Musikalische Erkenntnis des Tages

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Sonntag 28. Februar 2016, 23:40

Keine Ahnung, warum du das so wahrnimmst.


Na ja, weil die Begriffe einfach überproportional häufig verwendet werden vielleicht?

Dass es allerdings aus meiner Sicht etwas Positives ist, wenn sich Musik für mich ehrlich, emotional und echt anfühlt, daraus will ich keinen Hehl machen.


Aber Rüdiger, jeder der in irgendeiner Form Musik, mag, wird Dir Ähnliches entgegnen. Mir kommt BEYOND THE BLACK (läuft grad mal wieder ;-) ) so dermaßen echt, emotional und ehrlich vor, dass ich immer einen Endorphinschub bekomme. Und die arbeiten mit den bösen Leuten zusammen, die Musik industriell produzieren, die können ja gar nicht "authentisch" sein...

Bei Bands, die auf mich einen sehr authentischen Eindruck machen, kann es also gut sein, dass ich das erwähne. Für mich sind das nicht ausschließlich, aber durchaus oft Bands, die über viele Jahre oder Jahrzehnte ihr Ding durchziehen, ohne damit kommerziellen Erfolg zu haben.


wie z.B. BEYOND THE BLACK :grins: :grins: :grins:

Und das sehe ich eigentlich komplett genreunabhängig und gefallensunabhängig. Ich denke auch ARCHIVE oder LISERSTILLE machen authentische Musik


Wobei ich noch niemals gelesen habe, dass man dies für die beiden Bands extra hätte hervorheben or gar damit Werbung machen müssen. Musikalisch widmen sich die beiden Bands übrigens hauptsächlich der Kunst der Klangverfremdung. Also doch nicht "authentisch"? Aber sie machen es meines Wissens gerne und aus Überzeugung. Also doch wieder authentisch. Dieser Begriff ist einfach sowas von nutzlos im Zusammenhang mit Musik-Kritik...deshalb war dies nun auch mein allerletzter Beitrag zu diesem Thema. Versprochen!


Ich glaube, dass du da einfach zwei Dinge in einen Topf wirfst, die nicht zusammen gehören. Weder sagt irgendwer hier, dass nur True-Underground-Metal authentisch sein kann, noch behauptet jemand, dass Dinge, die nicht seiner Erwartung und Vorstellung von "seinem" Metal entsprechen zwangsläufig unaufrichtig oder falsch seien. Das unterstellst du uns und dem Deaf Forever und der Untergrund-Szene um KIT und HOA.


Ich müsste lügen, wenn ich jetzt das Gegenteil behaupten würde. Ja. Das hat aber nichts damit zu tun, dass Holg oder Siebi oder andere zynische Kommentare zum Tralala-Metal machen. Das dürfen sie, das sollen sie, das ist ihre Meinung, und die soll geäußert werden, ganz ehrlich und authentisch ;-) . Dass aber die - ich nenne es mal pauschal "traditionsmetallische Szene" insgesamt auf mich etwas rechthaberisch und ausgrenzend wirkt, und sich gesamtmetallisch gesehen für etwas Besseres hält, diesen Eindruck habe ich eben in den letzten Jahren - in denen ich mich auch vermehrt in Social Media tummle - mehrmals gewonnen. Dafür habe ich aber via Facebook und Co auch ganz tolle Band- und Szenebekanntschaften geknüft, das wiegt das Ganze dann doch sehr positiv auf :subber:


Und du wirst doch nicht ernsthaft glauben, dass Raphael DESTRUCTOR als "authentisch" bezeichnet, um seine Freude an dem für dich schiefen Gesang von Dave Overkill zu rechtfertigen. Das ist doch Schmarrn. Er bezeichnet die Band als authentisch, weil er das Gefühl hat, dass die Band hinter ihrem Treiben steht, und er mag den Gesang von Dave, wie ich den auch mag...


Ja, spätestens hier dreht sich das Pferdchen im Kreis. Und meine Frage nach der Logik, weshalb man dann ausgerechnet hier die Extraportion Authetizität betonen muss, bleibt weiterhin im Dunklen. Da muss ich immer an Mario Gomez denken. Der macht zwar keine Buden, hat dafür aber die Haare schön...

