OBEY THE SUN - Desert Ritual (EP)
Mehr über Obey The Sun
- Genre:
- Sludge Metal / Stoner Rock
- ∅-Note:
- 7.50
- Label:
- Eclipse Records
- Release:
- 03.04.2026
- You Lil' Shit
- Cosmic Haze
- Hellhounds
- Another Chance
Grunge Metal oder doch eher ein Stoner-Sludge-Gebräu?
Die recht eigentümliche Genre-Bezeichnung "Grunge Metal" haben sich die Ungarn OBEY THE SUN auf die Fahne geschrieben. Seit Gründung im Corona-Jahr 2020 hat der Vierer, der aus Tamas Orban-Ducos (Gesang), Peter Szmolnik (Gitarre), Gergo Kelemen (Bass) und Krisztian Nagy (Schlagzeug) besteht, bereits die Debüt-EP "L.I.R.A." vor gut zwei Jahren veröffentlicht und legt nun mit "Desert Ritual" eine weitere Kurzrille mit vier frischen Songs nach, die auch außerhalb der eigenen Heimat für mehr Aufmerksamkeit sorgen wollen.
Und das könnte durchaus gelingen, denn handwerklich und auch kompositorisch klingt OBEY THE SUN überhaupt nicht nach einer Underground-Band, die erstmalig mit einem Label zusammenarbeitet. Im Gegenteil, vom Gesang über die knarzenden Gitarrenriffs hinweg bis hin zum soliden Groove-Fundament ist das hier hervorragend gespielt, weswegen sich der Opener 'You Lil' Shit' auch gleich gut in die Gehörgänge fräst. Das Heimatland des Vierers hört man dabei zu keiner Zeit heraus, denn musikalisch kommt die DNA-Spende definitiv aus den Vereinigten Staaten, wo gerade Stoner Rock der Marke KYUSS und auch Sludge Metal im Stile von DOWN angezapft wird. Und ja, eine leichte Grunge-Note lässt sich auch vernehmen, gerade wenn die Gitarre einmal auf die Verzerrung verzichtet, trotzdem ist das hier für mich eher im Stoner-Sludge-Sektor einzuordnen als in den Nachwehen der Seattle-Szene der Neunziger. Schade, dass der Text des Openers etwas plump ausgefallen ist, sonst hätte mir die Nummer sicher ein noch breiteres Grinsen ins Gesicht gezaubert.
So muss primär 'Cosmic Gaze' die Aufgabe übernehmen, mich endgütligt vom Sound der Ungarn zu überzeugen. Das gelingt allerdings spielend, denn trotz erneut schwerer Riff-Walze hat die Nummer gesanglich die nötigen Widerhaken, um sich als klarer Anspieltipp aufzudrängen. 'Hellhounds' macht es dem Zuhörenden da schon etwas schwerer, denn hier geht es doch deutlich vetrackter zur Sache. Teilweise habe ich sogar TOOL als enfernte Referenz im Ohr, wenn sich die Gitarren hier durch ihre Stakkato-Rhythmen wuchten. Tamas hält das Ganze gesanglich aber überzeugend zusammen, sodass auch dieser Track als Beweis für das große Potential der Ungarn gewertet werden darf. 'Another Chance' zeigt dann zum Abschluss noch einmal eine ganz andere Seite der Band und schlägt sehr gemäßigte Töne an, die sogar an SAVATAGE denken lassen und Tamas noch einmal viel Raum zur Entfaltung lassen. Reichlich offenkundige gesangliche Parallelen zu Zak Stevens sind hier nicht von der Hand zu weisen, womit dann wohl auch mein Gedankensprung hin zur amerkanischen Metal-Legende erklärt werden könnte.
Und so ist "Desert Ritual" nach etwas verhaltenem Beginn am Ende eine EP, die mit OBEY THE SUN eine Band in den Fokus rückt, die zwar keinesfalls das musikalische Rad neu erfindet, aus bekannten Zutaten aber ein unterhaltsames, handwerklich toll umgesetztes und insgesamt schlüssiges Gesamtbild erschafft, das bei Stoner- und Sludge-Fans mit Sicherheit auf Gegenliebe stoßen wird.
- Note:
- 7.50
- Redakteur:
- Tobias Dahs


