MEGADETH - Megadeth
Mehr über Megadeth
- Genre:
- Thrash Metal
- ∅-Note:
- 9.00
- Label:
- BLKIIBLK
- Release:
- 23.01.2026
- Tipping Point
- I Don't Care
- Hey God?!
- Let There Be Shred
- Puppet Parade
- Another Bad Day
- Made To Kill
- Obey The Call
- I Am War
- The Last Note
- Ride The Lightning (METALLICA-Cover)
Toller Schlusspunkt einer großen Karriere!
Da liegt es nun also vor uns, das letzte und selbstbetitelte Album von MEGADETH, mit dem Dave Mustaine die illustre Karriere seiner Band zu einem würdigen Ende bringen möchte. Ein bisschen Trauer kann ich mir angesichts dieses Anlasses nicht verkneifen, denn mit Überalben wie "Rust In Peace" oder "Countdown To Extinction" gehörte der Vierer immer zu meinen liebsten Thrash-Metallern und auch die beiden letzten Langdreher "Dystopia" und "The Sick, The Dying... And The Dead" gingen definitiv als überzeugende Spätwerke über die Linie. Ob diese Form auch für den Schwanengesang "Megadeth" gehalten werden konnte? Nun, das wollen wir jetzt herausfinden und drücken die Daumen, dass sich Dave nicht mit einer Rohrkrepierer wie "Super Collider" von uns verabschiedet.
Nun, die Chancen für ein positiv behaftetes Karriereende stehen wohl eher gut, wenn man sich den flotten Opener 'Tipping Point' so anschaut. Dave keift bissig ins Mikro, die Riffs sind richtig stark und Mr. Mustaine und Temu Mäntysaari, der hier erstmalig auch im Studio in die Saiten greifen darf, liefern sich an den Leads hervorragende Duelle, die dem Track den letzten Schliff geben. Eine prägnante Hookline im Refrain dazu und fertig ist eine solide Thrash-Keule, die "Megadeth" vielversprechend beginnen lässt. Mit 'I Don't Care' wird es im Anschluss sogar direkt noch besser, denn mit seinem Groove gibt mir der Track massive 'Sweating Bullets'-Vibes. Dazu gefallen mir Daves dezent angepisste Vocals sehr gut und dass der Maestro und Kollege Temu hier gefühlte zwanzig Gitarrensoli in einen dreiminütigen Song quetschen, passt auch wunderbar zur "Alles egal"-Attitüde des Textes. Einfach herrlich! Spätestens, wenn 'Hey God!?' mir im Anschluss einen ordentlichen Muskelkater im Nacken und einen dicken Ohrwurm verpasst hat, verstehe ich nicht so richtig, warum Dave gerade jetzt unbedingt das Karriereende einläuten musste. Nach Altenteil oder Altersmilde klingt das hier jedenfalls nicht. Im Gegenteil, die Albumeröffnung grast munter in der MEGADETH-Diskografie und punktet auf ganzer Linie.
Auch im weiteren Verlauf bleibt das Niveau auf "Megadeth" durchgehend hoch, während Dave passend zum Abschiedsalbum noch einmal alle Trademarks aus dem Regal holt, die wir an MEGADETH über die vielen Jahre lieben gelernt haben. Beim wühlen im Regal scheint der Bandkopf auch noch ein paar Noten mit baldigem Verfallsdatum gefunden zu haben, denn im passend betitelten und überragenden Gitarrenfeuerwerk 'Let There Be Shred' hauen Dave und Temu die Noten so raus, als würden sie sonst schlecht werden. Da trotz dieser rasanten Lead-Abfahrt auch die Hookline nicht auf der Strecke bleibt, mausert sich die Nummer schnell zu einem weiteren persönlichen Liebling. Eigentlich ist es alledings auch ein wenig unfair, hier überhaupt einzelne Songs herauszugreifen, denn wirkliche Ausfälle suche ich auch nach mehreren Durchläufen in großen Teilen der Spielzeit vergeblich. So werden Liebhaber und Liebhaberinnen der melodischeren Töne etwa mit 'Another Bad Day' oder dem von einem tollen Riff angeführten 'Puppet Parade' bestens bedient, während es beim Riff-Monster 'Made To Kill', das gleich mal mit einem zehnsekündigen Drum-Intro startet, deutlich oldschooliger zur Sache geht. Auch die Referenzen auf die New Wave of British Heavy Metal werden mit dem grandiosen 'I Am War' bestens bedient, das sich bei mir ebenfalls einen festen Platz im Herzen erspielt hat.
Gänzlich ohne Kritikpunkte komme ich aber nicht aus, denn die letzten beiden Tracks der Scheibe überzeugen mich nicht restlos. 'The Last Note' ist dabei in sich eigentlich ein weiterer cooler Track, trägt aber beim Pathos doch etwas zu dick auf und ist sich vielleicht seiner Rolle als letzter Song eines MEGADETH-Studioalbums zu sehr bewusst. Und natürlich wäre da noch das METALLICA-Cover von 'Ride The Lightning', das ich für komplett überflüssig halte. Ja, Dave hat den Track mitkomponiert und sieht das Cover laut dem beiliegenden Pressetext als "Full circle"-Moment, trotzdem wirkt es fast etwas lächerlich, dass Dave trotz aller Erfolge mit MEGADETH seine Obession mit seiner Ex-Band nicht einmal auf dem finalen Album loswerden kann. Einen noch faderen Beigeschmack bekommt die Aktion, wenn die Neuinterpretation das legendäre Originals gesanglich und auch kompositorisch nicht erreicht, denn gerade im Mittelteil verliert die MEGADETH-Version deutlich den roten Faden.
Trüben kann das den Spaß, den ich mit "Megadeth" habe, aber nicht langfristig. Im Gegenteil, für mich vergrößert dieses rundum gelungene und starke Album den Abschiedsschmerz nur noch einmal. Andererseits ist es natürlich auch gut, sich mit einem Paukenschlag zu verabschieden, bevor man das eigene Denkmal einreißt. Und live bleiben uns die Thrash-Titanen ja glücklicherweise auch noch etwas erhalten, wobei hoffentlich auch noch einige der frischen Songs den Sprung in die Setliste der kommenden Tour schaffen werden.
- Note:
- 9.00
- Redakteur:
- Tobias Dahs


