LUNAR SHADOW - The Pall Of A Lost World
Mehr über Lunar Shadow
- Genre:
- Epic Metal
- ∅-Note:
- 9.50
- Label:
- Eigenvertrieb
- Release:
- 08.04.2026
- The Cormorant
- The Ventures Of Tom Bombadil
- The Long Sleep
- The Reveries Of God
- The Red Lion
- The Sun Crusher
Eine triumphale Rückkehr!
LUNAR SHADOW ist zurück! Das ist nicht nur eine gute, sondern eine großartige Nachricht! Dass Max Birbaum uns Fans noch mal mit einem Album beglücken würde, war nicht unbedingt vorherzusehen. Und doch ist eben das passiert. "The Pall Of A Lost World" wurde völlig überraschend vor wenigen Tagen bei Bandcamp gedroppt. Im Sommer soll es eine Vinyl-Version sowie aller Voraussicht nach auch eine CD-Version geben.
Schon bei den ersten Klängen des Albums wird klar: Max, diese Gitarren haben uns gefehlt! Die Gitarrenarbeit war ja schon auf dem Über-Debüt "Far From Light" phantastisch und blieb es auch, als die Band sich danach immer mehr in postrockige und gotische Gefielde vorwagte. Nicht alle Fans waren vom Weg über "The Smokeless Fires" hin zu "Wish To Leave" überzeugt. Persönlich konnte ich mit diesen Wegen durch die Bank immer etwas anfangen - selbst das Nebenprojekt von Max, DRENNAN WHYTE, gefiel mir.
Aber nach knapp zwei Minuten setzt der Gesang von Max ein. Von Max? Ja, er hat tatsächlich das Mikro übernommen. Und ganz klar: Stilistisch ist man wieder am ehesten am Debütalbum orientiert, die gotischen Anflüge sind reduziert worden. Das erstaunliche ist: Max unterscheidet sich nicht allzu stark von Robert als Sänger. Daher braucht hier keiner plötzlich Panik bekommen. Überhaupt hat Max fast alles eingespielt - Bass, Gitarren, Gesang. Das Schlagzeug stammt von FIRMAMENT-Trommler Jonas Zeidler. Eine stimmige Wahl. Der Opener 'The Cormorant' ist ein starker Einstieg, mit sehr IRON MAIDEN-lastigen Gitarrenleads, die mich dadurch voll abholen. Aber auch die leichten Anklänge an DARK FOREST oder CHAPEL OF DISEASE sind klasse.
Wieder einmal gibt es eine Tolkien-Nummer. 'The Ventures Of Bombadil' ist famos komponiert und hat einen ganz starken Aufbau, dazu einen Gesang, der dich im Schlaf verfolgt, weil er so massiven Ohrwurm-Charakter hat. Die leicht abgehackten Leads sind einprägsam und erzeugen eine gewisse Fluchtatmosphäre beim Zuhören. Auch das Solo nach knapp fünf Minuten lädt auf einen Trip ein, der sich wie ein Spaziergang durch den Alten Wald anfühlt - romantisch, aber auch etwas tragisch. Ein glatter 10-Punkte-Song.
'The Long Sleep' ist dann gar nicht so lang. Mit unter sechs Minuten ist es der zweitkürzeste Track des Albums. Der relativ aggressive Gesang ist für manche vielleicht gewöhnungsbedürftig und vielleicht der schwächste Titel eines großartigen Albums. Viele andere wären froh, einmal einen solchen Titel zu schreiben.
Es folgt die tatsächlich kürzeste Nummer, 'Reveries Of God'. Die singenden Gitarren und dezenten Keys im Background gefallen mir. Hier fällt mir auch noch das akzentuierte Drumming auf, manche Akkordfolge erinnert mich ein wenig an SAVATAGE. Stark! Die Dynamik des Songs ist sehr gelungen, ein Meisterwerk im Wechsel verschiedener Lautstärken.
Es folgt mit über acht Minuten 'The Red Lion'. Die Gitarren singen auf typische LUNAR SHADOW-Weise, der Gesang ist hier teils etwas hallig abgemischt. Jonas am Schlagzeug legt herausragend einen Teppich für die Saiten-Harmonien von Max aus. Wie immer bei LUNAR SHADOW gilt: Songs fühlen sich tatsächlich nie zu lang an. Alle typischen Trademarks der Band sind in diesem Titel erkennbar.
Der Schlusspunkt ist 'The Sun Crusher'. Als "Star Wars"-Fan denke ich sofort an die Jedi-Akademie-Trilogie von Kevin J. Anderson, aber ich vermute, dass Max eine andere Inspiration hatte? Die ersten Minuten wird eh nicht gesungen - es gibt einfach nur Gitarren zum Dahinknien! Insgesamt ist es ein herausragend arrangierter Longtrack, der die Quintessenz von LUNAR SHADOW zum Ausdruck bringt.
Gab es bei LUNAR SHADOW je etwas zu kritisieren? Nun, manche taten sich gerade bei "The Smokeless Fires" mit der Produktion schwer. Diese Kritiker können beruhigt sein: "The Pall Of A Lost World" hat die klangliche Klasse von "Wish To Leave", kombiniert mit der Atmosphäre von "Far From Light". Und das Artwork ist das beste LUNAR SHADOW-Artwork seit "Far From Light", vielleicht sogar überhaupt. Hier muss Guy Warley ein Kompliment ausgesprochen werden, der bisher bei Artworks nicht in Erscheinung getreten ist, aber eigentlich sofort ein Star der Szene werden sollte.
Was bleibt festzuhalten? Trotz aller Euphorie, die hoffentlich nicht nur die LUNAR-SHADOW-Ultras erfasst, ist es wahrscheinlich nicht das bisher beste Album der Band. Vom Songwriting schlägt es den Vorgänger "Wish To Leave", die Produktion ist wesentlich transparenter als bei "The Smokeless Fires" - aber an das Debüt kommt das Album bisher für mich nicht heran. Da gab es einfach zu viele emotionale Highlights. Vielleicht entwickelt sich "The Pall Of A Lost World" noch in diese Richtung. Im Moment liegt es daher noch knapp unter der 10. Trotzdem wohl das bisher stärkste Metal-Album 2026.
Anspieltipps: The Ventures Of Bombadil, The Sun Crusher
- Note:
- 9.50
- Redakteur:
- Jonathan Walzer


