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von Jesus » Dienstag 9. November 2010, 13:45
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Konsequent zu Ende gedacht, ist es dann doch so, dass ein richtiger Verriss nur dann etwas wert ist, wenn er von einem Genregänger, oder besser noch, von einem Fan der jeweiligen Band stammt. Sehe ich jedenfalls so, und das ist ja letztlich auch das, was mich zum Start der Diskussion veranlasst hat.
In Vaillants Rezension, die ja Stein des Antoßes ist, macht er aber schon den Eindruck, dass er sich auf dem Gebiet des Power Metals zumindest halbwegs auskennt und auch einige aktuelle Alben mag. Insofern sehe ich da jetzt kein Problem mit einem Verriss.
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von Rüdiger Stehle » Dienstag 9. November 2010, 14:33
Ja, dass er sich mit der Materie auskennt habe ich ja auch nie bestritten. Die Sache die mich bewegt, ist eher die, dass hier mit einem gewissen System immer wieder darauf hingewiesen wird, wie bescheiden doch zahlreiche Produkte aus diesem Genre sind. Siehe insbesondere die Rubrik "Garbage Day".
Ich bin jetzt sicher kein Fanboy, der sich darüber aufregt, wenn ein Magazin solche Rezensionen veröffentlicht. Und ich bin weit davon entfernt, mich unter die Kommentatoren zu gesellen, die dort in den Userkommentaren oder im Rock-Hard-Forum anlässlich der AK-Rezension schimpfen. Wenn die Mescaliner das tun wollen, dann sollen sie. Ich frage mich halt, was mich dazu bringen sollte, in steter Regelmäßigkeit die neuen Alben der üblichen Verdächtigen her zu nehmen, um - mal wieder - kundzutun, wie bescheiden ich die finde.
Wobei Vaillants Gamma Ray-Rezension jetzt echt nur der Auslöser für diesen Thread war, der an sich sehr allgemein intendiert ist.
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Rüdiger Stehle
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von Teichfrosch » Dienstag 9. November 2010, 16:07
Ich habe mich beispielsweise maßlos geärgert, als auf metal.de das Review zu SUBSIGNAL erschien (auch wenn das kein richtiger Verriss war, eigentlich ist es auch eher so, dass Bewertung und Text nicht zusammenpassen...). Es war zwar irgendwo fundiert, und sicher haben die Jungs auch AOR Elemente in ihrer Musik - denn wo bitte macht man da die Grenze? - aber das ganze rundheraus als AOR zu bezeichnen und auf Basis dieser Einschätzung dann das Review zu schreiben hat mich richtig auf die Palme gebracht. Für mich ein Paradebeispiel für eine Rezension, in der der Autor einfach irgendeinen Text schreibt und dann eine willkürliche Note dazu packt. Wenns wenigstens ein ordentlicher Verriss gewesen wäre, aber das war einfach ein irrelevant zusammengestecktes Stück Text ohne Bezug auf Musik oder die eigene Wertung. Mit anderen Worten: lieblos, uninteressiert, redundant. Das sind die schlimmsten Reviews in meinen Augen, wenn nämlich ein Redakteur weder eine richtige Abneigung gegen einen Stil hegt noch sich dafür richtig begeistern kann. Ungefähr so etwas würde heraus kommen wenn ich über klassischen Metal alá ACCEPT schreiben würde, ich finds einfach belanglos, auch wenn ich durchaus an manchen Elementen gefallen finde. Ich lese mit Begeisterung bitterböse Rezensionen in denen der Drachentötermetal-Liebhaber über eine Metalcorekapelle Tod und Verderben auslässt, die sind aussagekräftiger, unterhaltsamer