DECIPHER - Thelema
Mehr über Decipher
- Genre:
- Black Metal
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Transcending Obscurity Records
- Release:
- 20.03.2026
- Return To Naught
- The Black March
- Seven Scars
- Bound To The Wheel
- Hail Death
- Towards Renaissance
- Litany
Tolle Black-Metal-Scheibe aus der griechischen Hauptstadt.
Wenn man diesen extrem frostigen Grundton, den das neue DECIPHER-Album von der ersten Sekunde an etabliert, etwas näher auf sich wirken lässt, könnte man sofort glauben, hier seien Pioniere der zweiten Welle am Werk, so intensiv und beeindruckend erschaffen die Griechen den Sound ihrer aktuellen Platte. Die Wahrheit lautet jedoch, dass "Thelema" nach dem anständigen Debüt "Arcane Paths To Resurrection" aus dem Jahr 2023 erst das zweite Album dieser Schwarzmetall-Überzeugungstäter ist, als solches allerdings schon eine Reife ausstrahlt, die für eine vermeintliche Newcomer-Combo speziell in diesem Bereich der extremen Musik bemerkenswert ist.
Speziell der atmosphärische Überbau der sieben neuen Stücke ist wirklich gewaltig in Szene gesetzt. Da lauern Keyboard-Arrangements an allen Ecken und Enden, jedoch werden sie so dezent und stimmungsvoll in die klirrend kalten Attacken eingebaut, dass so manche etwas bombastischer agierende Truppe gerne noch mal Anschauungsunterricht nehmen könnte. Man fühlt sich umgehend an die moderneren Auswüchse von SEPTICFLESH erinnert, wenngleich DECIPHER definitiv eine Old-School-Attitüde an den Tag legen, die sich gewaschen hat. Der Umgang mit den dissonanten Strukturen, die nicht selten auch durch den progressiven Wolf gedreht werden, wirft Vergleiche mit ARCTURUS und so mancher OLD MAN'S CHILD-Glanztat auf, denen sich "Thelema" aber problemlos gewachsen sieht.
Zuletzt geht es in den aktuellen Kompositionen betont brachial zur Sache, so dass auch manche Post-Metal-Inhalte ihren Weg in die Songs finden, speziell im brutalen 'Towards Renaissance' und im teils epischen, teils immens aggressiven 'Hail Death', dem Prunkstück dieses kleinen Meisterstücks. Dass hier und dort auch melodische Zusätze verwendet werden, DECIPHER phasenweise schon fast heroische Züge manifestiert und einzelne Nummern von sperrigen, geradezu avantgardistisch geprägten Geschichten zu monumentaken Hymnen heranwachsen, ist derweil keine Randnotiz, sondern das Salz in der Suppe, die die Griechen hier mit viel Leidenschaft zusammengebraut haben.
Schön ist auch, dass man in Sachen hellenischer Black Metal nicht immer direkt die Abzweigung zu ROTTING CHRIST nehmen muss, da sich DECIPHER durchaus als eigenständige Black-Metal-Kapelle mit ganz anderen Präferenzen darstellt und als solche hier eine prächtige Figur abgibt. "Thelema" wird in den schwarzmetallischen Jahreslisten definitiv eine Rolle spielen - und in den Sammlungen der Underground-Hörerschaft hoffentlich auch. Es wäre absolut verdient!
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Björn Backes


