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von Peter Kubaschk » Montag 27. März 2017, 22:55
Dass "Violent Revolution" nicht wie die Frühwerke klingt, ist auf jeden Fall richtig. Es ist nur so, dass sich die Fans über eine Dekade nach "Extrem Aggression" und "Coma Of Souls" ein Album gewünscht haben, dass sich so anhört, wie ein in die Neuzeit transportiertes KREATOR-Album ohne große Experimente. Genau das ist passiert.
Ich persönlich mag auch die experimentelle Phase eigentlch ganz gerne, aber ich höre KREATOR eigentlich in letzter Zeit immer nur, wenn ein neues Album ansteht. Werde ich demnächst auch mal ändern.
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von Havoc » Donnerstag 30. März 2017, 20:44
Cooler Beitrag Feamorn. Solche Komplettdiscographiebewertungen lese ich immer besonders gerne. Und du hast wohl Recht...es ist sicher gar nicht so einfach die Band auf den einen typischen Sound zu reduzieren. Ich kenne bisher nur "Renewal", "Outcast", Violent Revolution", "Enemy Of God" und "Hordes Of Chaos". Finde alle auf ihre Art ganz gut. Habe zuletzt ja immer mal wieder was zu den Alben geschrieben. Über kurz oder lang werden sicher noch weitere Alben der Band in meine Sammlung wandern. Das ich jemals komplett sein werde glaube ich hier allerdings eher nicht. Aber mal sehn... 
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Havoc
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von Rüdiger Stehle » Freitag 31. März 2017, 01:31
Nachdem hier an allen Ecken und Enden gerade die Kreator-Diskographie gewälzt wird, und sich das alles sehr spannend anlässt, will ich das dann auch mal nicht abreißen lassen. Erst gab's von mir die letzten fünf Scheiben. Jetzt fangen wir mal ganz vorne an, bei der Phase, die hier den wenigsten so richtig nahe steht, wie mir scheint. Deshalb also wirklich GANZ VORNE:  Jo, ich glaube, es gibt fast keinen, der das Debüt wirklich als seinen ultimativen KREATOR-Favoriten nennen würde. Die "Pleasure", also der direkte Nachfolger, wird noch immer recht oft genannt, aber das Erstlingswerk nicht wirklich. Verständlich ist das, wenn man bedenkt, dass KREATOR in Sachen schwarzem Thrash und Teutonenthrash ja gerne als die musikalischste und anspruchsvollste Band gilt, und dass auch diese Musikalität zu einem Großteil dazu beigetragen hat, dass die Band so erfolgreich wurde und sich eine so große Fangemeinde erspielt hat. Nun hört man von dieser Musikalität und Technik auf "Endless Pain" noch sehr wenig. Das Ding ist rumpelig, grobschrotig, derb, nicht sonderlich differenziert produziert. Auch Mille ist noch nicht der charakteristische Fauchkönig späterer Jahre, und Ventor erinnert mich von der Phrasierung her auf dem Album immer an Quorthon. Dafür ist das Album räudig, giftig, gallig, böse, ungezähmt und wild. Einflüsse hört man von VENOM, von HELLHAMMER, sicherlich von MERCYFUL FATE (wenn man sich anstrengt), und vielleicht von RAVEN und MOTÖRHEAD. Auch DARK ANGEL und SLAYER stehen nicht allzu fern, wobei ich da mal nicht unterstellen will, dass Mille & Co. die seinerzeit schon als Einfluss hatten. Dafür schlägt auch immer mal wieder ein fetter Punk-Vibe durch. Damit war das Album neben VENOM und BATHORY zusammen mit den zeitgenössischen Alben der anderen beiden großen Teutonenkombos eine der Blaupausen des skandinavischen Black-Metal-Booms, dessen Einfluss man einigen Bands von dorten auch heute noch anhört. Doch der Einfluss war, so wie ich das sehe, nicht so stark wie der von DESTRUCTION und vor allem bei Weitem nicht so stark wie der von SODOMs Debüt. Zumindest nicht in Skandinavien. Dafür hat das Ding auf deutsche Schwarzheimdrescher wie DESASTER massiv abgefärbt (die in ihren frühen Jahren und auch später noch immer wieder gerne mal live 'Tormentor' gecovert haben, womit sie weder schlecht beraten noch allein waren); und auf die brasilianische Szene. Im Endeffekt denke ich, dass die Band auf der Scheibe noch - stärker als die beiden anderen Teutonenkombos - auf der Suche nach ihrem eigenen Charakter war. Die anderen waren schon charismatischer und definierter. Aber das macht "Endless Pain" keinen Deut schwächer. Es strotzt vor kultigen Hymnen aus der Frühzeit des Genres und ich würd das Ding nicht missen möchten. Highlights? 'Tormentor', 'Total Death', 'Son Of Evil', 'Flag Of Hate', 'Dying Victims'... Wenn ich also gesagt habe, dass "Violent Revolution" das beste Thrash-Album seit "Seasons In The Abyss" gewesen sei, dann mag das weiterhin Gültigkeit haben; aber es sagt halt gar nichts über das Frühwerk der Band aus, und daher überrasche ich die Gemeinde jetzt einfach mal mit dem temporären Update meiner geposteten Kreatorenbestenliste: 01. (NEU) Endless Pain02. (-1) Violent Revolution 03. (-1) Hordes Of Chaos 04. (-1) Phantom Antichrist 05. (-1) Gods Of Violence 06. (-1) Enemy Of God Sprich: Einmal mehr verfestigt sich die Regel, dass selbst grandiose post-2000er-Alben bei mir echt wahnsinnig selten eine Chance gegen Sachen aus der guten alten Zeit haben. Ich werd nach jedem weiteren Album die Liste updaten. Dann schauen wir mal, was am Ende ganz oben und ganz unten steht.
