Hip Hop

Pop, Jazz, Elektronika, Rap, Volksmusik...

Re: Hip Hop

Beitragvon Christian Schwarzer » Mittwoch 21. Januar 2015, 13:02

Permafrost hat geschrieben:Der Typ hier hat entweder unglaublich grosse Lungen oder ich merke einfach nicht, wann er Luft holt.
https://www.youtube.com/watch?v=vaZJuKzNxzk&

Oooooha. Schon nicht übel, der Flow. 8-)
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Re: Hip Hop

Beitragvon Eike » Mittwoch 21. Januar 2015, 19:32

Der echte Hiphop findet live statt. Wenn er da auch so flowen kann: Gratulation!
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Re: Hip Hop

Beitragvon Oliver Passgang » Mittwoch 21. Januar 2015, 19:33

Eike hat geschrieben:Der echte Hiphop findet live statt.


Die echte Musik findet live statt.
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Re: Hip Hop

Beitragvon Eike » Mittwoch 21. Januar 2015, 19:38

Eben.
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Re: Hip Hop

Beitragvon salisbury » Dienstag 27. Januar 2015, 01:25

Ich brauch mal die Hilfe von Eike oder wer immer sich mit Rap/Hip Hop auskennt.

Ich hab hier die Soloscheibe vom ehemaligen ARCHIVE-Rapper Rosko John. Find ich voll geil und will (vielleicht) ein Review dazu schreiben. Hab aber null Plan von der Musik. Ich poste mal paar Links. Wie würdet ihr das einsortieren? Mit was kann man das vergleichen? Ist das, was der Mann macht gut für seinen Bereich? Ist es eher konventionell oder eher querdenkerisch?

https://www.youtube.com/watch?v=HhL9hZVwt2w

https://www.youtube.com/watch?v=antNr8kq2rg

https://www.youtube.com/watch?v=HhL9hZVwt2w

Und das ist von ARCHIVE - Londinium, der so unglaublich tolle Titeltrack https://www.youtube.com/watch?v=javNyyatPac

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Re: Hip Hop

Beitragvon Eike » Dienstag 27. Januar 2015, 01:55

Puh, hat das Zeit?
Mich in neue Musik - dazu noch nebst Analyse! - zu vertiefen, das kriege ich derzeit nicht mal so eben hin.
Ich hänge derzeit zwar viel mit Hip Hop ab, aber da gerade mit eher simplem Kram, den ich schon lange kenne.
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Re: Hip Hop

Beitragvon Eike » Dienstag 27. Januar 2015, 03:17

Mal ins Unreine geschrieben und, da jeweils bloß einmal reingehört, alles ohne Gewähr:

Bsp. 1:

Beat erinnert mich an die '90er, FUGEES zu "The Score"-Zeiten bis THE ROOTS vor der Jahrtausendwende. Weil:
Soul-Samples, echtes Schlagzeug, dominanter, direkter Rhythmus
(-> Boom-Bap Stil hier indes in elaborierter, atmosphärisch angereicherter Form).

Rap-Stil aus meiner beschränkten Sicht womöglich vergleichbar mit bzw. zu sehen in der Tradition der New School im eigentlichen Sinne; also (Mitte- bis eher noch) Spät-Achtziger/Früh-Neunziger
(Nebenbemerkung: Immer wieder witzig, wenn ein Stil drei Entwicklungs-Schritte weiter heute teils unwidersprochen als Oldschool bezeichnet wird).

Für eigene Recherche bei Interesse an diesem Stil eventuell am Rande interessant:
Vergleichbare, wenn auch nicht direkt ähnliche Sounds gab es in der sogenannten Conscious-Szene, wobei ich den Begriff in einer Rezension (zumindest ohne nähere Beschäftigung mit den jeweiligen Texten und Ideologie dahinter) unbedingt meiden würde, da dieser Begriff sich vor allem thematisch/textlich herleitet und in enger Verbindung zu Afrozentrismus/Black Nationalism/Esoterik steht. Da hat man schnell wen in ein Lager einsortiert, der da von den Überzeugungen/Einflüssen her gar nicht hingehört. Texte habe ich beim Hören komplett ausgeblendet.


