Musik und Emotion

Hier geht es um das alles, was den Rocker / Metaller / Goth so bewegt.

Re: Musik und Emotion

Beitragvon Jhonny » Dienstag 28. Dezember 2010, 12:14

Motörhead, Saxon, AC/DC, Black Sabbath - das ist doch eher die Musik einer Arbeiterbewegung als der intellektuellen Oberschicht.
Und das ist alles superemotional, geht voll rein, macht gute Laune und ein frohmachendes Gefühl im Herzen :grins:
Deshalb wünsche ich mir geradezu, dass Metal, ähnlich wie für Ruhrpott-Leute wie Kreator in den 80ern, gerade auch eine simple Musik sein kann, die bei der Aggressionsbewältigung hilft, ein Wir-Gefühl stiftet und so weiter...
Damit will ich Thinking-Man's-Metal a la Operation Mindcrime überhaupt nicht verurteilen, ganz im Gegenteil.
Aber im Kern ist doch Rock und auch Metal immer eine Bewegung von unten, nicht von oben.
Nicht elitaristische Oberschicht-Intellektuelle, sondern Typen wie du und ich.
(hmm steht das jetzt alles in einem absoluten Widerspruch zu meinem Studenten-Dasein und meinen recht guten Noten? Egal :grins: )

Und genau deshalb liebe ich halt auch diesen alten Metal - der vermittelt das Gefühl, Musik von Normalsterblichen zu hören nicht von Aufgeblasenen Popstars oder Weltfremden Frickel-Jazzern.
Und das weckt Emotionen - dazu zu gehören, da mit abgehen zu können, ohne irgendwelche Musiktheorien oder Philosophischen Konstrukte durchdenken zu müssen, bevor man Freude daran haben kann. CD an, Augen zu und durch.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Regina Löwenstein » Dienstag 28. Dezember 2010, 12:57

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Was die Frage "fürs einfache Volk" vs. "intellektuell und klugscheißerisch" angeht, finde ich, dass beides gleichermaßen emotional sein kann, wenn man der Band abnehmen kann, dass es um ihre eigenen Gefühle geht. Da ist es dann egal, ob es um Basales, Triviales oder Hochgeistiges geht. Man kann über eine verflossene Liebe genau so emotional singen wie über den Weltfrieden oder den Sinn des Lebens, man kann aber all das auch emotionslos und flach machen. Da ist immer entscheidend, ob die Band selbst von ihrem Inhalt bewegt wird, oder ob sie etwas "für die Kundschaft" macht.

*unterschreib*
Absolut meine Meinung. Ich finde nicht, dass Musik zwangsläufig simpel sein muss, um zu berühren - aber vielleicht spricht da die Progseele aus mir, der jazzig-vertackte Kompositionen in den siebten Himmel verhelfen :grins: Authenzität ist das Zauberwort. Es müssen nicht mal selbst erlebte Emotionen sein, die die Band transportiert, sondern generell eine Message, hinter der die Künstler stehen - wenn sie wirklich etwas zu sagen haben, was nach außen drängt, merkt man das der Musik an. Und wenn dieses Feuer vorhanden ist, kann man sogar über handwerkliche Schwächen hinwegsehen. Aber man merkt auch, wenn die Band den in diesem Thread treffend umrissenen "Faustfaktor" zu Kommerzzwecken bedient.
Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass mich Musik - unabhängig von ihrer Qualität - nur selten wirklich emotional berührt. Stimmung übertragen, ja, aber bis ganz tief dringen nur wenige Bands - und wenn, dann ironischerweise genau die "komplexeren". Manchmal sind da Lyrics hilfreich, wenn ich sie auf meine Situation beziehen kann, aber das ist kein Muss.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Havoc » Dienstag 28. Dezember 2010, 14:35

Schwierig zu sagen. Das ist vor allem sehr stimmungsabhängig. Eine Band wie z.B. Pain Of Salvation finde ich manchmal nervig...und am nächsten Tag könnte ich heulen vor Freude ob der Genialität der Musik.
Emotion ist für mich aber kein Muss. Es gibt auch Musik die ich einfach toll finde, auch wenn sie Null Emotionen in mir auslöst. Zum Beispiel Watchtower.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Germon » Dienstag 28. Dezember 2010, 14:48

Drumtier hat geschrieben:Aber bei AC/DC hör ich ein Programm das heruntergespult wird um gefallende Musik zu machen. Emotion? Fehlanzeige!