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von Rüdiger Stehle » Freitag 31. März 2017, 02:17
Feamorn hat geschrieben:So. Ich hatte mir je vorgenommen, mir ein Bild über Kreator in ihrer Zeit vor Violent Revolution zu machen. Das Gefühl, da ein abschließendes Urteil bilden zu können, fehlt mir noch immer. Ich werde aber mal ein paar meiner Gedanken teilen, die mich so beschäftigen. Vorher aber zwei Anmerkungen: (a) ich höre mich zur Zeit immer wieder durch die gesamte Diskographie, also auch die Sachen aus diesem Jahrtausend und (b) einige der Alben zu denen ich hier kommentieren werde habe ich erst zwei oder drei mal gehört, dementsprechend ungefestigt dürften die Meinungen sein.
Da bin ich sehr gespannt auf deine Eindrücke. Ich mach das Projekt mit und bin auf meine Ergebnisse ebenfalls gespannt, da ich die Alben früher zwar oft gehört habe, jedoch kaum eine davon in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren überhaupt nochmal. Die Hauptfrage, die mich zur Zeit beschäftigt ist "Wie klingen die 'echten' Kreator eigentlich? Oder wie sollten sie klingen?".
Vor dem kommenden Selbsttest würde meine Einschätzung der von Kubi ähneln. Die stildefinierende Phase, mit der sich der Sound entwickelte, den man gemeinhin mit KREATOR assoziiert, und den man in der Regel meint, wenn man einer jungen Band KREATOR-Einflüsse attestiert, dürften die Alben "Terrible Certainty", "Extreme Aggression" und "Coma Of Souls" sein. Das ist wohl der ikonische, prototypische KREATOR-Sound. Bei genauerem Hinsehen passt so eine Frage eigentlich nicht so ganz zu meiner Sicht auf Musik, ich stelle sie hier trotzdem mal, weil es gerade bei den heiß diskutierten Werkstücken der Band ja immer wieder mal Kommentare gibt wie "klingt gar nicht wie Kreator" oder ähnliches. Aber was meinen die Verfasser damit? Dass die Band nicht mehr so klingt, wie auf den ersten vier oder fünf Alben? Okay, bei Renewal kann ich die Aussage verstehen, bei Cause For Conflict auch noch, aber bei Endorama klang die Band schon seit bald zehn Jahren "nicht mehr wie Kreator". Dazu muss ich sagen, dass die Band auch auf ihrem viel umjubelten Revival nicht wirklich klingt wie "Kreator im Sinne der erste vier, fünf Alben". Klar, unten drunter ist der Thrash deutlicher auszumachen als in den experimentellen Neunzigern, aber die Kreator des 21. Jahrhunderts vereinigen Elemente sämtlicher vorheriger Inkarnationen.
Klar, KREATOR ist eine sehr wandelbare Band, mit Fug und Recht, und war auch in all ihren Inkarnationen immer mindestens spannend für mich, eigentlich auch immer mindestens gut bis sehr gut. Trotzdem gibt's halt bei fast allen Bands dieser wandelbaren Art auch einen Albenkern, der bei oberflächlicher Betrachtung oder vom "gemeinen Volk" (unter Fans und Journalisten) - also nicht den Die Hards, die alle Alben verschlingen - als der Prototyp eines KREATOR-Albums gilt. Ich muss dazu sagen, dass ich mit der Bewertung des "wie früher Klingens" vermutlich auch deshalb Probleme habe, weil ich persönlich mit den Alben bis einschließlich Terrible Certainty so meine Probleme habe. Ich bin kein eingefleischter Thrasher und dementsprechend nehme ich vieles vermutlich auch anders war. Andererseits gefällt mir die Vorphase der Kollegen von Sodom im vergleich deutlich besser, es ist also, auch die emotionelle Verbindung zu Sodom subtrahiert, kein prinzipielles Stilproblem. Sodom haben mich auf meiner Metallischen Geschmacksfindung begleitet, ich habe mich früh mit den alten Werken der Band beschäftigt.
