FROSTSHOCK - Hibernation's End
Mehr über Frostshock
- Genre:
- Melodic Death Metal / Thrash Metal
- ∅-Note:
- 9.00
- Label:
- Eigenproduktion / Eigenvertrieb
- Release:
- 22.11.2025
- Web Of Lies
- Emerged
- The Swarm
- Hibernation's End
- Ascenders Bane
- Omniscience
- Shaping The Weak
- Whatever Lies Beyond The Black Sky
Abwechslungsreiche und richtig starke Reise durch den Melodic-Death-Kosmos.
Manchmal sind die Ideen, die man bei einer Gartenparty hat, nicht die schlechtesten. Das beweisen uns die Nordrhein-Westfalen FROSTSHOCK auf jeden Fall, denn Flemming Wehren (Gitarre, Gesang), Mathias Michalczak (Gitarre) und Fabian Schieffers (Schlagzeug) fanden sich bei genau einem solchen Anlass im Jahr 2020 zusammen und beschlossen, gemeinsam dem melodischen Todesstahl ihre Ehrerbietung zu erweisen. Nach mehreren Wechseln am Bass wird das Quartett heuer von Steffen Holz komplettiert und legt mit "Hibernation's End" sein Zweitwerk vor.
Und ich bereue schon angesichts des Openers 'Web Of Lies', dass FROSTSHOCK meinen Weg nicht schon früher gekreuzt hat, denn das, was der Vierer hier serviert, muss sich vor einem Vergleich mit der ersten Liga des Melodic Death Metals nicht scheuen. Um eine grobe Richtung vorzugeben, könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie CHILDREN OF BODOM ohne die extrem präsenten Keyboards und mit dezent stärkerer Death-Schlagseite klingen könnte. Das heißt, dass uns die Eröffnungsnummer nicht nur rasante Riffs serviert, die mit einer Prise Thrash Metal gewürzt werden, sondern dazu auch eine Vielzahl von tollen Leads im Gepäck hat, die sich mal neoklassischer Flitzefinger-Elementen bedienen, dann aber auch wieder traditionellere Göteborg-Acts wie IN FLAMES zitieren. Gepaart mit einer überzeugenden Gesangsleistung und durchaus prägnanten Screams und Growls entsteht so eine wilde und unheimlich unterhaltsame Melodic-Death-Abfahrt, die ich direkt als Höhepunkt der Platte ausmachen würde.
Doch keine Sorge, FROSTSHOCK verkommt in der Folge nicht zum reinen COB-Tribut, auch wenn die Einflüsse der Finnen gerade im hinteren Drittel der Trackliste in feinen Nummern wie 'Omnisicence' oder 'Ascenders Bane' wieder deutlich durchscheinen und beide Tracks für Fans von Alexi Laiho und Co. zu spannendem Futter machen dürften. Nein, FROSTSHOCK kann auch grooviger zur Sache gehen und ist dann plötzlich in Tracks wie 'Emerged' oder 'The Swarm' nicht weit von Kollegen wie DISSECTION oder DISMEMBER entfernt. Gerade die letztgenannte Nummer vermag es dabei, mit einem tollen Mittelteil zu punkten, in dem es kurzzeitig etwas ruhiger wird, bevor sich der Song zu einem melodisch-hymnischen Finale aufschwingt. Der Titeltrack komplettiert schließlich die Besichtigungstour durch alle Sparten des melodischen Todesstahls, indem plötzlich ganz tief im HYPOCRISY-Fundus gewühlt wird. Das atmosphärische Intro, die rasend-sägenden Gitarrenmelodien und selbst das wilde Keifen von Fronter Flemming schreien hier quasi den Namen Peter Tägtgren heraus, wobei klar das Frühwerk der schwedischen Death-Institution als Blaupause für einen weiteren tollen Song herhalten musste. Fertig sind die Jungs damit aber noch nicht, denn auch proggig-vertrackte Töne finden schlussendlich im epischen Rausschmeißer 'Whatever Lies Beyond The Black Sky' ihren Weg in den Bandsound und fügen sich wunderbar in das doch recht diverse Gesamtbild ein.
Und so erfindet FROSTSHOCK mit Sicherheit das Rad nicht neu, denn die Einflüsse des Vierers bleiben auf "Hibernation's End" immer klar erkennbar. Allerdings vermengt die Band die bekannten Einflüsse und Versatzstücke zu einem höchst unterhaltsamen Gesamtsound und lässt dabei moderne Genre-Trends wie Synthesizer oder Klargesang links liegen, sodass man als eingefleischter Melodic-Death-Fan hier nur mit einem breiten Grinsen aus der Spielzeit gehen kann. Warum dann noch kein größeres Label zugeschlagen hat, bleibt mir auch ein Rätsel, denn abseits des recht ausdruckslosen und nichtssagenden Artworks hätte "Hibernation's End" einen vollumfänglichen Label-Release mehr als verdient.
- Note:
- 9.00
- Redakteur:
- Tobias Dahs