Ach ja, ich hab DESTRUCTOR auch 7,5 Points gegeben. Und mit Bobby Blitz statt Dave Overkill wären das sicher 8,5 geworden... 8-)
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 29. Februar 2016, 00:12

salisbury hat geschrieben:Na ja, weil die Begriffe einfach überproportional häufig verwendet werden vielleicht?

Du hast da eine Hypersensibilität entwickelt. Ich merke das gar nicht, da lese ich drüber. Mir würd's wohl nur auffallen, wenn jemand in einem Artikel einer meiner Lieblingsbands vorwerfen würde, dass sie eben das nicht ist. Da würde ich mich dann wohl kurz stoßen, aber diese Authentizitätsdauerfeuer, das du wahrnimmst, ist mir echt entgangen. Kann natürlich sein, dass mir das nicht auffällt, weil ich eben aus einer Szene komme, in der dieses Thema relativ präsent ist und daher nimmer wirklich wahrgenommen wird.

Aber Rüdiger, jeder der in irgendeiner Form Musik, mag, wird Dir Ähnliches entgegnen. Mir kommt BEYOND THE BLACK (läuft grad mal wieder ;-) ) so dermaßen echt, emotional und ehrlich vor, dass ich immer einen Endorphinschub bekomme.

Eben. Das sag ich doch die ganze Zeit. Authentizität ist kein objektives Merkmal einer Band, sondern ein Gefühl der subjektiven Wirkung der Musik auf den Hörer und damit komplett relativ.

Und die arbeiten mit den bösen Leuten zusammen, die Musik industriell produzieren, die können ja gar nicht "authentisch" sein...

Das ist völliger und kompletter Quark und ich kenne niemanden, der diese Position ernsthaft vertritt.

wie z.B. BEYOND THE BLACK :grins: :grins: :grins:

Habe ich in meinem Leben irgendwann einmal BTB als unauthentisch bezeichnet?

Wobei ich noch niemals gelesen habe, dass man dies für die beiden Bands extra hätte hervorheben or gar damit Werbung machen müssen. Musikalisch widmen sich die beiden Bands übrigens hauptsächlich der Kunst der Klangverfremdung. Also doch nicht "authentisch"? Aber sie machen es meines Wissens gerne und aus Überzeugung. Also doch wieder authentisch. Dieser Begriff ist einfach sowas von nutzlos im Zusammenhang mit Musik-Kritik...deshalb war dies nun auch mein allerletzter Beitrag zu diesem Thema. Versprochen!

Siehe oben. Warum Klangverfremdungsexperimente nicht aus einer authentischen Haltung dem eigenen Schaffen gegenüber entspringen können sollen, ist mir nicht nachvollziehbar. Ob es einem Rezensenten wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass er ARCHIVE als authentisch empfindet, musst du ihm selbst überlassen. Für mich ist das kein so wichtiges Kriterium, anderen ist es wichtig.

Dass aber die - ich nenne es mal pauschal "traditionsmetallische Szene" insgesamt auf mich etwas rechthaberisch und ausgrenzend wirkt, und sich gesamtmetallisch gesehen für etwas Besseres hält, diesen Eindruck habe ich eben in den letzten Jahren - in denen ich mich auch vermehrt in Social Media tummle - mehrmals gewonnen.

Dass es diese Tendenzen im Trad-Metal gibt, wird niemand ernsthaft bestreiten können. Aber ich denke, dass es die in jeder eng gestrickten Subkultur gibt. Im Black Metal, im Death Metal, auch im Prog gibt's die Snobs, die jede Band als stümperhaft dissen, die straighte Rhythmen und 4/4-Takte spielt, und im Crossover und xyz-Core gibt's diejenigen, die alles verstaubt und altbacken finden, bei dem man klassische Metal-Einflüsse hört. In jeder gottverdammten Nerd-Szene gibt's Hypernerds, die sich für so geil halten, dass sie ihre Einstellung für die einzig wahre halten.

Wenn dich genau DAS aber im Trad Metal so sehr stört, dann wundert es mich schon zünftig, dass du manchmal so Anwandlungen entwickelst, die in die selbe Richtung gehen, nur mit umgekehrtem Vorzeichen, indem du dann postulierst, dass diese Szene das nur täte, um musikalische Defizite zu vertuschen. Das ist doch der gleiche Käse in grün. Meinst du es klänge für uns - würden wir dich nicht besser kennen - nicht arrogant, elitistisch und ausgrenzend, wenn du über Undergroundlegende XYZ ablässt, dass die schlampige Anschläge habe, keinen Ton treffe und schlampig produziert habe, und all diese Makel nur hinter Attitüde und Wahrhaftigkeitsanspruch verstecke? Das ist genau dasselbe. Du versuchst, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, wo gar kein Teufel ist.

