BLACKWATER HOLYLIGHT - Not Here Not Gone
Mehr über Blackwater Holylight
- Genre:
- Dream Doom
- ∅-Note:
- 9.50
- Label:
- Suicide Squeeze Records
- Release:
- 30.01.2026
- How Will You Feel
- Involuntary Haze
- Bodies
- Heavy, Why?
- Giraffe
- Spades
- Void To Be
- Fade
- Mourning After
- Poppyfields
Wunderschönheit von der Westküste des seltsamen Landes.
Wann stellt sich denn hier die Überdrüssigkeit ein? Ein Wort, was man oft fühlt und selten schreibt. Es geht um ein Album, um ein Sück Musik, dessen ich nicht überdrüssig werden kann. Es ist erst Anfang 2026 und ich weiß, dass der Streamingdienst des Teufels mir zum Ende hin diese zehn Stücke, diese Dreiviertelstunde ganz nach oben legen wird. In meinem Jahresrückblick. Massiver Abstand zum Jahreszweiten, nach jetzigem Stand wird das wohl NOTHING mit dem gerade erschienenen Album sein.
Ja, BLACKWATER HOLYLIGHT und NOTHING wechseln sich gerade damit ab, sich mit maximaler Lautstärke in meine Tage zu schleichen. Spaziergänge, Himmelsblicke, Schreibtischdunkelheiten, all das wird von den beiden gerade begleitet. Wobei "Not Here Not Gone" dieses Trios von der Westküste doch recht klar ziemlich weit vorn ist. Was ist das nur für eine Schönheit!
Bravo! Sage ich, entzückt fange ich wieder an, das gesamte Album zu hören, am Stück, wie selten das geworden doch ist. Die drei wunderbaren Musikerinnen funktionieren in Zusammenspiel und Ergänzung einander so dermaßen gut, dass ich keine einzige Lücke erkennen kann, keine Schwäche oder gar ein Stück, was nicht im Noch-Niveau mitspielt. Wir reden über eine dieser Bands, die sich im Norden Kaliforniens, in Portland, in Seattle zusammengefunden hat, rein weiblich besetzt ist und die Metalrockwelt mit ihren ganz eigenen Stilen auf höchstem niveau ergänzt. Es gibt da bereits Vorreiterinnen wie EMMA RUTH RUNDLE, CHELSEA WOLFE, BLACK MATH HORSEMAN, die in ihrer Stilbreite die Genres des Doom, des Gothic Rocks, des Metal, des Shoegaze und des Americana miteinander verbunden haben.
BLACKWATER HOLYLIGHT scheint wie eine zweite Welle zu sein, zusammen mit Bands wie FAETOOTH oder auch KING WOMAN haben sie Kreationen dunkler Melancholie erschaffen. Und streuen Burgunderrot und ab und zu ein Weiß hinein. BLACKWATER HOLYLIGHT setzen dabei auf die Kontrastierung weitschäumender Gitarrenbreitwände und eines Gesanges, der teilweise entrückt oder schwelgend aber immer auf der Suche nach zurückkehrender verloren geglaubter Harmonien ist. Und wie das gelingt! Das muss dort an der Gegend liegen. Der wilde Pazifik nicht weit, prallen auch in der Musik der Drei die Mächtigkeiten der Naturgewalten auf die zartesten Äste, die sich behaupten müssen.
Die ersten vier Stücke, der erste Block ist, um den Gedanken der Überdrüssigkeit wieder aufzugreifen, da vollkommen immun. Denn schon diese Minuten lohnen sich, laut gehört in all ihrer Stringenz, Melodiosität, im Nachdruck und der Fragilität, die trotzdem die Stücke trägt. Und besonders herauszuheben ist das fordernde Riffing, das stets Schritte macht, von einer Atmosphäre getragen wird, die große Flächen einzufangen vermag und von einem präzisen und unabhängigen Drumset gehalten wird.
Als ich 'Heavy, Why' zum ersten Mal hörte, dachte ich, "Das steigern die jetzt nicht noch mit einem Solo!" - und doch wird dann so ein Abheber-Überflieger eingewoben, der mich fast zum Jauchzen bringt. Stark.
'Giraffe' ist so etwas wie ein Vermittler, Stopper, Ankündiger. Vor dem zweiten Block dieses grandiosen Albums.
'Spades' scheppert mit einer griesgrämigen Gitarre über den Schotter in den regenschweren Wäldern, um dann verspielt vollkommen schlecht gelaunt auszuufern. Einzig die Singstimme schafft es, den Zerknirscher letztlich zu besänftigen. 'Void To Me' träumerisch, sehr machtvoll, sehr umfassend in der Verknüpfung all der Ideen. Davon gibt es jeweils vier, fünf... aber deren Vernetzung und Verschwimmung ist die Kunst, die das Trio nach jahrelanger Mühe so gut verwoben bekommt.
Gelinde gesagt, dürfte das gesamte Album eine große Fangemeinde erreichen. Müßte. Die drei Stücke, die diese Wunderschönheit dann ausklingen lassen, werden von 'Poppyfields' angeführt, das letztlich von einem Blast Beat angetrieben wie eine Welle noch einmal über uns kommt, uns die Gischt schmecken läßt, im Höhepunkt schwärmende Tonberge hinaufschraubt, um als wunderschaurige Violoncellotraurigkeit zu enden.
- Note:
- 9.50
- Redakteur:
- Mathias Freiesleben


