BAY LEAF - Bilder einer Ausstellung
Mehr über Bay Leaf
- Genre:
- Heavy Metal
- ∅-Note:
- 8.00
- Label:
- Eigenproduktion
- Release:
- 23.11.2025
- Das Feuer brennt
- Atlantis grüßt
- Bilder einer Ausstellung
- Schmied (RamTamTam)
- Weite Welt
- Pharao
- Paris oder Athen
- Um den Schlaf gebracht
- Wege entstehen
- Wer weiß denn sowas?
- Wer Wind sät
- Niemals untergehen
Schau an, sie leben noch!
Ach wie schön, BAY LEAF ist wieder da! Es wurde nach dem "Return Of Quetzalcoatl" 2019 ganz schon ruhig um diese unbelehrbaren Helden des deutschen Untergrunds. Ich habe die Band und ihre völlig eigensinnige Herangehensweise ganz schön vermisst. Vor allem "Pictures From The Realm Of The Dead" von 2014 läuft hier in extrem unregelmäßigen Abständen doch immer mal wieder durch und erfreut mich.
Nun will es die Kapelle um Manfred und Jutta Mikonya aus Pforzheim wohl nochmal wissen und schlägt ein völlig neues Kapitel auf. Die bisherigen Mitstreiter Harry Selasis (Schlagzeug) und Kai Jensen (Bass) sind raus, die freien Posten füllt Manfred Mikonya kurzerhand selbst aus. Dafür übergibt er aber die Sängerposition zurück an York Milchraum, der nach vielen Jahren kreativer Pause wieder mit an Bord ist. Und mit sich bringt er gleich eine Neuerung: BAY LEAF gibt's jetzt komplett auf deutsch. Das kann man nur begrüßen, sorgt das doch dafür, dass den eh schon scheuklappenlosen Kompositionen ein weiteres Alleinstellungsmerkmal beigefügt wird.
So schreibt die Band im kurzen Promozettel was von Weiterentwicklung trotz Bodenständigkeit, von authentischem Metal ohne Filter und ich kann dem nur zustimmen. Das ganze Album ist dermaßen unprätentiös, dass ich das trotz aller Kanten und mancher Unausgegorenheit nur toll finden kann. Gut, wenn man meinen Liebling Modest Mussorgski und seine Bilder einer Ausstellung ins Spiel bringt (der titelgebende Song ist eine hübsche Metal-Hommage), gibt's eh einen Bonuspunkt. Aber den bräuchte es nicht mal. Hier gibt's treffsichere Punk-Texte zu interessanten Riffs und mitreißenden Rhythmen. So manchen Song kann man schon beim zweiten Hören mitgrölen, wobei die Songs an sich dann doch immer wieder die vorgefertigten Pfade verlassen und merkwürdige Umwege nehmen.
Da schunkelt man sich mit dem angenehm kratzigen Organ von York Milchraum durch Paris, Athen, Singapur, Madrid und findet sich plötzlich in abstrusen Soloparts wieder, bevor man wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgezogen wird - "Komm, lass uns zusammen gehn!" Zwischendurch wird's auch lyrisch mal merkwürdig, etwa wenn 'Der Schmied' eben den ganzen Tag einfach auf alles einhämmert. Was will uns der Künstler damit sagen? Ist das hier überhaupt wichtig? Für mich ist das ein Hit, den ich nur zu gern mal live erleben würde. Es wird aber bei 'Wege entstehen' und 'Wer weiß denn sowas?' auch mal pop-philosophisch und in 'Um den Schlaf gebracht' ("Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich...") und 'Atlantis grüßt' politisch. Es wird in der neuen BAY LEAF-Welt also keineswegs langweilig. 'Niemals untergehn' am Ende ist eine Deutschrock-Hymne im Metalgewand, auch hier eher ungeradlinig und feierbar zugleich.
"Bilder einer Ausstellung" ist also eine höchst willkommene Rückkehr. Das Trio macht weiterhin keine Musik für den Massengeschmack, aber jene, die tief genug graben, um auf BAY LEAF zu stoßen, sind sicher darauf vorbereitet. Man kann viel, viel Spaß haben mit dem neuen Dreher, den es für wenig Geld direkt bei der Band zu erwerben gibt.
- Note:
- 8.00
- Redakteur:
- Marius Luehring


