Montag:
Nichts. Außer am späten Abend zum Ausklang noch ein paar extrem nerdige Youtube-Videos. Doch zuviele Star Trek-Fandubs, dumme Techno-Remixe, niedliche Ponys und schlechte Ausschnitte aus noch schlechteren Kultfilmen machen das Gehirn matschig. Kann doch kein Mensch längere Zeit überstehen. Wozu habe ich diese Rasierklingen gekauft, wenn die nach nur zwei bis drei Pulsadern sofort stumpf werden? Wer ist bei den Dingern für die Qualitätssicherung zuständig? Und wieviel wird einem für diesen Job gezahlt?
Dienstag:

BARK PSYCHOSIS "Hex"
→ Freunde, Post-Rocker, Landsleute! Hört dies an!

JENIFEREVER "Silesia"
→ Keine Ahnung, was mir der Frosch hier unterstellen wollte. Das ist doch genau die Sorte Musik, die ich auch sonst höre. Wenn ich nicht gerade durch grimmige und frostgebissene Wälder hüpfe oder durch müffelnde Katakomben schlurfe, versteht sich. Werde ich eigentlich bald aus dem Forum verbannt wegen akuter Fußpilzansteckungsgefahr?

LABRADFORD "fixed::context"
→ Hm... *Socken auszieh* Sieht gar nicht so pilzig aus. *an Fuß schnüffel*

Mittwoch:

NEGATIVE PLANE "Stained Glass Revelations"
→ Diese Gitarrenarbeit...
Ups, ich meinte natürlich: 

THE WOUNDED KINGS "The Shadow Over Atlantis"
→ Die haben den Dreh mit dem Doom raus. Enthält weder nervtötenden Epicquatsch noch schwulen 80er-Metal und ist doch true & oldschool as fuck. So lobe ich mir das. Knulziges Geschlurfe.

FAUST "Something Dirty"
→ Krautige Klangkollagen, brummende Bässe, treibende Trommeln. Vernebelt, verdrogt, verdammt entspannt.

TALK TALK "Laughing Stock"
→ Schöne Entspannungshilfe, wenn man 60 Arbeiten korrigieren muss.
Donnerstag:

THE STONE "Umro"
→ Panzer.

CODE "Resplendent Grotesque"
→ Prächtig.

JENIFEREVER "Silesia"
→ Plüschig.

RADIOHEAD "Hail to the Thief"
→ Progressiv.

SLOWDIVE "Pygmalion"
→ Perfekt.
Freitag:

LOENZ "Carla Kihlstedt & Carla Bozulich Compilation"
→ Feminin.

RISHLOO "Feathergun"
→ Flauschig.

RADIOHEAD "Hail to the Thief"
→ Fordernd.

TENHI "Maaäet"
→ Fantastisch.

SLOWDIVE "Pygmalion"
→ Formvollendet.
Samstag:

LOENZ "Carla Kihlstedt & Carla Bozulich Compilation"
→ Frühstückstauglich.
Sonntag:

40 WATT SUN "The Inside Room"
→ Hoffnungsvoller und wärmer als WARNING.

FALLS OF RAUROS "The Light That Dwells in Rotten Wood"
→ Typischer für USBM als das Debüt. Zwar weiß die düsterere Ausrichtung auch zu gefallen, aber die Eingängigkeit hat etwas gelitten. Nichtsdestotrotz gelungen. 'Awaiting the Fire or Flood That Awakes It' ist überdimensioniertes Lichtspieltheater.

COG "The New Normal"
→ Angenehm leicht verdauliche poppige Rock-Kost verpackt in verschachtelte Strukturen. Gut geeignet fürs Nebenbeihören und Mitsingen im Auto.

