Der Kurzreview-Thread

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Jens Wilkens » Montag 20. Juni 2022, 20:07

JONAH QUIZZ - Ultimate Anthology (Cult Metal Classics 2020)

Ich wollte schon seit einiger Zeit mal etwas über eine Band aus der Frühphase des schwedischen Heavy Metal schreiben, schon deshalb, weil ich kaum ein "Album" (es ist eine natürlich eine Compilation) in den letzten beiden Jahren häufiger gehört habe.
Hier erst einmal die Besetzung:
Anders Bergman (Gitarre), Tony Bohman (Gitarre), Kenth Edvardsson (Bass), Johan Längqvist (Gesang), Anders Lindgren (Schlagzeug).
Ja, in der Tat: Es ist DER Johan Längqvist von CANDLEMASS, der uns mit "Epicus Doomicus Metallicus" 1986 eine wahre Göttergabe geschenkt hat! Auf den Demos, die JONAH QUIZZ produziert hat, konnte er schon seine Klasse zeigen.

Den Stil würde ich als ungeschliffene Annäherung an das Debüt von IRON MAIDEN gepaart mit dem hymnischen Gespür von HEAVY LOAD beschreiben.

Das erste Demo (Seite A der Vinyl-Fassung der Compilation) wurde 1980 aufgenommen. Der Sound ist noch recht ungestüm und ungeschliffen und hat eine ganz leicht Punk-Grundierung, gefällt mir aber ausgesprochen gut. Den Anfang macht 'Förstör inte ditt liv' (Ruiniere nicht dein Leben), das ein simples, aber wirkungsvolles Riff hat und gut ins Ohr geht. Auch 'Varför' (Warum) gefällt mir sehr gut, ist aber beim ersten Durchgang eher unauffällig. 'Skyarna' (Die Wolken) hat einen wirklich tollen Refrain und auch 'Dödsängeln' (Der Todesengel) läuft gut rein. Höhepunkt des ersten Demos ist meiner Meinung nach 'Behöver Dig' ([Ich] brauche dich), das total emotional ist.

Das zweite Demo wurde 1982 aufgenommen (die Songs stammen von 1980 und 1982). Diese Stücke waren der Grund, warum ich die Anthologie erworben habe. Die vier Lieder gehören zum Besten, was der Heavy Metal der Achtziger zu bieten hat. Kein Witz! Und das auf einem Demo! Gesanglich stellt das zweite Demo eine echte Steigerung dar. Aber das Songwriting ist die eigentliche Sensation. Bei 'Hjärtlös Stad' (Herzlose Stadt) stimmt einfach alles: Strophe, Refrain, Soli. Der Höhepunkt der Platte, keine Frage. 'Nattsvarta Ögon' (Nachtschwarze Augen) hat jede Menge Kraft. Und wieder ein gnadenlos guter Refrain. 'Attack' ist schon fast Speed Metal. 'Gå' (Geh) hat wieder tolle Melodien und ist vielleicht der zweite Höhepunkt der Compilation. Diese vier Stücke kommen meiner Meinung nach schon an die ersten beiden Scheiben von MAIDEN ran. Natürlich muss man bedenken, dass es sich um ein Demo handelt.

Die letzten beiden Stücke, 'Hunter' und 'Broken Wings' sind nicht der Rede wert. Anscheinend ist sogar unklar, wann sie aufgenommen wurden. Das hat wohl seine Gründe.

Für mich ist das zweite Demo eines der besten überhaupt (neben MAJESTY, KINGSBANE und PSYCHOTIC WALTZ). Der Charme hat auch mit der schwedischen Sprache zu tun, die einfach perfekt ist für die Songs, die mit jedem Durchlauf immer besser werden.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Havoc » Dienstag 2. August 2022, 14:31

SONS OF APOLLO – MMXX

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Im Weitsichtblick hatte ich die Band natürlich schon länger aufgrund der Protagonisten die hier aufspielen. Allen voran natürlich wegen Mike Portnoy. Er ist und bleibt einfach einer meiner absoluten Lieblingsschlagwerker. Ich mag die Art wie er spielt und auch der Sound ist eigentlich immer toll. Die anderen Musiker sind aber natürlich auch ausnahmslos Könner. Ich meine, sie wollen selbst nicht als Supergroup gelten, aber letzten Endes sind sie das dann wohl trotzdem. Egal. Eigentlich eine gute Frage. Was genau definiert eigentlich eine Supergroup?
Das Album bietet jedenfalls wirklich exakt das, was ich erwartet hatte. Eine Mischung aus Spielwitz/-technik, fettem Hardrock, einem gewissen Groove und teilweise auch einem ordentlichen Schuss Härte. Hört „Aphyxiation“! Einfacher gesagt…es tönt wie ein Mix aus Dream Theater und Adrenaline Mob. Verschachtelter Dicke Hose Rock! Der erste Durchgang hat mich jetzt nicht gleich so begeistert, aber im weiteren Verlauf wollte ich das Album irgendwie immer wieder auflegen. Es rockt einfach und macht teils höllisch Spaß. Insbesondere der Song „King Of Delusion“ ist mit der Zeit noch deutlich gewachsen. Abwechslungsreich ist das Album zudem auch. Selbst ruhigere Töne haben sich auf das Album geschlichen („Desolate In July“). Einzig beim abschließenden Longtrack „New World Today“ frage ich mich, ob dieser wirklich das Potential für fast 16 Minuten hat. Schlecht ist der Song sicher nicht, aber ich denke solche Monstertracks kann die eingangs bereits erwähnte ehemalige Band des Drummers sicherlich noch deutlich besser. Ein magischer „Aha-Moment“ fehlt mir hier einfach. Alles in allem aber ein richtig gutes Album mit einem sehr kraftvollen passenden Sänger. Daumen hoch. -> 8,5
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Martin van der Laan » Dienstag 2. August 2022, 15:28

