Platz 03
Coroner | Dissonance Theory
Wenn Alben schon Jahre, manchmal Jahrzehnte zuvor angekündigt werden, ohne konkret zu werden, dann kann das vielerlei Stimmung in einem auslösen. Eine gewisse Skepsis entsteht, die in der Vergangenheit schon viele massive Enttäuschungen hervorgerufen hat. Das liegt vor allem daran, dass man die Zerfahrenheit im Songwriting und in der Produktion seltsamerweise deutlich spürt – als wäre zu lange an den Songs geschraubt worden, bis ihnen die Lebendigkeit verloren ging. Gut, andere Bands erspielen ähnliche Ergebnisse ohne jahrelange Wartezeiten. Vielleicht eine Frage des Handwerks. Eine mögliche Strategie, sich dieser Ernüchterung zu entziehen: die eigene Erwartungshaltung runterschrauben. Mit genau diesen Erfahrungen im Gepäck, bin ich an das Album herangegangen. So simpel das auch klingen mag. Und siehe da – damit stellte sich ein Überraschungseffekt ein, der die Skepsis gar nicht erst aufkommen ließ. Ich habe also eine gute Nachricht: „Dissonance Theory“ ist solch ein Album geworden. Ein Album, bei dem oben genannte Punkte nicht auftreten sondern von Reife zeugen als schleichend unnötige bleiartige schwere hinzuzufügen.
Was die Jungs da zusammengetrümmert haben, lässt diese oben erwähnte Ernüchterung erst gar nicht zu. Mit den ersten Tönen des Albums stellte sich eine beinahe berauschende Zufriedenheit ein. Mit jedem Durchlauf hielt mich die reiz- und geheimnisvolle Ästhetik fest in ihrem Bann.
Die Band hat sich den Ruf der Ernsthaftigkeit, der technischen Versiertheit und der Progressivität erarbeitet. Diese Wut, dieses hassbratzige Art, in gewisser Weise monoton, treibende, bündelt all ihre Stärken. Es intensiviert sie sogar so, dass sie dem Soundgefüge der Band eine neue Facette auferlegen.
Ein Album, das von tiefgreifenden Emotionen durchzogen ist, so unumstößlich, dass sie kaum zu durchbrechen in der Lage scheinen. Das zu verhindern versucht die Band mit großer Willenskraft und Konsequenz, ihrer Art des Musik Schreibens zu verhindern. Es macht sich ein Schatten der Bedrücktheit breit. Nicht auf klagende, wehleidige Weise. Aber als ständiger Begleiter innerhalb des Albums.
Ich bin irgendwann auf den Vergleich zur „Monotheist“ von CELTIC FROST gekommen, weil mich die Eigenheiten, zumindest nach meinem Gefühl, ähnlich aufgewühlt zurücklässt. „Trinity“ muss ich hier als Beispiel nennen. Dazugesellen darf sich auch „Prolonging“. Ein Song, der mit seinen Keyboard- und Orgelklängen eine überraschende Nähe zulässt, die im Gegensatz zum Rest so nicht gegeben ist. Ein gut platzierter Song, der dem Album den Fluss nicht zu nehmen wagt.
Sicher, die Alben, die sich in der Diskographie über die Jahre verfestigt haben, werden nicht übertroffen. Weniger gut ist es aber eben auch nicht. Auf Augenhöhe - allemal!
Die Band ruht sich also nicht auf vergangene Lorbeeren aus und setzt einen durchaus wichtigen Stempel ihrer Karriere hinzu. Gerade weil die Songs einfach mutiger und straighter wirken. Die Sperrigkeit bleibt, das Selbstbewusstsein über die Jahre neu erstarkt. Ein Album, dass auf meinem dritten Platz herzlich eingeladen ist.
TrinityProlonging