BLACKYARD RIOT - It Might Get Loud
Mehr über Blackyard Riot
- Genre:
- Hard Rock
- ∅-Note:
- 7.50
- Label:
- Eigenproduktion / Eigenvertrieb
- Release:
- 14.11.2025
- Rollin Thunder
- All Known Man
- It Might Get Loud
- Higher
- The Wolf
- [Not The One To] Blame
- It's All Right
- Poor Man
- Light 'Em Up
- Hell On Wheels
Gefangen zwischen AC/DC-Tribut und richtig starkem Hard Rock.
Sich als Coverband irgendwann doch mit eigenen Songs zu etablieren, ist kein leichtes Unterfangen. Das mussten beispielsweise die DEEP PURPLE-Verehrer DEMON'S EYE feststellen, die trotz zweier fantastischer Alben nie gänzlich als Band mit Eigenkompositionen akzeptiert wurde. Dennoch haben sich einige Mitglieder der AC/DC-Coverband SIN CITY im Jahr 2023 dazu entschlossen, einen ähnlichen Schritt zu wagen. Dazu haben sich Sänger und Gitarrist Dersim Tugal, Schlagzeuger Lars Lunova, Sänger Porty Portner und Basser Patrik Apel den Namen BLACKYARD RIOT ausgesucht und das Lineup der neuen Band durch Nico Kenner (Gitarre) ergänzt. Den Leadgesang auf dem Debüt "It Might Get Loud" teilen sich dabei Dersim und Porty, wobei der letztgenannte SIN CITY-Musiker aktuell nur als Gastmusiker gelistet wird, gleichzeitig aber mit sechs Songs den Löwenanteil des Materials eingesungen hat. Alle verwirrt? Gut, dann rein in die wilde Hard-Rock-Sause.
Den Elefanten im Raum müssen wir dabei natürlich direkt thematisieren: Ist BLACKYARD RIOT durch die Erfahrung als Tributband zu nah an den australischen Starkstrom-Orginalen dran? Eine klare Antwort kann ich darauf nicht geben, denn es kommt auf den Song an. Nehmen wir doch nur einmal den Opener 'Rollin Thunder' als Beispiel, der von Dersim gesungen wird. Dessen Stimme ist hier ziemlich nah an einem jungen Brian Johnson dran, wobei die AC/DC-Parallelen auch von der Strukturierung des Songs, der Geradlinigkeit und Einfachheit der Hooklines und den sehr auf die Basis reduzierten Gitarrenriffs unterstrichen werden. Dennoch geht BLACKYARD RIOT mit einem Tempo zu Werke, das man so von Angus Young und Co. nicht gewohnt ist. Wo die Vorbilder eher im stampfenden Groove unterwegs sind, tritt gerade Drummer Lars in der Eröffnungsnummer ordentlich aufs Gaspedal. Damit werden Kollegen wie AIRBOURNE als Referenz auf den Plan geholt und 'Rollin Thunder' wird zu einem sehr unterhaltsamen Rocker, der mit Sicherheit einen schwitzigen Club ordentlich zum Beben bringen dürfte.
Die Emanzipation abseits des AC/DC-Tributs gelingt trotz dieser guten Vorraussetzung dennoch nicht, denn gerade wenn in 'The Wolf' oder 'Light 'Em Up' das Tempo nun doch zum typisch australischen Stampfer-Groove gedrosselt wird und gleichzeitig Porty Portner singt, sind die Parallelen überdeutlich und zumindest ich bekomme oftmals einfach nur Lust, "Back In Black" mal wieder einzulegen. Gerade Portys Stimme ist durch seinen Job bei SIN CITY einfach zu nah an Brian Johnson dran, um hier die nötige Distanz zu schaffen. Da muss das Songwriting dann schon perfekt auf de Punkt gebracht werden, um BLACKYARD RIOT auch als eigenständige Entität im Gedächtnis zu etablieren. Im großartigen Titeltrack etwa gelingt das, den man mir auch problemlos als verschollene B-Seite von den Young-Brüdern verkaufen könnte und der mit Sicherheit live zur Granate werden dürfte.
Eine Rettungsleine für die Zukunft gibt es aber dennoch, denn sobald Dersim das Mikrofon übernimmt und sich anders als im Opener auch mal traut, etwas aus dem Brian-Johnson-Korsett auszubrechen, kann sich der Vierer doch noch von der Tributband-Rolle lösen. Klar, die Riff-Vorbilder bleiben weiterhin klar erkennbar, aber Tracks wie '[Not The One To] Blame' oder das richtig starke 'Higher', klingen auch dank Dersims ungewohnter Stimme erfrischend anders, gerade wenn sich der letztgennante Track im Refrain zu einem echten Hit aufschwingt. Ebenfalls gehört 'Hell On Wheels' als Abschluss zu meinen persönlichen Höhepunkten der Scheibe, wobei auch hier wieder der Refrain einfach großartig ist.
Warum Dersim am Ende nur vier Songs singt, bleibt mir dann auch ein Rätsel, denn gerade hier zeigt BLACKYARD RIOT, dass hier eine sehr starke Rockband mit eigenem Charme unter der Oberfläche schlummert. Da die AC/DC-Parallelen gerade mit Mr. Portner am Gesang aber oftmals zu überdeutlich sind und man gerade hier auch mal im Rock-Mittelfeld stecken bleibt, gibt es am Ende 7,5 Punkte, die aber lange nicht das Potential dieser Band offenlegen. In den besten Momenten wäre hier nämlich locker eine deutlich höhere Wertung drin gewesen. Ich bleibe also gespannt, was in Zukunft noch kommen wird.
- Note:
- 7.50
- Redakteur:
- Tobias Dahs