Wenn du der Szene den Spiegel vorhalten willst, dann sind wir hier - so glaube ich - die falschen Adressaten dafür. Denn weder Holg, noch Siebi oder ich sind Trueness-Fanatiker oder Leute, die eine Authentizitätsmonstranz vor sich her tragen. Ich bin beinharter Manowarrior, nibelungentreuer Fan einer Band, über die der nahezu gesamte Trad-Untergrund seit zwanzig Jahren nur noch lästert, ich geh grad völlig steil auf die Neue von Anthrax, das Album einer Band, die ganz offen zugibt, untereinander eine reine Business-Beziehung zu haben. Siebi liebt Abba, Kiss, Europe und Freedom Call, der Holg verehrt Tori Amos, 3rd & the Mortal und Non-Fiction.

Uns muss man echt nicht plastisch deutlich machen, dass es in der "True"-Metal-Szene dümmlichen Elitismus und überflüssige Selbstbeweihräucherung der eigenen Szene gibt. Trotzdem lieben wir alle auch Trad-Metal-Bands, die authentisch den Spirit dieser Szene verkörpern und diesen alten Geist mit Leben erfüllen. Nicht, weil uns das cool und "metal" macht, sondern weil wir halt diesen Sound, diesen Spirit, dieses Feeling lieben.

Metal sind wir eh. Das müssen wir nicht demonstrativ mit seltsamen Attributen illustrieren.
:subber:
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 29. Februar 2016, 00:20

Ach ja, und warum Raf die Authentizität von Destructor betonen wollte, das kann er ja bei Gelegenheit mal selbst beleuchten.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Montag 29. Februar 2016, 00:39

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Siehe oben. Warum Klangverfremdungsexperimente nicht aus einer authentischen Haltung dem eigenen Schaffen gegenüber entspringen können sollen, ist mir nicht nachvollziehbar.


Na, ja. Können sie schon. Müssen sie aber nicht. Vielleicht war es ein Drogenrausch? Oder ein Zufalls-Geräusch? Zu 99,9 % ist es aber Kreativ-Arbeit. Sound-Engineering. Tüftelei. Vielleicht ja auch Auftragsarbeit oder aber die Vertonung einer Fantasie. Oder eines Textes, einer Geschichte? Was genau hinter dem Schaffen steckt, darüber kann man sich ja informieren, wenn es einem gefällt. Aber ob Haltung des Künstlers zu seinem Schaffen "authentisch" ist? Hmm, ich find das immer noch unkonkretes, schwammiges Blabla, das mir absolut NICHTS über die Intention, die Inspiration des Musikers verrät, geschweige denn, wie die Musik klingt

Ob es einem Rezensenten wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass er ARCHIVE als authentisch empfindet, musst du ihm selbst überlassen. Für mich ist das kein so wichtiges Kriterium, anderen ist es wichtig.


Sicher. Soll er. Ich spreche hier als Leser. Ich also solcher halte diese Information für völlig bedeutungslos, nichtssagend und irrelevant. Ich kann "authentisch" nicht empfinden und schon gar nicht die Haltung eines Künstlers dem eigenen Schaffen gegenüber erfühlen. Sorry. Ich glaube ganz ehrlich auch nicht dass Du das kannst, bei allem Respekt. Kein Mensch kann Gedanken lesen...
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 29. Februar 2016, 00:52