Bsp. 2:

Der Flow kommt mir schon recht modern vor, also für meine Verhältnisse "modern", heißt aus diesem Jahrhundert. Da Hip-Hop sehr schnelllebig ist, mögen das andere schon wieder als oldschoolig empfinden, wobei aus Genre(nazi)sicht gesprochen Oldschool hier auf jeden Fall komplett falsch ist (da ist die Genrenazisicht aber wirklich mal sinnig, weil jegliche oldschool-newschool-Dichotomie ansonsten völlig beliebig und ohne jegliche Aussagekraft wäre und somit besser komplett vermieden gehört). Aus Genresicht ist das jedenfalls deutlich nach der New School anzusiedeln. Bemerkenswert ist, dass sich der Flow an den Beat anschmiegt, seine Nähe sucht, mit ihm fließt, statt sich davon abzuheben oder sich gar ihm entgegenzustemmen. Er passt sich seinem Rhythmus an, nuanciert ihn allenfalls ganz leicht, aber "klopft" keine Bestärkung hinein, trennt ihn auch nicht stärker in Takte als dessen eigene Taktgebung es tut.

Der Beat ist aus meiner Sicht äußerst interessant, verbindet einige Traditionen, hievt sie aber auf ein eigenes, zeitgemäßes Produktionslevel. Erinnert mich nicht nur wegen des Videoclips mit den Güterzügen an die Zeit, in der Graffiti (gerade auch an Zügen) groß wurde. Die Struktur erinnert mich sehr stark an den Electro-Sound aus der Hiphop-Frühzeit, heißt also funkifizierte KRAFTWERK-"Trans-Europa Express"-Samples. Dazu kommt dann allerdings ein sehr reduzierter, organischer, geradliniger Schlagzeugsound, der dazu insofern anachronistisch ist, dass in der Hiphopfrühzeit eher Breakbeats en vogue waren. Allerdings ist das eben auch ein Merkmal des heutzutage seit geraumer Zeit in einigen Kreisen ein Revival erlerbenden Boom Bap Sounds. Also werden hier zwei traditionalistische oder retro orientierte (wie man's nimmt...) Soundstilistiken miteinander fusioniert, die in meinen Ohren gut harmonieren, ohne dass ihre jeweilige Quelle für mein Empfinden irgendwie kompromittiert würde. So stilsicher, dass ich aus dem Bauch heraus bewussten Vorsatz unterstellen würde. Ich vermute, da macht ein echter Hiphopfan Musik für echte Hiphopfans, ist dabei aber kreativ genug, nicht einfach bloß zwei alte Stile zu recyclen, sondern bringt eine eigene Note mit ein.

Das für mein Empfinden starke "Zuggefühl" speist sich für mich daraus, dass die Takte klar erkennbar sind, wie die stete Frequenz am Zugfenster vorbeiziehender Strommasten oder die unterm Zug in gleichem Abstand wechselnden Gleisabschnitte , was allein schon der Beat selbst leistet, dass aber diese Bewegung zugleich eben auch eine zügig vorangleitende ist durch den durchgängigen, nicht abgehackten Flow und die harmonischeren Anteile im Beat (Bassline, Synthies). Das Rattern über die Gleise wirkt dadurch abgedämpft, bleibt aber unterschwellig vorhanden, zum einen durch die klare Schlagzeugtaktung, zum anderen dadurch, dass der Flow dieser Taktung präzise folgt: Der Rap verschleift nichts, verschleppt nichts, verschweißt nichts, verwischt nichts, er spielt sich nicht in den Vordergrund, sondern er fließt mit dem Beat. Er ist weder die Lokomotive, noch ein vom Beat getriebener oder mitgezogener Wagen, er ist ein im gleichen Geist harmonisch mitreisender Gast bei konstanter Reisegeschwindigkeit.
(Nebenbemerkung: Es gibt kaum etwas passenderes, hypnotischeres, meditativeres, harmonisierenderes als solche Musik, oder auch gleich das Ursprungswerk von KRAFTWERK während einer Zugfahrt bei passendem Tempo zu hören.)

Wie gesagt, nicht drauf geachtet und folglich keinen blassen Schimmer, wovon der Typ da rappt, aber falls es dabei motivisch um irgendwas zyklisches oder stetig vorwärtsstrebendes gehen sollte, das weiß, wo es herkommt, hätte er keinen bessere musikalische Tapete/Flowtechnik wählen können.


Bsp. 3 = Bsp. 1 - aus versehen doppelt verlinkt?