Ist bei mir auch so. SODOM kam bei mir auch früher und hat mich stärker beeinflusst, gerade mit den Alben bis "Agent Orange", speziell die "In The Sign Of Evil"; auch weil die so massiv stark den norwegischen BM beeinflusst hat, ist das für mich ein ganz besonderes Ding. Bei Kreator liegt der Fall anders. Mein Erstkontakt war Endorama, kurz danach kam Outcast dazu, das war es ersteinmal. Dann kam Violent Revolution, die ich zwar "gut" fand, aber bei mir Endorama niemals den Rang ablaufen konnte. Fortan habe ich Kreator eher so am Rande wahrgenommen, bis ich vor ein paar Jahren, glaube im Zuge der Phantom Antichrist VÖ(?), auf Hordes Of Chaos gestossen bin, das hat mein Feuer für die Band dann entfacht, ich habe also die Horden, das Phantom und das Frühwerk bis einschließlich '89 erworben, die alten Sachen aber fast nicht gehört. COS, Renewal und CFC habe ich erst kürzlich erworben.
Erstkontakt waren, wenn ich mich recht entsinne, die Videoclips zu "Betrayer" und "People Of The Lie". Als ich dann 1992 den Clip zu "Renewal" sah, habe ich mir mit eben dieser Scheibe dann auch das erste Album gekauft. Die Folgealben fand ich gut. "Endorama" dann erst mal ganz schlimm. Gothic-Einflüsse waren seinerzeit ein No-Go für mich. Hab mich später aber dann doch damit arrangiert. Zu "Endorama" und deiner Analyse hierzu sage ich dann was, wenn ich die nach ca. 15 Jahren erstmals wieder angehört haben werde.
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von Jhonny » Freitag 31. März 2017, 08:40
Finde ich hier alles großartig und lese mit viel Interesse mit. Weiter so!
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von Rüdiger Stehle » Freitag 31. März 2017, 16:32
 Nur ein Jahr nach dem Debüt liegt 1986 bereits der Nachfolger vor, und mit "Pleasure To Kill" gelingt Mille, Ventor & Rob bereits ein kleines Kunststück, denn die Band schafft es, sich zu entwickeln, noch extremer zu werden, dabei auch eigenständiger, aber trotzdem ein urwüchsiges, brachiales und ungehobeltes Album einzutrümmern. Die Riffs und Leadgitarren emanzipieren sich weitgehend von den Vorbildern in Venom und Hellhammer, speziell Milles Gesang nähert sich seinem giftig und gallig speiendem und fauchenden Selbst, und auch wenn wir sicher hier und da dafür mehr early-Slayer-Input vernehmen, ist mit "Pleasure To Kill" definitiv der Grundstein dessen gelegt, was man später mal als Kreator-Trademark-Sound lobpreisen wird. Dadurch, dass Ventor weiterhin Songs übernimmt (das legendäre "Riot Of Violence"), bleibt auch ein gewisser Abwechslungsreichtum und das Speed-Metal-Element vorhanden. Was neben den genannten Elementen und der unglaublichen Hitdichte, sowie der atmosphärisch extrem passenden Stimmung (man beachte das starke Intro) die Platte jedoch ganz besonders macht, ist die - nicht nur im Zeitkontext, sondern ganz allgemein - unglaublich hohe Brutalität und Aggression des Albums. Hier sind die Ruhrpott-Thrasher nicht mehr nennenswert von den Härtegraden der etwa zeitgleich anrollenden Alben von Death, Possessed und Morbid Angel entfernt, so dass man "Pleasure To Kill" sicherlich auch unproblematisch zu den Geburtshelfern des Death Metals zählen darf. Von den bisher von mir hier besprochenen Alben ist "Pleasure To Kill" damit das einflussreichste und auch für mich subjektiv beste Album. Wir werden dann sehen, wie im Jetzt und Hier dann bald "Terrible Certainty" abschneidet, das auch mal eine Weile lang mein Kreator-Favorit war. 01. (NEU) Pleasure To Kill02. (-1) Endless Pain 03. (-1) Violent Revolution 04. (-1) Hordes Of Chaos 05. (-1) Phantom Antichrist 06. (-1) Gods Of Violence 07. (-1) Enemy Of God
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von salisbury » Freitag 31. März 2017, 20:37
Nee, der olle Kram von KREATOR ist mal gar nix für mich, kann ich nich hören, brrrr...  Ich empfinde das auch nicht als hart oder aggressiv, eher als doof und pubertär.
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von Havoc » Freitag 31. März 2017, 21:31
Die alten Alben reizen mich auch erst mal weniger. Meine bisherige Reihenfolge lautet. 1. Enemy Of God 2. Violent Revolution 3. Outcast 4. Hordes Of Chaos 5. Renewal 
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von salisbury » Freitag 31. März 2017, 21:46
Havoc hat geschrieben:Die alten Alben reizen mich auch erst mal weniger. Meine bisherige Reihenfolge lautet. 1. Enemy Of God 2. Violent Revolution 3. Outcast 4. Hordes Of Chaos 5. Renewal 
Renewal und Violent Revolution. Den Rest hör ich kaum. Coma Of Souls ist noch ganz gut.
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von Holger Andrae » Freitag 31. März 2017, 22:17
Kaum ist in diesem Forum mal von Metal die Rede, gibt es gleich wieder großartige Attribute dafür. Hauptsache modern ist "innovativ". Manchmal möchte man sich hier nicht einloggen.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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