Mein Gott... ich weiß echt nimmer, was ich dazu sagen soll. Das wirkt echt so, als hättest du eine Authentizitäts-Paranoia, Thommy. Es behauptet doch kein Mensch, dass er Gedanken lesen kann, oder zu wissen, was Dave Mustaine oder Gene Simmons denken. Ich kann aber doch schreiben, ob ich die Empfindung habe, dass es ein Musiker ernst und ehrlich mit seiner Sache meint. Ein Sportreporter kann auch schreiben, ob er den Eindruck hat, dass Spieler XY alles gibt, oder ob er den Eindruck hat, dass er mit angezogener Handbremse spielt; ob er sich für den Verein aufopfert, oder ob er den Eindruck hat, dass er sich nur reicheren Vereinen empfehlen will. Der weiß es auch nicht, aber er verarbeitet subjektive Eindrücke und teilt diese mit seinen Lesern. In der Politik das selbe: Ist einer überzeugter Extremist, ist er reiner Populist, ist er Provokateur, ist er einfach nur ein Depp? Weiß es der Politjournalist? Er sammelt Eindrücke und gibt deren Interpretation wieder. Das macht auch der Musikrezensent. Damit schreibe ich streng genommen gar nicht über den Musiker und seine Musik, sondern über mich und meine Wahrnehmung seines Schaffens. Und das ist einer meiner beiden Jobs als Rezensent: Einerseits objektiv-deskriptive Elemente aufzeigen, um die Musik und den Musiker zu beschreiben; und eine subjektiv-wertende Einordnung vorzunehmen, die ich eben an Kriterien messen muss, die für mich entscheidend sind. Für manche Rezensenten und Leser ist da die Frage der "Authentizität" halt wichtig, für andere nicht. Aber du reitest so permanent auf dieser absoluten Nebensächlichkeit herum und lässt darunter deine Einstellung zu einem ganzen Subgenre leiden, dass mir das echt Angst macht. Ich will dir das austreiben... das ist ungesund...
;-)
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Montag 29. Februar 2016, 00:58

Rüdiger Stehle hat geschrieben: Meinst du es klänge für uns - würden wir dich nicht besser kennen - nicht arrogant, elitistisch und ausgrenzend, wenn du über Undergroundlegende XYZ ablässt, dass die schlampige Anschläge habe, keinen Ton treffe und schlampig produziert habe


Come on, Rüdiger. Diesen schwarzen Peter gebe ich mit Handkuss zurück. Ich sag nur Klimbim, Tralala, Fahrstuhlmusik und grenzdebile Veräppelung. Das fällt jedoch alles unter unmittelbare Schilderung einer konkreten Hörwahrnehmnung. Aber eine ehrliche und konkrete Musik-Kritik ist nicht das, was mich stört an der Metalszene, sondern eher was ich vermisse.

Und schlampige Produktionen und schlechte Musiker find ich übrigens unabhängig von allen Szenen. Da hab ich auch schon das eine oder andere Prog-"Werk" für zerrissen oder ekelhaften Schrammel-Punk, oder...
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Holger Andrae » Montag 29. Februar 2016, 01:20

salisbury hat geschrieben:
Rüdiger Stehle hat geschrieben: Meinst du es klänge für uns - würden wir dich nicht besser kennen - nicht arrogant, elitistisch und ausgrenzend, wenn du über Undergroundlegende XYZ ablässt, dass die schlampige Anschläge habe, keinen Ton treffe und schlampig produziert habe


Come on, Rüdiger. Diesen schwarzen Peter gebe ich mit Handkuss zurück. Ich sag nur Klimbim, Tralala, Fahrstuhlmusik und grenzdebile Veräppelung. Das fällt jedoch alles unter unmittelbare Schilderung einer konkreten Hörwahrnehmnung. Aber eine ehrliche und konkrete Musik-Kritik ist nicht das, was mich stört an der Metalszene, sondern eher was ich vermisse.

Und schlampige Produktionen und schlechte Musiker find ich übrigens unabhängig von allen Szenen. Da hab ich auch schon das eine oder andere Prog-"Werk" für zerrissen oder ekelhaften Schrammel-Punk, oder...


Zuerst einmal: ich glaube, dass ich eher selten auf besondere Trueness in meinen Reviews hinweise, ganz einfach, weil ich das ja ebenfalls meist etwas belächele. Das ich hin und wieder "authentisch" oder von "Herzblut" schreibe hat ganz einfach was mit meiner Empfindung zu jener Msuik zu tun. Mehr nicht. Das ist natürlich subjektiv, wie Reviews ja zumeist vorwiegend subjektiv sind. Es ist ja auch offenbar so, dass Leser, die ich mit meinen Reviews ansprechen will, genau verstehen, was ich damit ausdrücken will. Mir ist es tatsächlich relativ wumpe, wie gut einzelne Musiker spielen können, so lange mir das Ergebnis gefällt. Ich weiß, da unterscheiden wir uns gewaltig, Thommy. Für mich ist Punk halt nicht per se "ekelhaft".

