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von Rüdiger Stehle » Montag 13. Februar 2017, 22:31
 Dreieinhalb Jahre nach der gewalttätigen Revolution hat mich der Gottesfeind von Anfang an ein Stück weit enttäuscht. Woran das genau liegt, fällt mir schwer richtig dingfest zu machen. Manch einer behauptet ja, dass "Enemy Of God" schlicht ein Rehash des Vorgängers und damit sehr unkreativ sei. Das empfinde ich tatsächlich nicht mehr so, auch wenn das eine gefällige Begründung zu sein scheint und ich seinerzeit auf frischer Tat betroffen auch zunächst den Gedanken hatte. Mir drängt sich vielmehr das Gefühl auf, dass die Band mit dieser Scheibe nach der kurzen Wurzelkur mit "Violent Revolution" bereits wieder damit anfing, sich auf leisen Sohlen wieder vom Thrash Metal abzuwenden. Das mache ich auch heute, wenn ich "Enemy" nach vielen Jahren mal wieder höre, direkt am Klangbild fest. Wo "VR" noch recht trocken, kratzig und griffig produziert war, das geht "EoG" in eine voluminösere, glattere, kantenlosere, ballerndere Richtung; die melodischen Leads werden nochmals mehr, der Gitarrensound wird flächiger, breitwandiger; die Rhythmusgruppe walzt und bollert; das hatten wir alles schon anders. Ja, ich meine auch retrospektiv, dass diese Scheibe tatsächlich der Moment ist, bei welchem für mich die Melodeathisierung KREATORs begonnen hat, das Old-School-Element vollends über Bord ging, und sich die Band zeitgemäß und mainstreamig positionierte. Das macht das Album keineswegs schlecht, aber für mich ist es einfach deutlich stromlinienförmiger als sein Vorgänger. Es hat zwar wieder Hymnen, gute Songs, eingängige Songs, aber auch kompositorisch hat es in meiner Wahrnehmung weniger Tiefe und Intensität als "VR". Bei aller vorhandenen Klasse für mich damals wie heute eine Enttäuschung.
alias Hugin der Rabe. Ravnen fra steinfjellet. Háv. 38
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von Jhonny » Montag 13. Februar 2017, 23:00
Meine erste KREATOR. Sehr prägendes Album für meine ganze Metal-Sozialisation, bis heute auch meine meistgehörte KREATOR (danach kommen wohl Pleasure To Kill, Hordes Of Chaos und Phantom Antichrist). Für mich wohl weiter mindestens ein 9-Punkte-Album. Viele Ohrwürmer, ein moderner, aber trotzdem lebendiger Sound, viele wunderbare Gitarrenmelodien - vielleicht kein astreiner Thrash mehr, aber aus meiner Sicht schon sehr stark.
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von Rüdiger Stehle » Montag 13. Februar 2017, 23:01
 Der wiederum vier Jahre später erschienene Nachfolger "Hordes of Chaos" präsentierte in mehrerlei Hinsicht eine starke Verbesserung gegenüber dem Gottesfeind. Die Musiker haben sich etwas einfallen lassen, mit dem man so nicht unbedingt hätte rechnen müssen. Das "glatter, balleriger, hochglänzender"-Motto wurde vorübergehend eingemottet und daher klingen die Horden erdiger, lebendiger, ja, ein Stückchen weit muffiger als der Vorgänger. Das ist für mich eine gute Sache, eine sehr gute Sache, denn so präsentiert die Band ein Album, das nicht so technoid und kalt gehalten ist, sondern mehr Kante zeigt, mehr Emotionalität, viel mehr Tiefgang. Auch Meister Mille singt dezent anders als sonst, nicht so vorhersehbar im eigenen Stereotyp gefangen, er klingt hier ein bisschen jünger und hysterischer; dort ein wenig gefühlvoller und hintergründiger. Während der Großteil der Stücke in bester KREATOR-Manier voll auf die Zwölf geht und mit schneidenden Riffs und herrlich giftigem Ventor-Drumming gesegnet ist, haben die Jungs auch nicht vergessen, durch melodischere Momente wie etwa beim tollen 'Amok Run' oder Tempodrosselungen wie bei 'Destroy What Destroys You' für die essentiellen Farbtupfer zu