NEUROSIS - An Undying Love For A Burning World
Mehr über Neurosis
- Genre:
- Post Metal/ Sludge
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Neurot Recordings
- Release:
- 20.03.2026
- We Are Torn Wide Open
- Mirror Deep
- First Red Rays
- Blind
- Seething and Scattered
- Untethered
- In The Waiting Hours
- Last Light
Überraschungssturm.
Aaron Turner. Das ist die Verbindung. Der Mann hat einen schier uneingrenzbaren Drang, sich künstlerisch auszudrücken. SUMAC, MAMIFFER, OLD MAN GLOOM sind laufende, lebende Bands, die von seiner Persönlichkeit, seiner Anwesenheit leben. MAMIFFER als Ambientprojekt gemeinsam mit seiner Frau, OLD MAN GLOOM mit Mitgliedern von CAVE IN und CONVERGE im Vollkontakt mit dem Genre Post Metal. Als studierter Künstler am Museum of Arts in Boston verweist er auf eine Vielzahl von grafischen Berühmtheiten aus seiner Feder, wie auch auf spezielle musikalische Veröffentlichungen auf seinem Label Hydra Head, das er 1995 gründete. Nicht zu vergessen, dass er einer der Köpfe hinter ISIS war, die grandiöseste Musik erschaffen haben. Wer die Band einmal live erlebt hat, wird beipflichten, welch eine Sogwirkung dort ausstrahlte.
Und nun ist er, wie er selbst verlauten läßt als "Lehrling" zur Hauptstimme von NEUROSIS geworden. Seinen Lehrern, Vorbildern, Orientierungen. Neben Steve von Till befüllt er jetzt die planetenschweren Stücke des Quintetts mit seinem starken Organ, wie er es auch schon ISIS lieh. Zunächst ist sein kraftvoll-fragiles Gebrüll gut zu erkennen, um im Laufe dieses neuen, überraschenden Albums der Sludge-Veteranen auch als geübte Klarstimme zu fungieren. Freute sich die grimmige Gemeinde schon über das Gerücht, dass da bald ein neues Stück der Band aus Oakland erscheinen würde, steht da auf einmal ein ganzes neues Album im Netz. Im Mai 2026 dann sollen die physischen Ausgaben von "An Undying Love For A Burning World" folgen. Neurot Recordings hat es geschafft, diesen Überrascher vor den mittelalten schlechtgelaunten Menschen der westlichen Welt geheim zu halten. Und nun ist es dann doch ganz schnell gegangen. Acht Songs, davon mit 'Last Light' ein Riese mit sechzehn Minuten am Schluss, der den Hörenden, der es bis dorthin geschafft hat, die Bedrückungen des Lebens eindrucksvoll auf das rostige Tablett gelegt hat.
Turner passt sich hervorragend in das geübte Gefüge ein. 'We Are Torn Wide Open' ist ein wütender Anschrei, um dich in das Album zu ziehen – oder abzuschrecken, das Weite zu suchen. Die Band hat ja auch Charakter: Scott Kelly, Turners Vorgänger wurde aufgrund bewiesener privater Verfehlungen konsequent der Band verwiesen. Das bandeigene Label Neurot Recordings mit Sitz in Idaho gibt es seit 1999 und kann auf eine beachtliche Anzahl außergewöhnlicher Underground-Acts verweisen.
Selbstredend folgen mit 'Mirror Deep', 'First Red Rays' und 'Blind' NEUROSIS-Walzen, die sich Auszeiten gönnen, kleine Ansätze von melodischen Harmonien zulassen und immer trotz ihrer Schwere zerbrechlich wirken. Das Gefühl beim Hören ist der Markenkern der Band jetzt schon über Jahrzehnte hinweg. Wenn es zehn Jahre geworden sind, die seit dem letzten Album vergangen sind, dann muss es die Lage dieser Welt sein, die Stücke wie 'Seething And Scattered' entstehen lassen. Nach einem Drittel monotonen Sloganisierens zieht das dunkle Gitarrenspiel in einen Tunnel, um am Ende halbwegs munter wieder hinauszufinden. 'Untethered' ist dagegen recht kompakt und klar in der Ausführung, Zweitsänger Steve von Till hält hier das Zepter. Wie auch zu bemerken ist, dass NEUROSIS auch vom Können des Gitarristen Turner sehr profitiert, in vielen Teilen des Albums bemerkt man die Verweise zum Sound von ISIS in deren Hochzeiten.
Zehn Minuten 'In The Waiting Hours' sind zehn Minuten musikalische Philosophie. Der bleibt hängen, trägt den Rhythmus des Lebens, indem er auf und nieder geht, steht und fällt und der Geist trotzdem wach bleibt und den Körper aufstehen läßt. Und besagtes 'Last Light': immer wieder brandet hier Welle auf Welle voller Aggressivität an, bearbeitet so lange das Gemüt, dass man zum Ende gar das Gefühl haben könnte, „es ausgehalten“ zu haben und diese sehr spezielle, Wahrhaftigkeit strahlende NEUROSIS- Atmosphäre verstanden zu haben. Absolute Bereicherung des eigenen kleinen Kosmos.
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Mathias Freiesleben


