Feuchtbiotop mit 100 Arten

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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Peter Kubaschk » Donnerstag 13. Januar 2011, 14:28

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
Teichfrosch hat geschrieben:Beispiel: "macht Sinn" ist falsch, "ergibt Sinn" richtig. Hochpopulär, hochgradig falsch.

Haha... ein Klassiker in den heiligen Hallen der PM.de-Redaktion. Unser werter weihrauchender Herausgeber vertritt diese Auffassung auch. Er war allerdings in all den Jahren nicht in der Lage, uns zu erklären, was daran zum einen eine "Anglizismus" und zum anderen "falsch" sein soll. Da es für dich sogar "hochgradig falsch" ist, möchte ich dich herzlich bitten, das sprachwissenschaftlich zu begründen. Ich bin - ohne Witz! - sehr gespannt auf deine Erklärung.


Oh ja, ich auch. Wenn die Erklärung Sinn macht, dann bin ich kontrabass.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Donnerstag 13. Januar 2011, 14:50

Ganz einfach: Sinn macht nicht, Sinn wird nicht gemacht, man oder etwas "macht" keinen Sinn. Man kann Sinn nicht herstellen, er folgt (sprachlich) logisch. Man kann eine Argumentation soweit "machen" (herstellen, zurechtbauen, zusammensetzen usw.) dass sich daraus der Sinn ergibt. Den Sinn selbst macht man aber nicht, der Sinn ergibt sich weil etwas sinnvoll ist.

Das ist ganz streng genommen sprachliche Korinthenkackerei, denn wenn man die Argumente so zusammensetzt dass sie Sinn ergeben hat man de facto den Sinn hergestellt, also gemacht, dennoch ist es in der logischen Abfolge von Denkprozessen nicht so dass man den Sinn selbst gemacht hat - dieser ergibt sich zwangsläufig aus der Akeptanz der Argumentationsstruktur. Sozusagen so wie in der (philosophischen) Logik: wenn man folgendes akzeptiert, nämlich dass

1. der Mond blau ist
2. alle blauen Dinge aus Käse bestehen

ergibt sich daraus zwangsläufig

3. der Mond besteht aus Käse

Diese Konklusion hat man aber nicht "gemacht", sie ergibt sich logisch gültig. Und ebenso verhält es sich mit Sinn. Im übrigen kann man auch nicht Sinn zwischen zwei Dingen herstellen, sondern einen Sinnbezug (oder einen sinnhaften Bezug). Wenn man diesen Sinnbezug gemacht hat, dann ergibt sich daraus der Sinn. Aber den Sinn selbst macht man nicht.

Alles klar soweit? :)
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Regina Löwenstein » Donnerstag 13. Januar 2011, 14:53

Ihr seid furchtbar nerdy. So richtig Zahnspangen-Hochwasserhosen-Hornbrilen-nerdy.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Donnerstag 13. Januar 2011, 15:05

Ich studiert Philosophie, ich darf das (=
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Rüdiger Stehle » Donnerstag 13. Januar 2011, 16:46

Die Argumentation überzeugt mich nicht, auch wenn klar war, dass es darauf hinaus laufen würde, dass "Sinn" etwas sei, das man nicht "herstellen" könne, weil er sich angeblich aus etwas ergäbe. Nun ist aber auch diese Aussage nicht völlig schlüssig, weil schließlich keine weitere mathematische Operation erforderlich ist, die durchgeführt werden müsste damit sich aus einer Aussage ein Sinn erst ergibt, sondern im Regelfall wird der Sinn der Aussage schon selbst innewohnen, ohne dass eine weitere Folgerung oder Operation erforderlich ist, die erst zu einem Ergebnis führen müsste. Das "Machen" ist dann der Vorgang der Rezeption beim Empfänger. So könnte man mit der selben Logik auch die Aussage "das ergibt Sinn" angreifen und fordern, dass fürderhin ausschließlich zu sagen ist "das ist sinnvoll" als manifestiertes Ergebnis der gedanklichen Rezeption der Aussage, oder besser noch "durch diese Aussage erschließt sich mir der Sinn". Denn schließlich ergibt nicht die Aussage selbst den Sinn, sondern erst die gedankliche Auseinandersetzung mit der Aussage.

