Musikalische Erkenntnis des Tages

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon enemy-of-reality » Sonntag 23. November 2014, 16:35

Gestern Abend Miles Davis live at Newport 63 gehört und (mal) wieder festgestellt, dass mir der Grossteil von Miles Musik nach 1961 einfach zu hoch ist. Ich tu mir teilweise echt schwer, die Songs überhaupt zu erkennen....
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon enemy-of-reality » Sonntag 23. November 2014, 21:27

Oops, schrieb ich Newport? Ich meinte natürlich Monterey! Also diese hier:


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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon enemy-of-reality » Montag 24. November 2014, 21:06

Auch auf die Gefahr hin, euch auf die Nerven zu gehen, muss ich euch weiterhin mit meinen Jazz-Erkentnissen quälen. Ich erlaube mir mal, einen Beitrag aus einem anderen Forum zu zitieren:

Denke, das bezieht sich auf die Art Hancocks, zu begleiten - er spielte vergleichsweise sparsam. Die Metapher mit dem "Raum öffnen" bezieht sich wohl zumeist (d.h. wenn sie richtig/sinnvoll eingesetzt wird) darauf, dass er Pianist - der ja dadurch, dass er im Normalfall das Akkordgerüst des Stückes durchspielt, die Struktur gibt und damit Räume nimmt, verschliesst, indem eben dieses Akkordgerüst Möglichkeiten verhindert, die in freieren Spielarten, gegeben sein können ... Hancock begleitete jedoch auf eine Art, dass der Solist eben nicht auf einen Akkord, eine Tonleiter pro zwei oder vier Schläge begrenzt war (natürlich ist das so eindeutig selten der Fall, es gibt "Regeln", welche "Übertretungen" erlaubt sind, chromatische Läufe, sowas wie Coltrane mit seinen sheets of sound ca. 1957 anstellt - das ist alles regelkonform ... auch falsche Töne oder Tonfolgen sind erlaubt, wenn sie denn gut klingen bzw. auf eine schlaue Art wieder aufgelöst werden (wobei einer mit stiff upper lip dann sein Näschen rümpfen mag). Rollins oder Roach schafften das Klavier aus diesen Gründen in ihren Bands ab - um Raum zu gewinnen. Nicht viele Pianisten beherrschten die Kunst, zu begleiten und dennoch Räume zu öffnen, und Hancock war von ihnen wohl der herausragendste, behaupte ich jetzt mal ... das Räume öffnen kann ja auch darüber hinaus gehen und mehr bieten als das Weglassen des Pianos, es kann den Solisten anregen, in eine Richtung zu gehen, die er ohne diese Anregung vielleicht nicht für denkbar gehalten hätte ...

Dieses Zitat war eine Antwort auf die Frage, was Miles Davis meinte, als er in seiner Biografie schrieb, dass Herbie Hanckock mit seinem Spiel "Raum schaffen" würde.
Jetzt frag ich mich gerade, ob man Jazz überhaupt in seiner Gesamtheit verstehen kann (nicht im intellektuellem Sinne, sondern rein musikalisch), ohne selbst Musiker bzw. musikalisch ausgebildet zu sein?
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Oliver Passgang » Montag 24. November 2014, 21:21

Also ich bin "Musiker" und "musikalisch ausgebildet" (allerdings weder gut an meinen Instrumenten noch besonders voll mit Wissen im Bezug auf Musiktheorie), trotzdem reicht es aus, um den zitierten Post zu verstehen. Was derjenige schreibt, ist gut nachvollziehbar und wirklich kein Hexenwerk. Falls du hier und da eine konkrete Frage hast, helfe ich dir gerne, die Passage besser zu verstehen. :)

(Und um auf deine eigentliche Frage zu antworten: Ohne jedwede Ahnung von Musiktheorie ist so eine Darstellung schon schwierig nachzuvollziehen.)
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon enemy-of-reality » Montag 24. November 2014, 22:59

Danke für das Angebot, Oliver!

