CLAWFINGER - Before We All Die
Mehr über Clawfinger
- Genre:
- Crossover
- ∅-Note:
- 7.50
- Label:
- All Noir
- Release:
- 20.02.2026
- Scum
- Ball & Chain
- Tear You Down
- Big Brother
- Linked Together
- A Perfect Day
- Going Down (Like Titanic)
- You Call Yourself A Teacher
- A Fucking 'Disgrace
- Kill The Dream
- Environmental Patients
- Before We all Die
"Eine Gruppe gut gealterter Jungs mit Gitarren..."
Diese Selbstbeschreibung entstammt dem in sehr direktem Ton von der Band offensichtlich eigens verfassten, herrlich selbstironischen und somit durchaus originellen Info-Flyer zum neuen Album "Before We All Die".
Recht haben sie, die "Jungs" von CLAWFINGER, und sie haben in meinen Augen musikalisch wieder an Relevanz gewonnen, seit ich sie das letzte Mal live gesehen hatte. Das war in der Tat schon (hüstel) 1994 beim "Rock in Riem-Festival" in München, dem Vorgänger von "Rock im Park". Damals ließ Zak Tell noch wie ein Berserker seine Po-lange Mähne einem Rotor gleich über die ersten, austickenden Reihen des Publikums kreisen, während er seine Raps ins Mikrofon zeterte.
Damit steige ich gleich mit einem der größten Pluspunkte des Albums ein: Zak rapt mit inzwischen leicht heiserer, aber tiefer und beeindruckender Stimme hoch motiviert, klanglich vielschichtig und dynamisch. Anders gesagt: Es ist eine Freude ihn so zu hören! Gleich mit dem ersten Lied 'Scum' hatte er mich wieder! Melodiöser und schleppender tönen die tonnenschweren Riffs des schwedisch-norwegischen Ex-Altenpflegerkommandos beim nachfolgenden 'Ball & Chain'. Rhythmik, Beats und Hooklines passen wie eh und je, auch bei 'Tear You Down' und 'Big Brother'. Wie immer wissen ebenfalls die feinen Elektronik- und Keyboard-Spielereien neben den alles eindrückenden Gitarrenwänden zu gefallen. Noch roher wird im fünften Track gerifft. 'Linked Together' kommt in dieser Form fast etwas anachronistisch daher.
Inhaltlich befasst sich CLAWFINGER auf dem achten Album ironisch-sarkastisch mit dem ganzen gesellschaftlichen und politischen Irrsinn, den die Menschheit in den letzten Jahren auf sich selbst herabprasseln lässt. 'A Perfect Day' nimmt dann etwas unerwartet Tempo und Sounddichte heraus und wartet mit Wohlfühl-Ambient-Sounds auf. Einer der inhaltlich wichtigsten Tracks, wie die Band selbst sagt, ist das mit CYPRESS HILL-Zitaten eingeleitete 'Going Down (Like Titanic)'. Bei letzteren beiden Tracks finde ich Zaks Flow jedoch recht uneigenständig, die Melodie bei 'Titanic...' etwas zu cheesy und die Scratches, nun ja, geradezu altbacken.
'You Can Call Yourself A Teacher' ist danach wieder CLAWFINGER, wie man die Band kennt, inklusive dieses gewissen cheesigen Pop-Appeals in der Hookline. Der bunteste stilistische Farbtupfer ist für mich ohne Frage das Western-Blues getränkte 'A Fucking Disgrace'. Saucooler Track! An zehnter Stelle folgt in 'Kill The Dream' zumindest atmosphärisch ein anachronistisches Selbstzitat. Zum Ende hin gewinnt dieser Song an Power und wird für mich leider zu schnell beendet. Getragen von einem schicken Chorus im Refrain besticht 'Environmental Patients' abermals durch nette elektronische Spielereien, bevor zu guter Letzt der Titeltrack 'Before We All Die' mit einem Dicke Hose-Riff und altbekanntem CLAWFINGER-Klangbild den Sack, beziehungsweise das Album, zumacht.
Den Skandinaviern gelingt mit "Before We All Die" ein passables Lebenszeichen in Albumform. Dieses weist mir noch ein wenig zu viele Selbstzitate und stilistische Anachronismen auf, besticht an anderen Stellen jedoch bereits prächtig durch gute Ideen und herrlich erfrischend bratzende Gitarrenwände. Daher glaube ich, dass meine Note beim hoffentlich in den nächsten Jahren nachfolgenden Album bereits wieder höher sein könnte. Hätten sie das coolste Promo-Bandfoto seit langer, langer Zeit auf das Cover genommen, wäre ich wohl schon diesmal bei 9 Punkten gelandet.

Photo Credit: Peter Bjöns
- Note:
- 7.50
- Redakteur:
- Timo Reiser