Da Du oben einige meiner zuletzt verwendeten Schmähworte zietierst, sage ich da auch noch etwas dazu. Ich habe ganz offenbar polemisch meine subjektiven Sofort-Eindrücke nieder geschrieben.Dabei habe ich weder ganze Subgenres angegriffen (wobei mir dies eventuell schon einmal passiert sein könnte), noch habe ich die spielerischen Fähigkeiten der Musiker in Frage gestellt. Beides machst Du aber schon sehr gern und in letzter Zeit auch recht häufig.
Wenn Du über Heilige Kühe herziehst, zucke ich zwar manchmal auch zusammen, aber zumeist grinse ich danach schnell wieder, denn auch ich finde Omens "Battle Cry" überbewertet oder höre bei Manowar niemals den Heiligen Epik Gral. Die Häufigkeit mit der Du dies allerdings immer wieder machst, lässt mich manchmal stutzen. Um in meinen Lieblingsbereich zu wechseln: Wenn Du beim Imbiss um die Ecke eine Currywurst mit Pommer orderst, beschwerst Du Dich auch nicht über fehlende Vorsuppe und Sorbet-Nachspeise und Du bemängelst auch nicht, dass Du nicht zwischen fünf verschiedenen Currysoßen aussuchen kannst. In einem Forum für (vorwiegend) Heavy Metal, sind manche Vorwürfe in meinen Augen ein bisschen komisch. Das bin ich aber auch.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 29. Februar 2016, 01:21

salisbury hat geschrieben:Come on, Rüdiger. Diesen schwarzen Peter gebe ich mit Handkuss zurück. Ich sag nur Klimbim, Tralala, Fahrstuhlmusik und grenzdebile Veräppelung.

:?
Begreife ich nicht. Sorry. Erstens sind das jetzt alles nicht meine Lieblingsbegriffe ("Fahrstuhlmusik" mag ich zwei- bis dreimal in der Forengeschichte benutzt haben, wenn mich etwas sehr gelangweilt hat, und Tralala ähnlich selten, wenn ich etwas übertrieben verblümt fand) und zweitens habe nicht ich mich darüber echauffiert, dass eine ganze Szene und deren maßgebliche Sprachrohre überheblich, ausgrenzend und elitistisch seien, sondern das warst du. Ich meine, dass wer sich über derlei Dinge aufregt, nicht selber die selbe Keule schwingen sollte. Glashaustheorie.

Aber langsam krieg ich Kopfschmerzen. Mir ist das alles zu hoch. Du forderst, dass man doch einfach Musik für das genießen sollte, was sie ist, nämlich subjektiv empfunden gute Musik. Ich kenne hier im Forum niemanden, der nicht exakt genau so vorgeht. Holg geht so vor, Peter geht so vor, Siebi geht so vor, ich gehe so vor, du gehst so vor. Wenn jeder von uns das dann irgendwie begründet, dann sind das Versuche, eine subjektive Wahrnehmung greifbar zu machen, in Worte zu fassen, und ja mein Gott, manch einen fesselt Musik halt mehr, wenn er das subjektive Gefühl hat, dass der Musiker in seiner Musik aufgeht und damit authentisch ist, ein anderer ist mehr begeistert, wenn er meint einen ganz formidablen Techniker an seinem Instrument zu hören. Denkst du, dass auch nur ein einziger von uns eine Platte nur deswegen zerreißt, weil sie nicht Metal enough ist, oder eine Platte nur deswegen lobt, weil sie echter Metal sein soll? Ernsthaft? Wie lange kennst du uns denn? Das ist doch Käse...
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon Rüdiger Stehle » Montag 29. Februar 2016, 02:05

salisbury hat geschrieben:Mir kommt BEYOND THE BLACK (läuft grad mal wieder ;-) ) so dermaßen echt, emotional und ehrlich vor, dass ich immer einen Endorphinschub bekomme.

Dazu muss ich abschließend noch was los werden:

Wenn das so ist, was mich für dich und die Band sehr freut, dann empfindest du also BEYOND THE BLACK als authentische Band und du freust dich auch explizit genau darüber, dass die Band auf dich so ehrlich, echt und emotional wirkt, dass dir genau das Endorphinschübe beschert. Das ist ganz großartig!