und relevanter als ein "find ich weder gut noch schlecht, geht an mir vorbei wie nichts" Review. Daraus kann man wenigstens IRGENDETWAS herauslesen. Unabhängige, möglichst objektive Reviews mit Relevanz - unbedingt, aber die Leidenschaft muss zumindest für mich auch vorhanden sein. Selbst wenn ein Redakteur eine Band brutal unter- oder überbewertet - beim Probehören bilde ich mir immernoch eine eigene Meinung. Denn glücklicherweise kann ich mir ja eine eigene Meinung bilden, und zu polarisierenden Sachen mache ich das nunmal lieber.. Mir gefällt das Review von Vaillant jedenfalls sehr gut 
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von Vaillant » Dienstag 9. November 2010, 19:58
Puh... alles gelesen  Ein interessantes Thema... Nun, ich denke, ich setze mal an einem Punkt an, der mir immer wieder auffällt. Oft wird seitens des Auditoriums gesagt, "hey, wenn es dir nicht gefällt, dann rezensiere es halt nicht und hey, dann hörs eben nicht..." oder Standard-Argument Nummer 2 "Du bist neidisch, weil es sich um erfolgreiche Bands handelt, der Erfolg gibt recht". Da bin ich anderer Ansicht, klar. Ich höre VIEL Musik; so interessiert mich hier SEHR der Kontrast, der vor allem durch die Pole Jhonny und Jesus gegeben ist. Beide hören für mich interessante Sachen, wobei Jesus' Backkatalog mir insofern näher liegt, weil er für mich (der ich gern Jazz höre) als Postrock-, Black Metal- UND TOM WAITS-Fan mehr grenzüberschreitende musikalische Herausforderungen bildet; Jesus' Vorlieben bezügl. Musik sind somit zusammen mit der Fräulein Löwensteins, des Loenz und Eickes "exotischer", wenn ich das mal so sagen darf als die der anderen, welche mehr im konventionellen Sektor wildern, deren Tipps ich jedoch genauso gern lese. Obwohl mir also ORANSSI PAZUZU (feiner Tipp von Jesus und Regina übrigens) sehr zusagen, schreibe ich auch über METALIUM. Warum? Weil ich Power Metal kenne, welcher wirklich gut ist. METALIUM sind das nicht; sie, und SABATON oder lösen wir uns mal vom Fidelsektor und nehmen die letzte LACUNA COIL oder von mir aus SCAR SYMMETRY, machen Musik vom Reißbrett; die Kompositionen sind altruistisch, hausbacken, ohne Feuer. Das muss man auch sagen können. Klar, wenn man jemandes Lieblingsheroen abkanzelt, führt das zu Verdruss. Unsere "Garbage"-Ecke soll zeigen, wie dilettantisch z.B. Mittelalterbands vorgehen, wie substanzlos Alben klingen, welche in ca. 2-3 Wochen produziert werden, wie schlecht die gängige Praxis ist, substanzlose Alben solange zu polieren, bis sie zumindest "guten" Sound haben etc... Ich habe hier ca. 100 neue Alben, ca. 70% davon werden wieder einmal Eintagsfliegen sein, welche unbedingt eine Besprechung wünschen, CALIBAN-Imitate, HELLOWEEN-Epigone und VICIOUS RUMORS-Coverbands. Soll ich die jetzt einem Redakteur zum Rezensieren geben, der möglicherweise 7-8 verteilt, weil es bei mir 3/10 gäbe? Oder sollte man nicht sagen, okay, nichts Neues, hinfort damit, hatten wir schon? Nein, ich verteile die Note und die Besprechung, die mir angemessen erscheint; das kann ein Verriss sein. Warum Fans sich dadurch überhaupt angefahren sehen, ist mir unklar. Denn immerhin MUSS es doch andere Meinungen zu derartigen Outputs geben können. Man kann doch nicht wirklich ernsthaft sagen: "Wenn dem SABATON nicht gefällt, kann er nichts dazu schreiben". Zudem sind meine Reviews