ESTHESIS - Out Of Step
Mehr über Esthesis
- Genre:
- Progressive Rock / Post Metal
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Misty Tones / Just For Kicks
- Release:
- 31.10.2025
- Connection
- The Frame
- Fractured #1
- Ôut Of Step
- City Lights
- Fractured #2
- Circus
- The Storm
- Abyss
Ästhetik und Eleganz.
Der cineastische Überbegriff ist meines Erachtens in den letzten Jahren ein wenig überstrapaziert worden, wenn es um postmetallische oder gar modernere Prog-Rock-Klänge ging. Wenn atmosphärische Komponenten und aufgeregte, manchmal auch Science-Fiction-affine Klangstrukturen aufeinandergetroffen sind, war oftmals eine gewisse Neigung zu erkennen, hier direkt einen großflächigen Soundtrack zu erkennen, nur weil einzelne Passagen hier einen dezenten Link erstellt hatten. Glücklicherweise gibt es aber hin und wieder auch Ausnahmen von dieser illusorischen Regelung, die vor allem dann besonders auffallen, wenn sie nicht auf überbordenden Bombast und symphonische Schnörkel zurückgreifen, sondern mit vergleichsweise minimalistischen Kunstgriffen das große Ganze mächtig monumental erscheinen lassen. Und wenn Introvertiertheit und hintergründiges Spektakel aufeinandertreffen, dann ist man irgendwann tatsächlich auch in der Welt von ESTHESIS angekommen.
Das französische Quintett hat im Laufe des vergangenen Jahres bereits einzelne Häppchen des neuen Longplayers zur Kostprobe gegeben und sich nach den beiden Releases aus den Jahren 2022 ("Watching Worlds Collide") und 2020 ("The Awakening") sofort wieder ins Gedächtnis gerufen, allerdings auch nur Snippets dessen liefern können, was auf "Out Of Step" als großes Ganzes zelebriert wird. Stück für Stück hat sich die Truppe ihr atmosphärisch enorm dichtes Gesamtkonzept zusammengelegt, hierbei eine Vielzahl sehr unterschiedlicher, rein akustischer Arrangements zusammengefügt, Melancholie und Aufbruchstimmung in einen ständigen Kontrast gestellt, bei allem Anspruch aber auch nicht vergessen, hin und wieder melodische Fragmente einzubauen, die den Songs einen nachhaltigen Wiedererkennungswert verpassen.
Tracks wie 'The Frame' und 'City Lights' beispielsweise arbeiten sich durch arg finstere, meist sehr beklemmende Klangwelten, strahlen etwas eher Distanziertes, bisweilen Experimentelles aus, koppeln diese sperrigen Versatzstücke aber prima mit herrlichen Harmonien und etwas sehr Heimeligen, das zwar immer wieder im krassen Gegensatz zu den wiederkehrend düsteren Soundscapes steht, im Zusammenspiel aber bestens harmoniert. Auch ein überlanges Instrumental wie das abschließende 'Abyss', dem der Soundtrack-Charakter wohl noch am ehesten zuzuschreiben ist, zehrt von seinem beschaulichen Mix aus bedrückten und euphorischen Kapiteln und führt in einer eher kompakten Abhandlung sehr schön zusammen, was bei ESTHESIS auch tatsächlich zusammengehören muss.
Einzelne Beispiels herauszupicken, scheint letztlich aber dennoch wenig zielführend, weil "Out Of Step" als Gesamtwerk erkundschaftet und erobert werden muss, man sich sowohl von leichter zugänglichen Songs als auch von Longtracks wie 'The Storm' ergreifen lassen muss, um die unglaubliche Spannbreite von ESTHESIS verstehen zu können. Man kann aber eben auch dieses Genuss extrem lang spannen, wenn die Scheibe erst einmal ihre zauberhaften melancholischen Passagen erlebt hat, die schließlich den Unterschied zwischen einem guten, anständigen und eben einem bockstarken Album machen. "Out Of Step" gehört hier definitiv zur letztgenannten Kategorie!
Musikalische Ästhetik, stimmungsvolle Spannungsbögen, eine leidenschaftliche, wenn auch zumeist sehr zurückhaltende Performance, all das kann man bei diesen Franzosen auch diesmal wieder finden. ESTHESIS ist zwar immer noch im Prog-Rock-Underground aktiv, beeindruckt jedoch mit zeitlosem Songwriting und einer sehr starken Produktion, mit der sich das Quintett spätestens jetzt auch für größere Aufgaben empfehlen kann - und womöglich auch für größere Labels.
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Björn Backes


