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von Rüdiger Stehle » Samstag 5. März 2011, 23:13
Nachdem uns Firestarter immer mit vergessenen, übersehenen oder brandneuen Perlen aus dem Bereich des Thrash Metal erfreut, habe ich gedacht, wir könnten so etwas auch für den Black Metal aus der Taufe heben. Ich weiß nicht, ob ich mit einem gewissen Regelmaß dazu kommen werde, hier etwas zu schreiben, aber ich finde, dass es so einige kleine Perlen aus der Geschichte des Schwarzmetalls gibt, die weitestgehend übersehen wurden oder seit langem fast vergessen sind, weil die Bands die glorreichen Neunziger nicht überlebt haben und sich neben den großen Namen nicht im Langzeitgedächtnis der Gemeinde festsetzen konnten. Den Anfang will ich mit einer Scheibe machen, die aus Schweden stammt und die mich damals sehr beeindruckt hat. Die habe ich mir fast blind bestellt. Mit einer Bestellung bei Hellion, ich weiß nicht mehr, was sie enthielt, kam ein handkopierter Fresszettel mit, auf dem nur Vorder- und Rückseite der CD draufkopiert waren und handschriftlich vermerkt war: "jetzt erhältlich - 30,- DM". Weil mich die corpsebepainteten, gespickten und patronenbegurteten Hanseln damals massiv beeindruckt haben, dachte ich, dass ich mir das Ding einfach mal hole. Und es war toll, das gute Stück: THRONE OF AHAZ "Nifelheim"(c)1995 - No Fashion Records Der Stil ist archaisch, klingt eher nach Norwegen als nach Schweden, die Songs sind eingängig, die Stimmung kalt. Eigentlich irgendwie schon Standard, für die damalige Zeit, aber dann doch außergewöhnlich in seiner Direktheit und Eingängigkeit. Im Folgejahr kam dann der Zweitling, den fast jeder (meine Wenigkeit inklusive) komplett übersehen hat, und dann war auch schon Schicht im Schacht. Da die Band aus Umeå stammte, fand sich der eine oder andere Musiker später noch im Dunstkreis der dortigen Szene mit Naglfar, Ancient Wisdom, Gates Of Ishtar u.a., aber der Name THRONE OF AHAZ geriet meiner Wahrnehmung nach ziemlich in Vergessenheit. Hier die Hörproben: http://www.youtube.com/watch?v=Pj9MO1nWdIY - 'A Winter Chant' http://www.youtube.com/watch?v=0PdWVJhD8v0 - 'Northern Thrones' http://www.youtube.com/watch?v=7zO_dPDe4e0 - 'Where Ancient Lords Gather' Ich muss sagen, dass die Band für meine schwarzwurzeligen Gitarrenbestrebungen durchaus ein Einfluss ist. Zu mehr tauge ich halt nicht...  Weitere Infos: http://www.metal-archives.com/band.php?id=3570http://www.myspace.com/throneofahaz
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von Heydulf » Samstag 5. März 2011, 23:30
klasse Idee. Wenn ich nicht in der Fallen-Loop wäre, würde ich mir die glatt mal wieder anhören. Die ist schon ewig nicht mehr gelaufen.
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von Jhonny » Sonntag 6. März 2011, 00:49
Toller Sound, gute Stimme! Das ist mal wieder Black Metal, den ich mir sehr gut geben kann 
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von the seeker » Mittwoch 9. März 2011, 14:32
sehr schön, hier wer dich öfter reinschauen 
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 9. März 2011, 15:01
Es freut mich, dass es den einen oder anderen Interessenten für diesen Thread gibt. Daher an dieser Stelle gleich mal die Nummer 2 dieser Runde: Es handelt sich um eine heute fast komplett vergessene Band, die weder zur Legende wurde, noch einen Kultstatus erlangen konnte, und das, obwohl sie seit 1991 in Norwegen aktiv war und dort 1995 mit ihrem ersten und einzigen Album debütierte. Ob es daran lag, dass das Album nicht über ein etabliertes Nordlandlabel kam, sondern über das italienische Label Avantgarde Music, oder daran, dass sich die Band allzu plaktiver Schwarzwurzel-Klischees enthielt? Daran, dass die Musiker aus Fredrikstad kaum bis keine Querverweise zu anderen Szenegrößen hatten, oder daran, dass sie noch nicht einmal den Anschein erweckten, etwas mit dem "Inner Circle" zu tun zu haben? Man weiß es nicht. Dennoch bleibt dieses tolle Album als Vermächtnis einer zu Unrecht völlig vergessenen Band: ABYSMAL "The Pillorian Age"(c)1995 - Avantgarde Music Es war doomiger, atmosphärischer Black Metal, den die drei Norweger spielten. Tiefgründig, mehr auf die poetische Auseinandersetzung mit inneren Konflikten orientiert als auf Klischees und Deibeleien. Der knurrende, grimmige und sehr bedeutungsvolle Gesang Jan Svendsens gefällt mir sehr gut, ebenso die langsame, dramatische Art der Erzählung, die ausgedehnten Instrumentalpassagen und die gelegentlich genutzte Laut-Leise-Dynamik, die im damaligen BM nicht alltäglich war. Hörproben: http://www.youtube.com/watch?v=rMyFvLBMVqA - 'Velvet Pilloria' http://www.youtube.com/watch?v=H4GF1eCfbqs - 'The Pillorian Age' http://www.youtube.com/watch?v=q3-A0qIYbsk - 'The Sleeping Antarct' Weitere Infos: http://www.metal-archives.com/band.php?id=2324
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von Teichfrosch » Mittwoch 30. März 2011, 21:51
MEHR! Und auch wenn es hier eigentlich nicht so recht rein passt würde ich gerne von Rüdiger eine Meinung dazu hören http://www.youtube.com/watch?v=zKu3IvClADEund fragen, ob sich das Album lohnt falls du es kennst. Und wenn nicht wäre eine vorläufiger Ersteindruck natürlich auch nett. Ist halt nur Blackened Death, aber mei ...