manchmal sehr hart, ein wenig vom Katheder her geschrieben, okay, aber nicht bösartig (habe z.B. nichts gegen ATLANTEAN KODEX oder deren Fans). Denn Satire und Überzeichnung muss sich gefallen lassen, wer etwas veröffentlicht; wenn jemand einen dilettantischen Roman ins Netzt setzen würde, würde es ja auch Kritik hageln... Übrigens interessant, dass VIRGIN STEELE z.B. keineswegs hochgejubelt werden; deren Album ist durchaus nicht schlechter (oder besser) als die Outputs von GRAVE DIGGER, HELLOWEEN oder EDGUY, aber irgend etwas, das fehlende Element zeitgemäßer Metal-Attitüde oder was auch immer lässt die gesamte Community, und darum geht es, über deren klägliche Songs, Davids Fistelstimmchen etc. herziehen. Nun ja, das wäre was für die Doktorarbeit Danke fürs Lob übrigens Les das jetzt nochmal, und falls ich was beantworten muss, werde ich das noch tun 
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von NorthernGuy » Dienstag 9. November 2010, 20:10
Vaillant hat geschrieben:Puh... alles gelesen  Ein interessantes Thema... Nun, ich denke, ich setze mal an einem Punkt an, der mir immer wieder auffällt. Oft wird seitens des Auditoriums gesagt, "hey, wenn es dir nicht gefällt, dann rezensiere es halt nicht und hey, dann hörs eben nicht..." oder Standard-Argument Nummer 2 "Du bist neidisch, weil es sich um erfolgreiche Bands handelt, der Erfolg gibt recht". Da bin ich anderer Ansicht, klar. Ich höre VIEL Musik; so interessiert mich hier SEHR der Kontrast, der vor allem durch die Pole Jhonny und Jesus gegeben ist. Beide hören für mich interessante Sachen, wobei Jesus' Backkatalog mir insofern näher liegt, weil er für mich (der ich gern Jazz höre) als Postrock-, Black Metal- UND TOM WAITS-Fan mehr grenzüberschreitende musikalische Herausforderungen bildet; Jesus' Vorlieben bezügl. Musik sind somit zusammen mit der Fräulein Löwensteins, des Loenz und Eickes "exotischer", wenn ich das mal so sagen darf als die der anderen, welche mehr im konventionellen Sektor wildern, deren Tipps ich jedoch genauso gern lese. Obwohl mir also ORANSSI PAZUZU (feiner Tipp von Jesus und Regina übrigens) sehr zusagen, schreibe ich auch über METALIUM. Warum? Weil ich Power Metal kenne, welcher wirklich gut ist. METALIUM sind das nicht; sie, und SABATON oder lösen wir uns mal vom Fidelsektor und nehmen die letzte LACUNA COIL oder von mir aus SCAR SYMMETRY, machen Musik vom Reißbrett; die Kompositionen sind altruistisch, hausbacken, ohne Feuer. Das muss man auch sagen können. Klar, wenn man jemandes Lieblingsheroen abkanzelt, führt das zu Verdruss. Unsere "Garbage"-Ecke soll zeigen, wie dilettantisch z.B. Mittelalterbands vorgehen, wie substanzlos Alben klingen, welche in ca. 2-3 Wochen produziert werden, wie schlecht die gängige Praxis ist, substanzlose Alben solange zu polieren, bis sie zumindest "guten" Sound haben etc... Ich habe hier ca. 100 neue Alben, ca. 70% davon werden wieder einmal Eintagsfliegen sein, welche unbedingt eine Besprechung wünschen, CALIBAN-Imitate, HELLOWEEN-Epigone und VICIOUS RUMORS-Coverbands. Soll ich die jetzt einem Redakteur zum Rezensieren geben, der möglicherweise 7-8 verteilt, weil es bei mir 3/10 gäbe? Oder sollte man nicht sagen, okay, nichts Neues, hinfort damit, hatten wir schon? Nein, ich verteile die Note und die Besprechung, die mir angemessen erscheint; das kann ein Verriss