sorgen. Zuletzt empfinde ich es als Segen, dass die Scheibe dem Hörer mit knappen vierzig Minuten Spielzeit und vorwiegend knackigen, kurzen, prägnanten Stücken die Chance gibt, sich intensiv mit jedem Detail zu befassen, statt von einer Stunde Riffgewitter erschlagen zu werden. Es bleibt eine frische, oft recht punkige Scheibe, die allerdings kompositorisch nicht so glatt reinläuft, dass nach den ersten Hördurchläufen schon die Hits feststehen. Das ging bei eingen älteren Werke einfacher. Wer meinen alten GT-Beitrag noch kennt, der merkt, dass ich mich vorstehend weithin selbst zitiert habe. Dies deshalb, weil die Wirkung der Chaoshorden heute noch nahezu identisch ist wie vorzeiten. Den Langzeittest hat "Hordes Of Chaos" von den bisher besprochenen drei Scheiben tatsächlich am besten bestanden, da ich es heute fast noch besser finde als bei Erscheinen. Das Schöne daran ist, dass es zeigt, dass im Falle KREATOR für mich das Motto "weniger ist mehr" gar nicht so verfehlt scheint. Weniger Sound, weniger Glanz, weniger Gedudel, weniger Spuren, weniger Pomp & Circumstance, und der Schöpfer ist auf meiner Seite.
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von Rüdiger Stehle » Montag 13. Februar 2017, 23:06
Jhonny hat geschrieben:Meine erste KREATOR. Sehr prägendes Album für meine ganze Metal-Sozialisation, bis heute auch meine meistgehörte KREATOR (danach kommen wohl Pleasure To Kill, Hordes Of Chaos und Phantom Antichrist). Für mich wohl weiter mindestens ein 9-Punkte-Album. Viele Ohrwürmer, ein moderner, aber trotzdem lebendiger Sound, viele wunderbare Gitarrenmelodien - vielleicht kein astreiner Thrash mehr, aber aus meiner Sicht schon sehr stark.
Meine erste KREATOR war "Renewal" gefolgt von "Coma Of Souls". Wie so oft neige ich auch dazu, hier meine Lieblingsalben zu verorten; zusammen mit "Terrible Certainty", "Outcast" und "Violent Revolution". Diese fünf Scheiben dürften auch meine meistgehörten sein.
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von Holger Andrae » Montag 13. Februar 2017, 23:11
Meine erste Kreator war eine Tapekopie des Tormentor-Demos. Vielleicht erklärt das meine Sichtweise. 
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Rüdiger Stehle » Montag 13. Februar 2017, 23:21
So geht's mir mit den ganzen Norwegern.
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von Holger Andrae » Montag 13. Februar 2017, 23:41
Wir verstehen uns.
Deine bisherigen Erkenntnisse hier kann ich voll und ganz nachvollziehen. Nebenan ist die Platte Gesprächsthema Nummer Eins.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von frankjaeger » Dienstag 14. Februar 2017, 10:41
Oh ja, ich erinnere mich an das Erscheinen von "Endless Pain". War ein Brett, aber mir damals zu heftig... 
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von Oliver Passgang » Dienstag 14. Februar 2017, 10:48
Dass wir "Violent Revolution" und "Enemy Of God" etwas unterschiedlich einschätzen, habe ich ja auch schon vermutet - und warum das so ist, das scheint ja auch nach deinen Eindrücken dann mehr als offensichtlich.  Positiv überraschend finde ich, dass auch dich "Hordes Of Chaos" positiv überrascht. Die Platte schien gedanklich bei mir tatsächlich etwas unterzugehen, aber sie ist wirklich bockstark!
Oh you ironic pop-rock fucks DON'T YOU FUCK WITH METAL!!!
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von mike » Dienstag 14. Februar 2017, 11:06
Mein Erstkontakt war die Pleasure To Kill, die ich von meiner Tanzpartnerin zum Tanzkurs Abschlußball geschenkt bekommen habe. Hat mir aber anfangs nicht so recht gefallen, so daß ich sie mit einem Kumpel gegen die zweite Exumer getauscht habe.
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