LOENZ "Carla Kihlstedt & Carla Bozulich Compilation"
→ Okilidokil, Loenzi, hier ein Mini-Review in Form einer kurzen Song-by-Song-Besprechung:
01. EVANGELISTA 'You Are a Jaguar'
Jetzt kann ich auch die Carlas stimmlich unterscheiden. Fräulein Bozulich klingt so, als wäre sie hartem Alkohol und Zigaretten sehr zugetan und würde als Hobby jüngere Männer vernaschen. Nicht, dass ich dagegen etwas einzuwenden hätte. Bluesig-soulig angehauchte Krachkollage. Treibend, mülltonnenverdreschend, überdächerheischend, nachtclubsverrauchend. Würde David Lynch heute ein Remake von "Aristocats" filmen, wäre das der Soundtrack dazu. Sehr schöner Song und ich verwette sein linkes Ei, dass Eike daran auch seinen Spaß hätte.
02. SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM 'Flinch'
Das Album habe ich natürlich. Ist auch ein toller Song, aber nicht Carlas bester für SGM. Küchenutensilien sind Freunde, man sollte euch wegen Grausamkeit gegenüber Töpfen und Pfannen belangen! Atonal, rhythmisch vertrackt und sehr nervös. Texturisiert, enthomogenisiert, entpasteurisiert. Doch den allerbesten SGM-Carla-Song hatte ich letztens Eike auf einem Bonus-Sampler verschickt. Apropos... Eike? What's the story, morning glory?
03. CARLA BOZULICH 'Baby, That's the Creeps'
Schöne Düsterorgeln. Capain Nemo und das Phantom der Oper lassen grüßen. Psychedelische Waberschleier umhüllen die brüchigen Stimmfetzen. "Killed my mother... killed my own damn brother..." Gänsehaut! Toll vorgetragen. Anti-Jhonny-Musik. Anti-Soundcheck-Musik. Okay, Loenz. Du Halunke hast mich überzeugt. Die "Evangelista" landet auf dem Einkaufszettel.
04. CARLA KIHLSTEDT 'Ravish'
I'd like to ravish her... Schön schief und dissonant. Als ob da zwei verschiedene Songs gleichzeitig gegeneinander laufen. Schwer zu beschreibendes Gestrüpp. Wahnsinn mit Methode. Ich mag das. Kaum greifbares Chaos, aber absolut schafig.
05. CARLA BOZULICH 'Pissing'
Rückblende: "Mh, der Anfang erinnert mich an was... kommt mir vertraut vor... klingt ein bisschen wie... *nachdenk* ...wie LOW! Zufälle gibt's... Hey, Moment mal! Das ist LOW! Verdammt, das ist eine Coverversion von 'Pissing'!"
Ja, hübsches Cover. Aber halt nur eins zu eins nachgespielt. Hätte man noch mehr draus machen können. Andererseits ist das Original eigentlich schon perfekt, so wie es ist.
06. CARLA KIHLSTEDT 'Trampolina'
Das ist ganz typisch für Carlas Kaputtnik-Musik. Quasi CAPTAIN BEEFHEART in schön, feinsinnig und weiblich. Sehr angenehm im Ohr.
07. ETHYL MEATPLOW 'Abazab'
Hektischer. Funky Rhythmen, 80er-mäßiges Schlagzeug. Fehlt bloß noch MICHAEL JACKSON, der cool darüber singt. Gitarre wird scheinbar gespielt von einem jungen DAVID BOWIE zu seinen westberliner Zeiten.
08. THE BOOK OF KNOTS 'View From the Watertower'
Das Album habe ich auch. Ist trotz kreischendem Chaos wohl noch der konventionellste Song auf der "Traineater", weil er auf einem Rock-Fundament fußt und eine Strophe-Refrain-Struktur verwendet, während die meisten anderen Stücke atmosphärische Industrial-Kulissen ('Hands of Production') oder verdrogter Junkie-Blues ('Pray') waren. Trotzdem sehr schöner Krach.
09. STOLEN BABIES 'Push Button'
...receive bacon? Hat Pop-Appeal trotz schiefem Polka-Rhythmus. Tanzbar. Opulent, aber nicht überladen. Das Riff erinnert mich an LED ZEPPELINs 'Kashmir'...
10. CHARMING HOSTESS 'Demon Lover'
Das waren die mit dem koscheren Mannbäradler auf dem Cover, nicht oder? Schön experimentelle Folk-Klänge mit leichtem osteuropäischem Aschkenasim-Anstrich.
11. FAUST 'Something Dirty'
Besitze ich ja nun ebenfalls. Schwurbelig und verdrogt, so soll das sein. Leiernde Sangesfee im Nirwana, dröge groovender Bass, endlos psychedelischer Sound. Entspannend.