sein. Warum Fans sich dadurch überhaupt angefahren sehen, ist mir unklar. Denn immerhin MUSS es doch andere Meinungen zu derartigen Outputs geben können. Man kann doch nicht wirklich ernsthaft sagen: "Wenn dem SABATON nicht gefällt, kann er nichts dazu schreiben". Zudem sind meine Reviews manchmal sehr hart, ein wenig vom Katheder her geschrieben, okay, aber nicht bösartig (habe z.B. nichts gegen ATLANTEAN KODEX oder deren Fans). Denn Satire und Überzeichnung muss sich gefallen lassen, wer etwas veröffentlicht; wenn jemand einen dilettantischen Roman ins Netzt setzen würde, würde es ja auch Kritik hageln... Übrigens interessant, dass VIRGIN STEELE z.B. keineswegs hochgejubelt werden; deren Album ist durchaus nicht schlechter (oder besser) als die Outputs von GRAVE DIGGER, HELLOWEEN oder EDGUY, aber irgend etwas, das fehlende Element zeitgemäßer Metal-Attitüde oder was auch immer lässt die gesamte Community, und darum geht es, über deren klägliche Songs, Davids Fistelstimmchen etc. herziehen. Nun ja, das wäre was für die Doktorarbeit Danke fürs Lob übrigens Les das jetzt nochmal, und falls ich was beantworten muss, werde ich das noch tun 
OT an. Kannst Du evtl. mal den ein oder anderen Absatz machen. Es strengt mich wahnsinnig an Deine Posts zu lesen, insbesondere wenn sie so lang sind und dadurch lese ich sie meistens nicht zu Ende, obwohl sie so interessant sind. Danke Dir. OT aus.
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von Vaillant » Dienstag 9. November 2010, 20:14
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 10. November 2010, 03:25
Vaillant hat geschrieben:Nun, ich denke, ich setze mal an einem Punkt an, der mir immer wieder auffällt. Oft wird seitens des Auditoriums gesagt, "hey, wenn es dir nicht gefällt, dann rezensiere es halt nicht und hey, dann hörs eben nicht..." oder Standard-Argument Nummer 2 "Du bist neidisch, weil es sich um erfolgreiche Bands handelt, der Erfolg gibt recht".
Die Argumente sind m.E. auch nicht überzeugend. Zum einen soll natürlich ein Musikrezensent auch Dinge rezensieren, die ihm nicht gefallen. Wir brauchen ja keinen Blätterwald voller Claqueure. Dann könnten wir den EMP-Katalog lesen und als Ausgeburt musikjournalistischer Kompetenz feiern. Zum anderen würde ich dir auch nie im Leben unterstellen, dass du irgendwelchen Bands den Erfolg neidest. Der einzige "böse" Verdacht, der mir beim Lesen der Rezensionen auf eurer Seite durch den Kopf schießt, ist, dass ihr vielleicht ein Stückchen weit auf den "Schockwellen" reitet, die regelmäßige Verrisse besonders populärer Bands eben auslösen können. Das bringt euch als Seite natürlich mehr Aufmerksamkeit, als wenn ihr diese Bands ignorieren würdet, oder wenn ihr auf nette Weise sagt, dass das nicht euer Ding ist. Ich will das nicht einmal als per se negativ brandmarken, weil ein wenig Provokation ja durchaus auch zum journalistischen Handwerkszeug gehört. Obwohl mir also ORANSSI PAZUZU (feiner Tipp von Jesus und Regina übrigens) sehr zusagen, schreibe ich auch über METALIUM. Warum? Weil ich Power Metal kenne, welcher wirklich gut ist. METALIUM sind das nicht; sie, und SABATON oder lösen wir uns mal vom Fidelsektor und nehmen die letzte LACUNA COIL oder von mir aus SCAR SYMMETRY, machen Musik vom Reißbrett; die Kompositionen sind altruistisch, hausbacken, ohne Feuer. Das muss man auch sagen können.
