen, die der mir gerne beantworten wird. I hope. Gerade im Kontext seiner Aussage, dass die Zeiten für Musiker immer rauer werden, sind einige angestellte Gedanken hier sehr interessant.
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von Siebi » Sonntag 11. Mai 2014, 11:05
Schon gestern aufgesetzt, deshalb nicht ganz im Zusammenhang mit den vorhergehenden Postings.
Nostalgie stimme ich zu, die Kindheit, die geringe Auswahl dank wenig Geld, das prägt. Gefühl und Gesamtpaket, wie Holger schreibt, sind aussschlaggebende Faktoren. Qualität ist schwer zu beurteilen, denn: was ist Qualität in der Kunst, hier Musik? Wie bestimmt man diese? Dream Theater sind hochprofessionelle Musiker, deren Musik mich seit "Awake" gar nicht trifft. Haben die deshalb keine Qualität? Nein, mich erreichen sie nicht. Die ersten Venom-Scheiben sind mehr Rumpeldipumpel von diletantischen Musikern. Für mich ewige Meilensteine, weil sie eine Stimmung transportieren, die den damaligen Zeitgeist, den Aufbruch im Ausloten der Extreme für mich bestens rüberbringen.
Zur Offenheit gegnüber Neuem. Gerne entdecke ich Neues, habe es mit den bekannten Djentlemen und Mathcore-Bands versucht oder Crippled Black Phoenix und und und. Auch hier ist Qualität vorhanden, nur reißt mich die gebotene Kunstform emotional nicht mit. Das Angebot und die Vielfalt an interessanter Musik ist so groß, das kann man gar nicht alles intensiv aufnehmen. Ergo pickt man sich dem Gusto entsprechend seine Rosinen raus. Jedem bleibt selbst überlassen, nach was er gräbt und sucht und eventuell findet. Ob es dann genau so berührt wie die liebgewonnen Klassiker, das steht auf einem anderen Blatt.
Mich berühren neue Scheiben auch, gerne intensiv, wandern dann aus dem Fokus. Letztens hat ein Sepzl eine Kassette mit einem 84er Mix eingelegt, es war sofort alles wieder da! Die Zeit, das Lebensgefühl, die Stimmung, ein Geruch in der Luft, lecker! "Stay Hungry", "Animalize", "Defenders...", Scheiben für die Ewigkeit, an dei neue eben nie oder seltenst heranreichen.
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 11. Mai 2014, 11:31
Im Endeffekt steht das meiste schon da, was ich schreiben könnte. Vor allem in dem, was Siebi im letzten Beitrag schreibt, finde ich mich wieder. Wenn man es darauf herunter bricht, was mich heute noch wirklich nachhaltig packt und richtig tief eingräbt, so dass es immer präsent ist, dann ist das in Sachen neuer Scheiben tatsächlich nicht mehr allzu vieles. Ja, auch wenn ich es toll finde und die vollen Punkte zücke: Es gerät alles schneller aus dem Fokus, der Zug fährt weiter. Es fehlt die Zeit, die Muse, sich so an ein Album zu klammern, wie das in den jungen Jahren normal war. Ich hab das irgendwann schon einmal geschrieben: Spiele ich Musikraten, und einer zieht einen der Klassiker aus dem Regal, die ich seit 25 Jahren kenne, dann dauert es keine drei Sekunden, bis ich den Song erkenne und mitsinge. Zieht er eine Scheibe aus dem Regal, der ich 2012 neuneinhalb Punkte gegeben habe, dann würde ich nicht dafür bürgen, sie während der Spielzeit des ersten Songs erkennen zu können. Klar, manche schon, aber manche eben auch nicht. Im Endeffekt führe ich es auf zwei Ursachen zurück: 1. Das wurde schon von anderen genannt: Man hatte weniger Geld und weniger Auswahl, dafür aber mehr Zeit, die Erwerbungen tage-, wochen-, monatelang auf Dauerrotation zu haben. Als ich meine ersten Scheiben vom Taschengeld gekauft habe, da konnte ich mir vielleicht zwei oder drei Alben im Monat kaufen, und dazu hätte ich dann erst einmal in die Stadt gehen müssen, wo ich etwas hätte kaufen können. Dann war halt die "Sign Of The Hammer" mal eben zwei Monate lang die einzige Scheibe, die überhaupt lief. Und das dann täglich. Als ich die "Paradise Lost" von Cirith Ungol gekauft habe, da lief erst einmal zwei Wochen lang der Song 'Chaos Rising' täglich 20x. Das brennt die Sachen halt so tief in die Hirnrinde, dass es zwanzig Jahre später für einen neuen Song einfach nahezu unmöglich ist, diesen Status, diesen Einfluss zu erringen. 2. Was aber auch wichtig ist, das ist die jugendliche Empfänglichkeit für prägende Einflüsse, und die Fähigkeit, solche Dinge wie Bands, ihre Texte, ihre Attitüde, ja, auch ihre vermeintliche oder tatsächliche Ideologie, noch todernst zu nehmen, und den Metal nicht als Musik für unterhaltsame Stunden, sondern als Lebenseinstellung, als Lebensaufgabe, und als Quasi-Religion aufzufassen. Das war für mich besonders zu Zeiten der großen Black-Metal-Welle sehr prägende und intensiv, und vor allem das ist, so gut die Musik einer neuen Band, oder neue Musik der alten Bands auch sein mag, einfach nicht reproduzierbar. Das eiskalte Gefühl, das dir über den Rücken schleicht, wenn du ein Demotape oder eine 7"EP aus dem Umschlag mit dem subarktischen Poststempel ziehst, welche du tatsächlich für die wahrhaftige Tonwerdung des ultimativ Bösen hältst, das stellt sich halt nicht mehr ein, wenn du über 20 Jahre hinweg 2000 BM-Scheiben von drölfzig Musikern gekauft hast, von denen du inzwischen 99,5% für völlig normale oder für normal bekloppte Leute hältst, aber keinen mehr für die Inkarnation des Leibhaftigen. 