Nun geht's witzigerweise Raphael mit DESTRUCTOR exakt genau gleich wie dir mit BEYOND THE BLACK. Er findet das geil, weil er die Musik mag und weil die Band auf ihn ehrlich, echt und emotional - sprich "authentisch" - wirkt.

Komisch, was? Du nimmst also genauso bei deiner Musik ein Gefühl von Echtheit und Ehrlichkeit und Emotion wahr, wie es der Traditionsmetaller bei seiner Musik tut. Was unterscheidet euch also? Doch nur, dass du es vermeidest, die Vokabeln auch entsprechend zu nutzen, weil dir die Kategorie fremd vorkommt und du dich mit dem von dir als elitistisch empfundenen Vokabular nicht beflecken möchtest. Dabei ist nichts elitistisch daran, zu sagen, dass man seine Lieblingsbands als echt und ehrlich empfindet. Das ist völlig normal und gut.

Ein Problem ist es nicht, wenn jemand seine Mucke als ehrlich und echt bezeichnet. Das hat nichts mit Elitismus und Ausgrenzung zu tun. Mit Elitismus und Ausgrenzung hat es nur zu tun, wenn man es anderen Bands abspricht, auf ihre Fans und ihre Zielgruppe ebenso echt und ehrlich wirken zu können.

Wie gesagt, für mich ist die Frage nach der Authentizität einer Band gar nicht so enorm wichtig. Ich schätze den Faktor, aber ich kann auch an Bands viel Freude haben, die nicht gerade vor Authentizität strotzen und ihre Musik sehr kommerziell und professionell angehen. Ich brauche sicher keine Trueness-Stempel und Echtheitssiegel. Aber es macht mich echt fertig, dass du da so eine massive Aversion entwickelt hast, die dich einer ganzen Szene entfremdet. Für mich wirkt das alles so sinnlos und konstruiert.
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Re: Musikalische Erkenntnis des Tages

Beitragvon salisbury » Montag 29. Februar 2016, 02:42

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Ein Sportreporter kann auch schreiben, ob er den Eindruck hat, dass Spieler XY alles gibt, oder ob er den Eindruck hat, dass er mit angezogener Handbremse spielt; ob er sich für den Verein aufopfert, oder ob er den Eindruck hat, dass er sich nur reicheren Vereinen empfehlen will. Der weiß es auch nicht, aber er verarbeitet subjektive Eindrücke und teilt diese mit seinen Lesern. In der Politik das selbe: Ist einer überzeugter Extremist, ist er reiner Populist, ist er Provokateur, ist er einfach nur ein Depp? Weiß es der Politjournalist? Er sammelt Eindrücke und gibt deren Interpretation wieder. Das macht auch der Musikrezensent.


Wow, das ist ein tolles Thema, zu dem ich mir in letzter Zeit auch so einige Gedanken mache. Ich lese einen Text, über Fußball, über Politik, über Musik mit dem Ziel, informiert zu werden und Idealfall die Wahrheit zu dem, was mich interessiert zu erfahren. Ich möchte wissen, wie die Musik klingt. Ich möchte wissen, wieviele Flüchtlinge schätzungsweise bis Ende das Jahres nach Deutschland kommen. Ich möchte wissen ob...na ja Fußball ist mir eigentlich egal ;-) . Aber es ist krass, je nachdem wo Du liest und was Du liest, bekommst Du höchst unterschiedliche Information. Jeder Text ist irgendwie manipulativ. Ständing will mir jemand neben der Info, die ich suche, noch seine Meinung geigen. Oft lassen sich die Unmengen an Einzelmeinungen zu diversen Über-Meinungen klassifizieren und folgen irgendeiner Art von Ideologie. Das war zwar schon immer so, doch zu Zeiten der digitalen Medien wird immer schwieriger, wie Wahrheit zu filtern.