Das rot Markierte ist für mich der Satz, der Rezensionen wie die deinigen zu Gamma Ray und Metalium letztlich "legitimiert". Auch wenn ich die Feststellungen in dieser Schärfe nicht teile, kann ich eine Rezension dann als ernsthaft und fundiert anerkennen, wenn ich weiß, dass der Rezensent dem Stil zumindest nicht generell verschlossen ist und sich mit der Materie auskennt. Ob dann Metalium und Gamma Ray für dich die Loser und Rhapsody dafür die Guten sind, das ist Jacke wie Hose; es gibt bestimmt genau so viele Hörer und Schreiber, die mit den selben Empfindungen unter umgekehrten Vorzeichen Gamma Ray loben und Rhapsody abkanzeln würden. Das passt dann schon. Klar, wenn man jemandes Lieblingsheroen abkanzelt, führt das zu Verdruss. Unsere "Garbage"-Ecke soll zeigen, wie dilettantisch z.B. Mittelalterbands vorgehen, wie substanzlos Alben klingen, welche in ca. 2-3 Wochen produziert werden, wie schlecht die gängige Praxis ist, substanzlose Alben solange zu polieren, bis sie zumindest "guten" Sound haben etc...
Die Garbage-Ecke geht mir vom persönlichen Empfinden her dann doch ein bisschen zu weit. Klar, wenn dann eine Band dabei ist, die ich auch blöd finde, muss ich natürlich auch schmunzeln, während ich bei anderen abgewatschten Bands nur mit dem Kopf schütteln kann. Dass ich mich drüber aufregen würde, oder es zu Verdruss führen würde, ist allerdings nicht der Fall. Dazu nehme ich (eure und meine) Rezensionen viel zu wenig wichtig. Wenn ich allerdings den Darkthrone-Verriss sehe, der die bevorstehende VÖ zum Anlass nimmt, die vier Vorgängerscheiben einmal knapp im Schnelldurchgang mehr oder minder inhaltsleer als Müll, Scheiß, Dreck und was weiß ich noch alles zu bezeichnen, dann sieht das schon ein bisschen anders aus. Klar, kann man machen, muss man aber nicht, wenn man sich für ein gewisses Niveau nicht zu schade ist. Das ist dann so eine Sache von wegen Bescheidenheit, Anstand und all dem nutzlosen Knigge-Zeug, und es ist dann auch keine Satire, sondern einfach gar nichts mehr. Klar, man könnte wohlwollend hinein interpretieren, dass der Kollege seine Schreibe dem von Darkthrone gepflegten Fuck-off-Minimalismus angepasst habe, um so deren derzeitige Philosophie ironisch zu überzeichnen, aber das wäre wohl zu sehr geschmeichelt. Ich habe hier ca. 100 neue Alben, ca. 70% davon werden wieder einmal Eintagsfliegen sein, welche unbedingt eine Besprechung wünschen, CALIBAN-Imitate, HELLOWEEN-Epigone und VICIOUS RUMORS-Coverbands. Soll ich die jetzt einem Redakteur zum Rezensieren geben, der möglicherweise 7-8 verteilt, weil es bei mir 3/10 gäbe? Oder sollte man nicht sagen, okay, nichts Neues, hinfort damit, hatten wir schon? Nein, ich verteile die Note und die Besprechung, die mir angemessen erscheint; das kann ein Verriss sein.