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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von salisbury » Sonntag 11. Mai 2014, 12:10
Ja, ich kann das alles verstehen und nachvollziehen, was ihr hier schreibt. Klar war das Hören meiner Alltime-Faves, WALTZ, MAYFAIR, FATES WARNING auch etwas Tolles und ganz Besonderes und ist es auch heute noch. Aber ich glaube, ich war da schon immer etwas...abgeklärter? Pseude-Religiöse Gefühle wie der Rabe mit seinen Blackies hatte ich nie. Schade eigentlich 
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von salisbury » Sonntag 11. Mai 2014, 12:24
salisbury hat geschrieben:Ja, ich kann das alles verstehen und nachvollziehen, was ihr hier schreibt. Klar war das Hören meiner Alltime-Faves, WALTZ, MAYFAIR, FATES WARNING auch etwas Tolles und ganz Besonderes und ist es auch heute noch. Aber ich glaube, ich war da schon immer etwas...abgeklärter? Pseude-Religiöse Gefühle wie der Rabe mit seinen Blackies hatte ich nie. Schade eigentlich 
...aber das erklärt auch, weshalb es mich so irritiert, dass dieses Rückerinnern an Früher die intensivsten "musikalischen Gefühle" auslösen soll. Warum soll die Art, wie ich mit siebzehn Mucke gehört hab, mehr kicken als die heutige Neuentdeckung von z.B. der neuen ARCHIVE (steht die Tage auf dem Plan) mit einer über dreißig Jahre lang geschulten Erfahrung als Musikhörer? Vielleicht brauche ich ja auch keine 500 Spins mehr, bis die Musik in Fleisch und Blut übergeht. Interessant, interessant das alles...
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von Holger Andrae » Sonntag 11. Mai 2014, 14:09
Siebi schreibt in seinem letzten Posting sehr viel, worin ich mich wiederfinde. ;it dem letzten Teil tue ich mich etwas schwer, denn es ist nicht das gleiche Gefühl, wie damals, wenn ich heute die alten Scheiben auflege. Natürlich geht das Kopfkino an und man hat Situationen vor Augen, in denen man dieses oder jenes Album damals gehört hat. Aber es fühlt sich heuet schon anders an. Die Begeisterung, wenn ich ein sehr lange nicht aufgelegtes Album erneut entdecke, ist aber vergleichbar. Da kann es dann passieren, dass eine Angel Dust Scheibe oder ein "Fools Game" von Mordred gleich mal einen ganzen Nachmittag lang läuft. Wenn man dazu dann noch in alten Fanzine schmökert, ist die Zeitreise perfekt.
Bei mir kommt übrigens auch noch ein anderer Aspekt hinzu. Durch den Briefkontakt zu diversen Musikern hatte ich damals teilweise noch eine ganz andere "Beziehung" zu einigen Bands. das gelingt heute durch das unpersönliche Internetting kaum noch. Allerdings kann ich mich nicht davon frei sprechen, dass ich Musik von netten Menschen tendenziell mit etwas anderen Ohren höre als Musik von komplett unbekannten oder gar unsympathischen Musikern. Ist nicht professionell, aber diesen Anspruch habe ich auch nicht.
ALs letztes möchte ich noch kurz auf Sallys "geschultes Ohr" eingehen. Das sehe ich nämlich komplett anders. Gerade ein analytisches Hören erschwert doch den kompletten Genuss.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von salisbury » Sonntag 11. Mai 2014, 14:40
Holger Andrae hat geschrieben:Durch den Briefkontakt zu diversen Musikern hatte ich damals teilweise noch eine ganz andere "Beziehung" zu einigen Bands. das gelingt heute durch das unpersönliche Internetting kaum noch.
Aber natürlich! Es ist sogar viel einfacher. Man kann auf FB ne PN schreiben, man kommt in Kontakt, man spricht mit ihnen, man kann sogar täglich verfolgen, was sie tun, bekommt mit, was sie für Menschen sind. Holger Andrae hat geschrieben:ALs letztes möchte ich noch kurz auf Sallys "geschultes Ohr" eingehen. Das sehe ich nämlich komplett anders. Gerade ein analytisches Hören erschwert doch den kompletten Genuss.
Nein, absolut überhaupt nicht. Es erleichtert den Genuss, es IST der Genuss 
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