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Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.
von salisbury » Mittwoch 11. November 2015, 23:51
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Polierter Sound, symphonische Sounds (wenn auch beim Sabaton vom Keyboard), bombastische Chöre, Faustreck-Pathos, kein Dreck, kein Schmutz, kein Schweiß...
Du musst immer bedenken, dass viele von uns keine Musiker sind, und daher Musik mehr auf der Wirkebene als auf der Werkebene wahrnehmen. Ob der Turilli da besser fiedelt als der Sabaton-Klampfengott, das ist den meisten Leuten entweder egal oder es fällt ihnen kaum auf, weil primär auf den ästhetischen Gesamteindruck abgestellt wird, und nicht auf spielerische Details. Das kommt viel später, wenn überhaupt.
Ich glaub, Du muss wirklich kein Musiker zu sein, um den großen Unterschied zu hören, wenn Du nur 10 Sekunden genau hinhörst. Du wirst merken, dass der kompositorische Anspruch ein völlig anderer ist, ja das gesamte musikalische Konzept von Grund auf ein völlig anders ist. Hör mal auf die Synthies: Bei SABATON unterstützen sie die Gitarren oder machen Flächensounds, da ist wenig bis gar nichts symphonisch. Turilli hingegen emuliert Orchester-Sounds, komponiert nach den Vorbildern aus der Klassik. Der macht monatelang nichts anderes, als sich mit den alten Stücken in die letzten Details hinein auseinanderzusetzten und erarbeitet daraus ein Konzept, wie er dies für seine eigene Vision nutzen kann. Bitte verstehe mich nicht falsch, ich mag SABATON keinesfalls diskreditieren, aber die agieren ganz bewusst mit sehr viel einfacheren Mitteln. RHAPSODY ist künstlerisch aber ein ganz andere Liga und man kann nach dem 1000sten Durchlauf immer noch Details entdecken, die einem davor nicht aufgefallen sind. RHAPSODY verfolgt ein ganz anderes Ziel und spielt übrigens - leider - auch live nur vor einem Bruchteil des Publikums.
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salisbury
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von Holger Andrae » Donnerstag 12. November 2015, 00:22
salisbury hat geschrieben:Rüdiger Stehle hat geschrieben:Polierter Sound, symphonische Sounds (wenn auch beim Sabaton vom Keyboard), bombastische Chöre, Faustreck-Pathos, kein Dreck, kein Schmutz, kein Schweiß...
Du musst immer bedenken, dass viele von uns keine Musiker sind, und daher Musik mehr auf der Wirkebene als auf der Werkebene wahrnehmen. Ob der Turilli da besser fiedelt als der Sabaton-Klampfengott, das ist den meisten Leuten entweder egal oder es fällt ihnen kaum auf, weil primär auf den ästhetischen Gesamteindruck abgestellt wird, und nicht auf spielerische Details. Das kommt viel später, wenn überhaupt.
Ich glaub, Du muss wirklich kein Musiker zu sein, um den großen Unterschied zu hören, wenn Du nur 10 Sekunden genau hinhörst. Du wirst merken, dass der kompositorische Anspruch ein völlig anderer ist, ja das gesamte musikalische Konzept von Grund auf ein völlig anders ist. Hör mal auf die Synthies: Bei SABATON unterstützen sie die Gitarren oder machen Flächensounds, da ist wenig bis gar nichts symphonisch. Turilli hingegen emuliert Orchester-Sounds, komponiert nach den Vorbildern aus der Klassik. Der macht monatelang nichts anderes, als sich mit den alten Stücken in die letzten Details hinein auseinanderzusetzten und erarbeitet daraus ein Konzept, wie er dies für seine eigene Vision nutzen kann. Bitte verstehe mich nicht falsch, ich mag SABATON keinesfalls diskreditieren, aber die agieren ganz bewusst mit sehr viel einfacheren Mitteln. RHAPSODY ist künstlerisch aber ein ganz andere Liga und man kann nach dem 1000sten Durchlauf immer noch Details entdecken, die einem davor nicht aufgefallen sind. RHAPSODY verfolgt ein ganz anderes Ziel und spielt übrigens - leider - auch live nur vor einem Bruchteil des Publikums.
