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von Havoc » Dienstag 2. Februar 2021, 22:58
Platz 9Utgard (VÖ: Oktober 2020, Spielzeit: ca. 44 min) Wie bereits im Thread vor Wochen berichtet, tat ich mich anfangs sehr schwer mit dem neuesten Output. Der eigentlich übliche und gewohnte „Wow-Effekt“ blieb ganz einfach aus. Und dennoch hat es das Ding am Ende des vergangenen Jahres noch bis auf den dritten Platz meiner Jahrescharts geschafft, da es mit der Zeit enorm gewachsen ist. Da das Album immer noch relativ frisch ist, obwohl ich es wirklich schon sehr oft gehört habe, ist die Einsortierung hier wohl noch am allerschwierigsten. Trotz der erwähnten Steigerung und wirklich extrem tollen Songs wie „Homebound“ und „Distant Seasons“ finde ich das Album allerdings immer noch ein kleinwenig ungewöhnlich. Das mag allen voran am, ich nenne es mal Popsong, „Urjotun“ liegen. Wobei ich mich eigentlich immer auf den Song freue, da er mutig und einfach cool ist. Weiterhin fehlt mir bei einem Song wie z.B. „Jettegryta“ immer noch der letzte Funke Genialität. Ich finde das Werk wirklich toll, aber es kommt dennoch irgendwie nicht ganz an meine absoluten Favoriten der Band ran. Mich beschleicht das Gefühl, dass das auch so bleiben wird. Warum kann ich letzten Endes gar nicht so genau sagen. Dennoch irgendwie bezeichnend, dass ich gleich den allerersten Durchgang nicht so vollends überzeugend fand. Die 44 Minuten (zweitkürzestes Album) vergehen dennoch wie im Flug und ich lege das Album auch oft und gerne auf. Also alles wieder mal mehr als nur im grünen Bereich. So vollends schlau bin ich aber immer noch nicht aus dem Album geworden. Die verschiedenen Durchläufe sind immer noch ziemlich schwankend. Von daher kann ich es erstmal noch nicht höher einsortieren. Mal sehen wie das in ein paar Jahren aussieht. 
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von Havoc » Mittwoch 3. Februar 2021, 22:12
Platz 8Frost (VÖ: August 1994, Spielzeit: ca. 50 min)  Das wohl kultigste und sagenumwobenste Werk der Norweger startet, wie es sich auch eigentlich gehört, mit einem mystisch anmutenden Intro. Der Übergang zum ersten Track „Loke“ ist dann fabelhaft. Die einsetzenden Drums sind göttlich und die Produktion ist viel druckvoller und sauberer als man es vielleicht bei einem solch älteren rohen Schinken vermuten würde. Diesen besitze ich natürlich nicht seit den Neunzigern, sondern habe es erst nachgekauft. Es schlug damals nicht unbedingt wie eine Bombe ein. Wohl auch deswegen, da ich von Enslaved halt anderes gewohnt war. Aber in letzter Zeit haben fast alle der älteren Werke etwas an Strahlkraft bei mir hinzugewonnen. Nach dem ziemlich harten „Loke“ folgt mit dem längeren „Fenris“ ein sehr starker Song, der bereits viele typische Facetten enthält, die auch später immer wieder bei Enslaved auftauchen. Spoken Words, Akustikgitarren, rockige Momente, Raserei und natürlich Grutle´s über allem thronenden Vocals. Sowieso muss man Herrn Kjellson echt mal hervorheben. Er kreischt so dermaßen böse und kehlig, aber dennoch meistens zumindest halbwegs verständlich. Das ist schon große Klasse. Auch die Keyboards bzw. die Sounds die Ivar aus seinem Soundgerät herausholt, sind heute wohl kaum mehr reproduzierbar. Das klingt zwar eigentlich billig, verbreitet aber dennoch eine einzigartige Atmosphäre. Das ging irgendwie auch bei anderen Bands eben nur in den 90ern. Wie ich es schon im Thread erwähnt hatte finde ich es auch krass, dass die Band damals tatsächlich auch live in den auf der Rückseite der Hülle abgebildeten Kostümen aufgetreten ist. Im Endeffekt ist „Frost“ die logische Weiterentwicklung des Debüts und die Blaupause für alles was folgen sollte. Ich finde Frost schon eine ganze Ecke stärker, da es deutlich songorientierter und abwechslungsreicher ist. Das ruhige „Yggdrasil“ und das treibende „Gylfaginning“ bringen das z.B. gut zum Vorschein. Wirklich ein legendäres Album! Ich kann es aber nicht noch höher in der Rangfolge einbauen, da mir die neuere Phase, mit der ich die Band kennen gelernt habe, eben einfach immer noch mehr bedeutet. Ab jetzt folgt meine persönliche „Big 7“ (mit den Alben verbinde ich einfach am meisten!) der Band! 
