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von Rüdiger Stehle » Sonntag 28. Februar 2016, 17:32
Holger Andrae hat geschrieben:Ich finde Scheiben ja nicht automatisch schlechter, nur weil der Sound "gut" ist. Dann dürfte ich etliche Lieblinge nicht toll finden. Offenbar sind meine Minimalanforderung an Klang aber niedriger als bei Euch.
Meinst du mit "Euch" jetzt Thommy und mich? Ich überlege nämlich gerade, ob ich jemals überhaupt irgend eine Anforderung an Klang gestellt habe. Für mich ist das ja ein Faktor den ich regelmäßig gar nicht wahrnehme. Ich versuche jetzt auch nicht erneut den Ansatz zu erklären, weshalb mich manchmal vermeintlich toller Klang stört und weshalb dies bei mir auch manchmal die Authentizität aufkommen lässt. Manchmal ist für mich halt weniger einfach mehr und gerade bei herkömmlichen Heavy Rock geht in meinen Ohren eben ganz viel Gefühl durch aufgeblasenen Soundklimbim verloren. Da werden die Emotionen eben weg gekleistert.
Wenn mich beim Sound überhaupt mal etwas stört, dann auch eher "zu viel" als "zu wenig". Aber wie gesagt, ich krieg allein des Sounds wegen an sich weder bei Rhapsody und Kataklysm ein Problem noch bei Blasphemy. Also glaube ich fast, dass niemand geringere Klanganforderungen stellt als ich.
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von Holger Andrae » Sonntag 28. Februar 2016, 17:43
Nein, mit "Euch" meinte ich jetzt eher Thommy und Havoc. Ich kenne ja Deine klanglichen Nicht-Anforderungen an Scheiben. Kann ich gut mit leben.
Dieses permanente Bashing gegen "Gerumpel", "Nichtskönner" und "Generik-Musikanten" ist momentan schon leicht nervig. Ich meine, man bekommt manchmal den Eindruck, dass die wenigen User dieses Totentanz-Forums lieber in "En Metallique progressive" posten wollen.
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 28. Februar 2016, 18:11
Mich belastet dieses Ereifern ein wenig. Manchmal kommt's mir vor wie im Krieg der audiophilen Plüschohren gegen die hartgesottenen Stahllöffel. Grundsätzlich gilt das für beide Seiten, nur haben wir die überzogene "Trueness"-Fraktion in unseren Hallen ja gar nicht (und davon abgesehen im DF auch nicht wirklich), so dass ich nicht ganz nachvollziehen kann, mit welcher Vehemenz gegen dieses Phantom gefochten wird.
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von Holger Andrae » Sonntag 28. Februar 2016, 18:19
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Mich belastet dieses Ereifern ein wenig. Manchmal kommt's mir vor wie im Krieg der audiophilen Plüschohren gegen die hartgesottenen Stahllöffel. Grundsätzlich gilt das für beide Seiten, nur haben wir die überzogene "Trueness"-Fraktion in unseren Hallen ja gar nicht (und davon abgesehen im DF auch nicht wirklich), so dass ich nicht ganz nachvollziehen kann, mit welcher Vehemenz gegen dieses Phantom gefochten wird.
Exakt dies irritiert mich auch ein wenig. Obendrein wird man manchmal auch noch als leicht dümmlich vorgeführt, weil man sich angeblich irgendwelche Truenesbilder schön redet oder man bekommt zu lesen, dass man in den letzten 25 Jahren sein Reviews an komplett falschen Standards ausgerichtet habe. Da zucke ich dann schon mal zusammen.
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von salisbury » Sonntag 28. Februar 2016, 19:03
Holger Andrae hat geschrieben: Obendrein wird man manchmal auch noch als leicht dümmlich vorgeführt, weil man sich angeblich irgendwelche Truenesbilder schön redet oder man bekommt zu lesen...
Ach komm, Holg! Warum bist Du da so empfindlich? Was soll ich jetzt dazu sagen? Ich höre Musik, bei denen laut Deinen Aussagen die Emotionen "weggekleistert" werden. Voller "Klimbim". Wo nichts zusammenpasst. Wo Du vieles als "furchtbar" und "gruselig" attributierst. Ich finde es aber völlig in Ordnung und ehrlich, wenn Du das schreibst und auch Siebi fühlt sich bestätigt und unterhalten. Genauso ehrlich schreibe ich auch, wenn mich generischer Rumpelthrash mal wieder nervt oder eine ach so super-truen Echtmetallproduktion 75% des natürlichen Klangspektrums fehlt. Wir können aber natürlich gerne auch ale ganz brav gruppenkuscheln oder aus Rücksicht auf die musikalischen Gefühle des anderen gar nichts mehr schreiben, wenn es in eine etwas kritischere Richtung geht. As you want  .