Außerdem kann das Verb "machen" nicht ausschließlich den wörtlichen Sinn des "körperlichen Herstellens" haben, sondern auch einen übertragenen, in welchem es ausdrückt, dass ein gewisser Zustand oder ein gewisses Gefühl "hergestellt" worden ist, bzw. dass das Gesagte ("es") dafür sorgt, dass sich dem Adressaten der Sinn erschließt. Somit hat mein geäußertes Wort ("es") beim Empfänger dafür gesorgt, dass sich ihm der Sinn erschloss ("den Sinn gemacht"). Ähnliche Wendungen wären "die Show macht Spaß", "die Armee macht echte Männer", "der Mörder macht sie kalt", "das Wetter macht mich schaudern" ...

Im Übrigen könntest du mit der selben Argumentation auch im Englischen die Aussage "this makes sense" angreifen, weil das englische "to make" mit dem deutschen "machen" weitestgehend deckungsgleich ist und ebenfalls vorrangig das Herstellen und Erzeugen betrifft. Da wäre es im selben Maße "richtiger", zu sagen: "this is a sensible conclusion".

Ergebnis der Diskussion dürfte also sein, dass die Aussage dass "etwas Sinn macht" keinesfalls sprachlich falsch und noch viel weniger ein "Anglizismus" ist, sondern dass es sich dabei um eine sprachlich korrekte und weithin etablierte Wendung handelt, die rein sprachlich nicht zu beanstanden und schon gar nicht "hochgradig falsch" ist.

Was man auf logischer und philosophischer Ebene anfechten kann, sind allenfalls die Gedankengänge, die dazu geführt haben, dass sich diese Wendung in der deutschen Sprache etabliert hat. Das macht (darf ich das Verb hier verwenden?) man aber nur, wenn man dem Pöbel demonstrieren will, dass man auch mit abgehobenen Erörterungen und komplizierten Wendungen eine Aussage begründen kann, die auf triviale Weise auch so schon Sinn macht.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Martin van der Laan » Donnerstag 13. Januar 2011, 17:18

Darf ich diese Debatte an Stefan Raab schicken für sein neues Format "Internet Total"?
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Donnerstag 13. Januar 2011, 18:10

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Die Argumentation überzeugt mich nicht, auch wenn klar war, dass es darauf hinaus laufen würde, dass "Sinn" etwas sei, das man nicht "herstellen" könne, weil er sich angeblich aus etwas ergäbe. Nun ist aber auch diese Aussage nicht völlig schlüssig, weil schließlich keine weitere mathematische Operation erforderlich ist, die durchgeführt werden müsste damit sich aus einer Aussage ein Sinn erst ergibt, sondern im Regelfall wird der Sinn der Aussage schon selbst innewohnen, ohne dass eine weitere Folgerung oder Operation erforderlich ist, die erst zu einem Ergebnis führen müsste. Das "Machen" ist dann der Vorgang der Rezeption beim Empfänger.


Du sagst genau meinen Gedanken nochmal auf und widersprichst dir dann selber, erstaunlich :grins: Eben WEIL keine weitere Leistung von Nöten ist ist dieses "tu-Verb" in diesem Zusammenhang falsch, der Sinn ergibt sich ganz wie von selbst, dafür ist keine weitere Leistung nötig. Der Sinn wird nicht gemacht, er macht sich nicht, er wurde nicht gemacht oder wird gemacht werden, er ergibt sich.


Somit hat mein geäußertes Wort ("es") beim Empfänger dafür gesorgt, dass sich ihm der Sinn erschloss ("den Sinn gemacht"). Ähnliche Wendungen wären "die Show macht Spaß", "die Armee macht echte Männer", "der Mörder macht sie kalt", "das Wetter macht mich schaudern" ...