Mich nerven die ganzen Kopien auch, wenn ich sie als solche wahrnehme. Und wenn das Kopieren zu arg wird, dann schreibe ich das natürlich auch. Da ich aber weiß, dass es stilistisch sehr limitierte Hörerschichten gibt, die lieber die zwanzigste Helloween-Kopie kaufen, als einmal über den Tellerrand zu blicken, halte ich es dann für angezeigt, ohne mein Missfallen zu verhehlen, zumindest dieser Zielgruppe auch das Hineinhören anzuraten, und daher die Band nicht nur auf Grundlage meiner persönlichen Missachtung abzuwatschen. Mir bereitet das einfach keinen Spaß, auf etwas herum zu trampeln. Es ist für mich viel spannender, heraus zu finden, WEM um ALLES IN DER WELT, das gefallen könnte. Meistens kann ich mir jemanden vorstellen... Warum Fans sich dadurch überhaupt angefahren sehen, ist mir unklar. Denn immerhin MUSS es doch andere Meinungen zu derartigen Outputs geben können. Man kann doch nicht wirklich ernsthaft sagen: "Wenn dem SABATON nicht gefällt, kann er nichts dazu schreiben".
Da bin ich deiner Meinung. Wer als Band oder als Fan ein bisschen Selbstbewusstsein hat, der sollte über derlei Dingen stehen. Die Intentionen hinterfragen, ist aber dann auch wieder etwas anderes, als sich angefahren fühlen. Zudem sind meine Reviews manchmal sehr hart, ein wenig vom Katheder her geschrieben, okay, aber nicht bösartig (habe z.B. nichts gegen ATLANTEAN KODEX oder deren Fans). Denn Satire und Überzeichnung muss sich gefallen lassen, wer etwas veröffentlicht; wenn jemand einen dilettantischen Roman ins Netzt setzen würde, würde es ja auch Kritik hageln...
Ja. Oder unsachliche Rezensionen. Übrigens interessant, dass VIRGIN STEELE z.B. keineswegs hochgejubelt werden; deren Album ist durchaus nicht schlechter (oder besser) als die Outputs von GRAVE DIGGER, HELLOWEEN oder EDGUY, aber irgend etwas, das fehlende Element zeitgemäßer Metal-Attitüde oder was auch immer lässt die gesamte Community, und darum geht es, über deren klägliche Songs, Davids Fistelstimmchen etc. herziehen. Nun ja, das wäre was für die Doktorarbeit
Nun, bei aller Liebe zu VS finde ich deren neues Album schon deutlich schlechter als die aktuellen Werke von Helloween und Grave Digger. Die aktuelle Edguy habe ich vollständig vergessen, zu der kann ich keine Vergleich mehr anstellen. Was das mit einem "fehlenden Element zeitgemäßer Metal-Attitüde" zu tun haben sollte, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Für mich hat es einfach damit zu tun, dass diese Band schon so viel besser war, dass dieses Werk dem Namen der Band nicht mehr gerecht wird. Das sehe ich bei Helloween (die ich noch immer fast gleich stark finde wie in den Achtzigern und Neunzigern) und Gamma Ray (die zwar nicht mehr bei 100% sind, aber immerhin noch bei 70% ihrer einstigen Klasse) eben grundlegend anders. Das ist natürlich Geschmackssache, aber irgend eine nebulöse "zeitgemäße Metal-Attitüde" hinter diesem Phänomen zu vermuten, finde ich weit her geholt.
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von darklord » Mittwoch 10. November 2010, 14:44
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Die Garbage-Ecke geht mir vom persönlichen Empfinden her dann doch ein bisschen zu weit. Klar, wenn dann eine Band dabei ist, die ich auch blöd finde, muss ich natürlich auch schmunzeln, während ich bei anderen abgewatschten Bands nur mit dem Kopf schütteln kann. Dass ich mich drüber aufregen würde, oder es zu Verdruss führen würde, ist allerdings nicht der Fall. Dazu nehme ich (eure und meine) Rezensionen viel zu wenig wichtig. Wenn ich allerdings den Darkthrone-Verriss sehe, der die bevorstehende VÖ zum Anlass nimmt, die vier Vorgängerscheiben einmal knapp im Schnelldurchgang mehr oder minder inhaltsleer als Müll, Scheiß, Dreck und was weiß ich noch alles zu bezeichnen, dann sieht das schon ein bisschen anders aus. Klar, kann man machen, muss man aber nicht, wenn man sich für ein gewisses Niveau nicht zu schade ist. Das ist dann so eine Sache von wegen Bescheidenheit, Anstand und all dem nutzlosen Knigge-Zeug, und es ist dann auch keine Satire, sondern einfach gar nichts mehr.