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 30. März 2011, 22:26
Ich hab die DECAMERON nicht, aber aus der Historie sind mir die natürlich schon ein Begriff als Nebenprojekt aus dem ganzen Umfeld um SATANIZED, DISSECTION und SOULREAPER. Das bestätigen jetzt auch die Hörproben: Schöner, schneller, grimmiger, aber dabei auch immer melodischer und mit tollen Gitarrenarrangements herüber kommender Black/Death der guten alten schwedischen Schule. Wenn alle Songs so gut sind wie die Hörprobe, dann muss ich das wohl haben. Den Song "Satanized" gibt's in einer anderen Version ja auch auf der DISSECTION Demo-Compilation: http://www.metal-archives.com/release.php?id=2722
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von Teichfrosch » Mittwoch 30. März 2011, 22:50
Soweit ich weiß ist wohl das ganze Album von dieser Qualität, dich damit genauer beschäftigen solltest du dich also damit. Ich werds mir wohl auch mindestens sehr genau anhören und dann warscheinlich zulegen, hab grade Lust auf diese Art von Gitarrengemetzel. Die Vocals sind toll 
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 30. März 2011, 23:01
Teichfrosch hat geschrieben:MEHR!
Wenn du mehr willst, dann schreib auch was zu den alten Sachen. Gut, ich will mal nicht so sein: Die nächste Truppe kommt aus Finnland und war neben IMPALED NAZARENE und BEHERIT eine der prägenden Bands des frühen finnischen Black Metals. Und was diese frühe Phase anging, waren die fünf Jungs aus Oulu vielleicht sogar die musikalisch anspruchsvollste Kapelle aus dem Land der tausend Seen: BELIAL "Wisdom Of Darkness"(c)1992 - Lethal Records Ja, die Rede ist von den guten alten BELIAL, die vom Namen her vielleicht vielen ein Begriff sind, die aber von den heutigen Black Metal Fans die wenigsten wirklich mal angehört haben. Wenn, dann ist der Name oft auch nur bekannt, weil mit Kellokoski, Lehtosaari und Anttila drei Belial-Mitglieder später bei ImpNaz anheuerten. Was BELIAL auf dieser Debüt-EP (Katalognummer LRC002 des damals schwerst aktiven österreichischen Grimness-Labels LETHAL RECORDS) auszeichnet ist die relativ eigenständige Mischung aus kurzen, atmosphärischen und durchaus beklemmenden Zwischenspielen sowie wuchtigem, massivem Black/Death der derben Art. Keine mystischen Tritonus-Orgien und keine flirrenden Riffs wie in Norwegen, keine Doppel-Leads, Hyperblasts und schneidenden Soli wie in Schweden, sondern derbe, schnörkellose Urgewalt, allerdings kanaliserter, songdienlicher und - weitaus - anhörbarer als etwa das Debüt von BEHERIT. Hörproben: Auch nach dieser EP war es interessant, BELIAL weiter zu verfolgen, kam es doch zu spannenden stilistischen Entwicklungen auf den beiden folgenden Alben, bis zum heimlichen Dahinschwinden. 'Rise Of Hecate / Hypocrisy of the God's Sons' - http://www.youtube.com/watch?v=qhVxZkuWREI'The Invocation' - http://www.youtube.com/watch?v=Jd9OVFopjkM'Lost Souls' - http://www.youtube.com/watch?v=hxol0IgZNFYNiemand schien mir BELIAL je zu vermissen. Dabei war das echt was Spezielles. Interessant ist dabei auch die Beobachtung wie sehr die germanischen Bands letztlich das allgemeine Bild von dem prägten, was heute als Black Metal verstanden wird. Wo heute die Grundzüge des Genres fast komplett von norwegischen und schwedischen Bands bestimmt werden, da gab es zu Anfang der Neunziger noch ernsthafte Konkurrenzszenen und Konkurrenzstile in Finnland und in Kanada. Doch die sind, von wenigen Ausnahmebands abgesehen, weitestgehend in Vergessenheit geraten. Keine Ahnung ob sich hier jemand findet, der mit BELIALs Debüt etwas anfangen kann. Für mich ist es jedenfalls nicht nur musikhistorisch unheimlich spannend, sondern auch richtig gut. Vor allem "Hypocrisy..."
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von Jhonny » Donnerstag 31. März 2011, 12:38
Sehr deathig... aber gut. Der Gesang erinnert an sehr frühe Mortification, als sie noch gut waren 
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