Thooooomy, hör' bitte mit dieser Musik-Theorie auf. Ich zähle weder die Anschläge des Gitarristen noch die Anzahl der Taktwechsel noch die Oktaven des Sängers.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 12. November 2015, 00:32
Holgs Antwort bestätigt meine These. Ich höre das alles auch nur, wenn der Thommy kommt, mir das sagt, und ich dann speziell darauf höre. Von mir selbst aus mache ich das nie, weil immer ausschließlich die Gesamtwirkung zählt und wahrgenommen wird. Ich höre auch einen King Diamond nicht Falsett singen. Ich weiß, dass er es tut, und wenn ich darauf achte, dann weiß ich natürlich auch, wo er Falsett singt, aber es interessiert mich - für meinen persönlichen Musikgenuss - nicht die Bohne, ob er das tut. Ich höre eine vertraute Stimme, die mich mitreißt, die mich begeistert, die mir Geschichten erzählt, und zu der ich mich wohl fühle. Da juckt mich tatsächlich keinen halben Millimeter weit, wie er das macht. Das lässt sich beliebig auf jedes Instrument übertragen. Ich fühle keine Doublebass, keine Blastbeats, keine Triolen, keine Staccati, keine Terzen und Quinten, kein Drop-D und kein Touch-Tapping. Wenn ich eine Rezi schreibe, und den Leuten etwas beschreiben soll, dann achte ich darauf und erkenne auch manches davon richtig. Aber wenn ich Musik für mich selbst höre, analysiere ich NIE auf musiktheoretischer Ebene, sondern ausschließlich auf musikhistorischer Ebene und natürlich auf der Wirkebene. Wie schon oft gesagt: Musik interessiert mich nicht, mich interessiert der Stahl! 
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von Holger Andrae » Donnerstag 12. November 2015, 00:38
Höre und mache ich fast genau so. Manchmal schreibe ich aber auch meine Reviews eher emotional subjektiv, da ich dem Hörer ja in erster Linie einen Höreindruck vermitteln möchte und keine Magisterarbeit über Jazz schreiben will.
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von Chavo89 » Donnerstag 12. November 2015, 09:13
Ganz ehrlich, ich habe ebenfalls null Ahnung von Musik-Theorie, aber der Unterschied zwischen SABATON und RHAPSODY ist selbst für mich gewaltig. Alles, was Thommy da beschreibt, kann ich sehr wohl wahrnehmen. Man muss doch nur mal lauschen, wie viel mehr Details und Tiefe in einem einzigen RHAPSODY-Song stecken...
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von salisbury » Donnerstag 12. November 2015, 10:01
Holger Andrae hat geschrieben:Rüdiger Stehle hat geschrieben:Polierter Sound, symphonische Sounds (wenn auch beim Sabaton vom Keyboard), bombastische Chöre, Faustreck-Pathos, kein Dreck, kein Schmutz, kein Schweiß...
Thooooomy, hör' bitte mit dieser Musik-Theorie auf. Ich zähle weder die Anschläge des Gitarristen noch die Anzahl der Taktwechsel noch die Oktaven des Sängers.