Du hast zwar Recht damit, dass "machen" manigfaltig benutzt werden kann und sozusagen eine Allzweckwaffe wie "tun" darstellt, aber nur weil es in diesen Zusammenhängen richtig ist bedeutet das ja im Umkehrschluss nicht, dass es deshalb grundsätzlich in allen möglichen Konstellationen richtig ist.

Im Übrigen könntest du mit der selben Argumentation auch im Englischen die Aussage "this makes sense" angreifen, weil das englische "to make" mit dem deutschen "machen" weitestgehend deckungsgleich ist und ebenfalls vorrangig das Herstellen und Erzeugen betrifft. Da wäre es im selben Maße "richtiger", zu sagen: "this is a sensible conclusion".


Du kannst schwerlich mit anderen Sprachen argumentieren um festzustellen was bei uns richtig ist. Weitgehend deckungsgleich ist nicht gleichbedeutend mit deckungsgleich. Das Pi-mal-Daumen-Argument zieht weder hier noch sonst :)

Ergebnis der Diskussion dürfte also sein, dass die Aussage dass "etwas Sinn macht" keinesfalls sprachlich falsch und noch viel weniger ein "Anglizismus" ist, sondern dass es sich dabei um eine sprachlich korrekte und weithin etablierte Wendung handelt, die rein sprachlich nicht zu beanstanden und schon gar nicht "hochgradig falsch" ist.


Falsch. Ergebnis der Diskussion: "macht Sinn" ist falsch. Versuch mal einen semantisch korrekten Satz mit "macht Sinn" zu bilden, es wird dir nicht gelingen. Grammatikalisch ist das zwar richtig, semantisch aber im Deutschen schlicht und einfach falsch.

Das Wort "machen" bezeichnet eine Handlung. Diese könnte in diesem Zusammenhang aber höchstens darin bestehen, Sinn zu verleihen/spenden/geben. Dies ist der Sache nach etwas anderes als "sinnvoll sein" oder "Sinn ergeben".

Dies gehört nicht zur Grammatik in einem engen Sinn (Formenlehre und Satzbau), sondern zur Semantik (Bedeutungslehre).



Etwas länger und polemischer formuliert kann man meine Gedanken nochmal hier nachlesen: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfis ... 38,00.html - die "Zwiebelfisch" Kolumne dürfte ja dem ein oder anderen bekannt sein.

Ich will mich garnicht als großen Sprachhüter stilisieren, ich benutze selbst viele inkorrekte Formulierungen in Schrift- und Alltagssprache, aber hin und wieder gehts dann doch mit mir durch. Und "macht Sinn" gehört leider dazu. Selbst mein Prof für Geschichte sagt das, ich war entsetzt :grins:
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Teichfrosch » Donnerstag 13. Januar 2011, 18:12

Achso, das letzte Zitat stammt von dieser Website, hab vergessen das kenntlich zu machen und leider gibt es ja keine Editierfunktion. 8[ Hab das einfach nochmal reingeschrieben weil es kurz und knapp alles, was notwendig ist dazu gesagt zu werden, zusammenfasst.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon Peter Kubaschk » Donnerstag 13. Januar 2011, 19:16

Sick ist doch ein überheblicher Möchtegern-Sprach-Guru, dessen Weisheiten auch höchst fragwürdig sind. Ich kann do genausogut Meinunger zitieren:
http://www.tagesspiegel.de/wissen/poliz ... 07324.html

oder den Sprachblog der Bremer Uni für Sprachwissenschaften:
http://www.iaas.uni-bremen.de/sprachblo ... freuden-i/

sorry, aber diese Diskussion macht keinen Sinn. Und dieser Satz ist sowohl semantisch als auch grammatikalisch 100% korrekt.
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Re: Feuchtbiotop mit 100 Arten

Beitragvon firestarter » Donnerstag 13. Januar 2011, 19:35

Was geht denn hier ab... :narf:
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