POISON THE WELL - Peace In Place
Mehr über Poison The Well
- Genre:
- Metalcore / Post Hardcore
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- SharpTone Records
- Release:
- 20.03.2026
- Wax Mask
- Primal Bloom
- Thoroughbreds
- Everything Hurts
- Weeping Tones
- A Wake Of Vultures
- Bad Bodies
- Drifting Without End
- Melted
- Plague Them The Most
Gelungenes Comeback nach langer Studio-Abstinenz.
Eine der einflussreichsten Metalcore-Bands der späten Neunziger kehrt tatsächlich zurück und hat für uns das Studioalbum "Peace In Place" im Gepäck. Die Rede ist natürlich von den Amerikanern POISON THE WELL, die mit "The Opposite Of December... A Season Of Separation" im Jahr 1999 ein Debüt veröffentlichten, das den Metalcore und Post Hardcore nachhaltig prägen sollte. Vier Alben und zehn Jahre später verschwand der Fünfer allerdings gänzlich von der Bildfläche, bevor sich die beiden Gründungsmitglieder Ryan Primack (Gitarre), Schlagzeuger Chris Hornbrook und der langjährige Sänger Jeffrey Moreira ab dem Jahr 2015 wieder für diverse Reunion-Shows zusammenfanden. Die Bühne scheint dann auch die Lust auf frische Musik geweckt zu haben, denn mit "Peace In Place" erfolgt nun auch der Versuch des Comebacks auf Albumdistanz. Ob selbiges gelingt, ohne das eigene Denkmal zu zertrümmern?
Nun, wir wollen hier keine falsche Spannung erzeugen, denn schon der Opener 'Wax Mask' macht schnell klar, dass die Truppe aus Miami problemlos an der Qualität früherer Werke anknüpfen kann. Klar, die ungestüme Urgewalt des eingangs genannten "The Opposite Of December... A Season Of Separation" wird natürlich nicht erreicht, gerade auch weil die Gitarren hier etwas spröder aus den Boxen kommen und so vermehrt Post-Hardcore-Vibes auf den Plan rufen, dennoch erreicht der Track mit Jeffreys verzweifelten Screams die gleiche emotionale Urgewalt, die POISON THE WELL schon immer ausgezeichnet hat. Anno 2026 darf aber eben auch die Melancholie als Kontrast einen sehr großen Platz im Bandsound einnehmen und so werden die klar gesungenen Passagen im Refrain, die mich sehr an die DEFTONES erinnern, zu einem feinen Gegenpol zur brutalen Härte des restlichen Songs.
Doch keine Sorge, "Peace In Place" ist alles andere als weichgespült, was das knüppelharte Doppelpack aus 'Primal Bloom' und 'Thoroughbreds' eindrucksvoll beweist, denn hier fährt einem die Verzweiflung angesichts von eindringlichem Gesang und wuchtigen Stakkato-Gitarren quasi ungefiltert in Mark und Bein. Trotzdem sind es auch im weiteren Verlauf der Scheibe die melodisch-melancholisch angehauchten Nummern, die mich persönlich besonders abholen. Gerade 'Everything Hurts' sei hier mit seinen tollen Gesangslinien als Anspieltipp erwähnt, aber auch 'Weeping Tones' oder 'A Wake Of Vultures' gelingt der Grenzgang zwischen Härte und Melodie unheimlich gut, sodass sich auch diese beiden Nummern schnell einen Platz im Herzen erspielen. Da lässt es sich dann auch verschmerzen, dass mit 'Drifting Without End' ein Track den Sprung auf den Silberling geschafft hat, der sich für mich etwas zu sehr in seinen eigenen Ideen verliert und zum Ende hin einfach nicht zum Punkt kommen will. Entsprechend ist der Titel hier auch irgendwie Programm und ich notiere mir den ersten, aber auch einzigen Durchhänger der Platte.
Und so darf man POISON THE WELL am Ende attestieren, dass das Comeback mit "Peace In Place" durchaus gelungen und das eigene Denkmal zu keiner Zeit in Gefahr ist. Klar, die Zeit hat auch im Bandsound der Amerikaner ihre Spuren hinterlassen, doch gerade auf emotionaler Ebene ist das neueste Werk mindestens genauso berührend wie die Höhepunkte des Frühwerks. Auch die verstärkt melancholische Note steht dem Fünfer gut zu Gesicht, weshalb ich allen Fans der Band nur dringend dazu raten kann, dem Comeback eine Chance zu geben.
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Tobias Dahs