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 28. Februar 2016, 19:32
Aber Holg äußert halt im Wesentlichen subjektive Empfindungen die Musik betreffend, während du bisweilen eine stahlinquisitorische Weltverschwörung zu wittern scheinst, die ihr Lugburz in Dortmund hat und deren Ringgeister den zarten Pflänzchen des musikalischen Feingeistes den Garaus machen möchten und aus reinem bösem Willen und stählernem Sektierertum musikalischen Vollschrott über virtuose und hingebungsvolle Kunst erheben. Das ist so abartig schwarz-weiß. Ich sehe die Front gar nirgendwo, und dass es jemanden geben kann, der Rhapsody als überladen und mit Schnickschnack zugekleistert empfindet, das ist ja wohl irgendwie nachvollziehbar, oder nicht? Genauso wie man die drölfte generische Underground-Thrash-Metalband oder Orthodox-Black-Metal-Bands langweilig finden kann. Im angeblichen Trueness-Mag werden diesen Monat Abbath, Anthrax, Amon Amarth, Magnum, Mystic Prophecy, Brainstorm und viele mehr präsentiert, die sicher nicht im Verdacht stehen authentizitätsmetallische Gralshüterkost im Reinform darzustellen. Wenn jemand die "Authentizität" einer Rumpelkombo lobt, dann heißt das doch nicht, dass er deswegen gleich die Geißel gegen den Feingeist und die Kunst des Musizierens schwingt.
Hat ja keiner was dagegen, wenn auch mal subjektives Missfallen deutlich zum Ausdruck gebracht wird, aber es entwickelt sich in letzter Zeit schon ein wenig in ein reflexhaftiges Verhalten, wenn man nur die Begriffe "Deaf Forever", "Authentizität" oder "Plastik" und "Stahl" zu erwähnen braucht, bevor sich die Fronten wieder aufbauen.
Die unauthentische Businessproduktion von Anthrax flasht mich übrigens gerade komplett. Ist mein erster Jahreschartsanwärter 2016.
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von Holger Andrae » Sonntag 28. Februar 2016, 20:17
Danke, Rüdiger. Empfinde ich also nicht allein so.
Sicherlich äußere ich teils arg polemische Kommentare zu diversen Bands und deren Musik, aber nicht zu den Hörern eben jener.
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 28. Februar 2016, 21:05
Holger Andrae hat geschrieben:Danke, Rüdiger. Empfinde ich also nicht allein so.
Nein, da bist du nicht allein, lieber Holg! Sicherlich äußere ich teils arg polemische Kommentare zu diversen Bands und deren Musik, aber nicht zu den Hörern eben jener.
Mit deinen Kommentaren oder denen von Siebi habe ich kein Problem, auch wenn sie bisweilen Bands treffen, die ich gerne mag. Mich hat das auch lange gestört, wenn es besonders krass war, aber inzwischen habe ich damit meinen Frieden gemacht. Warum? Nun, eben weil sich eure Kommentare zum einen nicht gegen die Hörer gehen, und zum anderen, weil ich nicht das Gefühl habe, dass da eine Dogmatik dahinter steht, die Fronten aufbaut. Wie gesagt: Es stört mich auch nicht, wenn Thommy zu rumpeliges, tonal schiefes oder schepperig produziertes Material abwatscht. Ich find's nur etwas beklemmend, wenn da auf der einen Seite von den ideologischen Gralshütern die Rede ist, denen vermeintlich die Musikalität und das Können völlig egal seien, wenn es nur true und authentisch sei. Und auf der anderen Seite von den Musikliebhabern, die Können, Hingabe an die Musik und Fähigkeiten jenseits aller Klischees zu schätzen wissen und frei von aller Ideologie und Szenedünkel genießen. Beide Gruppen gibt's in der Form nicht. Auch der "True-Metaller" (wer auch immer darunter fällt) weiß oft tolle Musiker und schöne Stimmen zu schätzen und auch der Musikästhet kann mal eine technisch-handwerklich formidable Band nicht ab, weil ihm irgend etwas an deren Musik oder Habitus auf die Nerven geht. Da kann mir keiner etwas anderes erzählen...
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von salisbury » Sonntag 28. Februar 2016, 22:24
Rüdiger Stehle hat geschrieben:...während du bisweilen eine stahlinquisitorische Weltverschwörung zu wittern scheinst, die ihr Lugburz in Dortmund hat und deren Ringgeister den zarten Pflänzchen des musikalischen Feingeistes den Garaus machen möchten und aus reinem bösem Willen und stählernem Sektierertum musikalischen Vollschrott über virtuose und hingebungsvolle Kunst erheben.