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von Pillamyd » Mittwoch 3. Februar 2021, 22:15
Oha, jetzt wollte ich gerade deine nächste Platzierung kommentieren. Aber wenn du gerade eine neue Platzierung raushaust, warte ich erst einmal.
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von Pillamyd » Freitag 5. Februar 2021, 00:27
Havoc hat geschrieben:Platz 12Vikingligr Veldi (VÖ: Februar 1994, Spielzeit: 51 min) Hach ja. Das legendäre und nur relativ schwer erhältliche Debüt habe ich ja erst vor kurzem zum quasi Normalpreis ergattern können. Seit Jahren war das wohl die Lücke in meiner Sammlung die ich am schmerzhaftesten empfand. Nun kann ich auch endlich mal guten Gewissens eine vernünftige komplette Liste aller Alben erstellen. Und obwohl ich das Album richtig stark finde kommt es bereits relativ früh an die Reihe. Es ist weniger Raserei drauf als ich es mir vorgestellt hatte. Aber hymnenhafter Viking Metal ist das halt auch nicht. Auch purer Schwarzmetall geht irgendwie anders. Enslaved waren schon beim Debüt eine etwas andere ungewöhnliche Band mit einem ganz eigenen Ansatz und Sound. Insgesamt ist mir das Album womöglich ein kleinwenig zu monoton. Vielleicht ist das aber auch so gewollt, da es einen halt auch dadurch in einen Trance-Strudel zieht. Kann durchaus sein, dass ich es irgendwann mal bereue, es nur auf den 12. Rang gesetzt zu haben, aber Stand heute muss ich halt noch elf weiteren Alben den Vortritt lassen. Auf einem solch starken Debüt-Fundament kann man ruhigen Gewissens eine Karriere aufbauen.
Vikingligr Veldi: Ich habe das Album selbst auch noch nicht so lange. Das Album trägt aber auch schon ungehört eine Art Mystik mit sich. Die ganze Optik des Covers, das neblige Grün, welches den Helm umgibt. Dazu dann meine Vorstellung darüber wie ein solches Album wohl klingen mag. Da hat sich in meinem Kopf schon einiges abgespielt. Ich habe bis zum Kauf der LP tatsächlich noch keinen Ton gehört. Ja und was soll ich sagen? Ich war von Sekunde 1 total gefesselt. Das ist genau das was ich hören wollte. Dieses klirrende wie im Opener. Diese Keyboard Melodie in dem Song ist auch hinterlistig. Ich habe mich da jetzt schon öfters beim Pfeifen erwischt. Die Kälte wie in „Midgards Eldar“. Und diese ungezügelte Rohheit der damals sehr jungen Band. Unfassbar was aus deren Federn schon damals komponiert wurde. Man höre sich nur einen Song wie „Vetranótt“ an. Ich hatte etwas Angst, dass dieses mystische, verloren gehen würde, wenn ich das Album hören würde. Aber dem ist nicht so. Das Gedachte hat sich nur gefestigt und trägt natürlich dazu bei, dass das Album von mir so euphorisch aufgenommen wurde. Anders als bei Havoc glaube ich nicht, dass ich die Platzierung irgendwann bereuen werde. Ich beuge eher vor und setze das Teil sehr weit hoch Mein Ranking: 2. Vikingligr Veldi 3. Monumension 4. Eld 6. Blodhemn
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von Rüdiger Stehle » Freitag 5. Februar 2021, 00:42
Schön beschrieben, in diesen Worten finde ich vieles wieder, was auch mir zu "Vikingligr Veldi" einfällt. Zur Mystik außerhalb der Musik hat seinerzeit auch beigetragen, dass die Scheibe die letzte Veröffentlichung auf Deathlike Silence Produktions war, die posthum nach Euronymous Tod erschienen ist, und dann mehr oder minder inoffiziell über den damaligen Vertrieb Voices of Wonder vertrieben wurde. Dieser Teil der Geschichte spielt sicher auch eine Rolle dabei, dass es oftmals schwer zu bekommen war.
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von Pillamyd » Freitag 5. Februar 2021, 00:51
Ui, das war mir gar nicht so bewusst. Unter welchen Fittiche war denn das Label nach dem Tod Euronymous?
Schön das du mir da zustimmst. Das Album ist einfach wundervoll.
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von Rüdiger Stehle » Freitag 5. Februar 2021, 01:27
Details weiß ich auch nicht, aber Euronymous hatte in der Endphase auf jeden Fall für DSP einen Vertriebsdeal mit Voices of Wonder, und die haben dann nach seinem Tod wohl noch das abverkauft, was auf Halde war, und das gepresst, was die Bands schon abgeliefert hatten.
Etwa zeitgleich mit "Vikingligr Veldi" (ANTI-MOSH 008, Februar 1994) war das die zweite ABRUPTUM "In Umbra Malitiae..." (ANTI-MOSH 009, April 1994). War also die Vorletzte, nicht die Letzte; das hab ich vorher verwechselt, weil die Abruptum früher aufgenommen wurde.