Bsp. 4:

Die Stimme und der Flow erinnern mich stilistisch an Jazzrap, da findet man beides häufig ähnlich vor, gerade in dieser Kombination.

Der Beataufbau kommt triphoppig rüber, die Instrumentierung ist auch klassisch dafür, dazu kommt dann eine Prise Progrock, was um so mehr passt, da beide Stilistiken in der hier vorliegenden Form einen seichten aber unverkennbaren Jazzeinfluss in sich tragen, der beides als gemeinsames Ambiente miteinander verschmilzt.

Dezenter Jazzunterton im Instrumentalteil plus an Jazzrap erinnernde Stimmlagen/Flowtechnik-Kombo gleich in sich stimmige Stilmelange.



Fazit aus meiner ganz persönlichen Hiphopsicht:

Traditionsverwurzelt ohne in Zitaten/Epigonentum/Retrokult/Remixhandwerk stecken zu bleiben.
Stilsichere Tonkunst. Souveränes Stehen zur eigenen Geschmackssicherheit. Schlichte Eleganz.
Das Gegenteil von postmodernem Stilbruchexzessen einerseits,
andererseits aber auch ganz ohne undergroundszeneinsiderinzestuöse Eastereggzitateversteckspielchen.
Technisch versiert, ohne Showoffpose.

Kannste von der musikalischen Grundhaltung her, wenn denn eine Rockspektrumanalogie her soll, vielleicht noch am ehesten vergleichen mit entspanntem Traditions-Genre-Prog oder besser noch Artrock mit eigener Note: Nix revolutionär-innovatives dabei, aber dafür ein gelungenes Rekombinieren und Weiterdenken klassischer Linien aus Gefallen an ihrem jeweiligen Geist heraus, verbunden mit geschickt komponiertem, vorsichtigen Fortentwickeln in eigener Sache.
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Re: Hip Hop

Beitragvon Eike » Dienstag 27. Januar 2015, 03:54

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Re: Hip Hop

Beitragvon salisbury » Dienstag 27. Januar 2015, 10:13

Boah, Eike, voll krass. Aber danke!

Ganz simple Frage: kannste verstehen, warum mir das gefällt? Ganz simpel ausgedrückt, finde ich es bei genauem Hinhören total cool, wie Sprechgesang mit dem Beat zusammenspielen. Mit den richtigen Tips könnte das ein Doesnöffner in eine völlig neue Stilistik sein.

Die besten Songs findet man von Rosko John gar nicht auf YT. Das sind zwei drei Dinger mit hochkompexen, schnellen Beats und irgendwie futuristischen Samples und einer wahren Überflutung gesprochner Worte, das weiss man gar mehr nicht wo ANfang und Ende ist. Leider bin ich völlig chancenlos, Text zu verstehen, abgedruckt ist leider nix im Booklet, Rosko gilt aber sehr versierter Texter...
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Re: Hip Hop

Beitragvon Eike » Dienstag 27. Januar 2015, 18:51

salisbury hat geschrieben:Ganz simpel ausgedrückt, finde ich es bei genauem Hinhören total cool, wie Sprechgesang mit dem Beat zusammenspielen.
Das meinte ich bei 'Glitschko Tabloid' mit "der Rapflow klebt am Beat", das verschmilzt zu einer Einheit.

salisbury hat geschrieben:Ganz simple Frage: kannste verstehen, warum mir das gefällt?
Naja, ich hatte die Artrock-Analogie-Assoziation beim Hören, und dass das dann Deinen Nerv trifft, kann ich nachvollziehen. Das oben gehörte ist nicht avantgardistisch, aber elegant in seiner Schlichtheit, ein souveräner und eigener Umgang mit Traditionen, ohne Stilbruch oder irgendwelche überflüssigen Sperenzchen. Du warst doch auch der, der YES mag, oder?

Ich würde zum Vergleich ja gerne mal das hier hören:
salisbury hat geschrieben:Dinger mit hochkompexen, schnellen Beat und irgendwie futuristischen Samples und einer wahren Überflutung gesprochner Worte, das weiss man gar mehr nicht wo ANfang und Ende ist.

Da scheint er ja nochmal eine ganz andere Richtung einzuschlagen.

Weißt Du eigentlich, ob er die Beats selber gebastelt hat, gezielt in Auftrag gegeben oder aus vorhandenem Repertoire anderer Heads ausgewählt? Wäre doch interessant zu wissen, oder?
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