Haha, jetzt geht aber die Fantasie mit Dir durch, Herr Rabe. Ich wundere mich einfach nur, weshalb man sich im echt-(hihi) metallischen Subfeld des Heavy Metal ständig die Bälle zuwerfen muss, auf denen steht, "richtige Attitüde", "Etikett besonders ehrlich" oder "durch und durch authentisch". Holger Andrae hat geschrieben:Obendrein wird man manchmal auch noch als leicht dümmlich vorgeführt, weil man sich angeblich irgendwelche Truenesbilder schön redet
Ganz genau so kommt es mir tatsächlich vor. Siehe oben. Mir kommt es so vor, als müsste man als Anhänger bestimmter Klänge tatsächlich - jeseits des baren Gefalles - immer explizit betonen, wie besonders "gefühlsecht" das jetzt ist, was man da so hört. Ganz generll, nicht nur im DEAF FOREVER (deswegen hab ich Rafs DESTRUCTOR-Review erwähnt). Aber warum dieser Extra-Layer? Will man sich damit abheben? Will man dem Leser ein gutes Gefühl geben? Will man sich extra Respekt verschaffen? Oder würde man sich - ganz verwegene Theorie - gar schämen für das, was man hört, wenn man nicht extra den Echtheits-Aspekt hervorhebt? Holger Andrae hat geschrieben:Sicherlich äußere ich teils arg polemische Kommentare zu diversen Bands und deren Musik, aber nicht zu den Hörern eben jener.
Ich mache das genau so. Aber ich stelle auch gerne mal Fragen, wie die oben, an eine gewisse Hörergruppe, zu denen ich Raf, Siebi, Rüdiger und auf Dich, Holg, zähle. Wenn ihr Euch durch meine Kommentare "dümmlich" dargestellt fühlt, tut mir das sehr leid und war niemals auch nur ansatzweise meine Intention. Ihr wisst, wie sehr ich euch alle als Musik-Kenner und -Liebhaber schätze. Und an Euch stelle ich die Frage: warum das da oben? Warum muss man sich selbst/einer Band/seinem Leser immer diese Extra-Echtheits/Überzeugungs-Bauchpinselung geben, wenn es um traditionellen Metal geht? Warum ist hier geile Musik nicht genug? Havoc fällt das ja auch auf und den nervt es, und ich bin mir sicher wir zwei sind da nicht allein auf der Metalwelt...
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von Rüdiger Stehle » Sonntag 28. Februar 2016, 22:44
Keine Ahnung, warum du das so wahrnimmst. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich ständig meine Lieblingsplatten irgendwie als echt, authentisch oder gar "true" anpreise. Gerade letzteres Attribut glaube ich nicht, überhaupt jemals in einem Review verwendet zu haben, es sei denn ironisch oder überspitzt. Dass es allerdings aus meiner Sicht etwas Positives ist, wenn sich Musik für mich ehrlich, emotional und echt anfühlt, daraus will ich keinen Hehl machen. Bei Bands, die auf mich einen sehr authentischen Eindruck machen, kann es also gut sein, dass ich das erwähne. Für mich sind das nicht ausschließlich, aber durchaus oft Bands, die über viele Jahre oder Jahrzehnte ihr Ding durchziehen, ohne damit kommerziellen Erfolg zu haben. Bei solchen Bands (z.B. Raven) spricht einfach einiges dafür, dass sie voll und ganz hinter ihrer Mucke stehen, denn kommerzielle Gründe, Eitelkeiten und Broterwerb scheiden hier ja weitgehend aus, wenn man seit 40 Jahren nebenher Dayjobs nachgehen muss. Die werden sicher nicht mehr auf den Durchbruch warten und sind auch nicht auf Albenverkäufe angewiesen. Daher spricht vieles für die reine und pure Hingabe an ihren Sound, und ich meine schon, dass man das bei gewissen Bands auch spüren kann.
Und das sehe ich eigentlich komplett genreunabhängig und gefallensunabhängig. Ich denke auch ARCHIVE oder LISERSTILLE machen authentische Musik, nur halt keine Musik, die mich direkt anspricht. Auch kommerziell erfolgreiche Bands können authentisch wirken: RUSH, AC/DC, ROSE TATTOO, EUROPE. Meinetwegen auch RHAPSODY, gleich welche Version davon. Ich hab nie gesagt, dass das unauthentische Bands seine und dass ich Turilli und Staropoli unterstellen würde, den Sound aus rein kommerziellen Erwägungen zu fahren. Ich gehe 100% davon aus, dass die drauf stehen. Trotzdem kann das doch für Holg überladen und klinisch wirken und nicht dem entsprechen, was er von Heavy Metal oder Power Metal erwartet und hören will.
Ich glaube, dass du da einfach zwei Dinge in einen Topf wirfst, die nicht zusammen gehören. Weder sagt irgendwer hier, dass nur True-Underground-Metal authentisch sein kann, noch behauptet jemand, dass Dinge, die nicht seiner Erwartung und Vorstellung von "seinem" Metal entsprechen zwangsläufig unaufrichtig oder falsch seien. Das unterstellst du uns und dem Deaf Forever und der Untergrund-Szene um KIT und HOA. Mir begegnet das Phänomen aber so nicht, und wenn doch, dann von Leuten, deren Meinung für mich eh keine nennenswerte Relevanz hat.
Und du wirst doch nicht ernsthaft glauben, dass Raphael DESTRUCTOR als "authentisch" bezeichnet, um seine Freude an dem für dich schiefen Gesang von Dave Overkill zu rechtfertigen. Das ist doch Schmarrn. Er bezeichnet die Band als authentisch, weil er das Gefühl hat, dass die Band hinter ihrem Treiben steht, und er mag den Gesang von Dave, wie ich den auch mag...
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