Schönes Review, Havoc! :dafuer: In der Tat eine sehr starke Platte, die SONS OF APOLLO, höre ich wirklich gern.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 2. August 2022, 20:21

Da bin ich vielen Dingen echt bei dir, Havoc!
Die Scheibe rockt mehr als nur auf Prog zu setzen. "Goodbye Divinity" hat einen monströsen Anfang. Was der Bumblefoot zumeist auf seiner Fretless Gitarre abzieht ist schon auch geil. Für mich ein sehr starker Opener. Jeff hat so eine vollumfassende Stimmvolumen. Keine Ahnung wie ich das beschreiben soll...wie Vollmilchschokolade für die Ohren. Läuft mir ungemein geschmeidig rein :grins:
Ich mag ja auch seine anderen Projekte wie "W.E.T." oder "Soto" ganz gerne. Ersteres auch wieder sehr dick in der Produktion, beim zweiten eher die moderne Schiene.

"King Of Delusion", "Desolate In July" und der Opener sind meine Favoriten auf dem Album. Und ja, der Longtrack hat bei mir auch eine Weile gebraucht. Aber finde ich auch immer noch gut. Für mich übertrifft sie den Vorgänger. Punktetechnisch gehe ich da also auch mit.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Havoc » Dienstag 2. August 2022, 20:59

Pillamyd hat geschrieben:Da bin ich vielen Dingen echt bei dir, Havoc!


8-) :dafuer:

Die Scheibe rockt mehr als nur auf Prog zu setzen.


Stimmt. Ich finde den Rock-Anteil sogar höher als den Prog-Anteil. Ist aber auch kaum zu sezieren. Eine Stärke des Albums ist es, dass die Songs ansich auch alle viele Facetten aufweisen.
Es gibt nicht wirklich die Ballade, den Metalsong oder den Progsong. Alles sehr variabel innerhalb der Songs.

Jeff hat so eine vollumfassende Stimmvolumen. Keine Ahnung wie ich das beschreiben soll...wie Vollmilchschokolade für die Ohren. Läuft mir ungemein geschmeidig rein


Vollmilchschokolade? Da wär ich jetzt nicht drauf gekommen. Aber was sonst? Zartbitter? Luftschokolade? Nee. Passt wohl so. :grins:

"King Of Delusion", "Desolate In July" und der Opener sind meine Favoriten auf dem Album.


Kann bisher noch kaum echte Favoriten benennen. Aber "King Of Delusion" ist stark im Kommen. Beim letzten Durchlauf heute Mittag fand ich auch die beiden Songs vor dem Longtrack ziemlich cool. Ein Skip-Kandidat (auch wenn ich NIE skippe) ist jedenfalls nicht dabei. ;-) :D

Für mich übertrifft sie den Vorgänger.


Das werde ich ab morgen überprüfen können. Ist im Anmarsch...mit zwei weiteren CDs (beide Bands aus England). Uhh!! Spannung anheiz!!! :grins: 8-) :P
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 2. August 2022, 21:41

hmmm, eine ist Haken - "Virus".
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Havoc » Dienstag 2. August 2022, 21:54

Peter Kubaschk hat geschrieben:hmmm, eine ist Haken - "Virus".


Ich ändere mal schnell mein amazon Passwort........... :motz: :grins:
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Pillamyd » Dienstag 2. August 2022, 22:02

Havoc hat geschrieben:Vollmilchschokolade? Da wär ich jetzt nicht drauf gekommen. Aber was sonst? Zartbitter? Luftschokolade? Nee. Passt wohl so.


Er klingt halt so wie Vollmilchschokolade schmeckt. Jetzt nicht unbedingt süß. Aber wenn es eine gute ist, halt irgendwie vollmundig. Vielleicht ein dummer Vergleich, aber mir ist in dem Moment nichts anderes eingefallen.

Ich wage nicht mitzuraten, wer die andere Band ist.
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Havoc » Freitag 5. August 2022, 22:08

HEATHEN - The Evolution Of Chaos

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Die Schatulle namens "Thrash" wird bei mir ja eher seltener geöffnet. Hier griff ich dann aber doch noch mal zu, da mir noch im Gedächtnis war, dass das Album damals anno 2010 ziemlich abgefeiert wurde. Weiterhin strahlte mich das hübsche Cover so sehr an und auch der Preis. Mitgenommen...was solls.
Ja. Und ich habe es nicht bereut. Macht ordentlich Spaß die Platte. Ein starker nicht brüllender Sänger garniert ziemlich anspruchsvollen und technisch versierten verspielten Thrash. Das kann auch bei mir funktionieren und zünden. Passt. Das Album ist allerdings ziemlich lang. Erinnert vom Gesamtpaket her an die damaligen Exodus-Werke. Wenn ich nicht richtig in der Stimmung dafür bin, dann kann das auch mal in die Ödnis abdriften. Aber wenn man grad Bock drauf hat und der Zeitpunkt passt (so wie jetzt gerade), dann macht das höllisch Spaß. Meiner Version liegt auch noch eine DVD bei, bei der man sehen kann, mit welcher Power die Band live abgeht. Schon stark. Coole Band! So kann Thrash auch bei mir punkten!

-> 8,5
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Re: Der Kurzreview-Thread

Beitragvon Holger Andrae » Freitag 5. August 2022, 22:17

Zum Glück sind die Parallelen zu den damaligen Exodus nicht ganz so groß. 8-)
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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