CIRITH UNGOL - One Foot In Hell
Mehr über Cirith Ungol
- Genre:
- Epic Metal / Heavy Metal
- ∅-Note:
- 10.00
- Label:
- Metal Blade / Restless Records
- Release:
- 12.08.1986
- Blood And Iron
- Chaos Descends
- The Fire
- Nadsokor
- 100 M.P.H.
- War Eternal
- Doomed Planet
- One Foot In Hell
Etwas konventioneller als das Frühwerk, doch gleichermaßen zwingend.
Mit dem dritten Album verließ das Quartett aus Ventura etwas verspätet, oder manchen auch zu früh, die Siebziger und wurde ein ganz kleines bisschen konventioneller. Was dem verschrobenen Kauzenfreund wie eine Schmähung klingen mag, muss sogleich relativiert werden, denn hiermit soll keineswegs gesagt sein, dass die Band sich grundlegend verändert oder gar Stilbruch begangen habe. Mitnichten! CIRITH UNGOL ist auch auf "One Foot In Hell" noch zu einhundert Prozent CIRITH UNGOL. Doch der höhenlastige, von Siebziger-Flanger-Effekten beladene Gitarrensound nähert sich ein Stückchen weit dem typischeren Achtziger-Metalsound an, wie er etwa die späte NWoBHM prägte. Zugleich werden die Kompositionen ein wenig kompakter, die Doom-Elemente treten ein Stück weit zurück. Das sorgt dafür, dass das Klangbild insgesamt etwas allgemeinverträglicher wird, und dass der Otto-Normalmetaller sich mit dem Einstieg ein wenig leichter tut. Auch mir ging es so, dass dieses Album – und mehr noch der Nachfolger – seinerzeit zündete, bevor das Frühwerk sich in mein Herz bohren konnte.
Was die von Whelans "The Vanishing Tower"-Artwork gezierte Scheibe vom Fleck weg auszeichnet, ist der unwiderstehliche Drive der Songs. Sie sind im Schnitt einen Tacken flotter, zupackender als die epischen Elaborate der Vorgängerwerke. Schon der Opener 'Blood & Iron' geht wild zur Sache und ist mit knapp unter vier Minuten Spielzeit auch recht straff gehalten. Doch er lässt den Instrumentalisten gleichwohl genug Raum, um zu glänzen. Etwas epischer, hymnischer, aber doch auch giftig im Tempo, ist sodann das großartige 'Chaos Descends' gestaltet, das am Ende der knappen fünf Minuten eine Tonfolge erklingen lässt, die durchaus auch in norwegischen Black-Metal-Exponaten gut aufgehoben erschiene.
'The Fire' ist an dritter Stelle dann rhythmisch und heavy, und dabei transportiert es einige der frühen Rocker der Band in die Mittachtziger. Kompositorisch scheint es zuerst etwas schlichter, doch der Groove ist unwiderstehlich, geht unmittelbar in den Nacken und lässt die Wirbel knacken. Und natürlich sorgt Tims Stimme ebenso für den essentiellen Wiedererkennungswert wie die tollen Fogle-Soli und die Stopp-Rhythmik von Rob und Flint. Dem feinen Headbanger folgt sodann zum Abschluss der A-Seite noch das feine 'Nadsokor', eine Hymne an die Stadt der Bettler aus der Moorcocks Elric-Saga. Hier ist der perkussive Einstieg Rob Garvens der erste Ohrenöffner, und der Basslauf, mit dem nach einigen Takten Flint mit einsteigt, ist bahnbrechend. Dann Tims Howling Shriek und die Hölle bricht los! Überhaupt zieht Herr Baker hier alle Register seiner geisterhaften, ghoulischen Stimme. Keifen, Flüstern, Zischen, Kreischen, und endlich mal jener seltene Ein-Wort-Refrain, der wirklich alles kann. Dazu dezente Backing Chöre, von denen ich schwören könnte, dass der Herr Wongraven die vor der Gründung von Satyricon mal gehört haben muss. Dann Fogles einmal mehr von Bach inspiriertes Solo zum Beginn des letzten Drittels? Der Wahn!
Wie üblich im Hause CIRITH UNGOL fragt sich der geneigte Hörer beim Umdrehen der Platte, was man da denn noch draufsetzen kann. Und dann ist er doch nicht überrascht, dass eben dies gelingt: Mit dem wilden, hackenden Speedster '100 M.P.H.' knackt die Band ihren Geschwindigkeitsrekord, und Ferrari-Fan Rob Garven darf die Band glückselig ins Nirvana klöppeln. Dann wird das Tempo etwas gedrosselt, bleibt jedoch angezogen, denn mit 'War Eternal' folgt der hymnischste und eingängigste Track des Albums. Mit seinem königlichen, ja triumphalen, harmonischen Gitarrenintro, und dem mitreißenden, mehrstimmigen Refrain ein toller Vorgeschmack auf die Großtaten der Trilogie am Ende des Nachfolgers.
Was bleibt vom Album? Nun, erwartungsgemäß ein Abschlussdoppel, das sich gewaschen hat: Zuerst liefert das heavy und doomig schiebende 'Doomed Planet' eine kleine Vollbremsung, ist es doch der langsamste Track der Scheibe, dessen schleppende Riffs eine gewisse SABBATH-Note mitbringen. Vor allem der Refrain bleibt im Ohr, jedoch auch einmal mehr die Leadgitarre und der unkonventionelle Beat von Herrn Garven, speziell die Drumrolls zum Ende hin. Das Titelstück 'One Foot In Hell' beschließt dann eine weitere vollendete Scheibe der Band mit seinem dunklen, finsteren Groove, der sich mit MOTÖRHEAD-Hymnen wie 'Orgasmatron' oder 'March Ör Die' in bester Gesellschaft befindet. Was für ein mächtiges Einstiegsriff, was für ein Marschrhythmus! Natürlich, an allen Ecken und Enden mit dem unverkennbaren UNGOL-Twist. Eh klar, oder?
Auf den ersten Blick mag "One Foot In Hell" in der Diskographie zwar durchaus etwas unscheinbar wirken, aber zum einen ist es als Bindeglied zwischen den eigenen Roots und dem Metal-Untergrund der Spätachtziger zum Toröffner wunderbar geeignet, und zum anderen ist halt doch, wenn man mal genau hinhört, auch hier ein jeder Song eine ganz besondere Perle stählerner Tonkunst.
- Note:
- 10.00
- Redakteur:
- Rüdiger Stehle