Ich möchte wissen, wie die Musik klingt und natürlich ist der große Felsbrocken, der zwischen dem Beschreibenden und der Musik liegt, der Fakt, dass Musik subjektives Empfinden ist. Und jeder Schreiber wird die Musikbeschreibung derart manipulativ ausgestalten, dass der Leser in die erwünschte Richtung gelenkt wird. Also ist es gut, wenn man nach Möglichkeit mehrere unabhängige Meinungen hat, um sich so der Wahrheit anzunähern. Bei der Musik kann man heutzutage natürlich sofort überprüfen, ob das was mein Gegenüber so schreibt, stimmt oder Kokolores ist. In der Politik ist das weitaus schwieriger. Niemand weiss so genau, was derzeit wirklich so alles abgeht und deshalb ist es extrem einfach, manipulativ Stimmungen zu machen und zu erzeugen. In der Hinsicht finde ich es eine sehr schwierige Sache, über Dinge zu schreiben, die ich nicht verstehe und die für mich reine Spekulation sind. Es ist einfach und richtig zu sagen, "der Spieler macht ein tolles Spiel. Er bringt 90% seiner Pässe an, jede zweite Vorlage führt zum Tor". Problematisch wird es wenn ich jetzt die Schlussfolgerung ziehe: "der spielt ja nur so gut, weil er wechseln will". Was soviel heisst wie: "seine Haltung gegenüber den Verein ist unkorrekt". Was ist jedoch mit seiner Haltung zu sich selbst? Vielleicht kann er nur dann gut spielen, wenn er das Gefühl hat, dass sein Wert sich steigert? Und ist das schlimm? Selbst wenn es nur Spekulation ist, diese Info wird Wellen schlagen und im schlimmsten Falle den Spieler belasten. Und was habe ich als Fußballinteressierte von dieser Info, die nur darauf aus ist, Klatsch zu verbreiten. Und über den Spieler erfährt man genau null.
Jetzt ist das in unserem kleinen Nerdkreis ja alles viel undramatischer und harmloser. Dennoch: weshalb muss ich mich auf eine Unsicherheitsebene begeben und mir eine Meinung anmaßen, ob die Haltung des Künstlers zu seiner Musik "korrekt" ist? Und auf welchen Aspekt genau beziehe ich "korrekt"? Ganz klar wird man eine starke Korrelation der "richtigen" Haltung mit dem Geschmack des Schreibers finden. Das macht die Info schon wieder so gut wie wertlos. Schlimmer ist es aber, wenn man Künstler mit "unkorrekter" Haltung brandmarkt. Hier sind wir bei dem was mich an der Szene stört. Was musste ich Schlechtes über Musiker wie Dave Mustaine lesen (hier meine ich nicht nur ein bestimmte Magazin sondern das gesamte kombinierte Meinungsbild) . Oder Ted Nugent. Oder Manowar. Eigentlich alles, was nicht diesem naiven Underground/Herzblut/Überzeugungetäter-Gedanken abweicht und nicht in die links-liberale "wir sind alle Freude"-Gedankenwelt passt, bekommt seinen Schlag ab. Dazu gehört u.a. auch Nightwish. Allgemein Trällerelfen im Brautkleid, deren Outfit einzig dem Prinzip "Sex Sells" unterstellt sein soll (so ein Schwachsinn!). Diese grundlose Verachtung für alles Mainstreamige. Rüdiger, aus zahlreichen Gesprächen zwischen uns wurde deutlich, dass dich das auch sehr stört.
Deswegen ist mir diese Echtheits/Authentizitäts-Erwähnung ein Dorn im Auge. Vllt hab ich ja ne Paranoia. Sehr schnell ist man von dort aus weit weg von eigentlichen Ziel, über Musik zu informieren, und geht hin zu einer völlig unnötigen Erschaffung von Idealbildern und zugleich von Feindbildern und das, lieber Rabe, spaltet die Fraktion von Musikliebhabern, und das ist in der Tat ungesund. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob dieser Graben nicht auch schon hier sichtbar wird. Wir vermuten beide, dass hier im Forum kein Anlass zur Beschwerde besteht. Dennoch, sollten wir nicht doch vielleicht alle etwas respektvoller und vorsichtiger in unserer Wortwahl und Polemik sein, allein schon um anzuerkennen, was die Musik, für die man viel Zeit verwendet, für die Musik Vorstellenden bedeutet? Das ist jetzt eine neutrale Frage und kein Vorwurf an niemanden, gell. Ich weiß, ich bin da auch oft sehr spitz, was aber auch manchmal etwas mit einem gewissen "wie Du mir, so ich Dir" zu hat...
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