Das werd ich nicht tun, lieber Holg, schlicht und einfach weil ich es nicht anders kann! Zudem glaube ich hast Du wieder nicht genau gelesen, was ich geschrieben habe oder aber misinterpretiert. Es ging mir nicht um Technik und Töne-Zählerei, sondern um zwei grundverschiedene Ansätze, Musik zu machen zwischen SABATON und RHAPSODY. In dem Zusammenhang ist auch der Kommentar von Rüdiger so oberflächlich wie er nur geht, denn Dreck Schmutz und Schweiß klingt ja nach nix (Meint ihr verwaschene Gitarren, hämmerndes Schlagzeug, pumpende Bässe?) und der Rest kann alles und nichts sein. Ich versteh einfach nicht, wie man sich zutrauen kann, Musik zu beurteilen und zu sortieren, wenn man sich nicht einmal klar zu machen versucht, was überhaupt die Grundidee der Musik ist. Und die ist zwischen RHAPSODY und SABATON in etwa so grundverschieden wie zwischen DREAM THEATER und BÖHSE ONKELZ. Zumindest so wie ich das wahrnehme. Turilli ist extrem stark an klassicher Musik interessiert und möchte diese auf höchster Ebene mit Metal kreuzen. Na, klar kann man da nicht die Gitarren auf volle Distortion stellen und die Drums bollern lassen, weil man sonst nämlich nix mehr unterscheiden kann. SABATON ist in keinster Weise an klassischer Musik interessiert und die Grundidee ist eine komplett andere. Es geht im einfache Lieder zum Mitsingen, die live leicht umsetzbar, und für ein breites Publikum leicht zu erfassen sind. Warum diese Band einen "polierten" Sound wählt, weiß ich nicht, aber vielleicht geht es denen da um den krassen Kontrast zwischen lyrischem Konzept (Kriege, Schlachten etc.) und Fun-Musik? Wer weiß, vielleicht ist genau das ja sogar das Erfolgsrezept? Aber noch mal zur Wahrnehmung: Wie viele von Euch Musik wahrnehmen, löst bei mir wirklich wahres Erstaunen aus. Für mich gibt es einen 100% geradlinigen kausalen Zusammenhang zwischen Werk-Ebene und Wirk-Ebene (Wauwau ---> Hund; Miaumiau ---> Katze) und ich finde sehr faszinierend, wie Musik von solch - in meinem Ohr - unterschiedlicher konzeptioneller wie handwerklicher Machart eine ähnliche Wahrnehmungs-Wirkung haben kann. Echt jetzt, Holg, Rüdiger, Siebi, ihr seid mir hier echte Rätsel. Aber tolle, wunderbare und hoch interessante Rätsel 
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von salisbury » Donnerstag 12. November 2015, 10:04
Chavo89 hat geschrieben:Ganz ehrlich, ich habe ebenfalls null Ahnung von Musik-Theorie, aber der Unterschied zwischen SABATON und RHAPSODY ist selbst für mich gewaltig. Alles, was Thommy da beschreibt, kann ich sehr wohl wahrnehmen. Man muss doch nur mal lauschen, wie viel mehr Details und Tiefe in einem einzigen RHAPSODY-Song stecken...
Ein Mensch mit normalen Ohren! Hurra! 