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von Vaillant » Mittwoch 10. November 2010, 15:41
Nun sind die letzten DARKTHRONE-Sachen wirklich grausig. Das kann man auch sagen, da muss man jetzt nicht von der Musikschule kommen, um das zu hören. Sagen die Macher ja sogar selbst. Was daran Fuck-Off-Spirit sein soll, ist mir unklar. Einfach irgend etwas einzukloppen? Bedeuten Anstand und Knigge automatisch, immer Lob für jede Form von Kitsch, Dilettantismus, Reißbrettkocherei oder trven Spirit entsprechende Würdigung in der Backhand zu halten? Nö  Fairness dokumentiert sich m.E. KEINESWEGS daran, dass ich gute Noten verteilen soll oder so lange warte, bis ich jemand finde, der auch für Flickschusterei wie DARKTHRONE, die letzte LACUNA COIL oder CREMATORY 8 Punkte gibt bzw. mich, wie Rüdiger es sagte, mich frage, für wen das wohl interessant sein könnte. Sondern es kann auch fair sein, Leute auf die schlappe Qualität so mancher VÖ hinzuweisen. Man kann auch mal unschöne Worte benutzen, denn Scheiß muss man ja nicht unbedingt zu Gold reden imo. Auch wenn sie mal "Verdienste" hatten oder gute Alben... Die letzten CDs von DARKTHRONE waren uninspiriert, die Songs unterschiedlich produziert, der Gesang gruselig, die Kompositionen uneben. Okay, auch die werden noch irgendwem gefallen, wenn man lange genug rumrennt... Werden STRIBORG auch oder THE MENTORS oder Dieter Bohlen. Auf jeden Fall soll Garbage die Leute dazu bringen, sich andere Bands anzuhören, bzw. selbst etwas kritischer an derartige Alben heranzugehen. Dass manche sich dabei vorkommen werden, als hätte man ihnen das Spielzeug weggenommen, nun, c'est la vie. Das Leben ist hart! Okay, da wird es bei verschiedenen Positionen bleiben, ich seh schon 
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von scumi » Mittwoch 10. November 2010, 22:25
Also ich als Nicht-Musikjournalist sehe mich eher auf Rüdigers Seite. Ich mag im allgemeinen eine nüchterne und nach Möglichkeit objektive Schreibe, nicht nur bei Kritiken sondern auch bei der allgemeinen Berichterstattung. Ich finde es meist unerträglich wenn sich bestimmte Journalisten zu Hasstriaden, Verrissen oder Jubelarien hinreißen lassen. Da kann ich mir auch Forenbeiträge in diversen Foren durchlesen. Kein Problem dammit wenn ein Autor eine bestimmte Scheibe oder Band mag oder nicht aber es darf dann im Text nicht zu sehr ausarten, dass wirkt schnell mal unglaubwürdig und unprofessionel.
Es ist auch überhaupt kein Problem Dinge kritisch anzusprechen ohne einen Verriss zu schreiben. Gamma Ray kritisiere ich seit Jahren für ihr Kopieren aber ich finde die Alben trotzdem gut und bin Fan der Band. Man kann ja druchaus ne differenzierte Meinung haben. Im allgemeinen find ich es gut wenn sich Journalisten nicht anbiedern und nicht mit Verissen oder Jubelgesängen auf sich aufmerksam machen wollen. Ich fand zum Beispiel den Mut von powermetal.de das jüngste Maiden-Album als das zu stempeln was es ist, namlich durchschnittlichste Durchschnittsware, sehr bemerkenswert.
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