Aber, wie gesagt, ich will das nicht auf einer intellektuellen Ebene verstehen. Musiktheorie hat mich noch nie interessiert, nicht mal ansatzweise. Skalen, Akkorde, Tonleitern - nein, danke. Musik muss bei mir direkt ins Herz gehen, ohne sie mit dem Gehirn zu analysieren. Und deshalb frage ich mich eben, ob das auch bei den freieren Spielarten des Jazz grundsätzlich möglich ist, ohne eben die Theorie zu kennen. Bei den konservativeren Spielarten wie Swing, Bebop und Hardbop ist das ja meist kein Problem, auch mit den Anfängen der Avant-Garde wie z.B. Jackie McLean oder Grachan Moncur hab ich kein Problem. Auch besagtes Album von Davis gefiel mir heute schon bessser als noch gestern, sodass ich auch hier guter Dinge bin. Ist wohl auch ein wenig "Übungssache". Aber wenn ich z.B. daran denke, wie oft ich mich schon ohne Erfolg an Dolphys "Out To Lunch!" versucht habe, einem Album, das als eines der ganz grossen Meisterwerke der freieren Spielart des Jazz gilt, dann kommen mir eben wieder Zweifel. Ich glaube, das Problem liegt für mich auch darin, dass ich bei dieser Spielart meist komplett den Swing vermisse, ein Element, welches für mich bei Jazz eigentlich elementar ist. Der Swing hält alles zusammen, an ihm kann ich mich orientieren, er erhält die Ordnung in der Musik. Wenn das wegfällt, bekomme ich Probleme. Aber ich geb ja bekanntlich nicht so leicht auf. Vielleicht ist es an der Zeit, mal wieder "Out To Lunch!" zu entstauben....
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Eike » Dienstag 25. November 2014, 02:10

Oliver Passgang hat geschrieben:Also ich bin "Musiker" und "musikalisch ausgebildet" (allerdings weder gut an meinen Instrumenten noch besonders voll mit Wissen im Bezug auf Musiktheorie), trotzdem reicht es aus, um den zitierten Post zu verstehen. Was derjenige schreibt, ist gut nachvollziehbar und wirklich kein Hexenwerk. Falls du hier und da eine konkrete Frage hast, helfe ich dir gerne, die Passage besser zu verstehen. :)

(Und um auf deine eigentliche Frage zu antworten: Ohne jedwede Ahnung von Musiktheorie ist so eine Darstellung schon schwierig nachzuvollziehen.)

Ich habe von derlei überhaupt keine Ahnung, aber eine vage Vorstellung habe ich dennoch gewinnen können, was damit (rein gefühlsmäßig beim Hören) gemeint sein könnte: Eben den Klangraum nicht so zukleistern, dass da "keine Note mehr zwischenpasst", ohne das Ganze überladen oder unzusammenhängend wirken zu lassen - sondern trotz "reingestellter" Noten (bzw. gerade damit) Angebote zu machen, "mehr" oder einfach "anderes" bzw. "unterschiedliches" hinzuzufügen, das gelungene Akzente setzen oder sogar neue Facetten hinzufügen kann.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon enemy-of-reality » Dienstag 25. November 2014, 19:30

So, gestern noch einen Versuch mit "Out to Lunch!" gestartet, leider wieder ohne Erfolg. Wenn Dolphy zu spielen beginnt, rollen sich mir die Zehennägel auf.

Es ist irgendwie auch ein wenig paradox. Ich will die Musik nicht analysieren, analysiere aber ständig alles rund um die Musik. Wenn mir Dolphys angebliches Meisterwerk nichts gibt, dann sollte ich das halt einfach akzeptieren. Ist ja nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Und wenn mir das perlende Spiel und die tollen Soli von Wynton Kelly mehr geben, als der eher Band-dienliche, aber eben an sich unspektakulärere Stil Hancocks, dann ist das eben so, auch wenns die Mehrheit anders sieht. Vielleicht ändert sich das irgendwann mal, vielleicht nicht. So what?
Es ist halt einfach, wie es, ich mach mir immer viel zu viel Gedanken um so 'nen Scheiss.

Und jetzt lass ich euch mit meinem Jazz wieder in Ruhe. Danke fürs zuhören! ;-)
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 26. November 2014, 10:44

Komisch. Die einzigen Alben die mich dieses Jahr so richtig umgehauen haben, kommen ausgerechnet aus dem Hip Hop Bereich. Flying Colors hat mich enttäuscht. Exodus hat mich nicht wirklich gepackt. Mysticum finde ich gut. Aber sonst..Vielleicht noch At The Gates.
Komisches musikalisches Jahr.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Eike » Mittwoch 26. November 2014, 12:43

Und welche Hip-Hop-Alben waren das? Schade, dass FLYING COLORS Dich enttäuscht hat.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Pillamyd » Mittwoch 26. November 2014, 14:38

Kool Savas' Märtyrer und Marterias Zum Glück In Die Zukunft II.
Dabei hab ich mich so auf das Album von FC gefreut. Aber es erreicht mich einfach nicht.
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