POLY-MATH - Something Deeply Hidden
Mehr über Poly-Math
- Genre:
- Progressive Rock
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Sensory Records / The Laser's Edge
- Release:
- 10.04.2026
- The Universe As An Engine
- One/Two/Three/Four Body Problem
- No Such Thing As Now
- Euthyphro Dilemma
- Spectral Dis/Order
- Chronostesia
- Terror Management Theory
Es wird wieder abgefahren...
Irgendwie ist mir schon seit einer gefühlten Ewigkeit keine Scheibe von Sensory Records mehr auf den Plattenteller gewandert, beziehungsweise habe ich im Laufe der Zeit ein wenig Tuchfühlung verloren. Ich bin nun aber freudig erstaunt, dass die amerikanische Prog-Schmiede nach wie vor ein Gütesiegel für hervorragende Qualität ist und den Blick über jeden Tellerrand auch nach wie vor zur obersten Prämisse erklärt hat. Denn während sich viele Prog-affine Labels gerne mit den eher softeren Themen beschäftigen, es gerne auch ein bisschen heimelig, emotional und melodisch mögen, ist die amerikanische Underground-Schmiede seit knapp drei Jahrzehnten immer vorne dabei, wenn es darum geht, abgefahrene Newcomer mit ganz speziellen Outputs an die Oberfläche zu spülen - so wie nun eben auch POLY-MATH.
Ganz so taufrisch ist die Truppe aus Brighton allerdings nicht mehr, immerhin ist "Something Deeply Hidden" bereits der fünfte Longplayer innerhalb der letzten anderthalb Dekaden und schließlich auch das Resultat eines steten, langen Entwicklungsprozesses, der schon so manche freakige Note erlebt hat. Echte Polyrhythmik, beziehungsweise bewusst linienfremdes Songwriting, ist auf dem aktuellen Werk aber nicht mehr zu erwarten. Die Band verpasst dem rein instrumentalen Material zwar einen gewohnt hohen Anspruch und verliert sich gerne auch mal in ziemlich nerdigen Soundscapes, zelebriert aber dennoch die hohe Kunst, grandiose sphärische Passagen mit herrlich verwobenen Teilfragmenten zu paaren, in denen partiell auch mal das jazzige Einmaleins ausgepackt wird.
Man hat erneut das Gefühl, bei POLY-MATH sei grundsätzlich alles erlaubt, doch die Briten vermitteln zur gleichen Zeit auch die Sicherheit, nie die Kontrolle zu verlieren und in ihrer zügellosen Experimentierfreude nicht abheben zu wollen - dabei würden sich die Gelegenheiten eigentlich im Sekundentakt ergeben. Es ist wild, teilweise ungebremst, es ist extrem dynamisch und manchmal auch nicht mehr durchschaubar, doch im ersten Anflug einer sich bietenden Überforderung bekommt POLY-MATH wieder die Kurve und schwebt mit einer Leichtigkeit durch die neuen Songs, dass man sich verwundert die Augen reiben mag. Denn zwischen den teils immens freakigen Ausbrüchen gibt es dann doch immer wieder den Punkt der Bodenhaftung, an dem man fast schon intime Noten zu hören bekommt. Bewundernswert, ja einfach stark!
"Something Deeply Hidden" fasst daher auch sehr gut zusammen, wofür das Label steht, für welch eigensinnige Künstlersparte die Firma eintritt und welch großartige Talente dort zu finden sind. POLY-MATH ist eigentlich schon eine echte Signature-Combo, nicht zuletzt weil die Band ausschließlich instrumental arbeitet. Vor allem aber ist sie ein weiteres Highlight im Roster, auf das blind Verlass ist. Dieses Album ist der erneute Beweis!
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Björn Backes