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von Jhonny » Donnerstag 12. November 2015, 10:22
Für mich klar die stärkste Scheibe der Truppe. Wenn es nur dieses Album gäbe, würde es wohl kaum so viele SABATON Verächter geben. Hier läuft: AHAB - The Divinity Of Oceans
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von Siebi » Donnerstag 12. November 2015, 10:31
salisbury hat geschrieben:... Aber noch mal zur Wahrnehmung: Wie viele von Euch Musik wahrnehmen, löst bei mir wirklich wahres Erstaunen aus. Für mich gibt es einen 100% geradlinigen kausalen Zusammenhang zwischen Werk-Ebene und Wirk-Ebene (Wauwau ---> Hund; Miaumiau ---> Katze) und ich finde sehr faszinierend, wie Musik von solch - in meinem Ohr - unterschiedlicher konzeptioneller wie handwerklicher Machart eine ähnliche Wahrnehmungs-Wirkung haben kann. Echt jetzt, Holg, Rüdiger, Siebi, ihr seid mir hier echte Rätsel. Aber tolle, wunderbare und hoch interessante Rätsel 
Da Du in Schubladen den Hörenden ablegst, es sei Dir gesagt, dass ich nur für mich spreche. Sehr wohl höre ich zwischen Sabaton und Rhapsody Unterschiede. Nur macht das eine das andere nicht besser oder angenehmer, so mein subjektvies Empfinden. Mich kannst Du mit dem Plastiksound, der Rollenspiel-Attitüde, dem Elfen helfen-Syndromgedudel jagen. Nimm Sonata Arctica, Kamelot ab 3. Platte oder andere Beispiele, sie berühren mich nicht, sie bewirken keine Emotion. Ergo nicht mein Metal oder, sorry, meine Musik. Dennoch können die meisten spielen und wissen wohl, was eine Tonleiter ist, in Dur wie Moll. Musik höre ich individuell, nicht nach "Toller Musiker - tolle Arrangements - ich bin Fan"! Dann wäre ich nur im Free Jazz oder der Klassik verwurzelt. Und noch was, weil scheinbar alle so behütet aufgewachsen sind, bin ich auch, dennoch war der Ursprung des Heavy Metal ein rebellierender Ansatz, kann man in einigen Publikationen nachlesen. Die ersten drei Venom-Scheiben sind böse, Slayers ersten zwei auch. Was haben wir uns harten Pickelhauben im Dunkeln bei "At War With Satan" fast in die Hose gepisst. Das war Krieg, das war bedrohlich! Rhaposdy? Haha, wie ein schwülstiger Harry Potter-Soundtrack, da lächle ich kurz. Böse oder gar bedrohlich ist da gar nix. Wenn ich Klassik hören will, greife ich zu Interpretationen Schuberts, Bachs, Mussorgskys, Smetanas, Rossinis oder anderen. Das ist ein Erlebnis wie im Kino! Kein noch so auskomponierter Rhapsody-Song kommt auch nur den Muggensack in die emotionale Nähe einer diebischen Elster, so mein Empfinden. Wem Rhapsody taugt, alles gut, freu Dich daran, aber... und jetzt kommt's, fasle nicht von Heavy Metal, da würde ich immer die Stirn bieten, denn dieser porenfreie Zuckerwattenplüsch ist eben kein Heavy Metal nach meiner Defintion, siehe Cardio-Kraft-Trainings-Anekdote. Auch nicht Freedom Call, die mir gut reinlaufen, um mal ein mir gefallendes Beispiel zu nehmen. Power Metal? Hahahahaha... Aber auch das sieht man heute anders, wie ich von Dir und Frank erfahren durfte. Die Szene ist groß und weit und zu jeder Schandtat bereit. Ich nicht. Nun dreh ich wieder winkelgschwind mit im Kreis aller Kreise und denke bei mir, warum das alles so sinnig ist. Eine Lebensaufgabe, mir dünkt. 
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von salisbury » Donnerstag 12. November 2015, 11:10
Siebi hat geschrieben:Da Du in Schubladen den Hörenden ablegst, es sei Dir gesagt, dass ich nur für mich spreche. Sehr wohl höre ich zwischen Sabaton und Rhapsody Unterschiede.
Gut. Ein Rätsel weniger. Nur macht das eine das andere nicht besser oder angenehmer, so mein subjektvies Empfinden.
Danach habe ich auch nicht gefragt. Über subjektives Empfinden kann man nicht diskutieren, vielleicht aber darüber, wie es dazu kommt Wem Rhapsody taugt, alles gut, freu Dich daran, aber... und jetzt kommt's, fasle nicht von Heavy Metal, da würde ich immer die Stirn bieten, denn dieser porenfreie Zuckerwattenplüsch ist eben kein Heavy Metal nach meiner Defintion, siehe Cardio-Kraft-Trainings-Anekdote.
Dein gutes Recht, ich werde dagegen halten und mich Dir zur Liebe sogar bemühen, weniger zu "faseln", falls das so rüberkommt. 
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