Äääh, what?
:boes:

Ich empfehle mal die Einfuhr der alten Kamellen auf der "Family Jewels" DVD...
Ich seh zwar aus wie Herbert Grönemeyer, doch ich bin ein ganzer Mann!

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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Peter Kubaschk » Mittwoch 29. Dezember 2010, 10:53

Drumtier hat geschrieben:
Jhonny hat geschrieben:Metal darf nicht klugscheißerisch sein...
Metal sollte fürs einfache Volk sein, geil, rockig, emotional eben. AC/DC ist für mich deshalb, obwohl es musikalisch kein Metal ist, das größte Beispiel. Back In Black lauthals mitschreien, Luftgitarre spielend durchs Zimmer hüpfen, jeden hohen Ton von Mr. Johnson treffen... das ist für mich emotional.

AC/DC emotional? Jedes verdammte Streichholz ist emotionaler?!
Und ja, ich habe deine Erklärung gelesen, aber das heißt für mich nur, dass dir die Musik gefällt und genau deinen Geschmack trifft um Party zu machen. Nichts davon hat mit Emotion zu tun. Wenn ich eine Monotheist von Celtic Frost, Ordo Ad Chao von Mayhem oder Obscura von Gorguts höre, dann is das für mich emotional, weil ich höre wie sich die Macher hineingefühlt haben in die Musik und ihr Herzblut und ihre Empfindungen hineingesteckt habe. Alle drei Beispiele sind dabei keineswegs Doom wo dieser Eindruck sicher noch öfter mal entsteht. Aber bei AC/DC hör ich ein Programm das heruntergespult wird um gefallende Musik zu machen. Emotion? Fehlanzeige!


Natürlich hat Jhonnys Beschreibung etwas mit Emotion zu tun. Emotionen sind doch nicht grundsätzlich traurig oder melancholisch. Wenn Jhonny diese Musik glücklich macht (und der Beschreibung nach ist das wohl so), dann löst sie doch auch Emotionen aus. Glück ist schließlich die höchste Emotion von allen.

Drumtier hat geschrieben:Und nochmal auf speziell auf
Jhonny hat geschrieben:Metal darf nicht klugscheißerisch sein...
Metal sollte fürs einfache Volk sein, geil, rockig, emotional eben.

Metal fürs einfache Volk?! Ohne hier eine unnötige Elitarismus-Debatte vom Zaun zu brechen, aber ich denke schon, dass in Metal, Jazz oder Klassik durchschnittlich betrachtet doch eher weniger Hörer des "einfach Volkes" sind.
Zum Beispiel berühren mich Behemoth enorm tief, aber nicht weil ich dazu mitschreien und headbangen kann, sondern weil sie einen halt auch intellektuell so weit fordern, dass man sich ein wenig Gedanken macht. Und unter der rauhen, abstoßenden und hässlichen Hülle von Nergal erkennt man in den Texten auch sehr viel von seiner Gefühlswelt.
Dasselbe auch bei Immolation die vielleicht noch ein Stück weit klugscheißerischer agieren, aber man hört eben auch wieder, dass sie nur verzweifelt versuchen ihren Standpunkt, ihre Sicht der Welt darzubringen. Und wenn ich dann ein Lied wie "Father, You're Not A Father" höre, das aus der Sicht eines kirchlichen Missbrauchsopfers geschrieben ist, dann kann mir doch kein Mensch erzählen, dass das nicht emotional sei?!