Warum das VoW dann nimmer weiter betrieben hat, weiß ich nicht. Die weiteren geplanten Releases, die DSP nicht mehr machen konnte (das MONUMENTUM-Debüt "In Absentia Christi") sowie weite Teile des Backprogramms (BURZUM), wurden dann von Misanthropy Records in England übernommen, wo mit der "Wolf's Lair Abyss" dann ja auch zunächst MAYHEM landete, was zu der bizarren Situation führte, dass auch nach dem Mordfall wieder Burzum und Mayhem gemeinsam auf einem Label waren.
Die MAYHEM-Scheiben (Deathcrush, De Mysteriis) wurden/werden ja weiter als DSP-Releases vermarktet oder auf Vinyl an Back On Black lizenziert. Ich meine, dass dahinter der Voices of Wonder-Nachfolger VME in Norwegen steckt, denn die haben Mayhem immer noch als Artist im Roster ihrer Homepage stehen. Aber Sicheres weiß ich nicht.
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von Pillamyd » Freitag 5. Februar 2021, 18:15
Letztens wurde ich gefragt was ich denn da höre (wohl zu laut aufgedreht). Mit der Musik konnte man nicht so viel anfangen. Aber als ich versucht habe zu erklären woher das kommt und was da alles damals passiert ist wurde gespannt zugehört.
Solche Einzelheiten wie diese hier jetzt, finde ich spannend zu lesen. So grob kennt man ja die Geschichte dahinter. Aber so richtig viel Hinterstübchen Wissen kriegt man ja nicht allzu oft geliefert.
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von Havoc » Freitag 5. Februar 2021, 21:55
Pillamyd hat geschrieben:Solche Einzelheiten wie diese hier jetzt, finde ich spannend zu lesen. So grob kennt man ja die Geschichte dahinter. Aber so richtig viel Hinterstübchen Wissen kriegt man ja nicht allzu oft geliefert.
Finde ich auch interessant. Rüdiger ist da wirklich mehr als ein Experte. Danke für die Infos. Pillamyd hat geschrieben:Mein Ranking: 2. Vikingligr Veldi 3. Monumension 4. Eld 6. Blodhemn
Hui! Die "Veldi" auf Silber. Dann kann ja eigentlich nur die "Frost" auf 1 sein, was ich durchaus verständlich finden würde. Aber ist das so? Bin mir nicht sicher. Vielleicht ja auch ein anderer heimlicher Liebling? Womöglich die "Utgard"? Spannende Sache. Das macht hier gerade echt Bock. Das hatten wir in der Form ewig nicht mehr in diesem Forum. Das habe ich vermisst. Wenn ich da an die Besprechungen zu Symphony X mit Revan und Germon zurück denke...das fehlt mir echt. Also weiter so. Interessant auch, dass du als auch progaffiner Hörer schon eher die alten Kamellen oben am Start hast. Hatte da schon ein wenig mehr die neueren Sachen erwartet. Mach ruhig erst mal weiter...ich verschnaufe gerade ein wenig bzw. ich höre weiter Enslaved. Die Big 7 müssen noch in eine Reihenfolge gebracht werden. Das ist noch nicht fix. Selbst über die Nummer 1 grüble ich noch.  Also...du kannst ruhig schon mal was nachziehen. 
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von Pillamyd » Freitag 5. Februar 2021, 22:50
Havoc hat geschrieben:mehr in diesem Forum. Das habe ich vermisst. Wenn ich da an die Besprechungen zu Symphony X mit Revan und Germon zurück denke...das fehlt mir echt. Also weiter so.
Schade das die nicht mehr hier sind. Ich glaube da hätte es einiges an tollen und witzigen Gespräche geben können. Gerade jetzt wo ich so im Overkill-Wahn bin. Havoc hat geschrieben:Interessant auch, dass du als auch progaffiner Hörer schon eher die alten Kamellen oben am Start hast. Hatte da schon ein wenig mehr die neueren Sachen erwartet.
Das hat sich in den letzten 3-4 Jahren schon ordentlich Verschoben. Ich will jetzt nicht sagen, dass "The Astonishing" den Bruch war, schließlich hab ich erst danach Sachen wie alte "Spock's Beard" kennengelernt. Aber im großen und ganzen liegt mein Fokus schon länger auf andere Musik. Es wäre jetzt auch vermessen zu sagen, dass mir manche Bands zu schnell Sachen raushauen und dann auch noch meistens in Kinolänge. Aber das scheint zu einem Trend geworden zu sein. Trotzdem bin ich gespannt auf die neue "Transatlantic". Ein größerer Faktor liegt eher darin, dass mir dieser neumodische Prog einfach nicht zusagt. Havoc hat geschrieben:Mach ruhig erst mal weiter...ich verschnaufe gerade ein wenig bzw. ich höre weiter Enslaved. Die Big 7 müssen noch in eine Reihenfolge gebracht werden. Das ist noch nicht fix.
Ich denke ich werde zu ein oder zwei Alben heute noch meinen Senf dazugeben.
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