PATHOGENIC - Crowned In Corpses
Mehr über Pathogenic
- Genre:
- Progressive Death Metal / Technical Death Metal
- ∅-Note:
- 7.00
- Label:
- Skepsis Recordings
- Release:
- 07.02.2025
- Mass Grave Memory
- The New Rot
- Dead But Not At Rest
- Exiled From The Abyss
- Fragments
- Crowned In Corpses
- Drag Your Crosses
- Silicon Regime
Abwechslung als Trumpf und als Hindernis.
Die Bostoner Tech-Death-Kombo PATHOGENIC beglückt die geneigte Hörerschaft zum Jahresanfang mit ihrem Full-Length-Debüt "Crowned In Corpses". Und das Quintett lässt dabei kaum Wünsche offen bei allen, die ihren Death Metal gerne komplex, derb und zugleich kompakt aufgetischt bekommen wollen. Dabei ist die Herangehensweise der Amis geprägt von einem bemerkenswerten Abwechslungsreichtum: Mir fallen bei jedem der Tracks gleich mehrere unterschiedliche Quellen ein, an denen sich "Crowned In Corpses" orientiert – was Fluch und Segen zugleich ist.
Der Opener 'Mass Grave Memory' ballert mit djentig-verschobenen MESHUGGAH-Riffs los, stellt klassische Headbang-Kost gewohnte Metaller vor Schwierigkeiten, ihre Nackenmuskulatur passend in Bewegung zu bringen und setzt mit einzelnen Melodieeinsprengseln emotionale Anknüpfungspunkte. Die knackigen viereinhalb Minuten machen wahlweise trotz oder wegen der rhythmischen Ratespiele durchaus Laune; gegen Ende hat man den Dreh raus und freut sich auf die nächste Attacke. 'The New Rot' legt im Anschluss mit versierten Gitarrenläufen aus Göteborg los, schleudert alles einmal bei achthundert Umdrehungen, ehe der Tonfall morbide-hymnisch wird. Nochmal einige Ablenkungsmanöver, dann packen die Herren die Handbremse aus und die Gitarren dürfen ein prächtiges Solo in den Raum sägen. Nicht schlecht. Danach folgt mit 'Dead But Not At Rest' mein Lieblingsstück: akustische Gitarren, wieder ein klassisches Hard-Rock-Solo, ehe PATHOGENICsches Gemetzel ausbricht. Vertrackte Rhythmen treffen nun auf einprägsame, mittelalterlich angehauchte Melodieführung – das erinnert auf sehr positive Weise an die Landsleute von INFERI. Richtig cool auch die irre High-Speed-Gitarrenabfahrt im Schlussteil.
Es geht qualitativ hochwertig weiter, allerdings ist man als Hörer bisweilen irritiert von den immer neuen Schlenkern, die von der Truppe vorgenommen werden: 'Exiled From The Abyss' ist eine groovende Prog-Deathcore-Axt, die sich gewaschen hat, irgendwo zwischen WHITECHAPEL und MESHUGGAH pendelnd; hingegen erinnert das ausladende, atmosphärisch entrückte 'Fragments' stimmungsmäßig an Progressive Metal der Marke THE OCEAN, TOOL oder das jüngste THE HIRSCH EFFEKT-Werk. Der gerade dreieinhalbminütige Titeltrack ist wiederum eine Ausgeburt von einem höllischen Hardcore-Death-Groove-Monster, im Vergleich mit den vorangegangenen Nummern allerdings auch eindimensionaler. Fetzt, aber bleibt nicht wirklich hängen. 'Drag Your Crosses' ist stärker in progressiven Death-Metal-Gefilden verortet, wenn man vom djentigen Gitarrensound absieht. Das ist nun teilweise ziemlich stumpf, ballert aber auch amtlich und dürfte live ein feistes Gemetzel entfachen. Ausgerechnet der Schlusstrack 'Silicon Regime' vermag über seine acht Minuten Laufzeit leider noch weniger zu packen; das nachdenkliche Gitarrenlick, das wiederkehrende rhythmische Gehacke, die häufigen Tempowechsel – in der Summe ermüdet PATHOGENIC am Ende mehr, als dass noch einmal Spannung geweckt wird.
Die meisten Nummern für sich gehört können durchaus überzeugen; die US-Amis geben sich keine Blöße und zeigen, was musikalisch in ihnen steckt. Auf Albumlänge verwirrt die Vielfalt an Einflüssen jedoch und gibt ein eher unstetes, leicht chaotisches Gesamtbild ab. Da in Sachen Produktion aber keine Wünsche offenbleiben und das Können und die musikalische Vision dieser Herren definitiv beeindrucken, lässt sich Freunden progressiver Death-Metal-Klänge durchaus eine Kaufempfehlung aussprechen, zumal die Kürze der meisten Songs den Zugang bei aller Komplexität recht einfach hält.
Anspieltipps: Mass Grave Memory, Dead But Not At Rest
- Note:
- 7.00
- Redakteur:
- Timon Krause