Emotionen sind halt etwas sehr persönliches. Es kann doch nicht der Anspruch dieser Diskussion sein, ob es richtige und falsche Musik gibt, die einen emotional zu berühren hat. Den einen berühren AC/DC, den anderen BEHEMOTH, den dritten (mich) beide nicht, dafür aber METAL CHURCH, CAROLINE'S SPINE, HUMAN DRAMA, PSYCHOTIC WALTZ und DREAM THEATER. Das ist mal persönliche Beziehung durch ein Erlebnis, mal sind es die Texte und manchmal auch einfach nur die (subjektive) Klasse der Musik, die einen dann mitreißt. All das gibt es und alles davon ist richtig für den, der es erlebt. Darüber kann man nicht streiten.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon salisbury » Mittwoch 29. Dezember 2010, 12:17

Ich finde es langsam langweilig, daß jeder interessante Thread letzendlich in einer Geschmacksdiskussion gipfelt :schade: . Und die ist schon seit 30 Jahren einfach fruchtlos.
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Jhonny » Mittwoch 29. Dezember 2010, 13:22

salisbury hat geschrieben:Ich finde es langsam langweilig, daß jeder interessante Thread letzendlich in einer Geschmacksdiskussion gipfelt :schade: . Und die ist schon seit 30 Jahren einfach fruchtlos.


Das mag stimmen, aber ist nicht gerade Geschmack etwas, was absolut parallel zu Emotionen läuft?
Nur wenig Leute werden Musik toll finden, die sie emotional völlig kalt lässt.

Und deshalb ist das für mich keine "diese-Musik-ist-besser"-Diskussion.

Ich kann es doch vollkommen nachvollziehen, dass Drumtier durch technischen Death Metal emotional berührt wird und ihn AC/DC völlig kalt lässt.

Das ist aber doch gerade das spannende, und es zeigt auch, dass nicht eine Musik besser wäre als andere - jede Musik, die Hörer hat, weckt auch gewisse Emotionen.
Natürlich manche mehr, manche weniger.
Sicher gibt es viele, die Rush für absolut emotional halten - an andere drängt das wegen der anstrengenden (oder grandiosen?) Stimme von Geddy überhaupt nicht ran.

Damit ist das keine Geschmacksdiskussion, sondern einfach ein jeweils unterschiedlicher subjektiver Zugang.
Ich kriege das Kotzen bei Ambient-Black-Metal-Post-Rock-Sludge und ähnlichen Mixturen, aber wenn Jesus da Party macht oder Tränen in den Augen hat oder sich einfach zufrieden fühlt, dann ist das doch klasse!
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Regina Löwenstein » Mittwoch 29. Dezember 2010, 13:26

Jhonny hat geschrieben:Ich kriege das Kotzen bei Ambient-Black-Metal-Post-Rock-Sludge und ähnlichen Mixturen, aber wenn Jesus da Party macht oder Tränen in den Augen hat oder sich einfach zufrieden fühlt, dann ist das doch klasse!

Nicht nur Jesus :D
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Jhonny » Mittwoch 29. Dezember 2010, 13:33

Regina Löwenstein hat geschrieben:
Jhonny hat geschrieben:Ich kriege das Kotzen bei Ambient-Black-Metal-Post-Rock-Sludge und ähnlichen Mixturen, aber wenn Jesus da Party macht oder Tränen in den Augen hat oder sich einfach zufrieden fühlt, dann ist das doch klasse!

Nicht nur Jesus :D


war ja nur ein Beispiel - dein Musikgeschmack, aber auch der von Loenz, Eike oder Teichfrosch ist mir auch zu 85% ein Rätsel ;-)
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Re: Musik und Emotion

Beitragvon Loenz » Mittwoch 29. Dezember 2010, 13:43

Dabei hör ich ja im Gegensatz zu Regina und Jesus, ja eher Weichei Musik.
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